engelspfote
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ich les hier schon seit Tagen mit und hab dadurch etwas Trost erfahren. Auch wenn ihr nichts von mir wisst, so ähneln viele eurer GEschichten auch der meinen und ich konnte einige Tipps und Ratschläge aufnehmen und versuchen sie zu verinnerlichen - was natürlich gar nicht so einfach ist. Bisher habe ich mich nicht getraut, selbst zu schreiben, weil ich so verwirrt bin und befürchte, gar keine klaren Sätze zustanden zu bekommen. Aber jetzt grad bin ich wieder so verzweifelt und hoffnungslos, dass ich das alles mal loswerden muss...
Mein (Noch-)Ehemann hat grad mal wieder die Wohnung verlassen und mich einfach mit ein paar kalten, absolut gefühllosen Aussagen stehen gelassen wie ein kleines Dummchen. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie er so kalt und rücksichtslos mir gegenüber sein kann. Zwar weiß ich, dass diese Gefühlskälte z.T. von den Pillen/Dro. herrührt, mit denen er mal wieder rückfällig ist, aber ich war selbst mal drauf (bin seit fast 9 Jahren trocken und clean) und trotzdem nie sooo kalt wie er. Daher denke ich, dass er schon längst mit mir abgeschlossen hat. Ich dachte mal, ich sei seine große Liebe, zumindest hat er dies in den gemeinsamen 7 Jahren immer behauptet und ich habe es auch (zumindest anfänglich) so gespürt. Umgekehrt war/ist auch er meine große Liebe, obwohl mir in den letzten Tagen immer klarer wird, dass nicht nur ich Fehler gemacht habe, sondern er selbst sich von Anfang an aufgeführt hat, wie ein herrschsüchtiger, ignoranter Egoist. Weil ich ihn so sehr liebte und mich auch von ihm so geliebt fühlte, wie noch nie zuvor in meinem Leben, habe ich alles für ihn aufgegeben - alles und vor allem mich selbst.
Ich habe jetzt NICHTS mehr (ausser meinen Hund), bin wie erstarrt und absolut handlungsunfähig. Ich bin verzweifelt und weiß einfach nicht, was ich jetzt tun kann, so kraftlos, verwirrt und mittellos wie ich bin. Es ist sicherlich schwer für euch nachvollziehbar, aber ich habe mich so sehr für diesen Mann aufgeopfert, versucht trotz meiner eigenen Schwierigkeiten immer für ihn und seine Sorgen da zu sein, ihm den Rücken freigehalten, damit er seine Energie in die Arbeit stecken kann. Und all das tritt er jetzt mit Füßen, läßt mich völlig ohne seine (auch materielle) Unterstützung zurück und ich ärgere mich über mich selbst, dass ich so naiv war ihm dermaßen zu vertrauen, dass ich meine gesamte SElbstverantwortung ihm übertrug. Naiv oder bequem, wahrscheinlich beides... Ich weiß es nicht.
Ich bin so geworden, wie ich bin, weil ich (wie sollte es anders sein) eine miese Kindheit hatte. Dies ist die Ursache, aber ich weiß mittlerweile auch (habe bereits eine Therapie hinter mir), dass ich heute als erwachsener Mensch trotzdem in der Lage bin, meine aus der Kindheit begründeten Defizite, auszubügeln. Es ist nicht einfach, aber es ist möglich und ich habe diesbezüglich schon so einiges geschafft. Besonders in den vergangenen Wochen war ich auf einem guten Weg, habe endlich mal den A*** hochbekommen und bin aktiv geworden. Meinen Selbstwert und mein Selbstvertrauen habe ich mir schwer erarbeitet, ich habe erstmalig im Leben für MICH gekämpft, anstatt alle Probleme auszusitzen und zu hoffen, dass sie sich von alleine lösen bzw jemand anderes sie für mich löst. Und ich war darauf stolz, fühlte mich erstmalig im Leben mit mir selbst im Reinen und hatte große Hoffnung, dass mein Leben in Ordnung kommen kann. Idiotischerweise machte ich mir aber vor, dass M. in meinem zukünfitgen Leben weiterhin eine Rolle spielen würde.
