Auseinandergel(i)ebt

Ehemaliger User

Hallo zusammen,

Wie sicher viele von Euch, habe ich erst mal ne ganze Zeit die Beiträge im Forum verfolgt, ehe ich mich entschlossen habe auch meine Geschichte zu schreiben. Meine Frau und ich kennen sich seit ca 23 Jahren und sind jetzt über 20 Jahre verheiratet. Sie ist 41 ich 45. Wir haben 3 gemeinsame Kinder 20,15 und 12 Jahre. Wir haben eigentlich eine glückliche Ehe mit den üblichen Höhen und Tiefen geführt, die das Leben so mit sich bringt. Durch die Kinder musste meine Frau Ihren Job aufgeben und hat dann halt immer mal so Hausfrauenjobs erledigt. Das grösste Problem in unserer Ehe, welches die letzten Jahre immer mehr hochkam, Sie liebte mich, aber das körperliche Begehren war einfach nicht mehr da. Ich habe es auch nie geschafft, daran etwas zu ändern. Wir haben zwar offen darüber geredet, uns aber immer im Kreis bewegt.So baute sich zwangsläufig ein gewisser Frust im laufe der Zeit auf. Vor 4 oder 5 Jahren hatte ich mir dann den fehlenden S. bei einer Bekannten geholt.
Ich habe Ihr das auch sofort gebeichtet. Zuerst war Sie natürlich eifersüchtig, aber dann zeigte Sie sogar Verständnis für mein handeln, auch in der Hoffnung, daß sich unser Verhältnis wieder bessern würde. Es ging auch ne ganze Zeit recht gut, aber im letzten Jahr wurde es eigentlich wieder deutlich schlechter. Jeder lebte so vor sich hin und wir taten das, was in solchen Fällen häufig passiert, unsere Gespräche verliefen bis auf eineige gute Ausnahmen immer nach dem gleichen Schema. Sie übernahm meistens den part des redens, ich fühlte mich angegriffen und zog mich in mein emotionales Schneckenhaus zurück. Dadurch habe ich dann auch leider nicht registriert, wie schlecht es Ihr ging. Höhepunkt unseres Ehetiefs war dann so im  September ein Gespräch nach dem beschriebenen Muster, leider auch unter Alk.. Ich habe mich dann irgendwann frustriert zurückgezogen und Ihren Hilfeschrei nicht aufgenommen. Das war nach Ihrer Meinung der eigentliche Knackpunkt in unserer Beziehung. Gerade zu dieser Zeit rief ein Bekannter aus Ihrer Lehrzeit, mit dem Sie damals schon auf einer Wellenlänge war, zufällig an. Er hörte Ihr einfach nur zu, und Sie konnte sich den ganzen Frust von der Seele reden. Dann kamen Sie auf die Idee, ein Treffen ehemaliger Azubis zu organisieren, Wahrscheinlich war da schon der Grundstein für das Verhältnis gelegt. Sie war dann ende November für 2 Tage dort und hat auch bei Ihm gewohnt. Nachdem Sie zurückkam häuften sich die stundelangen Telefonate. Wir führten auch lange Gespräche,aber direkt im Anschluß telefonierte Sie wieder mit ihm. Im Dezember hatten wir ein sehr gutes Gespräch, in dessen Verlauf Sie immer wieder betonte wie gut er Ihr im Moment tut. daraufhin habe ich Ihr vorgeschlagen Anfang Januar für eine Woche zu Ihm zu fahren, auch in der Hoffnung, daß sich jeder etwas klarer über seine Vorstellungen wird. Ich habe Ihr die Fahrkarten besorgt, die Fahrpläne ausgedruckt,Sie zum Bahhof gefahren und wieder abgeholt. Diese Woche war total hart, ich habe 5kg abgenommen, ich hatte mich, muß ich zugeben, doch etwas in meiner emotionalen Stärke überschätzt. In dieser Zeit wurden mir zwei Dinge klar, ich merkte, wie viel Sie mir eigentlich noch bedeutet und gleichzeitig wurde ich mir darüber klar, daß ich eine platonische Ehe in der jeder seiner eigenen Liebesbeziehung nachgeht (Ihr Vorschlag) nicht will. Das habe ich Ihr auch direkt nach Ihrer Ankunft gesagt, aber leider auch gleich erwähnt, wie sehr ich gelitten habe und noch leide, was ja wohl bei Frauen nicht unbedingt so gut ankommt. Sie hat mir gesagt, Sie will hier auf keinen Fall etwas aufgeben, dafür wäre Sie viel zu viel harmoniebedürftig und Familienmensch. Sie erwähnte aber auch in diesem Gespräch, daß Sie ihm eines Abends gesagt hat, weil er Bedenken hatte etwas zu zerstören, du kannst hier nichts mehr kaputtmachen. Also schon ein totaler Zwiespalt bei Ihr, auf der einen Seite die Familie, auf der anderen Seite die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung, Selbstbestätigung, Anerkennung .... Ich habe Ihr gesagt, daß Sie sich irgendwann entscheiden muß, was Sie will., ich kann das nicht ewig ertragen. Eine Eheberatung kommt für Sie zur Zeit nicht in Frage, Sie will jetzt erstmal egoistisch sein und an sich denken. 20 Jahre hätte Sie nur an die Familie gedacht und sich aufgeopfert, jetzt will Sie erstmal leben und lieben.
Die ganze Zeit hatten wir uns noch das Ehebett geteilt, aber nachdem Sie mich 2-3mal Nachts mit ihm verwechselte, anfing mich zu streicheln, Schatz nannte und dann, als Sie den Fehler bemerkte,  sich sofort umdrehte und die Decke bis an den Hals zog,
haben wir uns auf Ihren Vorschlag geeinigt, daß Sie ins Gästezimmer zieht. Letzte Sonntag habe ich Sie daran erinnert, das war unsere letzte Nacht gemeinsam Rücken an Rücken im Ehebett. Seither habe ich den Eindruck, ist das Klima deutlich kühler geworden. Es ist grausam, abends im Wohnzimmer vor dem Fernseher zu sitzen und dieses Problem steht ständig im Raum. Wir sprechen zwar über alltägliche Sachen, aber mehr ist nicht, und wenn ich zu Bett gehe, weiß ich, daß Sie ihn anruft, um ihm Ihr Herz auszuschütten.
Eine Trennung , auch auf Zeit, ist bei uns sehr problematisch, wir haben ein Haus, noch 6stellige Schulden, ein Pferd, einen Hund und eine Katze, und das alles wird zur Zeit über mein Laborantengehalt finanziert. Wenn ich ausziehen würde, müssten wir das Haus verkaufen, und sowas geht ja auch nicht von heute auf morgen, heißt, ich werde noch ganz schön lange mit diesem Zustand leben müssen, falls sich bei Ihr emotional nichts ändert. Ich habe auch zur Zeit absolut kein Interesse, mich in eine spontane Beziehung zu stürzen, eigentlich möchte ich ja die Ehe retten. Aber wie soll  man diesen Zustand auf Dauer ertragen. Ich bin mir klar, daß sich Ihre Einstellung sicher nicht in 1-2 Monaten ändert, vielleicht in 1Jahr, aber was ist bis dahin? Was kann man tun, wie soll man sich verhalten? Wäre schön von Euch allen ein paar aufmunternde Worte zu hören und vielleicht ein paar Tipps, wie Ihr Euch verhalten würdet.


