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Mein Ende der Brücke

Paragon

Paragon
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Du hast mir mal gesagt, dass du an mir bewunderst, wie tief ich lieben kann. Heute ist es die Eigenschaft, die mich am meisten kostet. Es ist dieselbe. Ich habe nur nie verstanden, dass sie in beide Richtungen aufgeht.

Ich sitze in meiner Wohnung. Sie war meine Höhle, dann sollte sie unsere werden, jetzt ist sie keins von beidem. Ich war heute Morgen draußen und habe mich gefragt, ob ich mich jetzt besser fühlen sollte. Nein. Tag eins fühlt sich an wie Tag eins.

Ich stelle mir Fragen, die ich nicht beantworten kann. Haben wir uns geliebt? Ja. Das steht in Jahren, jeden Tag, auf beiden Seiten, und dass es bei dir aufgehört hat, macht es davor nicht kleiner. Was habe ich falsch gemacht? Ich habe zu spät gesagt, was mir fehlt, und dann alles auf einmal. Ich habe dreimal akzeptiert, dass du "mein Problem, nicht deins" gesagt hast, statt es zu unserem zu machen. Ich habe gedacht, ich müsste alles allein tragen, und habe dich damit nicht als Gleichen behandelt. Das ist meins. Dass du mir nie gesagt hast, dass etwas in dir weggeht, bis es weg war, das ist deins. Und dass es weggegangen ist, hat mit keinem von uns beiden etwas zu tun. Das hast du mir gestern zweimal gesagt, und ich glaube dir.

Ist Liebe nicht die Voraussetzung für alles? Ich dachte, man kann den Rest drumherum bauen. Ich habe gebaut: eine Stadt, ein Datum, eine Wohnung mit Namen. Ich habe an meinem Ende der Brücke gebaut. Deins war irgendwann nicht mehr da.

Ist es nicht wert, darum zu kämpfen? Ist die Vorstellung, gemeinsam alt zu werden, nicht eine, die wachsen muss, statt fertig da zu sein? Deine letzte Nachricht an mich war: "I will always love you babe." Warum bist du nicht mutig genug, darauf aufzubauen? Ich verstehe es nicht; vielleicht muss ich das auch nicht.

Ich komme mir dumm vor, weil ich dich so nah rangelassen habe. Ich weiß, dass das nicht stimmt. Nah ranlassen war das Mutigste, was ich seit Jahren gemacht habe, und der einzige Grund, warum die Jahre mit dir etwas wert waren. Es war die richtige Entscheidung, und sie ist gescheitert. Beides passt in einen Satz, auch wenn ich ihn heute noch nicht aushalte.

Ich wollte dir heute Morgen Good Morning schreiben. Ich habe es getippt und gelöscht. Stattdessen habe ich dir geschrieben, dass ich dir verzeihen werde, wenn ich durch bin: durch die Wut, die Enttäuschung, das Nichtverstehen, die Liebe, das Vermissen. In der Reihenfolge. Das ist meine letzte Nachricht an dich, und sie bleibt es.

Ich werde dich überall vermissen, weil ich dich überall hingelassen habe. Das ist der Preis. Ich zahle ihn. Und ich würde ihn wieder zahlen, auch wenn ich heute noch Angst habe das laut sagen kann.

• x 8 #1


Paragon
Gestern hast du mir gesagt, dass du mich nicht mehr so liebst wie früher. Kein Streit, kein Ereignis, nur der Satz. Ich verstehe es nicht, und vielleicht muss ich das auch nicht.

Was ich begrabe, wird nicht ungeschehen gemacht. Ich muss auch nicht behaupten, dass ich dich nicht mehr liebe. Ich akzeptiere nur, dass ich nicht mehr mit dir weiterleben kann. Und irgendwann gehe ich vom Grab weg.

Also begrabe ich unser ungelebtes Morgen:

Die Wohnung, die wir uns angeschaut haben.
Das gemeinsame Altwerden.
Dein nächstes "Good morning".
Das Selbstverständnis, dein Freund zu sein.
Dieses ganze "wir werden".

Für so ein Ende gibt es keine Beerdigung, keine Karten, keinen Ort, an dem alle schweigen und kommen. Deshalb fahre ich im Dezember allein nach Côn Đảo. Dort habe ich mich vor einem Jahr zum ersten Mal richtig mit dir verbunden gefühlt: auf dem Roller, deine Arme um mich, morgens mit dir im Meer. Dort will ich mich verabschieden. Vom Ort, und von dem, was wir werden wollten.

Solange all dieses "wir werden" in mir noch existiert, gibt es kaum Platz für ein "ich werde". Vielleicht entsteht der Raum erst, wenn ich vom Grab weggehe. Du wirst nicht dabei sein, und das ist richtig so.

