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Trennung macht mich fertig Will endlich loslassen!

Johanna82

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Hallo ihr Lieben,

vier Monate lese ich hier nun schon mit und das Forum und eure vielen Beiträge sind mir inzwischen eine große und wichtige Stütze geworden. Vielen Dank dafür! Es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine mit seinem Liebeskummer ist. Heute möchte ich euch einmal meine Geschichte erzählen: Ich bin 34 Jahre alt, stehe mit beiden Beinen im Leben, bin erfolgreich in meinem Job, habe viele, sehr gute Freunde, eine super Familie und alles, was man sich eigentlich wünschen könnte. Nur das Thema Beziehung will und will bei mir einfach nicht klappen ...

Anfang September diesen Jahres ist wieder einmal eine Beziehung bei mir kaputt gegangen, was mir nun komplett den Boden unter den Füßen weggerissen hat. 2013 hatte ich schon einmal eine furchtbare Trennung von einem notorischen Fremdgeher zu verkraften, von der ich anfangs dachte, mich nie wieder erholen zu können. Mit viel Kraft und Energie habe ich mich damals aus diesem Tief gekämpft, was lange gedauert und mir Einiges abverlangt hat. Im August 2015 habe ich dann endlich - nach zahllosen Dates und kleineren, unbedeutenden Techtelmechteln - einen neuen Mann (36) kennengelernt, der mich erstmals wieder interessiert und der etwas in mir ausgelöst hat.

Als gebranntes Kind habe ich die Sache sehr langsam angehen lassen. Vieles ließ mich anfangs auch zweifeln. Er kam sehr frisch aus einer langjährigen Beziehung. Schon sechs Wochen nach seiner Trennung lernten wir uns kennen. Außerdem hat er in den ersten Gesprächen durchscheinen lassen, dass er früher ein ziemlicher Frauenheld und Schwerenöter gewesen ist. Alles Dinge, die ich nach der letzten Beziehung auf keinen Fall mehr wollte. Ich habe viel hinterfragt und ihn immer etwas auf Abstand gehalten. Er hat sich jedoch sehr um mich bemüht und meine Zweifel für mich damals glaubhaft ausgeräumt, sodass ich mich dann schließlich darauf eingelassen habe.

Da wir etwa 80 Kilometer voneinander entfernt wohnten und ich tagsüber und er nachts arbeitet, haben wir uns nur an den Wochenenden gesehen. Ich kam immer Freitagnachmittag zu ihm und blieb bis Montagmorgen. Nach einigen Monaten war ich mir sicher: "Das ist es jetzt. Das ist die Belohnung für alles, was du bisher beziehungstechnisch mitmachen musstest." Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben in einer Beziehung zu einem Mann geborgen und richtig geliebt gefühlt. Wir hatten viel Spaß miteinander und er hat mir immer das Gefühl gegeben, das Wichtigste für ihn zu sein.

Nach etwa sieben Monaten hat er mich gefragt, ob ich zu ihm ziehe. Ich habe zugestimmt. Er meinte auch gleich, dass ich mir einen neuen Job in seiner Stadt suchen soll, was ich aber abgelehnt habe. Ich wollte mir erst einmal das Zusammenleben anschauen und dann den nächsten, jobtechnischen Schritt gehen. So habe ich meine Wohnung aufgegeben, bin zu ihm gezogen und ab da jeden Tag 150 km zur Arbeit gependelt. Die ersten zwei Monate war auch noch alles in bester Ordnung. Wir haben uns blendend verstanden, haben Zukunftspläne (Hausbau, Heirat, Kinder) geschmiedet, was hauptsächlich von ihm ausging. Dann hat sich sein Verhalten auf einmal verändert ...