Liebe Grüsse an Alle
GerhardM

24.01.2002 09:54 • #1


Ehemaliger User


Hallo,
ist mir alles sehr bekannt und ich möchte dir nicht all zu viele hoffnungen machen, aber vielleicht ein paar tipps:
- schreibe ihr klar auf, daß du sie liebst, weiter die ehe und familie fortsetzen willst und an einer überwindung der krise interessiert bist einschließlich ehetherapie
- sage ihr auch, daß du und die kinder in dem haus bleibst und die familie fortbesteht, denn schließlich will sie sich entfernen
- setze auch in dem brief klare grenzen im interesse der kinder, sie wollen euch als familie und keinen neuen papa
- sei ehrlich in dem bemühen um überwindung eurer probleme, das bedeutet auch für dich harte monate
- sage deiner frau, daß du diesen zustand mit dem lover nicht akzeptierst (und bitte nicht wieder fahrkarten kaufen)
- sage dem anderen, er soll deine frau in ruhe lassen
- organisiere in gedanken schon mal die neue situation: du alleine mit den kindern (tagesbetreuung....)
- und versuche wenn es geht deeskalation auf allen ebenen

ich wünsche dir viel glück

es sieht noch garnicht so schlecht aus, wenn du haus und familie weiterführst

mick

24.01.2002 10:30 • #2


Ehemaliger User


Hallo Mick,

Vielen Dank für Deine Tipps, daß deckt sich ziemlich genau mit meinen Vorstellungen. Ich habe Ihr kürzlich schon einen Liebesbrief geschrieben, und Ihr auch schon mal in einem Gespräch angedeutet, daß Sie im Fall einer Trennung das Haus verlassen muß. Auch die Geheimhaltung vor den Kindern ist nicht einfach, ich denke, die haben eh schon was gemerkt und ich stimme mit Dir überein,daß Sie sicher ihren jetzigen Vater behalten wollen. Die Kinder sind schon relativ selbständig und die Oma wohnt nur 2 Häuser weiter und ist ganztags anwesend, das wäre auch erst mal nicht so problematisch. Die eine Woche, die Sie bei ihm war, hat sicher wie Öl aufs Feuer gewirkt, vielleicht war das ein großer Fehler von mir, auf jeden Fall kriegt Sie dafür jetzt keinerlei Unterstützung  mehr von mir. Vielleicht sollte ich Ihm auch mal klar machen, daß er im Begriff ist mitzuwirken bei der Zerstörung einer Familie.

Ob es noch was hilft, muß sich zeigen.

GerhardM

24.01.2002 12:07 • #3