AD203
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Es ist also vorbei. Vor ungefähr zwei Wochen wagte ich es, einen letzten Kontaktversuch aufzunehmen. Ich war am Boden zerstört, unfähig zu verstehen, dass sich eine siebenjährige Ehe mit einigen Emails und Skype-Chats in Luft auflösen sollte. Bislang hatte meine Frau jedes Angebot eines Wiedersehens, Telefonats oder einer Paartherapie-Sitzung ausgeschlagen. Ich konnte nicht fassen, dass alles so zu Ende gehen sollte.
Ich verfasste eine Email an sie. Sie war positiv, beschrieb, wie es meiner Meinung nach so weit kommen konnte und erzählte, was ich mir in Zukunft für uns wünschen würde: dass wir beide spirituell wachsen, dass wir lieben statt brauchen, dass wir uns sicher und geborgen fühlen. Ich schrieb, dass ich keinem eine Schuld für irgendetwas gebe, dass wir beide zu verschiedenen Zeiten völlig überfordert gewesen sind. Ich habe auf Verständnis dafür gehofft, dass auch ich nun überfordert gewesen bin. Für mich war die räumliche Trennung und die Auszeit in den USA keineswegs ein völliges Aufgeben der Beziehung. Ich hatte immer - ganz entgegen dem Gerede meines Umfelds von "Scheidung" - daran geglaubt, dass unsere Liebe auch diese schwierige Situation überdauern könnte. Schließlich waren wir in so vielen Zielen, Wünschen und Empfindungen wie eine Seele. Schließlich hatten wir schon so viel gemeinsam durchgestanden und ausgefochten. In meiner Email erklärte ich, dass meine Mutter bereit wäre, alle Kosten einer Paartherapie zu übernehmen. Ich fände es einfach wichtig, dass wir wieder ins Reden kämen, statt uns völlig voneinander abzugrenzen.
Die Antwort meiner Frau kam wie ein Faustschlag: Keine Ehetherapie der Welt könnte ihre Gefühle jetzt ändern. Sie wünsche sich für die Zukunft keine Beziehung in irgendeiner Form mit mir. In meiner Email lese sie überall unterschwellige Vorwürfe, verstehe nicht, warum ich dauernd von "wir" und "uns" rede, und sehe nur noch, dass ich sie für krank halte. Sie sei bereit für etwas ganz neues. Sie bereue keinen Augenblick unsrer Beziehung, sie habe viel gelernt aber nun sei es zu Ende.
Ich besuchte zwei Tage später meinen Schwager, zu dem ich nach wie vor ein tolles Verhältnis habe. Wir unterhielten uns stundenlang über seine Schwester (meine Frau). Er meinte sie nicht wiederzuerkennen, sagte, er könne einfach nicht verstehen, warum sie so mit mir umgegangen ist und meinte außerdem, dass sie ihrer psychisch kranken Mutter von Tag zu Tag ähnlicher werde. Denn auch ihre Mutter habe sich nach Trennungen immer wieder gleich in neue Beziehungen hineingeworfen, die immer schlimm endeten. Ich war anfangs verwirrt und dann begriff ich es auf einmal. Es hatte mir niemand erzählt. Es riss mir den Teppich unter den Füßen weg. Mein Schwager verstand auf einmal, dass ich nicht informiert war und erklärte es mir: Seit Wochen wohnt nicht nur die WG-Mitbewohnerin meiner Frau in unsrer einst gemeinsamen Wohnung, sondern es sei inzwischen auch noch ein Mann dazu gezogen. Er wohne seit Wochen bei meiner Frau im Zimmer. Laut meinem Schwiegervater seien sie fest zusammen.
Ich dachte nur: Das ging aber schnell. Und es erklärt, warum meine Frau den näheren Kontakt stets vermied. Sie hatte davor so sehr an mir geklammert und bedingungslos Zuwendung gebraucht, dass es mich wahrlich wunderte, dass sie nun so schnell die Isolation suchen sollte. Jetzt verstehe ich alles: Das erste Mal, das ich so richtig überfordert, ermüdet und leer gelaufen bin, wird gleich ein Ersatz gefunden. Ich werde nur noch wütend, wenn ich darüber nachdenke, dass ich eine Trennung mitmachte, als sie eine brauchte, und dabei stets treu geblieben war. Jetzt kann meine Frau scheinbar bei einem anderen besorgen, was ich ihr nicht mehr zu geben in der Lage war. Ich kenne diesen Mann von meiner Zeit an der Universität und wünsche ihm viel Glück und Kraft. Er wird beides ganz gewiss brauchen.