Ich habe gespürt, dass irgendetwas nicht stimmt, konnte es aber nicht näher benennen. Nur meine innere Unruhe wuchs von Tag zu Tag. Im Nachhinein betrachtet hat er wohl zu diesem Zeitpunkt begonnen, sich von mir zurückzuziehen. Die liebevolle Nähe aus den Anfangsmonaten war auf einmal weg. Keine kleinen Aufmerksamkeiten mehr. Er hat wieder mit seinem Sport angefangen und war ab da viel mit seinen 20- bis 25-jährigen Teamkollegen zusammen. Er ließ mich oft allein zu Hause sitzen, während er sporttechnisch oder mit Freunden unterwegs war.

Damals dachte ich irgendwie noch, dass ich mir das Ganze einbilde. Ich dachte, dass wir vielleicht zu viel aufeinanderhocken, was eigentlich auch ein Blödsinn war. Durch seine Nachtschicht und mein Pendeln haben wir uns im Endeffekt nur 2 Stunden am Tag und eben am Wochenende gesehen. Ich habe versucht, mehr in der neuen Stadt Fuß zu fassen, mir einen Sportverein gesucht, mich viel mit meinen Freunden getroffen. Aber es hat alles nichts geholfen. Ich hatte den Eindruck, dass er mich öfter anlog. Auf Nachfragen stritt er alles ab, es sei alles in Ordnung. Ich hatte auch das Gefühl, eine andere Frau ist irgendwie im Spiel, konnte das aber nicht an Indizien festmachen und tat es dann als Paranoia aufgrund meiner bisherigen verkorksten Beziehungsgeschichte ab.

Eines abends hat er sich in die Arbeit verabschiedet. Gegen 23 Uhr kam eine Whatsapp, dass er nicht weiß, wie es mit uns weitergeht, und er mich wohl nicht mehr liebt. Meine schlimmsten Albträume haben sich damit bewahrheitet. Er wollte, dass ich warte, bis er morgens von der Arbeit heimkommt, und wir dann reden. Nach dieser Schocknachricht (und das auch noch so niederträchtig per Whatsapp und nicht persönlich) habe ich aber erst einmal das Nötigste gepackt und bin zu meinen Eltern gefahren. Das schockte ihn total. Er hätte nicht damit gerechnet, dass ich gleich so klare Verhältnisse schaffe. Es wirkte für mich so, als hätte er eher ein Verzweifeltes Betteln meinerseits erwartet. Er fragte mich dann auch, ob ich einen anderen habe, und ob ich ihn nicht vermisse. Total krank irgendwie ...

Eine Aussprache kam dann erst zwei Tage später. Aber gut. Viel zu besprechen gab es dann auch nicht mehr, wenn sich Gefühle verabschiedet haben. Er konnte mir auch keine wirkliche Erklärung liefern. Ich sei die perfekte Frau für ihn gewesen, aber die Gefühle sind weg. Vielleicht kommen wir in ein paar Jahren wieder zusammen (was ich nie wollen würde), aber im Moment fühlt er sich eingeengt.
Andererweits meinte er aber auch, ich hätte ihm mehr Vorschriften machen sollen. Aber ich war immer so toll zu ihm. Er hat das Gefühl, dass er mir nie zurückgeben kann, was ich ihm alles gebe. Er will mir die Chance geben, einen Mann kennenzulernen, der mir dasselbe gibt, wie ich ihm. Außerdem wollte er nicht, dass ich gleich ausziehe. Er wollte erst reden, aber ich habe durch mein nächtliches Verschwinden nach seiner Whatsapp-Nachricht alles kaputt gemacht. Ich meinte zu ihm: "Dann rede halt jetzt." Das lehnte er aber ab. Jetzt sei alles zu spät. Ich konfrontierte ihn auch mit meiner Vermutung, dass eine andere Frau ihm Spiel ist. Das wies er aber weit von sich.

