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Tagebuch zum Untergang einer Ehe

Nocheinechance

Tja, alles, was ihr sagt, kann ich schon kognitiv nachvollziehen, emotional wahrhaben will ich es wohl trotzdem nicht.
Tut halt weh. :(

Meine Freundin hat eben auch gesagt, dass er letztes Wochenende ziemlich vorlaut war, so als hätte er Oberwasser, dass sie das gar nicht von ihm kennt...
Ich habe geantwortet, dass er mich behandelt, als würde er mich nicht mehr brauchen.

Gerade kam er an und meinte, dass er sich etwas zu Essen gemacht hat und ich gerne mitessen dürfte...

Und hat gefragt, ob ich denn gegessen hätte.
Ich glaube, er wollte abchecken, von wo ich gekommen bin, denn eigentlich weiß er, dass ich sonntags immer groß koche, wenn ich bei meiner Familie bin.

Bisher ist er ziemlich freundlich, aber auch kurz angebunden.


Ich weiß auch nicht.
Ich will nicht alles sofort hinschmeißen, aber lange in so einer Situation verharren kann ich schon automatisch nicht.
Würde es gar nicht aushalten, das jahrelang mitzumachen.

28.02.2016 21:26 • #16


Nocheinechance

Hi ihr Lieben,

ich dachte, ich berichte mal, wie der gestrige Abend zu Ende gegangen ist:
Wir haben in getrennten Zimmern beide das selbe im Fernsehen geguckt.
Irgendwann wollte ich mir was zu trinken holen und er war am telefonieren.
Ich habe mich übervorsichtig entschuldigt, dass ich ihn nicht stören wollte und bin wieder raus.

Dann kam er in mein Zimmer und meinte, was das eben war.
Ich habe wieder gesagt, dass ich ihn nicht beim telefonieren stören wollte.
Er hat mir dann gesagt, mit wem er gesprochen hat und meinte, ich würde ihn ja nicht stören.

Naja, dann haben wir halt so geredet (ruhig und er war auch sehr nett) und ich habe ihm nochmal gesagt, was mich stört und was ich nicht gut fand.
Und dann hat er gemeint, dass wenn ich noch immer mit ihm alt werden möchten, wir uns vielleicht mal einen "Berater" suchen sollten.

Heute dann habe ihn von der Arbeit angerufen und ihn gebeten, einkaufen zu gehen, weil ich echt so krank bin, dass ich darauf keine Lust mehr hatte.
Hab mich nur über den Tag geschleppt.
Da meinte er doch tatsächlich: "Klar, aber ich wische hier eben noch zu Ende."

Zur Zeit ist also wieder Waffenstillstand...

Ich schaue mal, was die nächsten Wochen so bringen und halte euch auf dem Laufenden.

Vielen Dank aber schonmal für eure konstruktiven Beiträge, ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt.

29.02.2016 19:16 • #17


Nocheinechance

Ich habe gerade alles noch einmal gelesen und dann habe ich auf das Datum geschaut und da war ich total erschrocken.
Fast ein Jahr ist das schon her und getan hat sich seitdem nichts.
Eher schlimmer geworden ist es.

Ich habe bloß einige Erkenntnisse mehr gewinnen können.
Du quälst dich genauso.
Wir werden zusammen nicht mehr glücklich.
Es ist sinnlos, das noch weiter zu versuchen.

Heute ist es mir so klar geworden.
Als du gesagt hast, ich würde zweideutige Aussagen machen und nie klar reden.
Achso?
Wieviel klarer kann man denn noch werden?
Ich weiß sogar, was du meinst.
Ich springe gedanklich noch zwischen dem letzten Versuch und dem Ende hin und her.
Das stimmt.
Und vieles in dem letzten Jahr war so etwas wie der letzte Strohhalm.
Krampfhaft an etwas festhalten wollen, was längst kaputt ist, selbst, wenn man sich bei dem Versuch die Hände zerschneidet.
Selbst, wenn eigentlich klar ist, dass es nicht funktioniert, alles zerreden, alles ausdiskutieren.

