9

Ein Doppelleben nach 30 Jahre und eine verlorene Ehe

S

Sun_11
Mitglied

Beiträge:
1
Themen:
1
Danke erhalten:
4
Mitglied seit:
Nach 30 Jahren Ehe – wenn man plötzlich erkennt, wie lange man emotional schon allein war
Hallo zusammen,
ich habe lange überlegt, ob ich hier schreiben soll. Vielleicht hilft es mir, meine Geschichte einmal aufzuschreiben und Erfahrungen von Menschen zu hören, die etwas Ähnliches erlebt haben.
Meine Ehe – 30 Jahre gemeinsame Geschichte
Ich bin seit ungefähr 30 Jahre verheiratet. Wenn ich auf diese lange Zeit zurückblicke, muss ich feststellen, dass mir in meiner Ehe schon sehr lange etwas Entscheidendes gefehlt hat: Liebe, Zärtlichkeit, Aufmerksamkeit und emotionale Nähe.
Ich habe mir immer eine Partnerschaft gewünscht, in der man füreinander da ist, miteinander redet, sich in den Arm nimmt, gemeinsam spazieren geht und auch im Alltag zeigt, dass man sich liebt. Doch mit der Zeit habe ich mich immer mehr daran gewöhnt, dass diese Dinge bei uns kaum vorhanden waren. Ich habe funktioniert, mich um die Familie gekümmert und vieles einfach hingenommen.
Eine Wahrheit, die mein ganzes Leben verändert hat
Vor einigen Monaten habe ich erfahren, dass mein Mann über einen sehr langen Zeitraum eine andere Frau geliebt und neben unserer Ehe eine Beziehung mit ihr geführt hat.
Diese Verbindung bestand bereits vor unserer Ehe. Aus der früheren Beziehung stammt auch eine Tochter. Der Kontakt zwischen den beiden ist über die Jahre nie ganz abgebrochen und wurde später wieder zu einer Liebesbeziehung.Inzwischen sind sowohl die andere Frau als auch ihre Tochter verstorben. Mein Mann hat beide durch schwere Krankheitszeiten und schließlich durch ihren Tod verloren.

Ich möchte betonen, dass ich die beiden Frauen nicht verurteile. Im Gegenteil, ich habe Mitgefühl mit meinem Mann und kann nachvollziehen, dass diese Verluste für ihn sehr schwer sind.
Trotzdem hat mich die Wahrheit tief getroffen. Plötzlich habe ich vieles aus unserer gemeinsamen Vergangenheit mit anderen Augen gesehen.
.Ich frage
nicht um ihn als schlechten Menschen darstellen.
Ich frage mich heute, wie viel von unserer Ehe eigentlich echt und wie viel davon nur Fassade war.
Wie geht man mit so vielen Jahren emotionaler Kälte um?
Was mich besonders beschäftigt, ist nicht nur das Doppelleben meines Mannes sondern auch die Erkenntnis, dass ich mich schon über Jahrzehnte in meiner Ehe emotional allein gefühlt habe.

Ich glaube, dass meine Gefühle für meinen Mann über die Jahre immer mehr verloren gegangen sind. Nicht von
heute auf morgen, sondern durch viele kleine Enttäuschungen, fehlende Nähe und das Gefühl, nicht wirklich geliebt zu werden.
Nach der Aufdeckung habe ich zunächst versucht, für ihn da zu sein. Ich habe ihn getröstet und war bereit, ihm eine Chance zu geben. Doch er selbst sagte, dass er nicht wisse, wie es mit uns weitergehen könne. Für mich war das wieder eine schmerzhafte Erfahrung.

Heute leben wir eher nebeneinander als miteinander. Wir wissen, dass unsere Ehe wahrscheinlich keine gemeinsame Zukunft mehr hat, wohnen aber noch unter einem Dach.