Für mich war damit alles gesagt. Ich bin sehr schnell bei ihm aus- und bei vorübergehend bei meinen Eltern eingezogen. Nach langem, langem Suchen habe ich auch wieder eine kleine bezahlbare Wohnung gefunden, in die ich ab Mitte Januar einziehen kann. Ich musste ihm noch sechs Wochen wegen Geld hinterherlaufen, dass er mir noch schuldete. Abgesehen davon habe ich nichts mehr von ihm gehört und ich habe mich auch nicht mehr bei ihm gemeldet.

Lange Rede, kurzer Sinn: Obwohl das Ganze nun schon vier Monate her ist, geht es mir immer noch beschissen. Je länger ich über die ganze Sache nachdenke, desto mehr komme ich zur Überzeugung, dass sich jetzt schon wieder mein gängiges Beziehungsmuster abgespielt hat. Ich habe mich wieder einmal in einen Frauenheld aus zerrütteten Familienverhältnissen verliebt, dessen Gefühle für mich wieder einmal nicht gereicht haben. Eine Freundin von mir hat es sehr treffend auf den Punkt gebracht: "Du suchst dir immer so kranke Typen, weil du so viel Liebe zu vergeben hast. Die können damit aber nicht umgehen, weil sie es nie kennengelernt haben."

Mein Leben ist völlig aus der Bahn geraten. Ich bin total unglücklich. Ich denke, aufgrund seiner schlimmen familiären Vergangenheit ist er gar nicht so wirklich in der Lage, eine dauerhafte Beziehung zu führen. Aber auch an mir nagen starke Selbstzweifel und Schuldgefühle. Habe ich vielleicht auch die Beziehung kaputt gemacht, indem ich meine Wünsche zu wenig rigoros formuliert habe? Ich weiß es nicht. Kopfmäßig würde ich ihn nie zurückhaben wollen, aber das Herz leidet natürlich sehr und ich muss immer noch ständig an ihn denken. An Weihnachten hat er auch noch ein Bild von sich und seinere Neuen zusammen glücklich vor dem Weihnachtsbaum gepostet. Sie war wohl auch schon sechs Wochen nach mir da ...

Mein Selbstbewusstsein hat sehr gelitten. Ich war immer so stark und nichts konnte mich so leicht aus der Bahn werfen. Nun erkenne ich mich zum Teil selbst nicht wieder. Ich versuche mich abzulenken mit viel Sport und Treffen mit Freunden. Aber die Traurigkeit geht trotzdem nicht weg. Meine Freunde haben alle Familie gegründet oder sind gerade dabei, und ich bin wieder allein und fange komplett bei Null an ... Ich will endlich loslassen, schaffe es aber irgendwie nicht. Ich weiß noch, wie schrecklich meine letzte Trennung war. Mir wird schlecht bei dem Gedanken, dass ich nun schon wieder diesen Weg gehen muss. Ich hatte mich damals zwar wieder gefangen, aber so richtig vollends glücklich war ich erst wieder, als ich dann meinen Ex kennenlernte.

Ich habe ich irgendwie Angst, nie den Richtigen zu finden. Ich verliebe mich sehr schwer und war auch die meiste Zeit meines Lebens Single. Angebote gibt es zwar schon und ich habe mich seit der Trennung auch schon mit einigen Männern getroffen, aber es geht einfach noch nicht. Ich bin zu verletzt. Und ich habe überhaupt keine Lust auf das alles, was jetzt auf mich zukommt. Mein Leben ist immer noch ein Schwerbenhaufen, wohingegen er mit seiner neuen in unserer Wohnung sitzt, die ich noch weitestgehend mit ihm eingerichtet habe. Ich habe eine solche Wut auf ihn. Klar, ich habe die Entscheidungen selbst getroffen, aber wie kann man so mit jemandem spielen, wenn man sich seiner Gefühle nicht absolut sicher ist? Ich verstehe es nicht, aber vielleicht bin ich da einfach anders.

