Zitat von -Alex-: Zu dem habe ich Wut darüber wie naiv und sau dämlich ich war. Es war bequem mich so auf ihn zu verlassen.
Das ist natürlich ein Argument, das momentan zählt. Es ist bequem und Du kannst es Dir bequem machen. Du arbeitest vielleicht, aber nicht Vollzeit. Dann kümmerst du dich um den Haushalt etvc, um Kinder und Du hast ein gutes Leben, das immer so weiter läuft. Es gbit keinen Änderungsbedarf Und dann überlässt man dem Ehemann noch die Finanzen, denn er muss es ja wissen. Bis dann ein Störfaktor kommt und alles durcheinander wirbelt.Und die gelebte Sicherheit und das Gleichmaß sind von heute auf morgen weg.
Und dann fragt man sich, warum nur habe ich nicht eher ... warum habe ich ihm alles Finanzielle überlassen ...
Und das geht so seit mehreren Jahrhunderten. Der Mann kümmert sich quasi um das "Außen", Arbeit, Geldanlage, Steuererklärungen.
Und die Frauen profitieren ja auch davon. Der sichere Hafen der für die Lebenszeit gedacht war, bricht weg und man begreift, nun muss ich ins Tun kommen. Mich selbst kümmern, aufpassen, dass ich von dem einst so fairen Ehemann nicht über den Tisch gezogen werde und obendrein werde ich in ein selbstständiges Leben geschmissen, was ich schon gar nicht gelernt habe.
Zitat von -Alex-: Es ärgert mich, dass ich von allen als das Opfer angesehen werde
Na klar, denn die anderen halten dir einen Spiegel vor, in dem du nicht gesehen werden willst. Ach, die Arme, der so übel mitgespielt wurde ...
Zitat von -Alex-: Aber ich hole mir die Kontrolle zurück! Ich werde hier nicht weiter puckeln und mich verausgaben, nur um ein wenig das Gefühl zu haben, dass ich irgendwas hinbekomme.
In so einem Unglück liegt auch eine Chance. Die ist nicht unbedingt die bequeme Variante, aber du lernst auf eigenen Füßen zu stehen und du lernst dass du auch selbst für dein Wohlergehen verantwortlich bist. Du wirst aus der Story anders heraus kommen als du hinein gingst.
Du hast Energie in dir, du fühlst auch den Trotz, es dir und der dich bemitleidenden Umwelt zu beweisen, dass du nicht untergehst, nur weil der Göttergatte in der Hormonwolke lebt und sich einbildet, das wird ewig so anhalten.
Behalte im Auge, dass du es auch kannst und dass du daran auch wächst. Die definitive Sicherheit gibt es nicht. Ich habe das früh gelernt. Eine ganz normale Familie, 2 Töchter, Vater arbeitet, Mutter kümmert sich um Kinder, Küche und Kirche. Alles paletti, bis es auf einmal meiner Mutter schlechter geht. Arztbesuche - kein Befund, Krankenhaus vor Ort - keiner weiß was es ist. Dann wochenlange Absenz der Mutter die in einem 200 km entfernten Univ.-Klinikum liegt. irgendwann eine Diagnose, die an Hand der Symptome wahrscheinlich ist: Systemischer Lupus erythematodes, einer eher seltene Autoimmunerkrankung, die unbehandelt zum Tod führt. 20 Jahre wird die Krankheit zeitweise in Schach gehalten mit schweren Medikamenten die ihre Nebenwirkungen haben. Friss oder stirb, eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Trotzdem gibt es immer wieder Schübe, die mal dieses Organ angreifen, dann ein anderes. Sie wurde 54 Jahre alt.
Das hat was mit mir gemacht. Verlass dich auf nichts und niemanden, rechne mit allem und vor allem mache keine langfristigen Pläne, dennda macht dir das Schicksal eh einen Strich durch die Rechnung. Arbeite, damit du genug Geld hast, bleib selbständig und lebe nicht das geplante Leben deiner Mutter ab. Verdiene dein eigenes Geld, lege es in deiner Verantwortung an. Die Sicherheit die andere im Leben verspüren dass sich Wünsche erfüllen, kenne ich nicht. Ob das gut ist oder nicht, kann man so und so sehen. Aber bei mir ist es so. Mach dich niemals von Jemandem abhängig. Dass ich später aufgrund innerer Fehlstellen mich emotional abhängig gemacht hatte, erkannte ich erst später. Aber immerhin, ich erkannte es und sagte mir, im Endeffekt kennst du dein Gegenüber doch zu wenig, auch wenn du das Gegenteil glaubst.
Dein Partner hat auch etwas in ihm was nicht rund läuft und dann kommt diese Andere und auf einmal glaubt er dass er jetzt endlich angenommen, verstanden und vor allem geliebt wird. Ein Hormonflow, denn auch wenn er die Frau schon lange kennt, er kennt sie doch nicht und sie ihn auch nicht.
Sie leben in einer Wolke, auf der sie sich unbesiegbar fühlen und so als ob sie das Glück nun gepachtet hätten. Und in der Folge wird das bisherige Leben abgewertet, es war ja doch nur ein Schmalspurleben mit einer Partnerin die nicht mehr spannend und interessant war. Und wenn die Expartnerin dann noch Tendenzen zeigt, dass es mit dem Schmusekurs vorbei ist und sie auch mal aufstehen kann, dann wird sie als Megäre gesehen, als boshafte Hexe, die ihm sein neues Glück nicht gönnt. Natürlich gönnt sie es ihm nicht, wieso denn auch? Es wäre ein wenig viel verlangt sich zu denken, ich freue mich für ihn, auch wenn es mir Nachteile bringt.
Du wirst es packen, du wirst auch wieder Lebensqualität finden auch wenn der Typ weg ist und auf Wolke 7 schwebt. Dort wo jetzt alles wunderbar und einzigartig ist. Dass die beiden sich nur ineiander spiegeln, wissen sie nicht, denn jeder profitiert. Der andere ist ja so toll, auf das habe ich mein Leben lang gewartet und ich bin ja auch so toll, wenn dieser einzigartige Mensch mich liebt.
Nur, dass das alles nicht ewig anhält und wenn dann das Porzellan zerdeppert ist und die Scherben sich nicht mehr kleben lassen, merken sie, dass sie selbst Opfer wurden ihrer Fehlstellen, ihrer Unzufriedenheit, ihrer schlummernden Begierden und der Botenstoffe, die den Verstand vernebeln.
Es ist kein Kunststück sich zu verlieben, das kann schnell gehen. Aber es ist ein Kunststück eine langjährige Verbindung auf Lebenszeit zu halten. Das beinhaltet auch immer ein Trotzdem und ein Obwohl.
Kauf dir deine Blümchen, an denen du dich freust, feiere auch mal den Alltag wenn du dazu aufgelegt bist. Er ist hier das Opfer, Du nicht, denn du wächst gerade innerlich.