Schmerz nach 3 Monaten Trennung, Schuldfrage

Amicelli

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Hallo zusammen!

Es hat etwas gebraucht, bis ich den Mut zusammennehmen konnte um hier meine Geschichte teilen zu können. In mir existieren nach Wochen und Monaten Fragen des Warums und auch noch schmerzliche Momente. Ich möchte diesen Raum hier nutzen, um mich auszutauschen über Erfahrungen und vielleicht auch Rat zu bekommen.

Mein Partner und ich waren 1 Jahr zusammen, wir sind relativ schnell zusammengezogen. Wir haben uns sozusagen in der Beziehung kennengelernt. Als wir uns kennenlernten, war ich in einer schwierigen wohnlichen Situation, woraufhin wir uns eine gemeinsame Wohnung suchten. Dieser Wunsch kam von uns beiden, betrachtet jedoch mehr von ihm. Ich hätte es garnicht erwartet und fragte mich gleichzeitig, ob ich das wirklich will. Ob ich ihn will. Oft war ich mir unschlüssig, ob ich mit vielen Gegebenheiten und Vorstellungen leben kann und doch spürte ich diese Verbindung. Wir verbrachten sehr viel Zeit zusammen, wir spielten uns im Alltag ein und irgendwann konnte ich es mir ohne ihn nicht mehr vorstellen. Wir zogen zusammen, mit vielen finanziellen und zeitlichen Hürden, doch in dieser Wohnung fühlten wir uns nicht sehr wohl, es war sehr laut in der Altstadt und wir haben dies unterschätzt. Ich bin eher ein Mensch, der handelt, wenn er sich nicht wohl fühlt und einer ein Geher als ein Bleiber. Deshalb sind wir nach einigen Monaten nochmals umgezogen. Diesmal in eine Whg, die unseren absoluten Vorstellungen entsprach. Doch hier, als auch schon in der alten Wohnung, stritten wir sehr viel. Gingen uns auch körperlich an. Teils sehr stark und schwer. Es war iwann ein Gefühl der Hilflosigkeit dar, zudem fühlte er sich oft nicht mehr gesehen, auch als Mann. Wir überschritten beide Grenzen. Die Grenze zum Toxischen. Aufgrund dessen habe ich die Initiative ergriffen, zu einer Paarberatung zu gehen. Sie war schleppend und auch eher von mir geleitet. Nach den Gesprächen standen wir oft wieder am Anfang, da von seiner Seite aus kein klares Statement über wollen oder nicht wollen stattfand. Eher ein "weiß ich nicht", "will ich nicht", "keine Ahnung". Das zerriss mich. Er ist an meinem Geburtstag im Oktober ausgezogen. Mit sehr viel Drama. Ja, das war dann sein Statement zu unserer Beziehung. Ich habe diesen Tag als ein tiefes traumatisches Erlebnis erlebt, was mir heute noch mehr als nur Bauchschmerzen bereitet. Die Wochen vor dem Auszug zockte er unglaublich viel, so viel, das er nichts mehr geschafft bekommen hat, sich total hat hängen lassen. Ich spürte das und wollte reden und reflektieren. Er nicht. Er vergrub sich immer weiter bis zum Ausbruch. Bis zu vielen traumatischen Erlebnissen, das er am Tag der offiziellen Trennung mit einer anderen Frau geschlafen hat, bis zum Thema, das mein Arm aufgrund unserer körperlichen Tätlichkeiten gebrochen war. Während ich das hier schreibe, kann ich kaum sagen, was ich fühle. Die ganzen Wochen und Monate habe ich mich immer mehr zurückgezogen, eigentlich nur noch über mich ergehen lassen. Es war iwann fast schon normal, dass immer noch eins drauf gesetzt wird und am Ende die Schuldfrage im Mittelpunkt steht und diskutiert wird. Ich bin von einer selbstbewussten Frau nur noch ins Ertragen. Ich selbst beschäftige mich sehr viel mit innerer Kind Arbeit, mit Prägungen und meinen Ängsten. Ich weiß genau, wo ich war, als all das passierte und genau das macht mich oft so hilflos und auch wütend auf