Sorry für den langen Text. Es fällt schwer, eine so lange Geschichte auf einige wenige Sätze herunterzubrechen und auf alles konnte ich gar nicht eingehen. Ich weiß auch gar nicht so genau, was ich mir von euch erwarte. Ich wollte mir einfach alles von der Seele schreiben. Vielleicht habt ihr ähnliches erlebt oder gute Tipps für mich. Vielleicht erkennt ihr in meinen Schilderungen etwas, für das ich "betriebsblind" bin. Keine Ahnung. Ich danke euch schon mal!

07.01.2017 14:31 • x 1 #1


Payne

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Liebe Johanna erstmal willkommen hier.
Ich kann deine Trauer spüren. Fühl dich erstmal gedrückt.
Vielleicht hat deine Freundin recht mit dem was sie sagt. Vielleicht ist da der Ansatz etwas zu ändern das du andere Männer kennenlernst.

Für mich liest es sich etwas so als ob er versucht hätte dich warm zu halten. Weil er mit deiner konsequenten Art nicht umgehen konnte. Sowas braucht man nicht wirklich. Und hättest du ihm mehr Vorschriften gemacht hätte er wahrscheinlich gesagt du engst ihn ein.

Geb die Hoffnung nicht auf. Irgendwann wirst du sicher jemanden kennenlernen der es wert ist. :knuddeln:

07.01.2017 14:48 • #2


Johanna82


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Liebe Payne,

vielen Dank für deine netten, aufmunternden Worte. Ja, ich denke auch, dass das größte Problem in meiner bisherigen Männerauswahl liegt. Unbewusst zieht es mich wohl immer zum selben Männertyp bzw. derselbe Männertyp spricht auf mich an. Es sind oft solche Womanizer, die mich als Herausforderung sehen. Ich wirke nach außen hin recht dominant und stark. Ich denke, es gefällt ihnen, dass von mir so viel Contra kommt. Wenn die Beziehung dann enger wird, bin ich halt nicht immer nur die Starke und zeige dann auch andere Facetten von mir, will nicht immer nur Kampf und Konkurrenz, sondern auch mal Harmonie. Vielleicht scheuen diese Männer das, weil sie immer den Nervenkitzel und das Drama wollen? Keine Ahnung ... Ich zweifle mittlerweile echt selbst an mir, wieso bei meinen bisherigen Ex-Partnern immer die Liebe auf einmal weg war oder nicht gereicht hat. Stimmt irgendetwas nicht mit mir?

Ja, ich denke auch, dass er mich unterschätzt hat und meine Konsequenz sein Ego verletzt hat. Ich bin froh, dass ich meinen Stolz und meine Würde gewahrt und mich nicht vor ihm erniedrigt habe. Trotzdem tut es natürlich weh - vor allem, dass er sich schon wieder glücklich in eine neue Beziehung stürzen kann und ich mich noch mühsam zusammenflicken muss, um wieder einigermaßen zu funktionieren. Es fühlt sich so an, als hätte er mir die ganze Zeit nur was vorgemacht und nie echte Gefühle mir gegenüber gehabt. Echt schlimm. Was soll man da noch glauben? Wie kann man jemals wieder vertrauen?

07.01.2017 16:34 • #3


ohlol

und, nachdem du dir nun alles von der seele geschrieben hast, was nimmst du aus deinem text und den 4monaten hier im forum lesen für dich mit?

welche erkenntnisse hast du bereits für dich gewonnen?

wer ist der wichtigste mensch in deinem leben?

welche liebe solltest du am meisten pflegen?

auf was hörst und vertraust du nun in zukunft mehr?

denk mal drüber nach.

07.01.2017 16:51 • #4


Johanna82


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Hallo Ohlol,

du stellst genau die richtigen Fragen, die mir auch ständig im Kopf herumgehen.

