Ja, das kenne ich. Bei meiner letzten Trennung war es irgendwie gar nicht so intensiv. Habe vielleicht eine Woche Freunde zugetextet - viel telefoniert oder auch "live" getroffen und gequatscht - aber dann war es auch vorbei. Einen Großteil der "Heilung" schiebe ich auch auf dieses Forum - und aber auf die Tatsache, dass ich eine für mich schlimmere Trennung vor 4,5 Jahren durchgemacht habe.
Da war es dann allerdings genauso, wie du es hier beschreibst. Man fällt in das Trennungsloch und hat das Gefühl plötzlich alleine dazustehen. Man sucht verzweifelt nach Halt und Verständnis...hat Redebedarf und braucht Trost und Zuspruch. Man fängt an mit Freunden, geht über zur Familie...fängt vielleicht sogar an, in Gesprächen mit Bekannten das Thema auszupacken. Jeder Trost, jede mitgeteilte Erfahrung tut gut. Man fühlt sich verstanden und merkt, dass man nicht alleine dasteht. Kaum kommen die Abende oder die Wochenenden und schwups, ist alles wieder hinfällig. Man fängt wieder an, sich mitzuteilen und merkt, wie die Mitmenschen langsam doch ungeduldig werden.
Da hat mich damals persönlich wütend gemacht, denn man kam sich plötzlich alleine gelassen und verraten vor. Aber heute sehe ich das natürlich etwas anders: Diese Leute (so gerne sie uns auch mögen und für uns da sein wollen) haben eigene Probleme am Hals - berufliche oder beziehungstechnische- und wollen irgendwann nichts mehr davon hören.
Damals habe ich es dann für mich behalten und mich abgekapselt...aus Trotz, weil ich mir dachte "Dann packe ich es halt alleine!". Ich war zynisch und schlecht drauf, wurde zum Pessimisten. Und siehe da: Kaum war ich auf dieser Egoschiene, trat meine letzte Freundin in mein Leben.
Wenn wir also angefangen haben uns selbst mit der Situation auseinanderzusetzen, entwickeln wir uns weiter. Wir werden eigenständig und zielstrebiger. Das hilft uns aus dem Loch heraus.
Natürlich ist es immer gut, jemanden mit einem offenen Ohr zu haben. Aber man muss sein Leid bewusst dosieren. Die Dosis macht das Gift, heisst es in der Pharmakologie.