Jetzt bleiben nur noch Gefühle wie Betäubung, Fassungslosigkeit und gelegentlich auch Wut übrig. Ich fühle mich völlig ausgenutzt, unwichtig und misshandelt. Wie ein zerknülltes Stück Papier, das im Altpapierkorb gelandet ist. Nach allem, was ich über mich ergehen ließ, kommt es nun dazu. Wofür war das alles? Dass ich Wege aus Liebe beschritten habe, welche meinen Landsleuten zu Hause auf ihren Bauernhöfen und in ihren Pickups unbegreiflich und unvorstellebar sind...dass ich es aus einem intellektuellen Loch, aus der Gewalt und Armut nach Deutschland schaffte, wo ich meine Burgen, meine Wälder und die wunderschöne deutsche Sprache habe...und dass ich nun dermaßen gegen eine Wand fahre, wo so viel Willenskraft und Bereitschaft vorhanden sind.
Übrig bleibt nur noch ein Konflikt mit der Ausländerbehörde, die panische Suche nach einer Vollzeitstelle vor März 2016 und ein eiliger Antrag auf Einbürgerung vor Ablauf meines jetzigen Aufenthaltstitels und nicht mal das ist sicher. Ich bin dem Ermessen der Behörden ausgeliefert...Es folgt nur noch ein ewiges Hin und Her zwischen Ämtern, ein Leben als einsamer, erbarmungsloser Kampf. Ein einziges Rennen gegen die Zeit, das Besuchen von vier verschiedenen Anwälten, die alle etwas anderes sagen, das Leben als bürokratische Vollzeitstelle. Und eine Stimme in mir ruft: SIEHT JEMAND MICH? Sieht jemand mich mit all meinen Qualitäten, Fähigkeiten und Wünschen? Nein. Man sieht mich nicht, man sieht meine Papiere. Nur die Papiere. Ausgerechnet die Teile, die am allerwenigsten etwas über mich aussagen, die aber einen Großteil meines Lebens bestimmen. Wie ich diese Papiere hasse. Wie ich diese Stempel und biometrische Passbilder hasse, die dumpfen dümmlichen Proleten hinter den Schreibtischen, die weltweite Unkultur der "Erfassung" und "Ablegung" von ganzen Existenzen. Wie auf einem Viehhof. Ich habe gelernt, dass die Stellen staatlicher Macht eben keine Hand hinunterreichen, wenn du mal gefallen ist. Nicht einmal wenn es nicht mal um Geld geht. Stattdessen wird in gewisser Weise sogar nachgetreten, selbst wenn du keine Belastung für die Gesellschaft darstellst. Ein eingewanderter Abiturient mit Endnote 1,0, der innerhalb von 5 Jahren Deutsch gelernt und inzwischen besser beherrscht als die meisten hier geborenen Menschen, der Literatur liebt, Physik studiert und einfach nur hier bleiben, arbeiten und leben will, soll nun sein Studium niederlegen und Kohle schaufeln gehen. Nicht weil er es finanziell nötig hat, sondern weil es ein Paragraph verlangt. Weil er sonst nicht in die Schablone passt, die für tausend Fälle vorgesehen ist, die aber eben nicht sein Fall sind. Ich will nicht arrogant klingen. Es scheint mir einfach ein Widerspruch zu sein: Wäre ich dem System nicht nützlicher, wenn ich weiterhin meinen jetzigen Weg gehen dürfte? Ich bekomme mehr als genug von meiner Mutter. Ich qualifiziere nicht einmal für Bafög, bzw. ich bekomme einen Bescheid mit 0 € drauf. Als Physiker würde ich auch beträchtlich mehr Steuern zahlen und dem Land weitaus mehr nützen als ein Papierschieber. Ich fühle mich wie in eine Schablone hineingestopft, in die ich gar nicht passe...
Ich werde jedoch tun, was nötig ist. Ich werde mich nicht unterkriegen lassen. Ich habe schon einmal Zeiten "abgesessen", um mein Leben so gestalten zu können, wie ich es wollte. Das wird sich jetzt auch nicht ändern. Aber ich kann meine Wut nicht leugnen. Die Lieblosigkeit und Kälte, die man in dieser Welt vorfindet, vor allem bei Behörden, machen mich immer wieder fassungslos. Wäre es nicht besser, wenn diese Stellen da wären, um Menschen zu helfen, statt ihnen Steine in den Weg zu legen? Jemand hat mir einst gesagt, ich soll einfach erwachsen werden, die Welt sei eben kein Ponyhof. Man kriege nichts geschenkt. Aber das verlange ich doch gar nicht. Ich kanns auch nicht ausstehen, wenn Menschen meinen, es müsste ihnen alles hinterhergeworfen werden. Ich habe einfach kein Verständnis dafür, dass Entschlossenheit, Wille und Tatkraft so wenig Beachtung finden, dass man selbst bei vorliegender Höchstleistung keine Chance bekommt. Ich habe kein Verständnis dafür, dass so viel Menschenverachtung normal und alltäglich ist, dass ganze Lebensläufe sich in Zeitrahmen von Jahren umstellen müssen, nur weil es ein Paragraph und nicht etwa ein faktischer Umstand verlangt. Erwachsen wäre es doch, wenn der Verstand und die Vernunft angewandt würden statt hirnlose Robotermentalitäten.