Was ich nicht verstehe: Warum schafft man es nach so vielen gemeinsamen Jahren nicht einmal mehr, menschlich und respektvoll miteinander umzugehen?
Ich erwarte keine Liebeserklärung und keine romantische Beziehung mehr. Aber ein bisschen Wärme, ein normales Gespräch oder vielleicht einmal gemeinsam spazieren gehen – das wäre schön gewesen.
Warum eine Trennung trotzdem so schwer ist?
Vielleicht fragen sich manche, warum ich nicht einfach gehe.

Es ist nicht so einfach. Es gibt Kinder, Familie und ein soziales Umfeld, in dem eine Trennung nicht selbstverständlich akzeptiert wird. Ich habe Angst vor den Reaktionen, vor Gerede und vor allem davor, dass die Kinder darunter leiden oder sich zwischen ihren Eltern hin- und hergerissen fühlen.

Ich möchte meinen Mann nicht bloßstellen und auch nicht, dass die Kinder ihren Vater verlieren oder ihn verurteilen müssen. Deshalb versuch ich, mit der ganzen Situation sehr behutsam umzugehen.
Gleichzeitig merke ich, dass ich selbst nicht ewig so weitermachen kann. Ich wünsche mir irgendwann einen eigenen kleinen Rückzugsort Ruhe und die Möglichkeit, wieder mein eigenes Leben zu leben.
Was ich gerne von euch wissen möchte:

Gibt es hier Menschen, die nach 20, 25 oder 30 Jahren Ehe ebenfalls feststellen mussten, dass sie emotional schon lange allein waren?
Wie habt ihr es geschafft, mit dem Verlust der Liebe und der vielen Jahre emotionaler Kälte umzugehen?

Wie seid ihr eurem Partner begegnet, solange ihr noch zusammengelebt habt, obwohl ihr innerlich schon mit der Ehe abgeschlossen hattet?
Wie schafft man es, sich emotional zu lösen und nicht immer wieder auf kleine Zeichen von Nähe oder Verständnis zu hoffen?

Wie habt ihr den Schritt in ein neues Leben nach so vielen gemeinsamen Jahren geschafft?
Und wie seid ihr mit der Angst vor Einsamkeit und den Reaktionen eures Umfeldes umgegangen ?

Ich suche keine pauschalen Ratschläge wie „Trenn dich einfach“. Mir ist bewusst, dass eine Trennung wahrscheinlich der Weg sein wird.
Ich wünsche mir vor allem Erfahrungsberichte, ehrliche Gedanken und unterschiedliche Perspektiven von Menschen, die vielleicht Ähnliches erlebt haben.
Ich habe lange vieles mit mir selbst ausgemacht und merke, dass mir ein Austausch mit anderen Menschen fehlt.

Vielen Dank an alle, die sich die Zeit nehmen, meine Geschichte zu lesen.

• x 4 #1


A


Ein Doppelleben nach 30 Jahre und eine verlorene Ehe

x 3


P
Hallo @Sun_11
Erstmal ein liebes Willkommen hier auf der Seite.

Ich mußte nachschauen, wie alt Du bist. Das heißt, Du bist sehr jung mit Deinem Mann zusammen gekommen und das ist der Mensch Deines Lebens gewesen? Wie alt ist denn Dein Mann?
Da wundert es mich nicht, daß Du so lange darauf gewartet hast, daß er Dir das eine oder andere Zeichen und Bröckchen an Nähe hingeworfen hat. Frau hofft ja echt lange und tut alles, damit es gut wird oder bleibt. War bei mir auch so. Nur daß in meinem Fall er sich in meine beste Freundin verguckt hatte. Da gab es nichts zu beschönigen und dadurch wurde ich zwar in einen immensen Strudel gestoßen, aber wenn ich Deine Geschichte lese, denke ich, daß mir dadurch viel weitere Zeit des nur Hoffens erspart blieben.

Es ist wichtig, daß Du anfängst zu überlegen, was Dir gut tut, was Du magst, was Du eigentlich immer mal wolltest. Denn solche Beziehung, wie Du beschreibst, haben oft den Touch, daß sich eine von beiden selbst irgendwie aufgibt oder schwer zurückstellt, damit das Ganze überhaupt funktionieren kann.
Deswegen fange wieder an herauszufinden, wer Du eigentlich bist.

