Nina
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Vor 10 Jahren heirateten mein Mann und ich, nachdem wir uns nur wenige Monate kannten. Es war die gaaaanz große Liebe. Es stimmte einfach in allen Bereichen (soweit ich das noch in Erinnerung habe). Aber ich will nicht zu weit ausholen. Ein Problem fing allerdings nach relativ kurzer Zeit (so nach ca. 3 – 4 Jahren an). Wir schliefen nicht mehr miteinander. Warum? Tja, ich weiß es nicht so genau. Mein Mann hat sehr ausgeprägte SM-Phantasien, die ich ihm nicht erfüllen konnte. Ich habe es zwar versucht, aber die doch sehr extremen Phantasien in der Realität auszuleben war doch unmöglich. So haben wir den Sex irgendwann eingestellt. Lange Jahre einfach verdrängt. Ich bin ihm nie fremdgegangen und ich bin mir ziemlich sicher, dass er es auch nicht getan hat. Wir lebten unsere Sexualität jeder für sich (alleine) aus. Irgendwie haben wir uns damit arrangiert. Vor einem Jahr stürzte mein Mann in so eine Art verfrühte Midlife Crisis (er ist 38). Auslöser war eine Reise nach Japan. Da ich seit einiger Zeit große Flugangst habe, mein Mann aber schon lange von einer Reise nach Japan geträumt hat, habe ich ihn überredet alleine nach Japan zu fliegen. Dort wohnte er bei einer Gastfamilie. Als er von dieser Reise zurück kam war er sehr verändert. Unser ganzes Leben langweilte ihn. Die Freunde, die Familie ... einfach alles. Er hatte Angst, dass sein Leben nun die nächsten Jahre vorbestimmt war. Ich versuchte Rücksicht zu nehmen, ihm alle Freiheiten zu lassen usw. Aber sein „Zustand“ besserte sich nicht. Wir entfernten uns innerlich immer mehr. Und ich litt immer mehr. Vor ein paar Wochen fand ich eine Mail von ihm an seine Japanischlehrerin. Es war wohl so, dass er sich, als ich mit ein paar Kolleginnen in Holland war, mit ihr traf. Sie ist wohl ziemlich unglücklich verheiratet und hat sich wohl ein bisschen in meinen Mann verliebt. In der Mail stand auch etwas von „schöner Abend, kuscheln ...“. Diese Mail fand ich kurz bevor ich ins Büro wollte. Morgens um 6.00 Uhr. Ich rief sofort meinen Mann auf der Arbeit an und sagte ihm, dass es jetzt endgültig vorbei sei. Er beteuerte jedoch, dass da nichts war. Und ich glaube ihm das sogar. Trotzdem zog er auf meinen Wunsch zu seinen Eltern. Für mich ging die Welt unter. Ich konnte nicht arbeiten, nicht essen, nicht schlafen ... Na, das kennt ihr wahrscheinlich alles. Ich rief ihn natürlich an und sagte ihm wie schlecht es mir geht. Nach ein paar Tagen zog er wieder in unsere Wohnung. Aber unsere Probleme sind natürlich nicht gelöst. Vor kurzem sagte ich ihm auf den Kopf zu, dass er sich in Japan in das Mädel der Gastfamilie verliebt habe. Er gab es zu. Aber es war wohl nichts, weil SIE nicht wollte. Sie ist so ganz anders als ich, ihm viel ähnlicher. Angeblich hat er schon lange keine Gefühle mehr für sie. Für ihn ist die Sache erledigt. Für mich leider nicht. Wir führten doch eine besondere Ehe, eine besondere Liebe. Da verliebt man sich nicht in jemand anderes. Mein Mann bemüht sich in letzter Zeit wieder viel lieber zu sein. Aber ist das echt? Heute feiert er Karneval – alleine. Ich wollte nicht mit. Er wollte aber früh nach Hause kommen (er ist seit Mittag unterwegs), ist aber bis jetzt 21.30 Uhr noch nicht da. Ich fühle mich so schlecht, so ungeliebt. Er tut mir gar nicht gut, aber ich weiß auch nicht, wie ich von ihm loskommen soll. Meine früheren Freunde habe ich so ziemlich alle aufgegeben im Laufe der Jahre. Mein Mann und unsere gemeinsamen (bzw. seinen) Freunde waren mir genug. Ich habe Angst vor dem alleine sein. Ich möchte keine geschiedene Frau sein. Ich möchte auch nicht auf unsere guten Zeiten verzichten. Trotz allem liebe ich meinen Mann soooo sehr. Er liebt mich zwar auch (sagt er), aber wohl eher auf eine freundschaftliche Art (meine ich). Ich muss unbedingt den Absprung schaffen, aber ich weiß nicht wie. Ich hätte auch so gerne Kinder gehabt, mein Mann nicht. Er meint, er wäre zu
egoistisch für Kinder (das stimmt wohl auch). In all den Jahren habe ich den Kummer buchstäblich in mich reingefressen. Ich nahm während unserer Ehe 40 kg zu. Von einem recht hübschen Mädchen mutierte ich zu einer nur noch so einigermaßen ansehnlichen dicken Frau. Das stärkt auch nicht gerade mein Selbstbewusstsein. Ein Gutes hat jedoch der ganze Streß, ich versuche etwas für mich zu tun. Ich gehe ins Fitnessstudio, ernähre mich gesund und habe dadurch auch schon 8 kg abgenommen. Aber glücklich bin ich nicht. Ich verachte mich, dass ich so schwach bin. Warum kann ich meinen Mann nicht einfach vor die Türe setzen? Haben wir trotz allem noch eine Chance?
So, jetzt höre ich erst mal auf zu schreiben. Ist eh viel zu lang geworden. Falls sich jemand mein wirres Geschreibe durchgelesen hat, vielen Dank! Helfen könnt Ihr mir leider nicht. Aber ein wenig besser geht es einem schon, wenn man weiß, dass meine Schmerzen auch andere durchgemacht und vor allen Dingen auch irgendwann hinter sich gelasssen haben. Die Postings von denen, die „es geschafft“ haben, machen mir im Moment am meisten Mut. Tut mir leid, dass ich so in Selbstmitleid zerflossen bin. Ist sonst so gar nicht meine Art. Nach außen erwecke ich den Eindruck einer sehr starken Frau.
Ich wünsche Euch allen viel Kraft und eine schöne Zukunft.
Viele liebe Grüße.
Nina