ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es momentan in dir aussehen mag.
Selbstverständlich hab ich keine Ahnung, was in eurer Ehe die letzte Zeit alles schief lief oder auf der Strecke blieb.
Aber den Rat, den ich dir geben kann ist, kämpfe um deine Ehe.
Nicht für Chris, sondern für dich.
Offensichtlich habt ihr euch beide gleichermaßen nicht sonderlich um eure Liebe bemüht.
Es hat niemals jemand behauptet, dass eine funktionierende Ehe oder Beziehung eine einfache Sache ist.
Manchmal läuft es sich tot.
Manchmal sieht es so aus, als sei die Liebe weg.
Manchmal muss man was tun, damit die Liebe bleibt.
Oder wiederkehrt.
Sie ist nicht selbstverständlich.
Schau dir deinen Chris an und überlege dir gut, ob du ihn wirklich aufgeben willst.
Ihn und alles was ihr zusammen habt.
Oder ob du den Anfang machst, eurer Ehe wieder frischen Wind einzuhauchen.
Gespräche führen, was falsch läuft.
Wieder etwas Pfeffer ins Leben zu bringen.
Eine Liebe muss gepflegt werden. Sie braucht Aufmerksamkeit.
Und das kann oft harte Arbeit sein.
Hört sich alles sehr klugscheißermäßig an, aber ich glaube daran. Und bis jetzt bin ich damit sehr gut gefahren.
Wir haben auch schon sehr schwere Zeiten gehabt. Aber am Ende überstanden. Und ich bin froh, dass ich nicht weggegangen bin. Dass ich an unserer Ehe gearbeitet habe.
Dass ich meinen Chris wachgerüttelt habe und ihm gezeigt habe, dass wenn wir jetzt nichts tun, kann alles vorbei sein.
Ich denke, dass diese Sehnsucht nach diesem Kollegen keine Sehnsucht nach eben diesem Menschen ist, sondern eine Sehnsucht nach den Inhalten der Träume,die du auf diesen Kollegen projezierst.
Aber vielleicht kannst du diese Träume auch mit Chris erleben.
Treffe deine Entscheidung nicht überstürzt.
Und schon garnicht wegen irgendwelchen Tagträumen!
Marnie
PS: Vielleicht hilft dieses Gedicht etwas

Kurt Tucholsky 1890 - 1935
Du lernst ihn in einer Gesellschaft kennen.
Er plaudert. Er ist zu dir nett.
Er kann dir alle Tenniscracks nennen.
Er sieht gut aus. Ohne Fett.
Er tanzt ausgezeichnet. Du siehst ihn dir an...
Dann tritt zu euch beiden dein Mann.
Und du vergleichst sie in deinem Gemüte.
Dein Mann kommt nicht gut dabei weg.
Wie er schon dasteht - du liebe Güte!
Und hinten am Hals der Speck!
Und du denks bei dir so: "eigentlich ...
Der da wäre ein Mann für mich ! "
Ach, gnädige Frau! Hör auf einen wahren
Und guten alten Papa!
Hättst du den Neuen: in ein, zwei Jahren
Ständest du ebenso da!
Dann kennst du seine Nuancen beim Kosen;
Dann kennst du ihn in Unterhosen;
Dann wird er satt in deinem Besitze;
Dann kennst du alle seine Witze.
Dann siehst du ihn in Freude und Zorn,
Von oben und unten, von hinten und vorn ...
Glaub mir: wenn man uns näher kennt,
Gibt sich das mit dem happy end.
Wir sind manchmal reizend, auf einer Feier ...
Und den Rest des Tages ganz wie Herr Meyer.
Beurteil uns nie nach den besten Stunden.
Und hast du einen Kerl gefunden,
Mit dem man einigermaßen auskommen kann:
dann bleib bei dem eigenen Mann !