Hast Du Freunde oder Familie, denen Du Vertrauen kannst?

• x 1 #2


C
Zitat von Sun_11:
Nach der Aufdeckung habe ich zunächst versucht, für ihn da zu sein. Ich habe ihn getröstet und war bereit, ihm eine Chance zu geben.


Zitat von Sun_11:
Was ich nicht verstehe: Warum schafft man es nach so vielen gemeinsamen Jahren nicht einmal mehr, menschlich und respektvoll miteinander umzugehen?


Wie soll er denn Respekt vor dir haben, wenn du alles mit dir machen lässt?

Totale Unterwürfigkeit lädt dazu ein schlecht behandelt zu werden.

Du weißt selbst, dass du schon vor langer Zeit hättest gehen sollen. So lange du andere Menschen über dich stellst, so lange wirst du halt gegen die Wand rennen.

• #3


B
Liebe @Sun_11, was eine heftige und schmerzhafte Familiengeschichte! Was mir zuerst auffällt, ist dein Bedürfnis, alles zu regeln, Verantwortung für alles und alle übernimmst nur nicht für dich. Als ersten Schritt könntest du annehmen und spüren, dass dein Schmerz auf einem unglaublich Vertrauensbruch deines Mannes fußt, der jahrelang ein Doppelleben geführt hat, in dem du emotional verhungert bist. den Schmerz für dich spüren und zulassen. Aktuell bist du dabei von dir weg zu lenken, deinen Mann tröstest, versuchst eure Kinder zu schützen. Fang an, dich zu trösten und dich zu schützen.

Für deinen Mann ist es sicher tragisch, die langjährige Geliebte und auch noch die Tochter durch Tod verloren zu haben. Dafür wird er Unterstützung und Trost brauchen. Aber. Nicht von dir. Das ist nicht deine Rolle, nicht deine Aufgabe. Er darf schauen, in seinem Kreis Vertrauter, ob er die Hilfe bekommt, die er braucht oder sich therapeutischen Beistand suchen. Du hast deinen eigenen Schmerz mit der Situation, brauchst genau so Trost und Unterstützung, im Familien- oder Freundeskreis, durch therapeutische Begleitung. Ich empfehle dir, das getrennt zu bekommen. Diese seltsamen Verwicklungen, die du versuchst, machen krank. Fühl deinen Schmerz, drück ihn nicht weg.

Zu euren Kindern, wie alt sind sie, kannten sie die Stiefschwester, gab es eine Verbindung? Es gibt ein schweres Familiengeheimnis, das eure Kinder jahrelang als Schatten mitgelebt haben. Eure emotionslose Partnerschaft haben sie live miterlebt, deine Traurigkeit, euer Nebeneinanderherleben. Zumindest gespürt haben sie, dass etwas nicht gestimmt hat. Deshalb würde ich empfehlen, die Karten auf den Tisch zu legen. Als Befreiung für alle. Die Kinder haben ihre Schwester verloren. Auch sie werden trauern. Das heißt nicht, den Vater schlecht zu reden, sondern den -heute vermutlich erwachsenen- Kindern eine Erklärung zu schenken. Für das, was sie gespürt aber nie erklärt bekommen haben. Weil es unter dem familiären Teppich gelandet ist. Ob ihr das ohne professionelle Unterstützung bewältigen könnt, bezweifle ich. Du kannst dich an eine Familienberatungsstelle wenden, um dich für dich zu sortieren, Ballast abzuladen und Tipps für weitere Schritte zu bekommen. Du musst diese Last nicht alleine tragen. Alles weitere ergibt sich irgendwann. Du musst heute nicht über Trennung oder nicht entscheiden. Komm erst einmal in deinem Schmerz an, lass deine Tränen fließen, bevor du die anderer trocknest.

• x 3 #4


Liv211
Liebe @Sun_11
Willkommen im Forum, wenn auch aus traurigem Grund.

Bestimmt ist es gut, alles mal „loszuwerden“ und aufzuschreiben.
Das ist ein schweres „Päckchen“, das Du trägst.