Du hältst das für einen Machtkampf.
Das ist es nicht.
Du kämest diesmal nicht wieder bei mir an, du würdest diesmal...
Naja... um ehrlich zu sein habe ich das die letzten Male schon nicht erwartet.
Und nicht gewollt.
Weil es schädlich für mich ist.
Ich hätte mich gefreut über eine zweiwöchige Ruhepause oder so.
Über ein ehrliches Nachdenken, über Abstand.
Über einen ehrlichen Versuch mit Verständnis oder mit wenigstens dem Streben nach Verstehen.
Aber alles ist wie ein Angriff für dich.
Egal, wie ruhig ich mich an den Tisch setze, wie besonnen ich meine Worte wähle.
Irgendwas daran tut dir immer weh.
Mein Dasein, mein So-Sein reicht schon aus.
Und dann schießt du aus allen Rohren.
Nur um später wieder doppelt so freundlich zu sein, körperliche Nähe zu suchen, ja sie mir fast aufzuzwingen.

Ich weiß nicht, warum du tust, was du tust.

Du hast Recht, von deinem Selbstwert kann tatsächlich auch nicht mehr viel übrig sein.
Aber das habe ich weder gewollt, noch gemacht, im Gegenteil hast du gezielt nach Schwachpunkten gesucht, um den Fuß wieder in die Tür zu bekommen.
Mein Mitleid und mein schlechtes Gewissen.

Und du hast etwas Grundlegendes an mir nicht verstanden.
Ich bin nicht so berechnend, wie du das von den Leuten in deinem Umfeld gewohnt bist.
Ich weiß, ich habe es lange genug beobachten können...
Nur sagen darf man das nie.
Der äußere Schein, der muss immer gewahrt bleiben, der darf nicht mal Macken haben.

Ich ziehe mich dann stattdessen zurück.
Weil ich so nicht bin und in dieser Welt auch meinen Platz nicht finde.
Und mein Rückzug ist keine Taktik.
Dieser Rückzug ist mein Schutzraum.
In den du eindringst.
Ungefragt. Ungewollt.
Statt ihn mir zu lassen, bis ich meine Wunden gesäubert habe und von allein aus meinem Schneckenhaus wieder auf dich zukomme.
Das habe ich dir sogar gesagt, ich habe dich angebettelt, angefleht.
Nein.
Kannst du nicht.
Ich weiß nicht, warum.
Ich weiß nicht, ob das einfach deine Art von krankhaftem Festhalten ist.
Oder: Das ist deine Art, deine eigene Abhängigkeit zu kaschieren und als "Hilfe" für mich zu tarnen.

Ich weiß es nicht.
Denn du gibst mir keine Antwort.
Oder nur eine blöde Antwort.
Wie zu so vielem.
Sobald ich anfange, mich zu fragen, wo wir denn jemals mal eine vernünftige Lösung gefunden haben, zu irgendeiner Sache, wo Differenzen bestanden, und ich an deine Antworten denke....
Immer, immer wenn ich eine Lösung gesucht habe, hast du sie blöd gefunden.
Oder ins Lächerliche gezogen.
Oder erst "ja" gesagt, dann aber die Umsetzung blockiert.
Und wenn ich dich nach deiner Meinung, nach deiner Vorstellung gefragt habe, da kam immer: "Du solltest das einfach akzeptieren."

Und jeder Streit dazu, jedes Wort, ja jeder Gedanke, tut nicht mal mehr weh, sondern laugt mich aus und entzieht mir jegliche Energie.
Mich hat das alles einfach unendlich müde und kraftlos gemacht.

Und das Schlimmste an alledem ist: Ich weiß, du machst das nicht mal mit böser Absicht.
Obwohl ich das so oft gedacht habe.
Ich habe oft gedacht, du musst mich hassen.
Aber das ist nicht so.
Du willst vielleicht nur auch einfach nicht loslassen.
So, wie ich das lange nicht wollte.