mich selbst. Weil ich es nicht "geschafft habe", versagt habe, in den Momenten den Draht zu mir selbst zu haben und stark genug zu sein, die Grenze zu ziehen. Anstatt dessen vermisse ich ihn immernoch. Ich muss in mittelfristiger Zukunft unsere Wohnung aufgeben, die seit dem 01.01 meine ist, da ich mir diese nicht alleine leisten kann. Ich trenne mich auch von meinem Zuhause, was ich manchmal kaum ertragen kann. Ich habe alles zu meinem Zuhause gemacht. Nichts mehr von ihm ist hier. Auch muss ich sagen, dass ich jemand kennengelernt habe, er unterstützt mich sehr, wir tauschen uns unglaublich viel aus. Trotzdem habe ich Angst wieder in sowas zu geraten. Wenn wir kuscheln, ist es für mich oft schwer, anzukommen. Es ist oft noch der Gedanke da, dass dort jemand anderes noch vor Monaten war und ob ich mir das erlauben darf. Dadurch das ich mich mit meinen Lebensthemen beschäftige, kenn ich diese Frage. Darf ich es mir erlauben, geliebt zu werden? Darf ich es mir erlauben, dass ich mich an jemanden anlehne?
Ich möchte klar werden, wieder orientiert und stark. Ich möchte Liebe nicht mit Bedürftigkeit verwechseln und besonders möchte ich mich meinen Prägungen nähern, zu der Frage, was in mir Vorwürfe und Beschimpfungen ausgelöst haben und besonders, was in mir der missbräuchliche Umgang mit meiner Vergangenheit ausgelöst hat. Für mich war der gebrochene Arm nur das Zeichen für die toxische Beziehung. Das danach und das davor war viel zerstörischer und bewegt mich selbst nach 3 Monaten erst zu realisieren und letzen Endes hier einen Raum zu suchen. Wir haben ab und zu noch Kontakt und der Mittelpunkt von ihm ist und bleibt die Schuldfrage, die er mir zuweist. Das was er kann, ist mich als krankes Wesen darstellen, was unter der Vergangenheit leidet. Er konnte schlechter mit meiner Vergangenheit umgehen als ich. Bin da sehr offen mit. Mittlerweile stellt er dieses Schuldthema auch in der Schule (wir machen beide das Abitur auf dem 2. Bildungsweg nach) vor Klassenkameraden dar, vor Lehrern, Familie, Freunden. Vor allen. Während ich das alles für mich alleine verarbeite. Derzeit sehen wir uns dort nicht, was sehr gut ist. Schwer zu sagen, wie ich mit umgehen würde. Er ist mein Klassenkamerad aber auch mein Ex- Freund. Einen normalen Umgang. eher eine Illusion, wie so vieles.
Schwer zu beschreiben, was in mir vorgeht. Es ist ein Wechselbad zwischen Zuneigung, Abneigung, Verbindung und Schlucht. Es sind sehr viele ungeklärte Dinge und ungesagte Worte im Raum. Zumindestens für mich und bei mir. Sehr viele Fragezeichen und Warum's. Auf die ich wahrscheinlich nie eine Antwort erhalten werde.

Vor 1 Stunde • #1


Zweizelgänger

Zweizelgänger


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Hallo,
deine Geschichte klingt wirklich sehr ungut.
Auch wenn es insgesamt eine unglaublich schwierige Situation ist, solltest du wirklich jeden Kontakt einstellen.
Es geht ja da nicht nur um deine Sicherheit, sondern darum, dass du irgendwie anfangen kannst zu verarbeiten.
Gibt es denn eine Möglichkeit, dass du die Schule wechselst?
Und wie lange würde die noch gehen?

Wenn ich ehrlich bin, weiß ich garn nicht was ich dir sonst erzählen oder raten könnte.
Dieses seltsame Schuldfrageding kenne ich auch, aber verstanden habe ich es noch nie.
Vermutlich ist es etwas das hauptsächlich bei Menschen vorkommt, die wissen dass etwas nicht richtig war und dann unbedingt selbst unschuldig sein wollen.
Helfen tut es aber am Ende keinem.

Wie geht es dir inzwischen?

Gerade eben • #2