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Ein Doppelleben nach 30 Jahre und eine verlorene Ehe

Arnika
@Sun_11 Weißt du, ich weiß nicht mehr sehr viel von meiner Urgroßmutter. Sie starb natürlich lang vor meiner Zeit. Aber was sie unsterblich machte, dass sie allen Konventionen und sozialem Druck zum Trotz für sich eine Entscheidung fiel und beinhart durchzog. Dafür wird sie bis heute - 135 Jahre später - von ihren Ur- und Ururgroßenkeln immer noch bewundert.

• x 1 #106


A


Ein Doppelleben nach 30 Jahre und eine verlorene Ehe

x 3


Hola15
@Sun_11

Mein Vater lebte (auch) eine Fassadenehe. Und war davon wohl so gefrustet, dass er - solange er in der Situation war- zum Choleriker mutierte.

Man mag es nicht glauben, so lange ist es ja gar nicht her, aber meine Mutter war dann die erste die sich in unserem kleinen erz-scheinheiligen-katholischen Dorf trennte. Und ganz offen gesagt: Sie wurde dafür hinter der Hand bewundert und beneidet von den anderen Dorffrauen. Die später nachzogen.

Ich bin so froh, dass sie damals diesen Schritt gemacht hat. Es war für beide besser und entspannend und - da ich den Fokus auf meiner Mutter behalten will - sie hatte danach die Jahre ihres Lebens!
Lang genug hat sie diesen Schmarrn mitgemacht.

Ich kann dein Umfeld nicht einschätzen, aber vielleicht sind deine Ängste ja auch größer als sie sich in der Realität dann darstellen.

• x 4 #107


Arnika
@Hola15 Gut gemacht! Ich kenne in meinem Umfeld den umgekehrten Fall, ebenfalls ab irgendeinem Zeitpunkt nur mehr Fassadenehe, in der Pension fing der Vater dann zu trinken an, weil er nicht mehr ausweichen und sich ablenken konnte. Er wurde auch oft aggressiv in seiner Verzweiflung, verbal und selten aber doch auch körperlich. Die (liebe mitfühlende) Mutter wollte es aber nicht beenden, Pflichtgefühl, Familie, Nachbarn etc, die üblichen Gründe halt.

Das Ende vom Lied war, dass der frustrierte Vater immer unguter der Mutter (aber auch ihnen gegenüber) wurde, und sie dann deshalb mit ihrem alten Vater brachen. Als er starb, blühte sie auf - und hatte dann mit 70 zumindest noch 6 erfreuliche Jahre. Und die beiden Söhne blieben ob ihres einstmals geliebten Vaters irgendwo verbittert zurück.

Hätte sie den Mut gehabt, sich zu trennen, hätte sie mehr vom Leben gehabt, er vermutlich auch - und vor allem verhindert, dass die Söhne am Ende ihren Vater hassten. Bitter.

• x 1 #108


Hola15
Zitat von Arnika:
Hätte sie den Mut gehabt, sich zu trennen, hätte sie aber verhindert, dass die Söhne am Ende ihren Vater hassten. Bitter.

Ja schon, aber er hätte sich ja auch trennen können. Also beide.

Da fällt mir eher der Witz ein: Treffen sich zwei Frauen am Friedhof. Die eine zur anderen: Du hast es gut, du darfst schon gießen. Ich muss noch kochen.

Bei meinem Vater war es eher so, dass seine Ausrichtung zum Zeitpunkt der Familiengründung noch gesetzlich verboten war.
Hab ich schon mal gesagt, dass ich Konventionen hasse? Bringt nur Elend und aus meiner 50jährigen Feldstudie veranstalten die alle ein Zinober um ja nicht die nächste Sau zu sein die durchs Dorf getrieben wird. Aber leben will eigentlich jeder anders. Und die Erleichterung ist riesig, wenn sie mal geschützt außerhalb dieses Drucks frei reden können und nicht verurteilt werden. Aber da sie es nicht miteinander tun ändert sich nichts.

Aber wir wissen ja nicht, ob hier nicht noch ein anderer Hintergrund vorhanden ist. Ist sie z.B. Zeugin Jehovas wird sie vermutlich tatsächlich ihr soziales Umfeld verlieren.

Bleibt die Frage ob einem der Mensch wichtiger ist und ob es demjenigen gut geht, oder irgendwelche Dogmen.

