Hey Jean,
ich finde es gerade sehr schmerzhaft zu lesen, wie sehr du dir selber die Schuld gibst, dich selber verprügelst.
Zitat von Jean5: Meine Ex trenne sich, ich hatte zu der Zeit ein schwierige Lebenssituation und wurde überrascht von plötzlicher harscher Kritik an mir und konnte nicht gut damit umgehen,
Schau, jemanden in einer schwierigen Lebenssituation plötzlich mit harscher Kritik zu konfrontieren, ist erst mal ein Vertrauensbruch. Das kann schon für Menschen ohne Päckchen herausfordernd sein, für jemand mit deinem Päckchen könnte ich mir vorstellen, dass das gerade zu retraumatisierend sein könnte.
Ich denke, das gilt es erst mal anzuerkennen, dass die harsche Kritik in einer verletzlichen Phase keine Kleinigkeit war, selbst WENN es "objektiv" gar keine so große Sache war.
Für dich, war es harsche Kritik, mit der du erst mal nicht umgehen konntest. Das ist für dich schlimm, in so einer Situation zu sein, völlig unabhängig davon wir sie oder irgendjemand anders die Situation beurteilt.
Und letztendlich ist eine Person, die dich in einer vulnerablen Situation mit harscher Kritik in die Enge treibt, schlicht und einfach nicht die richtige Partnerin für dich. Es gibt sicher Männer, die mit harscher Kritik ganz gut umgehen können, du bist keiner davon. Das ist nicht falsch. Ihr passt dann halt nicht gut zueinander.
Möchtest du uns von der Szene mit der harschen Kritik erzählen?
Zitat von Jean5: wir hatten wieder Kontakt, was mich sehr freute, aber sie hatte wohl mehr erwartet, ich brauchte noch etwas Anlaufzeit, sie zog sich wieder zurück,
Es ist doch völlig ok, nach einer harschen Kritik, einer Trennung, die sie scheinbar ausgesprochen hat, einer kurzen anderweitigen Beziehung ihrerseits, ein wenig Zeit zu brauchen, um wieder in den Kontakt und ins Vertrauen zu kommen. Das halte ich für völlig normal, und mit deiner Vergangenheit hielte ich es für buschstäblich fahrlässig, dich zu schnell (wieder) einzulassen.
Wenn ihr das zu langsam ging, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es war ihr nicht so sehr ernst (darauf tippe ich), oder euer beider Annäherungstempo war total asynchron, in dem Fall ist sie einfach nicht dir richtige Partnerin für dich.
Darf ich fragen, wie lange ihr zusammen wart, und wie lange diese Wiederannäherungsphase gedauert hat?
Zitat von Jean5: nein ich hab sie nicht warm gehalten, ich war zu ängstlich und hab zuviel abgewartet, hab die no contact Phase nicht genutzt um an mir zu arbeiten, ich hab´s versemmelt, aus Angst letztlich. Furchtbar.
Was und wie hättest du denn gerne an dir gearbeitet? Tust dus jetzt? Darf ich fragen, ob du jemand kompetenten an deiner Seite hast, um die furchtbaren Ereignisse deiner Kindheit aufzuarbeiten?
Ansonsten, schau, du hast gar nichts versemmelt. Wenn du du selber bist, und das führt zum Aus, dann bist nicht du schuld, weil du, weil jeder von uns, eine Beziehung braucht, in der du du selber sein kannst und darfst. Wenn du das nicht kannst/ darfst, dann passt es einfach nicht. Dann war dein Selbstschutz genau richtig.
Schlussendlich fällt auf, wie du rein reaktiv zu sein scheinst. Du bist "in die Trennungsphase gerutscht", und dann in den Wiederkontakt hinein und wieder heraus...
Ich würde dir vorschlagen, dir hier etwas Selbstwirksamkeit zurückzuholen: Du wolltest die Wiederannäherung aus guten Gründen (!) langsam angehen lassen, ihr war das zu langsam.
Merkst du, dass das eine ganz andere Geschichte ist, wie: ich war in Furcht gefangen und habs vermasselt?
Du hattest gute Gründe so zu handeln, wie du es getan hast, und dass es nicht funktioniert hat, macht dein Vorgehen nicht falsch.
tl,dr: Ich kann hier deinerseits keine gravierenden Fehler und Versäumnisse wahrnehmen. Ich sehe hier viel mehr mangelde Passung. Nimm diese erste Beziehung als gute Erinnerung mit. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass du mit dieser Frau nicht glücklich geworden wärest, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass da draußen eine Frau ist, die besser zu dir passt.