Ich weiß, worauf du hinauswillst: Der wichtigste Mensch in meinem Leben bin natürlich ich und die Liebe zu mir sollte ich am meisten pflegen. Das ist mir schon klar. Auf meine innere Stimme muss ich in Zukunft mehr vertrauen. Der Wunsch nach einer festen Beziehung und vielleicht auch einer Familie ist inzwischen so stark, dass ich Warnsignale übersehen und mich zu stark angepasst habe. Das war wohl mein größter Fehler. Ich weiß, dass ich als allererstes mit mir selbst zufrieden sein muss. Das ist das allerwichtigste. Und diese Erkenntnis hat sich auch durch das Mitlesen hier im Forum verfestigt. Aber obwohl ich mich natürlich selbst sehr mag, möchte ich dennoch nicht mein ganzes Leben mit mir alleine verbringen, sondern hätte sehr gerne einen Lebenspartner auf Augenhöhe an meiner Seite. Den Wunsch kann ich nicht abstellen.

Was nehme ich mit und welche Erkenntnisse habe ich gewonnen: Vom Kopf her weiß ich, dass er nicht der Richtige für mich war. Aber Gefühle lassen sich leider nicht so einfach auf Knopfdruck abstellen. Er geistert mir leider immer noch im Kopf herum. Gerne würde ich ihn endgültig aus meinen Gedanken verbannen. Ich habe erkannt, dass ich mich und meine Bedürfnisse künftig mehr in den Mittelpunkt stellen muss, nicht so sehr den Partner. Aber ob es dann trotzdem beim nächsten Mal klappt ... Keine Ahnung. Ich bin einfach im Moment total verunsichert.

07.01.2017 17:20 • #5


Helili

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Es liest sich wie meine Geschichte. Nur, dass ich scheinbar wenige Jahre jünger bin ;-)
Man will, und man weiß, aber es geht verdammt noch mal nicht. Ich selber frage mich, warum ich mich so ungesund verhalte und trotzdem "festhalte". Es klingt als ginge es dir genau so.

Fühl dich gedrückt :-)

11.01.2017 22:50 • x 1 #6


AF1980

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Liebe Johanna,

dein Text hat mich sehr bewegt. Mir geht es genauso. in vielen Dingen. Auch wie du dich geschildert hast. So bin ich auch. Könnte es aber wohl nicht so klar und bewegend formulieren. Irgendwann geht der Schmerz vorbei. Hoffentlich. Alles Liebe. :-)