• x 1 #109


Arnika
@Hola15 Klar hätte er sich auch trennen können, aber er dachte wohl, jetzt ist es eh schon wurscht - und blieb auch wieder aus Pflichtbewusstsein und Gewohnheit. Und er war ja zumindest nur gefrustet - sie litt ja unter ihm. Wer mehr leidet, sollte auch mehr gehen.

Hab ich schon gesagt, dass ich es hasse, wenn jemand nicht wegen Liebe, sondern aus anderen Gründen bleibt? Kommt nichts Gutes dabei rum - in den allermeisten Fällen für niemanden.

• #110


Hola15
Zitat von Arnika:
@Hola15 Klar hätte er sich auch trennen können, aber er dachte wohl, jetzt ist es eh schon wurscht - und blieb auch wieder aus Pflichtbewusstsein ...


Aber du hast impliziert, dass sie dafür verantwortlich ist, dass er frustig wurde und in Folge davon die Kinder mit ihm brachen.
Diese Verantwortung würde ich mal schön bei ihm lassen.

Ebenso wie bei dieser Geschichte hier, das alles ist vielleicht eine Erklärung aber deshalb noch lange keine Entschuldigung.

• #111


R
Im Fall einer Trennung werden sich deine Kinder doch gar nicht entscheiden müssen.
Dein Mann war fähig neben der Ehe mit dir eine andere Frau zu lieben. Du wurdest betrogen, aber anstatt hier Hass auf deinen Mann zu schieben, hast du zum Teil sogar Mitgefühl und Mitleid und bist traurig darüber, dass er auch jetzt nicht mehr in eure Beziehung investieren möchte.

Du gehst absolut respektvoll mit ihm um obwohl es fast jeder verstehen würde wenn du es nicht tun würdest. Was spricht wirklich dagegen, sich zu trennen und die Nähe und Liebe in einer neuen Partnerschaft zu suchen, die du schon lange vermisst?
Dein Mann war schon einmal bereit sich auch während eurer Ehe emotional woanders zu binden. Vielleicht braucht er die Trennung eigentlich genauso wie du… Ich glaube nicht, dass du dich um ihn wirklich sorgen musst, es ist sehr wahrscheinlich, dass er auch wieder jemanden finden wird.

Wenn ihr beide nach einer Trennung so respektvoll und neutral miteinander umgeht wie jetzt, ist das doch das Beste was für euch als Familie passieren kann, weil deine Kinder eben keine emotional belastete Trennung durchleben müssen, es gibt kein Böses Blut, er gibt einfach zwei Erwachsene, die sich nicht mehr lieben und wie Bruder und Schwester leben und ihre Lebenszeit einfach anders gestalten wollen als bisher … noch einmal verlieben, sich gewollt fühlen oder vielleicht auch einfach nur im Alltag und bei Entscheidungen nicht permanent auf den andern Rücksicht nehmen zu müssen und den Fokus ganz auf sich selbst zu legen. Ihr habt solange für alle möglichen Menschen funktioniert, jetzt seid ihr dran. Ihr liebt euch nicht und wollt ja eigentlich beide mehr aber passt nicht mehr in emotionaler Hinsicht zusammen. Vielleicht könnt ihr euch zusammen entschließen loszulassen und euch frei zu geben und euch dabei so gut wie möglich unterstützen damit jeder von euch nochmal eine Chance hat wirklich glücklich zu werden….

• x 2 #112


Arnika
Zitat von Hola15:
Aber du hast impliziert, dass sie dafür verantwortlich ist, dass er frustig wurde und in Folge davon die Kinder mit ihm brachen. Diese Verantwortung ...

Nein, tue ich nicht. (Haupt-)verantwortlich ist der Vater. Aber dennoch hätte sie es verhindert können. Das eine schließt das andere ja nicht aus.

Es ist ein großer Trugschluss zu glauben, nur weil der andere aktiv was Falsches tut, während ich so tue, als wäre nichts und es aussitze, hätte mein Nicht-Handeln dann nicht auch negative Konsequenzen - gerade auch für die Kinder. Sieht man ja in Alki- oder gewalttätigen oder wie hier lieblosen Familien immer wieder.

Auch wenn der andere Elternteil nicht trinkt oder schlägt etc., solange der eine das Tun des anderen stillschweigend mitträgt, ist er Teil und Supporter eines schädlichen Systems.

• #113


Stella31
Zitat von Sun_11:
Aber ich bin damals absolut unwissend in diese Ehe gegangen. Man hat mir diese Wahrheit 30 Jahre lang verschwiegen, und jetzt stehe ich vor den Scherben

Dann hat er dich ja auch schon vor eurer Ehe betrogen, wenn die Tochter vor eurer Hochzeit zur Welt kam.
Das ist so unverständlich für mich.


Zitat von aequum:
Ich hoffe, meine Erklärung ist für dich verständlich

Das ist so toll erklärt, dass sogar ich noch was dazugelernt habe 😊👍

• x 2 #114


Arnika
Allerdings solltest du schon zu dir ehrlich sein: Du weißt jetzt, warum er kalt und lieblos war. Aber dass er kalt und lieblos war und ist, hast du 30 Jahre lang gewusst und mitgemacht. Eigentlich hätte es diese Erklärung gar nicht brauchen müssen, damit du etwas änderst - und gehst. Darüber solltest du wirklich mal nachdenken.

• x 1 #115


A
Zitat von Sun_11:
ach 30 Jahren Ehe bekommt plötzlich alles eine ganz andere Bedeutung. Dieses ständige Nicht-Zuhause-Sein, die vielen Kuraufenthalte, dass er zum Telefonieren immer weggehen wollte... so vieles macht im Nachhinein jetzt auf eine ganz bittere Art Sinn.

Das liest sich so schlimm.

Diese Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern. Das JETZT hast du in der Hand.Jede Stunde, jeden Tag.

Er lässt dich ja nach wie vor allein. Da herrscht doch gar keine Bindung zwischen Euch. Wieso möchtest du das so weiterleben?

Ich meine nicht, dass du was übers Knie brechen sollst, aber träumen wie es aussehen könnte, wird doch gehen oder?

Du hast vorher nicht alle Infos gehabt. Jetzt hast du sie.

• x 4 #116


S
@aequum
Vielen Dank für die Erklärung !Wie gesagt ich bin neu und kenn mich noch nicht so mit allen aus ..., ich werde es versuchen.☺

• x 1 #117


S
@Realiene
Danke für deine Nachricht. Du hast das alles sehr schön wiedergegeben, und es ist einfach sehr viel Wahres daran.
Mir ist es unglaublich wichtig, dass wir nicht im Streit auseinandergehen – schon allein wegen unserer Kinder. Wir leben momentan einfach nur noch nebeneinander her, haben beide keine Lebensfreude mehr und das macht uns nur noch traurig. Das kann und darf so nicht weitergehen. Ich möchte nicht, dass jetzt noch einmal mehrere Jahre so ungenutzt vergehen. Es bringt uns beiden nichts mehr.
Wir sollten nun gemeinsam den richtigen Zeitpunkt abwarten – und damit auch nicht mehr allzu lange zögern –, um es unseren älteren, verheirateten Kindern sowie meinen und deinen Eltern zu sagen.

• x 3 #118


aequum
Zitat von Sun_11:
@aequum Vielen Dank für die Erklärung !Wie gesagt ich bin neu und kenn mich noch nicht so mit allen aus ..., ich werde es versuchen.☺ ...

Nicht zu danken! Habe ich gerne gemacht... 😉😌

Weißt du wie du die Textzeilen markieren kannst auf die du antworten willst?

• x 1 #119


B
Zitat von Sun_11:
Wir sollten nun gemeinsam den richtigen Zeitpunkt abwarten

Glaubst du, dass es überhaupt einen RICHTIGEN Zeitpunkt gibt?
Wann soll er sein?
Und wieso möchtest DU warten, bis dein NOCH Mann, dazu bereit sein sollte.
Er würde wahrscheinlich NOCHMALS 30 Jahre warten.

Ich wünsche mir für Dich, dass es DIR gelingt, für DICH eine Entscheidung zu treffen, unabhängig was er davon hält.
Ja, du hast es NIE gelernt, aber vielleicht ist jetzt ZEIT für den Anfang bzw. deinen Anfang. 🤗

Zitat von Sun_11:
und damit auch nicht mehr allzu lange zögern

Was bedeutet für dich "Nicht allzu lange ?

• #120


A


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