liar
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Das war schon ein großartiger Start ins Leben, und der Rest konnte einfach nur schiefgehen. Ich wünschte mir heute, dass meine Mutter einmal in ihrem Leben Verantwortung gezeigt und mich abgetrieben hätte.
Der gewalttätige Stiefvater ging und ein anderer kam. Da gab es zwar keine großartiger körperliche Gewalt, aber he, wem hat schon eine Ohrfeige oder weich geprügeltem Hintern geschadet? Dumm nur, dass dieser Mann die Gefühlsregung eines Steins hatte.
Das Leben lief dann weiter mit einem gefühlskalten Vater und einer Mutter, die schlicht und ergreifend nicht fähig ist Beziehung aufrecht zu erhalten. Gespickt mit Widersprüchen, die aus Demütigungen und anschließender Wiedergutmachungen bestanden, bin ich irgendwie über die Runden gekommen.
Ihr seht, meine Leben konnte eigentlich nur ordentlich nach hinten losgehen.
Eine Fähigkeit, die ich im Laufe der Jahre gelernt und immer weiter perfektioniert habe ist das Lügen. Ich bin so ein verdammter guter Lügner und oben drauf kommt noch, dass ich richtig gut Menschen manipulieren kann. Das Ganze wird dadurch abgerundet, dass ich auch nicht wirklich auf den Kopf gefallen bin. Das ist eine ziemlich explosive Mischung.
So mit 14 habe ich mich entschieden, dass Beziehungen ziemlich uncool sind. Von da ab habe ich nur noch erobert und wieder weggeworfen. Verzeiht mir den Ausdruck, aber es ist genau so gewesen. Beziehungsunfähigkeit lässt grüßen. Und dadurch das ich recht gut lügen kann, war ich auch ziemlich erfolgreich.
So mit 22 kam dann ein Mensch in mein Leben, der sich irgendwie nicht so wirklich entsorgen lassen wollte. Der Mensch ist hartnäckig an mir drangeblieben. Irgendwas muss der in mir gesehen haben, was ich selber nicht da sah. Dumm war nur a) das meine Lügengebäude sich inzwischen so verselbständigt hatten, dass ich ein wenig den Überblick verlor und selbst nicht mehr ganz sicher war, was davon jetzt stimmte und was nicht, und b) ich habe diesen Menschen in mein Herz gelassen - das erste und einzig Mal.
Es vergingen fünf recht turbulente Jahre, bis das kommen musste, was schon von Anfang klar war: Meine ganzen Lügengebäude brachen in einem großartigen Knall in sich zusammen. Es war nicht so, dass ich den Ar. in der Hose hat alle Karten aufzudecken. Nein, mit einer Salami-Taktik habe ich versucht das Gröbste zu überdecken. Aber "leider" konnte ich einfach so knapp 60.000 Euro Schulden nicht überdecken.
Jetzt könnte man meinen, der Mensch hätte mich verlassen. Wer will schon mit einem Lügner sein Leben verbringen? Aber weit gefehlt. Der Mensch blieb mir, unter der Bedingung, dass ich alle Karten aufdecke und das tat ich. Das erste Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl das mich jemand liebt für das was ich wirklich bin und nicht für das was ich vorgebe zu sein. Wir hielten zusammen. Ich ging in die Privatinsolvenz und begab mich in eine Therapie. Befreit von dem Druck ständig diese Lügen aufrecht erhalten zu müssen, konnte ich zu mir finden; so dachte ich damals zumindest. Es folgten 10 wunderschöne Jahre, wir beide arbeiten hart an unseren Karrieren und unterstützen uns gegenseitig. Wir führten ein schönes Leben, heirateten, konnten uns viele Dinge leisten und träumten von Kindern sowie einem Haus. Ich fühlte mich angenommen, angekommen, geborgen, verstanden, ja, ich habe tief und innig geliebt.
Jetzt könnte man wieder meinen: Was für ein schönes Happy End!
Das Leben hält nun mal keine Happy Ends bereit.
Es kam zu diesem verhängnisvollen Tag, als ich eine Affäre anfing. Und wieder griffen lange als überwunden geglaubte Muster. Ich fing wieder an zu lügen. Anstatt die Dinge auf den Tisch zu packen, baute ich wunderhübsche Gebäude zusammen. Als es dann rausgekommen ist, hat dieser Mensch immer noch an uns geglaubt. Und was mach ich? Genau, ich mache munter weiter und an seinem Geburtstag kommt es wieder raus. Was für ein A.-Loch kann man eigentlich sein?
Ich könnte jetzt lange schwafeln von Beziehungsdynamiken und bla bla, aber der Punk ist einfach, dass ich es wieder verbockt habe. Und was noch viel schlimmer ist, ich einem Menschen solche enorme Verletzung hinzugefügt, dass man wohl dafür kaum Worte findet.
Das ist nun 15 Monate her, heute kam das Scheidungsurteil. Und das Dumme daran, wir lieben uns noch immer. Wir können nicht die Finge von einander lassen. Wir ziehen uns an und stoßen uns gleichzeitig wieder ab. Keiner von uns hat den Mut diesen Schwebenzustand zu beenden, der uns doch gleichzeitig so quält.
Wenn ich mein Leben so rational betrachte, dann ist es an mir diese Entscheidung zu treffen. Endgültig und für immer. Ich muss diesen Menschen, und auch andere Menschen, vor mir schützen. Ich werde mich nicht ändern. Ich kann mich nicht ändern. Dafür ist es zu spät.