Hallo zusammen,
ich schreibe hier, weil ich seit Monaten im Kreis denke und eine Außenperspektive brauche.
Zur Beziehung
Ich war fast drei Jahre mit meinem Partner zusammen. Wir haben zusammen gewohnt und studieren im selben Fach. Die Beziehung war nicht durchgehend schlecht – es gab echte Nähe, und genau das macht es für mich bis heute so schwer.
Im letzten Jahr hat sich das verändert. Ich habe mehrfach herausgefunden, dass er mich betrogen hat. Er hat Dating-Apps genutzt, sich mit anderen Männern geschrieben, und es gab eine Person aus seinem Umfeld, der er sehr viel Aufmerksamkeit gegeben hat – aus meiner Sicht auch, um bei mir eine Reaktion auszulösen.
Jedes Mal, wenn ich das angesprochen habe, lief es gleich ab: Nicht er hat sich erklärt, sondern ich stand am Ende als der Schuldige da. Irgendwann habe ich angefangen, Dinge hinzunehmen, nur damit kein Streit entsteht.
Die Trennung und ihre Folgen
Im April hat er die Beziehung beendet – nachdem ich ihn erneut mit einem Betrug konfrontiert hatte. Die Begründung war im Kern, er könne nicht mehr, und ich hätte mich verändert.
Die Folgen für mich waren massiv:
Ich musste aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen.
Ich konnte meine Prüfungen nicht schreiben und habe ein komplettes Semester verloren.
Ich bin für mehrere Monate zu meiner Familie gezogen, weil ich allein nicht zurechtkam.
Ich bin seitdem in Behandlung.
Ich habe ihm außerdem innerhalb weniger Wochen rund 2.200 Euro zurückgezahlt.
Als ich ihm schrieb, dass ich komme, um meine Sachen zu holen, kam keine Reaktion.
Seine Kontaktaufnahme im Juli
Drei Monate nach der Trennung bekam ich eine E-Mail von ihm. Sinngemäß: Er habe viel nachgedacht, sehe die Dinge inzwischen anders, vielleicht habe er die falsche Entscheidung getroffen – vielleicht hätte er eher eine Pause gebraucht als eine Trennung. Er wolle in Ruhe reden und ob es noch eine Möglichkeit für uns gibt.
Was in dieser E-Mail nicht stand: eine Entschuldigung. Kein Wort über den Betrug, kein Wort über die Folgen für mein Studium, meine Gesundheit oder meine Wohnsituation. Das Thema war ausschließlich seine Entscheidung, Schluss zu machen.
Auf Nachfrage wollte er die Details nicht schreiben, sondern nur persönlich besprechen.
Ich hatte damals noch starke Gefühle und konnte nicht klar Nein sagen. Ich habe geschrieben, dass ich Zeit zum Nachdenken brauche. Seine Antwort: Ich solle mir so viel Zeit nehmen, wie ich brauche.
Das war Mitte August. Seitdem haben wir beide nichts mehr geschrieben.
Die Situation heute
Seit Oktober sehen wir uns wieder regelmäßig im Studium, teilweise im selben Raum. Wir grüßen uns nicht.
Was mich irritiert: Er sucht auffällig oft meine Nähe – geht an mir vorbei, läuft hinter mir her, schaut zu mir – aber sagt kein einziges Wort. Einmal bin ich ihm im Bahnhof begegnet; er ist in denselben Zug gestiegen und an meiner Station ausgestiegen. Zusätzlich fallen mir Dinge auf seinen Profilen auf, die ich eher als Signale in meine Richtung lese.
Mir selbst geht es deutlich besser als im Frühjahr: eigene Wohnung, neuer Job, zurück im Studium, Behandlung läuft. Gefühle sind trotzdem noch da.
Was mich blockiert
Wir hatten diesen Kreislauf schon einmal: Trennung im Sommer 2025, Rückkehr wenige Wochen später, dieselben Probleme, und ein Jahr später die zweite, deutlich härtere Trennung. Ich habe echte Angst, dass sich das exakt so wiederholt. Und ich kann ihm nicht vertrauen. Dafür müsste ich sehen, dass er versteht, was passiert ist – und genau das sehe ich bis heute nicht.
Meine Fragen
War es falsch, auf seine Kontaktaufnahme hin einfach nicht mehr zu reagieren? Hätte ich klar schreiben sollen, dass ich das nicht will – auch wenn ich mir selbst nicht sicher war?
Was ist jetzt richtig: mich melden und die Sache ausdrücklich beenden – oder es genau so lassen, wie es ist?
Wie deutet ihr, dass er zurück will, sich aber in sieben Monaten kein einziges Mal entschuldigt und keinen einzigen klaren Schritt gemacht hat?
Hat jemand Erfahrung damit, einen Ex über Monate hinweg regelmäßig sehen zu müssen, ohne den Kontakt wieder aufzunehmen?
Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt.