teardrops
Gast
Ich weiß soviel. Vielleicht ist es deshalb umso schwerer, Abschied zu nehmen. Mein Verstand war mir oft im Weg - oder waren es meine Gefühle, die mir im Weg waren?
Er gehörte zu meinem Leben. Sehr viele Jahre. Schwere Jahre. Für mich waren es schwere Jahre. Soviel Verantwortungsgefühl. Zuviel vielleicht. Für das Leben um mich. Und ich trug sie alleine. Weil er nicht mittragen konnte. Er wollte das leichte...
Doch er blieb - trotz meiner Zweifel, von denen ich ihm erzählte. Weil ich das Gefühl hatte, ihm fehlt was mit mir. "Nein" war dann immer seine Antwort "nur du bist es, die ich will".
Ein Jahr folge dem anderen...so vieles stimmte nicht. Passte nicht. Ich sah es. Aber es gab diese Momente - wir beide eng umschlungen, versunken ineinander - wie auf einer Insel, nur wir beide. Alles vergessen. Als wären wir ganz pur gewesen - pur wie ein Mensch nur sein kann. Ohne wenn und aber...
Habe so eine Kraft getankt daraus. Kraft für das Leben um mich. Das, was ich alleine lebte - weil ich ihn nicht bei mir und mit mir fühlte...Er war nur neben mir, führte sein eigenes Leben. Und er merkte es nicht so wie ich - wir waren nur auf unserer Insel wirklich verbunden.
Ich war so zu gemauert. Außerhalb der Insel. Im wirklichen Leben. Mit all der Verantwortung, die ich in mir trug. Für meine Kinder, für meine Familie, die Arbeit...konnte sie einfach nicht abschütteln...
Nach Jahren war es dann soweit. Sie fiel ab, nach und nach. Ich spürte eine Leichtigkeit. Fühlte mich jung...wie neugeboren...musste mich selbst erinnern, dass ich keine 20 mehr bin...so ein wahnsinnges Gefühl von Befreiung in mir. Jetzt konnten wir leben - wir beide. Er und ich - mein Ballast war weg. Konnte ihm geben, was ich vorher nicht geben konnte. Sehr viel nur für ihn da sein... ihn zu meinem Lebensmittelpunkt machen...
Da ging er. Verließ mich. Zu spät? Oder wollte er mich so gar nicht?
Ich brach zusammen. Es tat ihm leid. Er wollte jetzt ein anderes Leben. Da passte ich nicht rein... Er wollte eine andere Frau. Hatte schon längst danach gesucht, ohne dass ich es wusste - und fand. Die ideale Partnerin. Für das Leben, für die Zukunft... wie er es sich vorstellte.
Und doch kam er immer wieder zurück. Warum? Für die Insel-Momente? Ja, die liebte ich auch. Sie hatten eine tiefe Bedeutung für mich... Aber nicht für ihn. Er ging danach sofort wieder zurück. In das Leben, wie er es sich vorstellte.
Ich war verletzt - jedesmal. Und doch schaffte er es immer wieder, mir das Gefühl zu geben, ihm bedeutete das "wir beide" auch etwas... tief im Inneren.
Aber so war es nicht. Das weiß ich heute. Es machte ihm nur Spaß, war etwas anderes...in seinem neuen Leben...das so leicht ist, wo alles passt...außerhalb einer gefühlten Insel...
Jetzt habe ich es gespürt...nach dem ich weiß nicht wievielten Mal...er war nur noch ein Besucher. Mehr nicht. Kam über eine Brücke aus Illusionen zu mir...genoss den Aufenthalt für eine sehr kurze Zeit...und verschwand wieder. In sein leichtes Leben. Mit der anderen Frau. Sie nahm ihn wieder - wie immer. Weil er der perferkte Mann für sie ist, hat sie ihm gesat. Trotz all der Trennungen von ihr - die er nur für den Insel-Aufenthalt durchgezogen hatte...
Diesmal endgültig. Zu fremd geworden. Ist nicht mehr sein Zuhause. Meine Nähe.
Ich war mal die Liebe seines Lebens. Schrieb er mir nun. Aber es hätte ja nicht geklappt...
Sie ist die Liebe seines Lebens. Das hat er ihr öffentlich bekundet...
Es tat so unheimlich weh.
Aber so ist es. Die Wahrheit ist kalt. Und grausam.
Ich habe nicht ausgereicht...so wie ich bin.
LG teardrops

