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Die Insel der Trennungsgeschmerzten

nova

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Ich sehe dieses Forum als eine Art Insel, irgendwo im Ozean. Weit und breit nichts als das endlose Meer.

Unsichtbar f├╝r den normalen Schiffsverkehr, ereignet es sich doch immer wieder, dass Schiffbr├╝chige, kurz vor dem Ertrinken hier an den Strand gesp├╝lt werden. Dabei ist es ganz egal, ob die Gestrandeten davor ihr Schiff zum Kentern gebracht haben, ob sie vielleicht ├╝ber Bord geschubst wurden oder gar selber sprangen.

Im Endeffekt landen irgendwann im Laufe des Lebens alle einmal hier.

Der (oder die) Gestrandete erwacht also am Strand und sieht erstmal nur die unendliche Weite des Ozeans vor sich. Sp├╝rte man davor auf hoher See die Sicherheit des Bootes, auf dem man zu zweit unterwegs war, so macht sich jetzt vor allem Angst breit: wie soll man diese Insel je wieder verlassen k├Ânnen? Der Ozean ist gef├Ąhrlich und viel zu weit.
Das schlimmste Gef├╝hl aber stellt sich im Anschluss ein: Einsamkeit. Man f├╝hlt sich alleine, irgendwo im riesigen Ozean, auf einer einsamen Insel. Man vermisst sein Boot. Die W├Ąrme. Die Zweisamkeit.
Manchmal w├╝nscht man sich sogar, lieber ertrunken zu sein als sich dieser Einsamkeit zu stellen.

Dann dreht man sich das erste mal um. Man sieht sich die kleine Insel genauer an und stellt fest, dass sie gar nicht verlassen ist. Es herrscht gesch├Ąftiges Treiben. ├ťberall werden kleine Boote aus Bambus gebastelt, manche probieren sogar, ihre fertigen Boote ins Wasser zu lassen. Bei manchen klappt es, sie verlassen die Insel. Manche gehen bereits nach wenigen Metern wieder unter und schwimmen traurig zur├╝ck.
Hin und wieder passiert sogar etwas Unverhofftes: ein Schiff kommt nah an die Insel heran und holt einen der Gestrandeten ab. Doch meistens sind das Erz├Ąhlungen. Die wenigsten haben das schon selbst erlebt.

Es gibt hier Gruppen die lachend um ein Lagerfeuer sitzen, sich austauschen und eine gute Zeit zu haben scheinen.
Dann spricht man ein paar der Leute um sich herum an, und erz├Ąhlt ihnen wie man hier auf der Insel gelandet ist. Je l├Ąnger man mit ihnen kommuniziert, desto mehr der anderen Gestrandeten versammeln sich, um ihre Hilfe anzubieten. Erz├Ąhlen, dass man auch alleine auf dem Ozean ├╝berleben kann. Man sich ein eigenes Boot bauen kann. Welche Art von Bambus daf├╝r am besten geeignet sei. Wie gro├č das Boot sein muss. Dass das Fundament dabei das Wichtigste sei, um nicht unterzugehen.

Auf die Frage hin, die jeder Gestrandete irgendwann stellt, ob er in diesem gro├čen Ozean wohl irgendwann sein altes Schiff zur├╝ck bekommen w├╝rde, l├Ącheln die eingesessenen Inselmenschen nur wissend und mahnen zur Geduld: dass jeder Gestrandete erst einmal Zeit f├╝r sich ben├Âtige und sich lieber damit besch├Ąftige solle, an seinem eigenen Boot zu bauen um sich damit irgendwann aus eigener St├Ąrke zur├╝ck auf den Ozean zu trauen. Auch wieviel Zeit das ben├Âtige, sei von Gestrandetem zu Gestrandetem unterschiedlich. Manche haben schon einmal eigene Boote gebaut, andere waren ihr Leben lang in einem gro├čen Schiff unterwegs, wieder andere hingegen erlitten ihren ersten gro├čen Schiffbruch.

Ihr fragt euch jetzt sicher wo ich gerade stehe? Ich bin mittlerweile zum zweiten Mal hier gestrandet, da das Fundament meines Bootes nicht gehalten hatte und ich erneuten Schiffbruch erlitten habe.
Ich habe aber mittlerweile gemerkt, dass dieses Boot auch gar nicht die Richtung eingeschlagen hatte, die ich mir gew├╝nscht hatte. Dass jemand anderes am Steuer war. Dass der anschlie├čende gro├če Schiffbruch und der Aufenthalt hier, auf der Insel der Trennungsgeschmerzten, mir die M├Âglichkeit der Erkenntnis gegeben hat, wieso mein altes Schiff so instabil war. Die M├Âglichkeit jetzt an einem neuen, stabileren Boot zu bauen. Nur f├╝r mich. Und mich dabei selbst kennen zu lernen. Und zu lieben.
Ich stehe also gerade am Strand und blicke auf den gro├čen Ozean. Aber anders als bei meiner Ankunft sp├╝re ich keine Angst, denn ich habe hier gelernt wie man stabilere Boote aus Bambus baut. Und damit das Wissen erlangt, dass ich alleine auf dem Ozean ├╝berleben kann. Dass ich mein Konstrukt irgendwann ins Wasser lassen werde, und dann irgendwann ankomme.
Ich mustere mein noch unfertiges Boot, welches neben mir am Strand liegt. Und nicke. "Noch viel Arbeit vor mir, aber das Fundament ist mir gut gelungen".


Mit dieser kleinen metaphorischen Geschichte wollte ich euch allen hier nur mal Danke sagen! Ich wurde jetzt schon zum zweiten Mal auf dieser Insel angesp├╝lt und wieder wurde mir wahnsinnig geholfen. Ihr habt mich wieder auf die Beine gebracht Und vergesst nicht: ihr seid hier nicht alleine

19.03.2020 18:53 • x 17 #1


Anis17

Anis17


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Sehr sch├Ân geschrieben!

19.03.2020 18:56 • x 1 #2



Die Insel der Trennungsgeschmerzten

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Evolution

Evolution


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Vielen Dank @nova
Mir hilft diese Verbildlichung immer sehr die Dinge in der richten, oder eben einer anderen Perspektive zu sehen. Ohne dass mir die gewaltigen Emotionen den Blick vernebeln. Danke!

19.03.2020 19:05 • x 1 #3


Alleswirdgut123

Alleswirdgut123


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Wow. Super (n) Nova. Ich bin sehr begeistert von deinen Zeilen. Darf ich mir das abspeichern?
Alles Gute Dir.

19.03.2020 21:40 • x 1 #4


Pondo-Sinatra

Pondo-Sinatra


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Sehr sch├Âne Geschichte ├╝ber ,eigentlich, uns alle hier

19.03.2020 21:49 • x 1 #5


nova


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Zitat von Alleswirdgut123:
Ich bin sehr begeistert von deinen Zeilen. Darf ich mir das abspeichern?


Danke, ja klar gerne

19.03.2020 23:20 • #6


Pondo-Sinatra

Pondo-Sinatra


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Hallo Nova

habe mir heute morgen nochmals deine sch├Âne Geschichte durchgelesen. Allerdings vermisse ich hierin noch diejenigen, die so noch ├╝berhaupt nicht wissen , was sie denn auf der Insel tun sollen. Ihr Schiff liegt eigentlich drau├čen im seichten Wasser und sie ├╝berlegen ob sie die Ankertaue kappen sollen ?

20.03.2020 07:33 • #7




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