Will ich das oder nicht Fern beziehung sortieren

knop

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Guten Morgen,
ich versuche mal, die wichtigsten Eckpunkte zusammen zu fassen. Ende letzten Jahres bin ich mit einem Mann / 39 zusammen gekommen, den ich vom Sehen her vorher schon kannte, aber außer kurzem SmallTalk nichts drinnen war. Wir waren während des Lockdowns oft spazieren, viele Gespräche geführt, irgendwann Anfang des Jahres kamen wir uns näher, kamen zusammen.

Er sagte mir, meiner Meinung nach reichlich spät, dass seine Firma - er kommt ursprünglich aus der Schweiz - hier abzieht und er wieder zurück in die Schweiz ginge. Ich war ziemlich geplättet, und war auch der Meinung, er hätte mir das durchaus früher sagen können, hat er aber nicht. Begründung: Er wusste nicht, ob das wirklich relevant sei zu diesem Zeitpunkt. Ich bin der Meinung, über so etwas spricht man - wenn auch nur nebenbei. Ich habe mir länger Gedanken gemacht und kam aber zum Entschluss, es zu versuchen, da ich ihn unglaublich gern habe und der Meinung bin, wir passen zusammen. Dann ging es schlag auf schlag. Durch Corona verzögerte sich alles und er hatte bereits seine Wohnung gekündigt, ich bot ihm an, dass er die letzte Zeit bei mir verbringen könnte. Das klappte erstaunlich gut - vorher hatte ich große Probleme damit, irgendwann aber kamen wir trotz meiner kleinen Wohnung super mit einander klar, auch wenn ich anfangs wirklich große Schwierigkeiten hatte, jemanden ohne meine Anwesenheit allein in der Wohnung zu lassen, bildete sich großes Vertrauen. Er fühlte sich auch sehr wohl bei mir, was mir gefiel, und irgendwie war die Stimmung trotz des ganzen Chaos, das er verursachte, gut.

Die Trennung fiel mir sehr sehr schwer, ihm auch. Allerdings war für ihn klar, er kommt wieder, wann wo und wie - keine Ahnung - konnte er aber nicht sagen. Ich war der Meinung, sein Weggang war eine fatale Fehlentscheidung für ihn beruflich und für ihn auch privat (für mich natürlich auch). Anfangs empfand ich trotz des Trennungsschmerzes meine Freiheit, ich bin jemand, der ein sehr ausgefülltes Leben hat, als aufatmend und war froh, auch mal wieder telefonieren zu können, meinen Tagesablauf nach meinem Gusto flexibel gestalten zu können - auch wenn er mir sehr fehlte. Irgendwie telefonierten wir anfangs oft, und ich empfang trotz Freude auch "genervt sein", deswegen weil er irgendwie nie wirklich an meinem Leben teil haben konnte und ich auch keine Lust hatte, jeden Tag 1-2 Stunden zu telefonieren, wo ich mir dachte, "Hey, in der Zeit bin ich jetzt lieber draußen, dein Pech, dass du nicht dabei sein kannst", aber ich hatte keinen Bock per Skype ständig verfügbar zu sein, er rief dann auch sehr oft an und meldete sich - ich hingegen eher weniger. Ich dachte eher nach.

Auch die Themen gefielen mir zunehmend weniger, denn sie beinhalteten Zukunftspläne mit mir/uns. Und ich hatte immer das Gefühl, "Hey, du hast keine Ahnung ob und wann und wie und wo du wieder kommst und ich hab keine Lust über Luftblasen zu diskutieren", aber die Themen gingen uns irgendwie aus, so mein Eindruck, man sprach mehr und mehr über Belangloses, und ich merkte auch, dass ich ihm Vorwürfe machte, unterschwellig "Tja, wenn du jetzt da wärest, könntest du auch mit". Ich merkte schon, dass er irgendwie seine Entscheidung bereute, merkte aber auch zunehmend, dass ich keine Lust mehr habe auf diesen Umstand, ich bin keine 20 mehr.