Was meine Beziehung angeht, so werde ich wohl nichts mehr haben, was ich hier reinschreiben könnte. Die Beziehung ist - ich fass es irgendwie immer noch nicht - zu Ende. Ich kann mir vorstellen, dass höchstens nur noch "Nachbeben" kommen. Der Liebeskummer breitet sich noch hin und wieder aus. Seitdem meine Frau sich endgültig von mir losgesagt hat, ist es aber auch etwas leichter geworden. Ich weiß jetzt wenigstens, woran ich bin. Der Schmerz, der folgte, war bislang der schlimmste, aber er ist insgesamt nun ruhiger geworden. Das Gefühl, dass der Arm noch an ein paar Sehnen und Muskelfasern dran baumelt, ist wenigstens verschwunden. Die Amputation ist vollständig, sauber und dadurch etwas befreiend. Ich hoffe jetzt einfach, dass die Wunde gut verheilt und dass sich mein künftiges Leben so arrangieren lässt, wie ich es mir wünsche. Ich danke allen in diesem Forum für Ihre gütigen Worte und Ihre tollen Beiträge. Es tut wirklich gut zu wissen, dass man wenigstens in Gedanken nicht allein auf dieser Erde ist. Ich werde hier noch regelmäßig vorbeischauen, wünsche euch aber allen trotzdem alles Gute. Sobald mein Leben sich wieder stabilisiert hat, würde ich gerne meine eigenen Erfahrungen nutzen, um anderen in ähnlichen Situationen zu helfen. So ein Forum scheint mir ein guter Ort dafür.
Es ist also vorbei. Vor ungefähr zwei Wochen wagte ich es, einen letzten Kontaktversuch aufzunehmen. Ich war am Boden zerstört, unfähig zu verstehen, dass sich eine siebenjährige Ehe mit einigen Emails und Skype-Chats in Luft auflösen sollte. Bislang hatte meine Frau jedes Angebot eines Wiedersehens, Telefonats oder einer Paartherapie-Sitzung ausgeschlagen. Ich konnte nicht fassen, dass alles so zu Ende gehen sollte.
Ich verfasste eine Email an sie. Sie war positiv, beschrieb, wie es meiner Meinung nach so weit kommen konnte und erzählte, was ich mir in Zukunft für uns wünschen würde: dass wir beide spirituell wachsen, dass wir lieben statt brauchen, dass wir uns sicher und geborgen fühlen. Ich schrieb, dass ich keinem eine Schuld für irgendetwas gebe, dass wir beide zu verschiedenen Zeiten völlig überfordert gewesen sind. Ich habe auf Verständnis dafür gehofft, dass auch ich nun überfordert gewesen bin. Für mich war die räumliche Trennung und die Auszeit in den USA keineswegs ein völliges Aufgeben der Beziehung. Ich hatte immer - ganz entgegen dem Gerede meines Umfelds von "Scheidung" - daran geglaubt, dass unsere Liebe auch diese schwierige Situation überdauern könnte. Schließlich waren wir in so vielen Zielen, Wünschen und Empfindungen wie eine Seele. Schließlich hatten wir schon so viel gemeinsam durchgestanden und ausgefochten. In meiner Email erklärte ich, dass meine Mutter bereit wäre, alle Kosten einer Paartherapie zu übernehmen. Ich fände es einfach wichtig, dass wir wieder ins Reden kämen, statt uns völlig voneinander abzugrenzen.
Die Antwort meiner Frau kam wie ein Faustschlag: Keine Ehetherapie der Welt könnte ihre Gefühle jetzt ändern. Sie wünsche sich für die Zukunft keine Beziehung in irgendeiner Form mit mir. In meiner Email lese sie überall unterschwellige Vorwürfe, verstehe nicht, warum ich dauernd von "wir" und "uns" rede, und sehe nur noch, dass ich sie für krank halte. Sie sei bereit für etwas ganz neues. Sie bereue keinen Augenblick unsrer Beziehung, sie habe viel gelernt aber nun sei es zu Ende.
Ich besuchte zwei Tage später meinen Schwager, zu dem ich nach wie vor ein tolles Verhältnis habe. Wir unterhielten uns stundenlang über seine Schwester (meine Frau). Er meinte sie nicht wiederzuerkennen, sagte, er könne einfach nicht verstehen, warum sie so mit mir umgegangen ist und meinte außerdem, dass sie ihrer psychisch kranken Mutter von Tag zu Tag ähnlicher werde. Denn auch ihre Mutter habe sich nach Trennungen immer wieder gleich in neue Beziehungen hineingeworfen, die immer schlimm endeten. Ich war anfangs verwirrt und dann begriff ich es auf einmal. Es hatte mir niemand erzählt. Es riss mir den Teppich unter den Füßen weg. Mein Schwager verstand auf einmal, dass ich nicht informiert war und erklärte es mir: Seit Wochen wohnt nicht nur die WG-Mitbewohnerin meiner Frau in unsrer einst gemeinsamen Wohnung, sondern es sei inzwischen auch noch ein Mann dazu gezogen. Er wohne seit Wochen bei meiner Frau im Zimmer. Laut meinem Schwiegervater seien sie fest zusammen.
Ich dachte nur: Das ging aber schnell. Und es erklärt, warum meine Frau den näheren Kontakt stets vermied. Sie hatte davor so sehr an mir geklammert und bedingungslos Zuwendung gebraucht, dass es mich wahrlich wunderte, dass sie nun so schnell die Isolation suchen sollte. Jetzt verstehe ich alles: Das erste Mal, das ich so richtig überfordert, ermüdet und leer gelaufen bin, wird gleich ein Ersatz gefunden. Ich werde nur noch wütend, wenn ich darüber nachdenke, dass ich eine Trennung mitmachte, als sie eine brauchte, und dabei stets treu geblieben war. Jetzt kann meine Frau scheinbar bei einem anderen besorgen, was ich ihr nicht mehr zu geben in der Lage war. Ich kenne diesen Mann von meiner Zeit an der Universität und wünsche ihm viel Glück und Kraft. Er wird beides ganz gewiss brauchen.
Jetzt bleiben nur noch Gefühle wie Betäubung, Fassungslosigkeit und gelegentlich auch Wut übrig. Ich fühle mich völlig ausgenutzt, unwichtig und misshandelt. Wie ein zerknülltes Stück Papier, das im Altpapierkorb gelandet ist. Nach allem, was ich über mich ergehen ließ, kommt es nun dazu. Wofür war das alles? Dass ich Wege aus Liebe beschritten habe, welche meinen Landsleuten zu Hause auf ihren Bauernhöfen und in ihren Pickups unbegreiflich und unvorstellebar sind...dass ich es aus einem intellektuellen Loch, aus der Gewalt und Armut nach Deutschland schaffte, wo ich meine Burgen, meine Wälder und die wunderschöne deutsche Sprache habe...und dass ich nun dermaßen gegen eine Wand fahre, wo so viel Willenskraft und Bereitschaft vorhanden sind.
Übrig bleibt nur noch ein Konflikt mit der Ausländerbehörde, die panische Suche nach einer Vollzeitstelle vor März 2016 und ein eiliger Antrag auf Einbürgerung vor Ablauf meines jetzigen Aufenthaltstitels und nicht mal das ist sicher. Ich bin dem Ermessen der Behörden ausgeliefert...Es folgt nur noch ein ewiges Hin und Her zwischen Ämtern, ein Leben als einsamer, erbarmungsloser Kampf. Ein einziges Rennen gegen die Zeit, das Besuchen von vier verschiedenen Anwälten, die alle etwas anderes sagen, das Leben als bürokratische Vollzeitstelle. Und eine Stimme in mir ruft: SIEHT JEMAND MICH? Sieht jemand mich mit all meinen Qualitäten, Fähigkeiten und Wünschen? Nein. Man sieht mich nicht, man sieht meine Papiere. Nur die Papiere. Ausgerechnet die Teile, die am allerwenigsten etwas über mich aussagen, die aber einen Großteil meines Lebens bestimmen. Wie ich diese Papiere hasse. Wie ich diese Stempel und biometrische Passbilder hasse, die dumpfen dümmlichen Proleten hinter den Schreibtischen, die weltweite Unkultur der "Erfassung" und "Ablegung" von ganzen Existenzen. Wie auf einem Viehhof. Ich habe gelernt, dass die Stellen staatlicher Macht eben keine Hand hinunterreichen, wenn du mal gefallen ist. Nicht einmal