Ich will das so nicht mehr.
Und ich kann das so nicht mehr.
Und ich hoffe inständig, dass jetzt Ruhe einkehren kann.
Dass du dein eigenes Leben suchst, dass du findest, womit du glücklich wirst, denn ich bin es offensichtlich nicht.
So traurig wir beide das finden.
Aber so sieht die Wahrheit leider aus.

10.01.2017 23:01 • #18


Nocheinechance

Zufall?
Kann sein.

Ich weiß, dass du weit gehst, um mich in Sichtweite zu haben.
Seit du vor Jahren dort hin gekommen bist, mich stundenlang heimlich beobachtet hast.
Ich habe das damals anders empfunden.
Als wäre das ein Zeichen dafür, was ich dir Wert bin.

Heute, wenn ich das alles mit etwas Abstand sehe (und ja....den habe ich mir schaffen können, auch wenn du immer präsent warst), denke ich...
Ich weiß gar nicht...
Vielleicht kannst du gar nicht anders.
Das ist so in deinem Denken verankert.
Manche Sachen sind unumstößlich, so WAHR für dich.
Sachen, die ich anders sehe.
Ich hatte die Sorge, du verfolgst ein Ziel damit.
Ein größeres, ein finanzielles oder was auch immer.
Aber so ist das nicht.
Diese Sachen SIND einfach so für dich.
Das gehört sich so.
Ich habe gefälligst nicht zu lachen, wenn du etwas Dummes sagst, wenn andere dabei sind.
Ich habe gefälligst eine Lüge nicht zu hinterfragen, denn sie dient ja der Harmonie und soll beiderseitig akzeptiert sein, selbst wenn alle wissen, dass es eine Lüge ist.
Es gehört sich einfach nicht, den Punkt einfach mal auszusprechen.
Deine Mutter würde einen Anfall bekommen, wenn sie wüsste, dass wir uns getrennt haben.
Und? Wieviele Jahre verschweigst du ihr das und erzählst ihr immer Lügen? Wie viele Jahre werden diese Lügen nie hinterfragt, weil sie ja weiß, dass du sie nicht belasten willst und deshalb nie nach hakt?

Und ich, ich habe das einfach zu oft gemacht.
Mit meiner direkten Art. In meiner Blödheit. Oft genug gar nicht verstanden, warum ich das nicht sagen darf oder dies nicht fragen sollte.
Aber oft reichte ein Blick von dir und ich wurde still.
Habe gegengesteuert.
Versucht, dann nett zu sein.
Das auszugleichen.

Wie ein Minenfeld ist das manchmal.
Und manchmal sogar, noch bevor dein böser Blick mich trifft, in dem Moment, wenn ich kurz gelöst bin oder mich sicher wähne und auflache oder den Satz noch gar nicht ganz vollendet habe, weiß ich, dass das falsch war.
Dass das bestimmt Ärger gibt.
Ich habe gelernt, zu parieren, so gut es geht.
Und du hast gelernt, diesen Fehler an mir zu übersehen, so gut es geht.
Ich glaube dir sogar, dass du das getan hast, obwohl es dich stört, um das Zusammenleben erträglich zu halten.
Ihr könnt das. Ihr könnt das alle.
Nur ich nicht.
Ich falle da aus der Rolle.
Und ich fühle mich unwohl dabei.
Ungenügend.
Falsch.
Aber letztes Mal, da habe ich nachgefragt.
Drei Leute, drei, die dabei waren.
Und alle wussten überhaupt nicht, welche Äußerung in den letzten fünfzehn Minuten das ausgelöst haben sollte.
Ich wusste es...
Sofort als ich gesehen habe, wie du mich ansiehst.
Dieser Blick... "Halt jetzt den Mund!"
Ich weiß ganz genau, wann ich besser gar nichts mehr sage, wann ich daneben zu sitzen habe und dir deine Bühne geben muss.