• x 6 #2


A


Mein Ende der Brücke

x 3


Paragon
Du hast mir geschrieben, ich hätte dir gezeigt, dass du so sein kannst, wie du bist. Dass dein Körper attraktiv ist. Dass du dich öffnen, mich lieben und dann dich selbst lieben konntest.

Ich habe gar nichts Besonderes gemacht.

Ich habe gesagt, dass ich dich attraktiv finde, weil es so war. Ich habe gesagt, dass ich bei dir bin, egal ob du dich outest oder nicht, weil es so war. Ich habe es nicht zurückgenommen. Das war alles.

Für mich war das selbstverständlich. Für dich war es das erste Mal, dass jemand es gesagt und gehalten hat. Ich habe erst heute verstanden, dass beides gleichzeitig wahr sein kann: dass ich nichts getan habe und dass es für dich alles war.

Vielleicht ist das die Eigenschaft, die du an mir bewundert hast. Ich merke sie nicht, wenn ich sie gebe. Ich merke sie erst, wenn ich sie nicht mehr geben darf.

Du nimmst das mit. Das gehört jetzt dir, ich kann es nicht zurückholen, und ich will es auch nicht. Was ich mitnehme, ist die Rechnung.

Aber ich weiß jetzt, dass ich es kann.

• x 1 #3


Paragon
Du bist eine Woche vor mir nach Saigon geflogen. Schon Tage vorher hast du geschrieben, wie sehr du dich freust, dass ich komme, und alles so geregelt, dass ich bei dir im Hotelzimmer deiner Firma schlafen konnte. Am ersten Abend hast du mich deinen Freunden vorgestellt. Wir haben zusammen gegessen, und zum ersten Mal habe ich nicht nur dich gesehen, sondern dein Leben: deine Leute, deine Stadt, deinen Tisch. Ich habe mich angenommen gefühlt

Am nächsten Tag Con Dao. Wir sind mit dem Roller über die Insel gefahren, du hattest die Arme um mich. Wir haben den Sonnenuntergang angeschaut und waren morgens im Meer. Ich habe dir gezeigt, dass du keine Angst vor dem Wasser haben musst. Es war das erste Mal, dass ich mich mit dir ganz verbunden gefühlt habe.

Zurück in der Stadt sind wir durch die Viertel gefahren und haben uns angeschaut, wo wir leben könnten. Aus "irgendwann Vietnam" wurde in dieser Woche ein Stadtplan.

• x 1 #4


Paragon
m April war ich wieder da. Wir sind mit deinen Freunden laufen gewesen. Eine Freundin hat gefragt, ob wir Kollegen sind. Ich wusste, wie unsicher du damit bist, und habe "sort of" gesagt, um dir den Ausweg zu lassen. Du hast ihn nicht genommen. "Mein Freund", hast du gesagt, vor allen.

Das war fünf Monate vor dem Ende. Was danach in dir weggegangen ist, weiß ich nicht. Aber das hier war echt, und ich habe es möglich gemacht. Deshalb fahre ich im Dezember allein zurück auf die Insel. Nicht zu dir. Zu dem Ort, an dem es ganz war.

• x 1 #5


Paragon
Du hast dich allein entschieden. Nicht mit mir, nicht nach einem Gespräch, sondern für dich, und dann hast du es mir mitgeteilt. "You did not get a saying", hast du am Tag danach selbst geschrieben. So war es beim Job, so war es beim Zurückgehen, so war es am Ende. Ich habe jedes Mal davon erfahren, wenn es schon entschieden war.

Einen Monat lang hast du mir jeden Morgen guten Morgen geschrieben. Ich habe dir einen Trainingsplan gebaut. Gestern früh habe ich dir noch die Uhr eingerichtet. Gestern Nachmittag hast du mir gesagt, dass dein Gefühl damals Erleichterung war und der Rest nur Reste.

• x 1 #6


Paragon
Du hast nicht gekämpft. Du hast es selbst so genannt, dein Fehler sei gewesen, nicht hart genug für uns zu kämpfen. Gestern war es kein Fehler mehr, nur noch eine Feststellung.

Und zum Schluss hast du gesagt, dass du mich liebst. Immer. Das fühlt sich nach Hohn an, nach allem, was davor kam. Aber ich glaube dir. Ich glaube, dass du wirklich so fühlst, und dass du trotzdem gehst. Das ist das, was ich nicht verstehe, und das, was mich am meisten allein macht: Du liebst mich und lässt mich trotzdem hier stehen.

Ich habe alles gegeben und stehe allein in einer Wohnung, die deine werden sollte. Du stehst in deiner Stadt, mit dem, was ich dir beigebracht habe, und gehst weiter. Das ist ungerecht, und kein Satz macht es gerade.

Ich werde dir verzeihen, das habe ich dir geschrieben. Aber erst, wenn ich durch die Wut bin. Und in der bin ich gerade

• x 2 #7


M
Zitat von Paragon:
Was ich mitnehme, ist die Rechnung.



Aufmunternde Emojis

• #8