Vielleicht .

Ehemaliger User

Hi ...

... vor drei Wochen hat meine Frau mich verlassen. Wir waren drei Jahre verheiratet, aber in den letzten Monaten lief es nicht mehr so richtig zwischen uns. Sie fand einen Neuen, und ist bei ihm eingezogen. Ich bin mir über nichts mehr sichern, über ihre Fehler oder meine. ich bin mir nicht sicher, woran es lag, und meine Ängste und Alpträume fressen mich auf. Vielleicht habe ich zu viel gearbeitet, vielleicht habe ich zu viel auf bessere Zeiten gehofft. Vielleicht waren wir nicht füreinander geschaffen, vielleicht bin ich einfach nicht beziehungsfähig, oder sie. Vielleicht ist es besser so, vielleicht ist es das Ende. Vielleicht ist es sin Neuanfang, vielleicht komme ich nie mehr hier raus. Vielleicht lag es alles an mir, vielleicht an mir. Vielleicht hat sie sich verändert, vielleicht kam es mir nur so vor, weil ich mich so verändert habe. Vielleicht habe ich sie nie geliebt, vielleicht sie mich nie. Vielleicht war es nur die Angst, allein zu sein, vielleicht werde ich jetzt für immer alleine bleiben. Vielleicht wird die Sonne nie wieder scheinen, vielleicht hat sie die drei Jahre nie geschienen. Vielleicht - oder was ganz anderes. ich weiß es nicht, ich hab nur Angst. Angst vor dem Alleinsein, vor der Scheidung am Ende, vor einem schnellen Ende, vor einem endlos langem Ende. Angst, mit anderen Menschen zu reden, Angst vor dem Schlaf voller Alpträume. Angst vor meinen Freunden, meiner Familie, Angst davor, zu sagen, was passiert ist. Angst davor, mich selbst zu sehen. Angst vor der Dunkelheit. Angst vor der Zukunft.
Dabei geht es vielen wohl noch viel schlechter ... tagsüber bin ich okay, abends rauche und trinke ich zu viel, und nachts wache ich weinend auf. Naja ... das ist wohl, wie es geht.

Stefan

15.10.2001 22:04 • #1


Ehemaliger User

Hi Stefan,

Du durchlebst einen Schmerz den leider viele so oder so ähnlich erlebt haben.
Du bist nicht allein, Du bist nicht verrückt. Du hast viele Empfindungen (die auch ich durchlebt habe) sehr gut beschrieben.
Deine Vielleicht Fragen wirst Du teilweise bald selbst beantworten können, andere werden unwichtig.
Wie das Wort 'Vielleicht'  schon sagt,  es bietet eine Alternative. Es wird an Dir liegen, nach Deinem durchlebten Schmerz,  die Alternative zu wählen ...  die DU  willst.
Heute habe ich in eine Mail erhalten mit einer sehr treffenden Aussage :
'Krisenzeiten sind Zeiten der Weisheiten. Viele kennen wir schon, haben wir aber nie so richtig verstanden' .
Besser kann man es nicht ausdrücken, obwohl wir wohl alle gern auf solche Erfahrungen und durchlebte Weisheiten verzichtet hätten.

Einige Deiner Vielleicht-Fragen  kann ich Dir beantworten:

>>Vielleicht ist es ein Neuanfang<<   JA, wenn Du es willst ...

>>vielleicht werde ich jetzt für immer alleine bleiben<<  NEIN, wenn Du es nicht willst und auch allein gibt es ein sehr lebenswertes Leben ...

>>Vielleicht wird die Sonne nie wieder scheinen<<  Doch, sie scheint, Du nimmst sie zur Zeit nur nicht wahr...


Es wird in kleinen Schritten bergauf gehen, ich wünsche Dir viel Kraft auf dem Weg.

mitfühlende liebe Grüße
Andrea

16.10.2001 15:59 • #2


Ehemaliger User

hallo stefan2

ich habe soeben deine mail gelesen und auch andreas` antwort.... sie hat so recht!!!
so wie es dir jetzt geht, geht es derzeit vielen anderen, ist es vielen anderen gegangen und wird es vielen anderen gehen – leider kommen wir um solche erfahrungen nicht herum, es ist so vieles da, das uns scheinbar erdrückt: unsicherheit, selbstzweifel, angst, einsamkeit, elendstiefer schmerz...
glaub mir stefan: du bist jetzt da mitten drinnen – siehst vielleicht kein funzerl von licht – und trotzdem wird es wieder bergaufgehen, du wirst wieder licht sehen, du wirst wieder boden unter deinen füßen spüren und du wirst wieder liebe zu einem anderen menschen in deinem herzen spüren – so geht es derzeit vielen anderen, ist es vielen anderen gegangen und wird es vielen anderen gehen...

ich fühle mit dir, lieber stefan2.
ich wünsche dir eine gute zeit,
ich wünsche dir alles gute.


ciao manta

16.10.2001 18:28 • #3


Ehemaliger User

Hallo Stefan2,

ich hab die 2. Hälfte des letzten Jahres auch so erlebt wie du, es war schrecklich. Ich hab gekämpft wie ein Löwe, aber um was? Vielleicht (ich denke ziemlich sicher) wirst Du durch den Verlust stärker werden. Ich hoffe nur, daß sich diese Stärke nicht negativ äußert wie bei so Vielen, denen der Stolz wichtiger ist als die Liebe. Öffne Dich für das Neue und das Alte wird immer unwichtiger. Das Neue muss nicht besser sein oder schlechter, es ist aber eine neue Aufgabe. Die Vergangenheit wird Dich ab und zu mit Tränen heimsuchen, aber es wird besser werden. Die Zeit heilt die Wunden, wenn Du es zulässt und aktiv mithilfst. Die Narben werden bleiben, aber nur als lehrreiche Erinnerung, nicht als Hindernis...

cu

17.10.2001 01:53 • #4


Ehemaliger User

Hallo und guten Morgen Stefan2,

vielleicht wird alles anders?
Bestimmt wird es das. Trauen und verarbeiten sind ganz wichtig. Das gehört leider dazu. Es tut sehr weh. Es kann noch länger wehtun.....Lange.
Auch ich wurde nach 3 Jahren verlassen. Aber ich habe es akzeptiert. Viel zu viel geraucht und getrunken und lief mit verheulten Augen rum. Aber ändern konnte ich gar nichts. Lebe das Leben neu. Versuche stark zu sein in dieser schweren Zeit. Und lass den Gefühlen freien Lauf.
Versuche mit Deinen Freunden zu reden, wann immer Dir danach ist und weine, wenn Dir danach ist. Hole Dir Trost von all den Verlassenen. Es gibt da sehr viele.
Und wir sind um eine bittere Erfahrung reicher geworden!
Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute und viel Kraft.

Liebe Grüsse
Monika vB

17.10.2001 08:22 • #5