Ich war auch sehr früh mit meinem Exmann zusammen über drei Jahrzehnte. Die Zeit war - im Unterschied zu Dir - aber schön und liebevoll. Bis er sich fremdverliebte.
Von daher war bleiben oder gehen keine Option, weil er natürlich zur Next ging. Ohne Rücksicht auf die Kinder.

Du lebst schon so lang ohne Liebe, Wärme, all dem, was man sich in einer guten Beziehung wünscht.
Dazu noch das jahrelange Belogen werden.

Warum solltest Du Dir das erhalten?
Es tut Dir nicht gut. Das, was Du wirklich möchtest, bekommst Du nicht.

Hab keine Angst davor, was andere sagen. Hier waren auch alle schockiert.
Ich wusste nicht, wie ich alles schaffen sollte…
Aber es ging.
Und das würde es bei Dir auch.
Die Kinder müssen keinen verlieren. Das Verhältnis zu euch Eltern kann bestehen bleiben, wenn Mama und Papa es wollen.
Dazu müssen Eltern nicht unter einem Dach leben.
Ich bin es Schritt für Schritt angegangen. Familienanwältin, Gespräche mit der Bank wegen Haus, Stundenerhöhung…
Einsam war ich nicht, weil ich gute Freunde hatte.
Ich weiß nicht: Hast Du jemanden zum Anvertrauen?

Nach so vielen Jahren, wo Du über deine Gefühle gegangen bist, darfst Du auch an Dich denken.
Höre in Dich rein:
was möchtest Du?
wie soll dein Leben aussehen in einem Jahr, in fünf….?

Alles Liebe Dir.

• x 1 #5


Stella31
Zitat von Sun_11:
Wie schafft man es, sich emotional zu lösen und nicht immer wieder auf kleine Zeichen von Nähe oder Verständnis zu hoffen?

Also in deinem Fall denke ich, dass es aufgrund deines Mannes ja gar nicht möglich ist, Nähe aufzubauen.
Denn er hat ein echtes Doppelleben geführt.
Er war emotional offensichtlich nie wirklich bei dir.

Und du hast das zwar gespürt, aber aufgrund seiner Lügen nie gewusst.
Er hat dir ein langes Leben die Wahrnehmung genommen.
Er war über viele Jahre einfach nur feige!
Und damit hat er bei Allen einen riesigen Schaden angerichtet.
Bei dir, deinen Kindern, der anderen Frau und seiner zusätzlichen Tochter!

Das ist furchtbar!

Nähe kannst du daher nicht mehr erwarten und weshalb solltest du diese noch wollen?
Er hat sich weder einer fairen, offenen Aussprache gestellt, noch hat er nach der Aufdeckung vor, mit dir wirklich was zu retten.
Da muss doch in dir der Bär toben!

Dieser massive, jahrelange Betrug!
Kannst du den noch verzeihen? Verarbeiten? (hoffentlich psychologisch)
Sicherlich zumindest nicht vergessen.

Dein Mann hat dir deine Jahre geklaut, in denen du sonst anderweitig hättest glücklich werden können!

Deshalb überleg dir, wie du ab jetzt leben möchtest.
Und sch. auf irgendwelche Moralapostel, die nicht dein Leben leben, sondern nur dumme Ratschläge im Kasten haben.

Deinen Kindern ggü. sollte erstmal dein Mann ehrlich sein.
Die sind vermutlich ja schon erwachsen und werden, - natürlich ebenfalls mit Trauer -, irgendwann auch damit klarkommen.
Besonders,wenn sie sehen, dass die Mama wieder glücklich ist!

Küssen

• #6


Stella31
Zitat von Casey:
Totale Unterwürfigkeit lädt dazu ein schlecht behandelt zu werden.

Du weißt selbst, dass du schon vor langer Zeit hättest gehen sollen. So lange du andere Menschen über dich stellst, so lange wirst du halt gegen die Wand rennen.

Das kann man bei einem nagelneuen Mitglied auch weit feinfühliger ausdrücken Augenrollendes Gesicht

• #7




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag