Er will mich, er will mich nicht

flower95

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Guten Abend,

ich habe mich vor ein paar Monaten von meinem Freund getrennt. Wir hatten eine Fernbeziehung (Europa, USA) und mir wurde damals alles zu viel. Hinzu kamen kulturelle/religiöse (er ist jüdisch und will auch jüdisch heiraten) Unterschiede, die für ihn offensichtlich ein Problem waren, sowie unser Altersunterschied (ich 24, er 29). Für mich persönlich war dieser kulturelle Unterschied keine allzu grosse Hürde, da ich sehr an seiner Kultur interessiert bin und auch einer Konversion nicht abgeneigt war, jedoch habe ich mich unter Druck gesetzt gefühlt, da ich mein Studium noch nicht beendet habe und er auch schon bald Kinder haben möchte. Ein weiterer Trennungsgrund von meiner Seite aus war, dass er psychische Probleme hat und aus meinen Augen leicht narzisstische Züge. Ich bin aber keine Psychologin, deswegen halte ich mich mit Diagnosen zurück, aber er weiss, dass sein Verhalten oftmals nicht in Ordnung ist und er daran arbeiten muss. Für mich ist er kein hoffnungsloser Fall. Da er in seinem Kulturkreis eine Frau kennenlernen wollte, hatte er daraufhin eine Freundin für zwei Monate, mit der es aber nicht geklappt hatte. Er meinte ich solle mich bei ihm nie wieder melden, er sei depressiv gewesen damals und wollte über uns hinwegkommen.

Leider habe ich mich danach auch nicht ganz ok verhalten, bin ihm hinterher, weil ich meine Entscheidung bereut habe, ich habe ihn sehr vermisst, ihn dann aber losgelassen und seine Entscheidung respektiert. Dass da andere Frauen schon längst im Spiel waren, war mir dann auch bewusst.

Nun hatte er sich vor zwei Monaten bei mir gemeldet und mich gefragt wie es mir geht und ob alles ok mit mir sei. Ich habe ihm berichtet, dass ich mittlerweile selber in den USA bin und dass es mir gut geht. Er hatte sich dann nicht mehr gemeldet und nach ein paar Wochen habe ich dann nochmal ihm eine Nachricht geschickt. Daraufhin meinte er wie sehr er mich bis heute lieben würde, die schönen Zeiten zwischen uns vermisst und wir uns wiedersehen sollten. Er hätte noch nie eine Frau so sehr geliebt wie mich. Da ich aber derzeit aufgrund eines Todesfalles in Deutschland für ein paar Wochen bin, habe ich ihm gesagt, dass wir uns erst im Januar nächsten Jahres sehen können und ja trotzdem bis dahin telefonieren könnten, um uns eventuell wieder etwas näher zu kommen. Für ihn war es auch ok, dass ich den Flug gebucht habe und wir auch ein festes Wochenende abgemacht haben. Er meinte er würde anrufen, doch dann rief er nie an, wenn er es versprochen hat. Plötzlich hiess es er sei "etwas krank" oder hätte noch eine "Torastunde" usw. Er hatte ständig Ausreden parat. Ich habe ihn dann darauf angesprochen und er meinte, dass ihn der kulturelle Unterschied zwischen uns immer noch stören würde. Alles was er gesagt hat würde stimmen, jedoch möchte er nicht, dass ich mich für ihn verändere oder mich nicht auf mein Studium konzentriere. Zudem sei ich ja noch gar nicht bereit Mutter zu werden, obwohl das eigentlich mein grösster Traum ist und uns das auch immer verbunden hat. Viele verstehen es sicher nicht, aber ich glaube, dass Familienglück schöner ist als nur Karriere zu machen. Ich habe ihm klar gemacht, dass es für mich um die Liebe zwischen uns primär geht und alles andere sich von alleine entwickeln würde. Ich finde, dass er sich da zu sehr stresst jetzt schon Vater werden zu müssen und sich da selbst unter Druck setzt. Auf der anderen Seite kann ich aber auch nachvollziehen, dass eine Frau mit 30 und abgeschlossenem Studium sicher bereit wäre sofort eine Familie zu gründen und wenn sie dann auch noch jüdisch ist, wäre das natürlich perfekt für ihn.