Immer wenn wir uns dann sahen, war es für mich "Ausnahmezustand" und das war es, was ich irgendwie nie mochte. Ich denke, wäre er hier geblieben, hätten wir uns super in einen Alltag gemeinsam eingelebt, aber durch dieses 1x pro Monat für 1 Woche sehen, . so geht Alltag nicht, er sitzt dann bei mir, er kann weltweit quasi online arbeiten, ich nicht, ich habe einen Präsenzjob. Er ist halt dann doch irgendwie mehr Gast als er es während der Zeit war, wo er kurz bei mir gewohnt hat, ich hab dann 1 Woche im Monat einen Gast da, wir unternehmen viel, aber für mich ist das irgendwie nicht das, was ich mir vorstelle. Für ihn auch nicht, aber er schmiedet dann wieder Pläne im Großen und die sind mir dann wieder zu groß. Ich denke nicht an das gemeinsame Haus im Grünen, ich denke: Hey, wenn du wieder kommst, sollten wir es erstmal schaffen ein paar Jahre zusammen zu sein ohne Hochzeitsplanung, Kinderplanung (sowieso vom Alter her kritisch) und Hauskaufplanung, das nervt mich irgendwie, weil ich das Gefühl habe, ich mach grad einen Führerschein und kauf mir erst mal einen Polo und er plant dann gleich den Porsche zu kaufen.

Ich bin immer hin und her gerissen, weil ich einerseits große Ernsthaftigkeit erkenne, aber andererseits auch oft denke, was eine Zeitverschwendung gerade hier zu skypen statt gemeinsam real Zeit zu verbringen. Und dann muss wieder alles auf eine Woche komprimiert werden, und dann . . weiß weder er noch ich, ob und wann und unter welchen Umständen er je wieder her kommt. Er kommt nämlich grundsätzlich nur wieder her wegen mir, sonst hat er ja niemanden hier, seine Family wohnt dort und Freunde auch.

Zudem kommt noch die Tatsache, dass er zunächst dort eine Leitungsfunktion übernehmen sollte, jetzt hat sich herausgestellt, er verdient dort weniger als hier und dass die Kosten dort in CH höher sind braucht man nicht zu erwähnen. Ich denke also er wird auch nicht viel bei Seite legen können, hat aber auch gut gelebt. Ich hingegen bin extrem sparsam gewesen und habe jetzt mein Leben auch finanziell gut sortiert, das sind Dinge, die sehr sehr sachlich klingen, aber bei mir auch inzwischen eine Rolle spielen, da ich niemanden mit finanzieren möchte, was mir einmal passiert ist und kein zweites Mal passieren wird.

Jedesmal wenn ich wieder allein bin denke ich, bist du wirklich gewillt, das alles noch weiter mit zu machen? Oder aber auch, ja, es ist die Sache wert, er ist es wert, es geht um den Mensch, den ich kein zweites Mal finden werde und nicht um den Umstand, der für mich gefühlt höher ist als tatsächlich höher ist, denn eigentlich ist er derjenige, der mich besuchen kommt, er hat höheren Aufwand, Kosten und Stress, nicht ich.

Dieses Chaos versuche ich zu sortieren, komme aber nicht weiter und freue mich auf Austausch.

29.05.2021 11:52 • #1


Dannyboy

Dannyboy


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@knop ich finde du solltest dir im klaren werden was du möchtest und was du erwartest. Bei dem was du schreibst klingt es so als ob du hin und her gerissen bist, mal ja mal Nein und das ist kein Fundament um so ein großen Schritt zu gehen ein Umzug zu erwägen. Zudem scheint ihr in vielem geteilter Meinung zu sein und daher würde ich empfehlen zu reflektieren ob er der Mann für dich ist, ist klar wenn er den Umzug macht das er große Schritte von dir erwartet, was wenn du nach einer Zeit nicht mehr dazu bereit bist? Soll er sein komplettes Leben umkrempeln für ein mal schauen was draus wird?

Lass ihn nicht in deine Stadt ziehen wenn du erstmal schauen willst wie es läuft, es geht dabei um sein Leben, du hast da kein Aufwand.

29.05.2021 17:18 • #2




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