wenn es nicht mal um Geld geht. Stattdessen wird in gewisser Weise sogar nachgetreten, selbst wenn du keine Belastung für die Gesellschaft darstellst. Ein eingewanderter Abiturient mit Endnote 1,0, der innerhalb von 5 Jahren Deutsch gelernt und inzwischen besser beherrscht als die meisten hier geborenen Menschen, der Literatur liebt, Physik studiert und einfach nur hier bleiben, arbeiten und leben will, soll nun sein Studium niederlegen und Kohle schaufeln gehen. Nicht weil er es finanziell nötig hat, sondern weil es ein Paragraph verlangt. Weil er sonst nicht in die Schablone passt, die für tausend Fälle vorgesehen ist, die aber eben nicht sein Fall sind. Ich will nicht arrogant klingen. Es scheint mir einfach ein Widerspruch zu sein: Wäre ich dem System nicht nützlicher, wenn ich weiterhin meinen jetzigen Weg gehen dürfte? Ich bekomme mehr als genug von meiner Mutter. Ich qualifiziere nicht einmal für Bafög, bzw. ich bekomme einen Bescheid mit 0 € drauf. Als Physiker würde ich auch beträchtlich mehr Steuern zahlen und dem Land weitaus mehr nützen als ein Papierschieber. Ich fühle mich wie in eine Schablone hineingestopft, in die ich gar nicht passe...
Ich werde jedoch tun, was nötig ist. Ich werde mich nicht unterkriegen lassen. Ich habe schon einmal Zeiten "abgesessen", um mein Leben so gestalten zu können, wie ich es wollte. Das wird sich jetzt auch nicht ändern. Aber ich kann meine Wut nicht leugnen. Die Lieblosigkeit und Kälte, die man in dieser Welt vorfindet, vor allem bei Behörden, machen mich immer wieder fassungslos. Wäre es nicht besser, wenn diese Stellen da wären, um Menschen zu helfen, statt ihnen Steine in den Weg zu legen? Jemand hat mir einst gesagt, ich soll einfach erwachsen werden, die Welt sei eben kein Ponyhof. Man kriege nichts geschenkt. Aber das verlange ich doch gar nicht. Ich kanns auch nicht ausstehen, wenn Menschen meinen, es müsste ihnen alles hinterhergeworfen werden. Ich habe einfach kein Verständnis dafür, dass Entschlossenheit, Wille und Tatkraft so wenig Beachtung finden, dass man selbst bei vorliegender Höchstleistung keine Chance bekommt. Ich habe kein Verständnis dafür, dass so viel Menschenverachtung normal und alltäglich ist, dass ganze Lebensläufe sich in Zeitrahmen von Jahren umstellen müssen, nur weil es ein Paragraph und nicht etwa ein faktischer Umstand verlangt. Erwachsen wäre es doch, wenn der Verstand und die Vernunft angewandt würden statt hirnlose Robotermentalitäten.
Was meine Beziehung angeht, so werde ich wohl nichts mehr haben, was ich hier reinschreiben könnte. Die Beziehung ist - ich fass es irgendwie immer noch nicht - zu Ende. Ich kann mir vorstellen, dass höchstens nur noch "Nachbeben" kommen. Der Liebeskummer breitet sich noch hin und wieder aus. Seitdem meine Frau sich endgültig von mir losgesagt hat, ist es aber auch etwas leichter geworden. Ich weiß jetzt wenigstens, woran ich bin. Der Schmerz, der folgte, war bislang der schlimmste, aber er ist insgesamt nun ruhiger geworden. Das Gefühl, dass der Arm noch an ein paar Sehnen und Muskelfasern dran baumelt, ist wenigstens verschwunden. Die Amputation ist vollständig, sauber und dadurch etwas befreiend. Ich hoffe jetzt einfach, dass die Wunde gut verheilt und dass sich mein künftiges Leben so arrangieren lässt, wie ich es mir wünsche. Ich danke allen in diesem Forum für Ihre gütigen Worte und Ihre tollen Beiträge. Es tut wirklich gut zu wissen, dass man wenigstens in Gedanken nicht allein auf dieser Erde ist. Ich werde hier noch regelmäßig vorbeischauen, wünsche euch aber allen trotzdem alles Gute. Sobald mein Leben sich wieder stabilisiert hat, würde ich gerne meine eigenen Erfahrungen nutzen, um anderen in ähnlichen Situationen zu helfen. So ein Forum scheint mir ein guter Ort dafür.