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Laufen wir eigentlich weiter auseinander?

S
Zitat von sian:
Selbst in Gaststätten zückt ein Pärchen ihr Handy.

Zuerst wurde das Telefon erfunden, damit die Leute miteinander reden können, obwohl sie nicht in derselben Stadt wohnen. Dann wurde das Smartphone erfunden, damit die Leute nicht mehr miteinander reden müssen, obwohl sie am selben Tisch sitzen.

• x 3 #16


Ta-lia
Ich glaube, wir haben tatsächlich verlernt, uns wirklich aufeinander einzulassen.

Weil wir keine Nähe mehr wollen? Oder vielleicht, weil Nähe auch bedeutet, sich verletzlich zu machen. Und das ist in einer Welt, in der wir jederzeit weiterwischen, ausweichen und uns hinter einem Bildschirm verstecken können, irgendwie unbequem geworden.

Wir können heute mit hunderten Menschen schreiben und uns trotzdem von keinem wirklich gesehen fühlen. Wir können ständig erreichbar sein und uns trotzdem unglaublich allein fühlen. Denn Kontakt ist nicht gleich Verbindung. Und Aufmerksamkeit ist nicht gleich echtes Interesse.

Ich glaube auch, dass wir Einsamkeit inzwischen ziemlich gut organisieren können. Wir beschäftigen uns! ☝🏻 Scrollen durch irgendwelche Feeds, schreiben Nachrichten, schauen Serien und haben immer irgendetwas, das die Stille füllt. Nur ist Stille manchmal genau das, was wir bräuchten, um überhaupt zu merken, was uns fehlt.

Und ich glaube, dass es dabei gar nicht unbedingt um Männer und Frauen geht. Sondern darum, dass wir uns alle nach irgendetwas sehnen, das sich echt anfühlt. Nach Menschen, bei denen wir nicht erst eine Bewerbung einreichen müssen, um interessant genug zu sein. 😒 Bei denen wir nicht ständig überlegen, ob wir zu viel, zu wenig, zu kompliziert oder nicht interessant genug sind. Bei denen wir einfach sein dürfen.

Vielleicht sind wir unabhängiger geworden. Das finde ich grundsätzlich ganz gut. Niemand sollte einen anderen Menschen brauchen MÜSSEN, um sich vollständig oder wertvoll zu fühlen. Aber ich glaube, wir verwechseln Unabhängigkeit manchmal mit dem Anspruch, alles alleine schaffen zu müssen. Und Selbstständigkeit damit, niemanden mehr an sich heranzulassen.

Dabei ist es doch kein Widerspruch, allein zurechtzukommen und sich trotzdem jemanden an seiner Seite zu wünschen. Jemanden, mit dem man die wirklich wichtigen Dinge teilen kann. Und manchmal eben auch einfach den völlig belanglosen Blödsinn des Alltags. 😁

Ich denke, wir brauchen nicht unbedingt mehr Möglichkeiten, Menschen kennenzulernen. Wir brauchen vielleicht wieder mehr Mut, sie WIRKLICH kennenzulernen, zu sehen. Auch dann, wenn es kompliziert wird.

Wenn der andere Ecken und Kanten hat. Wenn es nicht sofort perfekt passt. Wenn Nähe bedeutet, nicht beim ersten Gegenwind nach dem nächsten Match Ausschau zu halten.

Denn am Ende ist es doch irgendwie verrückt: Wir haben tausend Möglichkeiten, jemanden zu erreichen, aber keine App, die uns garantiert, dass wir uns auch wirklich begegnen.
Und vielleicht ist das die eigentliche Einsamkeit unserer Zeit: nicht unbedingt niemanden zu haben, sondern sich mit dem, was in einem wirklich vorgeht, nirgendwo richtig aufgehoben zu fühlen.

Ich glaube übrigens nicht, dass wir weniger Nähe wollen. Ich glaube, wir haben nur ziemlich viel Angst davor, was sie mit uns machen kann. ❤

• x 1 #17


A


Laufen wir eigentlich weiter auseinander?

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St_Jappi
@Ta-lia Wow, da steckt einiges drin, worüber ich gerade noch einmal nachdenken musste.
Besonders bei deinem Satz „Kontakt ist nicht gleich Verbindung“ bin ich hängen geblieben. Ich glaube, genau da liegt ein Teil dessen, was ich mit meinem Beitrag eigentlich gesucht habe.
Und dein letzter Gedanke gefällt mir: Vielleicht wollen wir Nähe gar nicht weniger – vielleicht haben wir einfach mehr Angst davor, was sie mit uns machen kann.
Das würde allerdings bedeuten, dass unser ganzes „Ich brauche niemanden“ manchmal gar keine Stärke, sondern vielleicht auch ein Schutzmechanismus ist. 🤔

• x 1 #18


Worrior
Das virtuelle Kennenlernen, mit langer Schreiberei, beinhaltet die Gefahr, dass wir uns von der Person ein Bild machen welches der Realität nicht standhält.
Nur ein zeitnaher Realitätscheck schafft Klarheit und erspart Enttäuschungen.
Bevor wir in die virtuelle Persona zuviel hineininterpretieren.

• x 1 #19


Worrior
Zitat von St_Jappi:
Und dein letzter Gedanke gefällt mir: Vielleicht wollen wir Nähe gar nicht weniger – vielleicht haben wir einfach mehr Angst davor, was sie mit uns machen kann.
Das würde allerdings bedeuten, dass unser ganzes „Ich brauche niemanden“ manchmal gar keine Stärke, sondern vielleicht auch ein Schutzmechanismus ist.

Wenn wir niemanden brauchen heisst das vielleicht nicht dass wir niemanden wollen.
Wir brauchen dann niemanden der unser Therapeut oder Heiler sein soll.
Oder jemanden der uns vervollständigt.
Wir sind dann selbst genug und wollen einen Mireisenden eine(n) Gefährt(en)in der unser ohnehin schon schönes Leben positiv bereichert, Licht, Liebe, Friede und Freude bringt.

• #20


ElGatoRojo
Zitat von Sternenguckerin:
Zuerst wurde das Telefon erfunden, damit die Leute miteinander reden können, obwohl sie nicht in derselben Stadt wohnen.

Ist es nicht schon so, dass es als unhöflich gilt, einfach so jemanden anzurufen. Weil die jungen Leute angeblich dann damit konfrontiert sind, sofort anworten zu müssen wie bei einem Gespräch. Nun ja ...................

Zumal es immer schwieriger insofern wird, jemanden anzurelefonieren, weil immer weniger Leute ihren Festnetzanschluss in das örtliche Telefonbuch eintragen lassen. Als wir vor 50 Jahren herzogen war das Telefonverzeichnis vom Landkreis mindestens doppelt so dick wie heutuztage

• #21