Die folgenden Tage hatte er immer wieder gesagt wir sprechen nochmal darüber, aber meinte dann wieder, dass es aufgrund der Zeitunterschiede schwierig ist und er das aber nicht "wegschieben" würde. Er hat dann noch einmal angerufen und mir nochmal gesagt, dass er laut jüdischem Gesetz so oder so keine nicht-jüdische Frau daten kann (komisch, hat er ja auch davor gemacht) und in 2-3 Jahren, bis ich konvertiert habe, viel passieren kann und dass irgendetwas zwischen unseren Kulturen nicht ganz passen würde. Er fühle sich von mir unter Druck gesetzt. Ich habe ihm dann kurz und knapp gesagt, dass ich das zwischen uns loslasse, da ich uns beide glücklich sehen möchte und dass er verwirrt sei, weil er sich mit mir nicht sicher sei und ich deswegen nicht die richtige Frau für ihn bin und er nicht der richtige Mann für mich. Ich habe ihm trotzdem alles gute gewünscht.

Mir tut mein Herz so weh. Ich sehe, dass er Probleme hat und den Halt in seiner Religion zum Teil sieht, aber das für ihn auch extrem wichtig ist, weil er eben so aufgewachsen ist. Er reagiert extrem impulsiv, was mich so traurig gemacht hat, da ich mir nicht erklären kann, wie er von einen auf den anderen Tag die Beziehung zwischen uns doch nicht erneuern möchte. Als er mir geschrieben hatte, dass er uns noch eine zweite Chance geben möchte, wusste er doch, dass ich immer noch nicht jüdisch bin. Jetzt habe ich den Flug gebucht und hatte mich so gefreut. Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht mehr, was er empfindet und ob da nicht jemand anders ist, der ihm gesagt hat, dass er in seinem Kulturkreis heiraten soll. Unsere Familien ähneln sich eigentlich sehr und ich bin mir sicher, dass er mich wirklich liebt, aber es irgendwie nicht begreift, dass man kulturelle Unterschiede überbrücken kann, solange Respekt, Liebe, ehrliche Kommunikation und Treue in einer Beziehung die Grundbausteine darstellen.

Ich werde ihm nicht mehr schreiben und ihm auch nicht mehr entgegenkommen. Aber denkt ihr, dass sich das Blatt da noch wenden kann oder soll ich ihn für immer loslassen?

02.12.2019 00:42 • #1


VictoriaSiempre

VictoriaSiempre


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Es ist doch eh eine komische Beziehung zwischen Euch. Mehr virtuell als real. Ich habe Deinen anderen Thread gelesen, da warst Du auch schon heftig engagiert und hattest ihn grade ein halbes Jahr vorher mal real getroffen. Eure Religion stand von Anfang an zwischen Euch.

Was hast Du denn jetzt in den Monaten getan? Hast Du recherchiert, was Du tun musst, um jüdisch zu werden? Bist Du aktiv gewesen, um irgendwann vielleicht konvertieren zu können? Willst Du das ernsthaft angehen oder würdest Du Deine Religion beliebig wechseln wie eine Unterhose, nur, weil Du diesen Mann willst?

Im Judentum ist die Mutter prägend, sie gibt die Zugehörigkeit weiter. Deshalb ist es schwierig, als Frau mal eben so zu konvertieren, da gehört schon einiges dazu.

Es nützt Dir nix, wenn Du das alles locker siehst und mit "mach ich dann halt mit", wenn Du auf einen Mann triffst, der das eben nicht so locker sieht. Es gibt nun mal kulturelle Prägungen, die nicht mit unserem mitteleuropäischen "Leben und leben lassen!" kompatibel sind. Das eine ist nicht schlechter als das andere, nur eben anders,

02.12.2019 01:43 • #2


pepatty

pepatty


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Zitat von flower95:
Guten Abend, ich habe mich vor ein paar Monaten von meinem Freund getrennt. Wir hatten eine Fernbeziehung (Europa, USA) und mir wurde damals alles zu viel. Hinzu kamen kulturelle/religiöse (er ist jüdisch und will auch jüdisch heiraten) Unterschiede, die für ihn offensichtlich ein Problem waren, sowie unser Altersunterschied (ich 24, er 29). Für mich persönlich war dieser kulturelle Unterschied keine allzu grosse Hürde, da ich sehr an seiner Kultur interessiert bin und auch einer Konversion nicht abgeneigt war, jedoch habe ich mich unter Druck gesetzt gefühlt, da ich mein Studium noch nicht ...


Flower95,
dieser ganze Hickhack deutet doch überdeutlich darauf hin, dass die erzwungene Beziehung und Eheschließung in einem Desaster bester Ehedramen enden würde.
Löse Dich von Deinen (entschuldigung) kitschigen Liebesvorstellungen und suche Dir jemanden mit dem es unproblematisch und gradlinig klappt.

02.12.2019 04:34 • #3