Und du hast das auch gemerkt und (das ist das einzige, was ich dir wirklich ankreide, weil das etwas ist, wofür du sehr wohl etwas kannst) dann hast du versucht, mir meinen Wert zu nehmen.
Sogar vor mir selbst.
Du bist richtig bösartig dann, so gemein, dass ich früher immer nur geweint habe.
Und dann hast du spöttisch gegrinst und gesagt: "Ach ja. Jetzt heulst du und willst wieder Mitleid. Das kenne ich ja schon."
Oder: "Siehst du, du heulst ja nur, weil ich Recht habe."

Du hättest alles richtig mit mir gemacht, hast du mir zuletzt noch gesagt.
Du würdest keinen Fehler bei dir sehen können.

Naja, dann wäre es ja gut.
Dann könntest du ja gehen und mich als die Böse zurück lassen.
Oder als was auch immer du mich siehst.
Aber wenn du dir da so sicher bist, warum willst du mich klein halten, mich selbst am Weitergehen hindern?
Wohl, weil das zu deinem Spiel gehört.
Mir einreden, ich könnte ja gar nicht ohne dich.
Ich sei nichts ohne dich.
Ich würde ja kaputt gehen ohne dich.

Nur: Welchen Zweck hat das?
Welchen Sinn?
Was glaubst du, würde dadurch besser werden?

Und ich sage dir etwas: Du hast schon gewonnen!
Ich schlafe kaum noch, esse kaum etwas, denke nur nach, ich bin schachmatt gesetzt.
Wenn es das war, was du wolltest: Glückwunsch! Ziel erreicht!

Und trotzdem will ich von alledem eigentlich gar nichts wissen und suche noch selbst nach Entschuldigungen für dich.
Weil du früher so nicht warst.
Du warst locker und lustig und du konntest über dich selbst lachen.

Und weißt du, was mich am meisten schmerzt?
Ich will dich lieber als "den Alten" sehen mit einer anderen, wirklich, ich wünsche dir jemanden, der zu dir passt, ich wünsche dir, dass du glücklich wirst.
Und lieber sehe ich dich irgendwann gelöst und frei von unseren ganzen Problemen und eigentlich weiß ich, dass du auch sehr gute Seiten hast.

Du bist der beste Mensch in Extremsituationen.
Wäre ich JETZT todkrank, würdest du alles fallen und liegen lassen für mich.
Einfach nur, weil ich deine Frau bin und weil sich das dann so gehört.
Weil auch das eines deiner Dogmen ist. Und zwar egal, was ich mache, ob wir getrennt sind oder nicht. Ob wir den fiesesten Streit haben.
Weil man das einfach so macht.

Ich habe das lange in den Vordergrund gestellt.
Lange hochgehalten und präsentiert.
Nur, wenn ich das alles zusammen sehe...
Selbst dann, wenn ich mich mehr bemühen würde, mir selbst den Mund verbiete.
Irgendwas würde immer durch scheinen.
Meine Unzufriedenheit ohnehin.
Und deine auch.
Egal, wie ich es drehe und wende und verzerre, am Ende bleibt nur: Es funktioniert so nicht.

12.01.2017 00:39 • #19


Kummerkasten007

383
258
Mal eine Frage:

Wie alt seid ihr beiden und wie lange zusammen?

Und warum reitest Du ein totes Pferd? Wovor hast Du Angst?

13.01.2017 10:41 • #20


Nocheinechance

Hi Kummerkasten,
wir sind beide Anfang dreißig, seit fünf Jahren zusammen.

Warum ich ein totes Pferd reite, das weiß ich auch nicht so genau.
Eventuell ist es einfach das Festhalten an der Institution "Ehe"?
Festhalten an dem Leben, was ich mir mit ihm vorgestellt habe?
Vielleicht hoffe ich auch, dass die Liebe nur verschüttet ist, aber noch da?
Ich kann meine Gefühle nicht so richtig zuordnen, zur Zeit.

Wir hätten ein schönes Leben haben können, aber irgendwie ist alles kaputt gegangen.

14.01.2017 17:33 • #21






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