11.01.2017 23:49 • x 2 #7


Sonneninsel

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Liebe Johanna, ich bin über 10 Jahre älter als Du und hatte vor 12 Jahren eine sehr schlimme Trennung vom Vater meines Kindes hinter mir. Selbst Jahre danach hatte ich keine Ruhe vor ihm. Ich habe mich dann gegen jede Beziehung gestellt bzw. habe keine wirklich zugelassen. Im April 2014 lernte ich einen Mann kennen der mich sehr interessierte. Aber er war gebunden. Also Finger weg. Im letzten Jahr sind wir dann kurz nach seiner Trennung von seiner langjährigen Partnerin zusammen gekommen. Ich hatte auch das Empfinden entschädigt zu werden für all das Schlimme was hinter mir lag. Er zog nach 5 Monaten zu mir ins Hinterhaus und sagte er stelle fest, dass er all die Jahre eigentlich keine Beziehung geführt hätte sondern nur ein nebeneinanderher. Er strahlte auch in den Augen meiner Familie und Freunde eine innige Liebe zu mir aus. Im Laufe dieses Jahres distanzierte er sich dann leider immer mehr. Er brauche Zeit für sein Kind, sein Sport, seine Freunde, seine Schwester usw. Ich dachte auch erst ich bilde mir das ein. Ich bin ja selbst auch nicht das Klammeräffchen und brauche auch Zeit für die o.g. Themen aber ich möchte auch meinen Partner sehen und nah sein. Das sah er aber anders. Er sagte wenn das mit seinem Kind geregelt sei, sei er 100% tig für mich da, es wäre alles nur gerade zuviel. Ich also im Geduldsmodus. Ab Oktober wurde es dann teilweise auch besser. Nachdem wir beide in Betracht gezogen hatten, das er Bindungsängste hat und daher das Nähe Distanz Problem komme. Er beschäftigte sich damit und war bereit sogar eine Therapie zu machen, so sagte er. Was er später dann wieder ab tat. Er wolle sich erst selbst erforschen. Im Dezember war dann mit dem Kind alles geregelt. Wir beschlossen dann Weihnachten mit seinen und meinen Eltern zusammen zu feiern. Das taten wir dann auch. Obwohl es immer wieder distanzierte Zeiten gab. Nach Weihnachten machte er dann abrupt Schluss, nachdem er wieder zwei Tage meldungstechnisch verschwunden aber ständig online war.
Er sagte er trenne die Beziehung, da es für ihn nicht mehr ginge. Er hätte auch noch nie gewusst was Liebe überhaupt sei und das auch nicht gefühlt.
Ich war erstmal geschockt und habe seitdem den Kontakt komplett abgebrochen, da ich in ein paar Tagen auch noch Prüfung habe. Ich habe die letzten 14 Tage viel überlegt und nachvollzogen wie oft ich im letzten Jahr aufgrund der Distanzproblematik traurig und verletzt war. Wie wenig Zeit wir eigentlich zusammen verbracht haben und und und. Ich bin etwas erschreckt was das bei mir bewirkt hat. Ich bin emotional schon recht weit vom ihm abgerückt und würde ihn auch nicht zurück haben wollen. Aber warum ich Dir schreibe, ich habe auch überlegt warum ich solche Männer anziehe und bin auf Bücher dazu gestoßen. Unter anderen "Nah und doch so fern" und habe auch in vielen Foren zur Bindungsunfähigkeit gelesen. Jetzt bin ich dabei mich mit mir auseinander zu setzen, ob ich nicht selbst ein Problem damit habe, da ich ja immer wieder solche Männer auswähle. Mir aber etwas anderes wünsche. Aber als Schutz vor einer engen, langjährigen Beziehung sind sie natürlich klasse. Ich bin noch nicht weit gekommen, da ich meine Prüfung jetzt erstmal ablegen muss aber dann wird das Thema für mich. Denn im Buch wie in den Foren ist es so beschrieben.
Mach Du aber erstmal ganz viele gute Dinge für Dich, alles was Dir Spaß macht und packe die Gedanken an ihn und der Neuen weg. Der geht es bald genauso wie Dir aber das kann und sollte Dir egal sein. Ich denke fast meiner hat auch schon wieder etwas am Laufen. Der wird es aber auch nicht anders ergehen wie mir. Ich mag nicht mehr tauschen. Diese Form der Ablehnung schafft auf Dauer seelische Schäden. Pass Du gut auf Dich auf und überlege vielleicht auch mal was in Dir schlummert, was vielleicht der Grund der Wahl ist, wenn auch nur unterbewusst. Ich bin bei mir auch sehr gespannt.

12.01.2017 00:08 • x 1 #8


Lexor

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Johanna, ich kann mir schon vorstellen, dass diese Art von Männer bei dir eine Herausforderung sehen. An Deinem Schreibstil zu urteilen machst Du tatsächlich einen guten und intelligenten Eindruck, vermutlich bist Du dann auch noch optisch gutaussehend und selbstkritisch, perfekte Frau also ;-) Das Problem ist halt, dass diese Womanizer-Männer eigentlich nur Narzissten sind die es geniessen eine Frau so zu verführen, dass sie von diesen bewundert werden und verfallen sind. Sobald dann der Alltag kommt und jeder sich ein wenig gehen lässt und es Richtung längerfristige Bindung geht, dann ist neue Beute attraktiver. An Dir selber ist vermutlich die Schuld, dass Du ggf recht hohe Erwartungen an einen Mann hast, also quasi Modell, Charmeur, Versorger, treuer Mann, alles in einem. D.h. unbewusst hat ein Mann Deine Bedürfnisse nach Liebe und Erwartungen zu erfüllen, um das zu bekommen bist du nett und das ganze soll dich dann glücklich machen. Würdest Du das so bestätigen?

Das hätte alles mit echter Liebe nichts zu tun, auf beiden Seiten, und das kann meiner Meinung nach nur scheitern. Bei der echten tragbaren Liebe gehts darum schlicht für den anderen das Beste zu wollen, selbstlos ohne Erwartungen, nicht vorrangig um selber glücklich zu werden bzw. Bedürfnisse gestillt zu bekommen. Ich denke das ist das Ziel. Das kann man nur wenn man selber echte Liebe zu verschenken hat, weil man sie selber innerlich bereits hat und nicht weil man sie sucht. Daher wäre es wohl das beste erstmal alleine klarzukommen und wenn man dann mal mit sich selbst und dem Umfeld im Reinen und glücklich ist und nicht unbedingt eine Beziehung für das vermeintlich fehlende Glück braucht, dann ist man bereit für einen Partner den man einfach als Mensch schätzt. Da ist die Ausgangslage viel besser. Nicht wieder einen, der einen einfach umhaut im ersten Moment aber hinter der Fassade nur etwas für sein Ego braucht. Auch einer, der nicht frisch aus einer Trennung kommt. Wie kann man lieben wenn man sich nur um sich selbst dreht, wie das nach Trennungen doch immer der Fall ist.

Mach Dir mal wegen dem Ex keine Sorgen wegen der neuen Frau und glücklich sein usw. Die ist nur dazu da seine unglaubliche innere Leere kurzfristig zu stillen. Auch für sie ist es nicht so toll nur Mittel zum Zweck zu sein. Richtig glücklich ist der nicht, nur temporär befriedigt ;-)

13.01.2017 16:27 • x 3 #9


Johanna82


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@Helili / @af1980: Vielen Dank für eure lieben Rückmeldungen! Auch wenn es mir sehr leid tut, dass ihr ähnliches erleben musstet, tut es doch gut zu lesen, dass man nicht allein im Boot sitzt. Ich hoffe, es geht auch für uns wieder irgendwann aufwärts :trost:

@sonneninsel: Oje, du Arme, es liest sich so, als hättest du im vergangenen Jahr auch einiges mitgemacht. Vieles, was du schreibst, kommt mir sehr bekannt vor. Die Distanz, die plötzlich da ist und die man sich überhaupt nicht erklären kann, die Liebe, die auf einmal weg ist bzw. so klein geredet wird, als sei sie nie vorhanden gewesen ... Solche Dinge nagen wirklich an der Substanz und verursachen seelische Schäden, wie du schreibst. Wenn ich an die nervenaufreibenden Wochen zum Ende unserer Beziehung hin zurückdenke, bin ich wirklich froh, jetzt mit mir allein zu sein und nicht mehr seine merkwürdigen Anwandlungen mittragen zu müssen, die er plötzlich an den Tag gelegt hat. Jetzt möchte ich seelisch einfach wieder "gesund werden", wenn man das so sagen kann. Ich bin seit der Trennung einfach noch nicht wieder die Alte.
Deine Überlegungen, warum du solche Männer anziehst, finde ich sehr interessant. Darüber habe ich auch schon viel gelesen und nachgedacht. Bewusst würde ich jetzt nicht sagen, dass ich mich vor einer engen, langjährigen Beziehung schützen möchte. Genau das wünsche ich mir nämlich. Aber vielleicht spielt sich auch viel im Unterbewusstsein ab, was man selbst gar nicht merkt, aber doch ausstrahlt. Ich weiß es einfach nicht ... Ich habe mich noch nie so intensiv mit mir selbst auseinandergesetzt und reflektiert wie in den letzten Monaten, bin aber noch immer zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen. Hast du eine Strategie herauszufinden, was da so alles in dir schlummert?

@lexor: Ja, von dem was du schreibst, kann ich sogar einiges bestätigen ;-). Ich würde zwar nicht einmal sagen, dass ich besonders hohe Erwartungen an einen Mann habe. Ein Model oder einen Versorger brauche ich nicht. Natürlich hat man gewisse Vorstellungen vom Leben und charakterliche Präferenzen, die ein potenzieller Partner teilen bzw. vorweisen sollte. Sonst macht eine Beziehung wahrscheinlich nicht viel Sinn, wenn man sich da auf völlig konträren Positionen bewegt. Allerdings hast du recht damit, dass ich ein großes Bedürfnis nach Liebe habe und um dieses Bedürfnis erfüllt zu wissen, bin ich wahrscheinlich (zu) nett.

Über das, was du über "echte Liebe" schreibst, habe ich lange nachgedacht. Da ist wohl viel Wahres dran, auch wenn ich mir bei einigen Aspekten immer noch nicht ganz schlüssig bin. Ist Liebe immer selbstlos oder trifft das nur auf die Mutterliebe zu? Ist die wahre Liebe in einer Beziehung wirklich völlig frei von Erwartungen? Wenn ich eine Beziehung führe, habe ich zumindest die "Erwartung", dass der andere mich liebt, mit mir zusammensein möchte und im besten Falle an einer gemeinsamen Zukunft arbeitet. Oder vielleicht ist Erwartung hier auch das falsche Wort und es müsste eher Grundvoraussetzung heißen.
Ich hatte jedenfalls das Gefühl, ihn ehrlich und aufrichtig geliebt zu haben. Würde es sonst so weh tun, wenn ich nur enttäuschte Erwartungen wegzustecken hätte? Auch das weiß ich leider einfach nicht ...

Ich denke auch, dass es das Beste ist, erst einmal wieder alleine klarzukommen. Das bin ich vor ihm auch ganz gut und ich fühle einfach im Moment, dass ich noch meilenweit davon entfernt bin, mich auf etwas Neues einzulassen. Das ist auch gut so. Die Zeit für mich nehme ich mir. Ohne Beziehung bin ich nicht unvollständig. Das Gefühl hatte ich nie. Aber ich denke, es liegt im menschlichen Wesen verankert, dass man sein Dasein nicht auf Dauer alleine bestreiten möchte. Aber du hast natürlich vollkommen recht: Ich möchte künftig meine Zeit nicht mehr mit jemandem verschwenden, mit dem eine aufrichtige und ehrliche, "echte" Liebe nicht möglich ist.

13.01.2017 21:22 • #10


Lexor

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Ohne einen Partner der sich ebenfalls auf die Suche nach der Liebe macht geht es nicht, es gehören immer zwei dazu. Letztlich kann man aber keinen dazu veranlassen oder dazu bringen dich zu lieben, ob mehr nett oder nicht nett. Das wäre verbiegen und überfordert den anderen. Ob die Liebe erwidert wird ist völlig in der Freiheit des anderen. Du kannst dich nur selbst annehmen wie du und alles andere ist, wissen dass du unmessbar wertvoll, gewollt und gut bist und aus diesem inneren Reichtum dem anderen, nach geduldiger Prüfung der Person, dich schenken.

Bzgl selbstlose oder begehrende Liebe. Ich denke es ist eine Mischung aus beiden. Diese Frage ist ja nicht neu sondern beschäftigt die Menschen als zentrale Frage schon seit Jahrtausenden. Die Philosophie unterscheidet da ja zwischen Eros (begehrende, leidenschaftliche egoistische Liebe=nur dieser eine Mann) und Agape (schenkende selbstlose Liebe=für ihn tue ich alles), wobei das erste immer mehr abnimmt und das zweite zunimmt. Ich finde am besten hatte der letzte Papst Benedikt über das Wesen der Liebe geschrieben (im ersten Teil): http://w2.vatican.va/content/benedict-x ... s-est.html

13.01.2017 23:03 • x 1 #11






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