Heute ist mir klar, dass es nicht funktionieren kann. Ich muss und werde allein klar kommen, ohne die Unterstützung eines liebevollen Partners. Mir ist auch klar geworden, dass M. noch nie dieser liebevolle Partner war. Ich hatte mir ein SCheinbild von ihm aufgebaut, ihn idealisiert, seine Defizite (ebenfalls aus der Kindheit) nicht erkannt oder eher nicht wahrhaben wollen. Ich habe geglaubt, wir könnten füreinander alles sein. Am Anfang war dies auch so, aber schlussendlich waren wir einsam zu zweit. Ich habe das all die Jahre nicht mitbekommen, hatte Scheuklappen auf und jetzt fällt´s mir wie Schuppen von den Augen, dass wir den jeweils anderen bloß als Symbionten ge- oder gar missbraucht haben. Soetwas kann doch gar nicht klappen!
Ich bin mir sicher, dass es für uns keine Chance mehr geben wird. Ich spüre auch keine Liebe (oder was auch immer ich für ihn gefühlt habe) mehr, weder aktiv noch passiv. Momentan spüre ich einfach nur Angst, Enttäuschung oder aber Wut, abwechselnd mit einem GEfühl der Leere und Verzweiflung, weil ich so verwirrt bin, dass ich die logischen bzw logistischen Schritte einer SCheidung grad gar nciht auf die Reihe bekomme. Am liebsten würde ich einfach nur die Deck über den Kopf ziehen und schlafen - um dann irgendwann wieder aufzuwachen und festzustellen, dass ich bloß einen Alptraum hatte. Aber ich kann nicht schlafen, ich muss aktiv werden und probieren aus dieser grad un(aus)haltbaren häuslichen Situation raus zu kommen.
Wäre mein Hund nicht, ich wäre schon vor Tagen in ein Frauenhaus gegangen. Hier zurücklassen kann ich ihn keines Falls, also muss ich jetzt die schwerste Entscheidung meines Lebens treffen und ein neues Zuhause für ihn suchen. Am liebsten nur vorübergehend, aber dieser Wunsch scheint mir unrealistisch. Ich muss versuchen rational an diese Entscheidung heran zu gehen, dummerweise funken mir aber immer meine (sehr starken Gefühle) für ihn (wohlgemerkt mein Hund, nicht mein Mann) dazwischen. Ich weiß, es klingt total dumm, so über die Beziehung zu meinem Hund zu schreiben und dies können wohl nur (wenn überhaupt) andere Hundehalter nachvollziehen. Aber mein doggie war/ist mein einziger Halt, jetzt und auch in den vergangenen Jahren, in denen sich mein Mann schon längst emotional von mir abgewendet hat. Dummerweise habe ich alle meine damaligen Freundschaften für meinen Mann aufgegeben, stehe nun ganz allein auf weiter Flur - abgesehen von meinem Hund. Ich bin mir sicher, diese Affenliebe ist einen Fall für´nen Therapeuten, also nicht mehr als normal einzustufen. RATIONAL ist mir das klar, EMOTIONAL bricht es mir mein Herz, den Kleine wegzugeben. Zumal dies doppelten Trennungsschmerz für mich bedeutet. Vielleicht schiebe ich auch (mich selbstveräppelnd) diese Hund-Trennungs-Problematik vor um nicht die Schmerzen der Trennung von meinem Partner spüren zu müssen. In sowas bin ich gut, bin mir dessen aber zumindest schon mal bewußt.
Huch, ist ziemlich lang und viel geworden... daher danke schon mal, wenn sich jemand davon hat nicht abschrecken lassen. Hat mir jedenfalls gut getan, das alles mal so in Worte zu fassen. Darin bin ich nämlich auch nicht besonders gut. Reden über mich selbst und meine Gefühle fällt mir auch oft nicht leicht - aber ich arbeite daran. Nachdem ich nun beim Schreiben viel geheult hab, geht´s mir etwas besser und ich würde mich über ein paar aufmunternde Worte, aber auch über klare Kritik wirklich sehr, sehr freuen!
Danke nochmal für´s Zuhören/Lesen!
So long
engelspfote