Hallo ihr Lieben,
ich (m30) habe vor 10 Monaten eine Frau (36) kennengelernt, seit zwei Monaten lief es richtig intensiv. Wir haben in den letzten Monaten ein verdammt solides Fundament aufgebaut: immer auf Augenhöhe kommuniziert, langsam Vertrauen gefasst, offen Dinge angesprochen und gemeinsame Zukunftspläne geschmiedet. Wir waren auf einer Wellenlänge, haben wunderschöne Momente geschaffen und uns gegenseitig als „sicheren Hafen“ gesehen.
Vor Kurzem war ich für zwei Wochen im Urlaub in Südafrika. Anfangs lief alles super – abends kurz telefoniert, tagsüber geschrieben, und wir haben die Distanz völlig locker weggesteckt.
Der Auslöser:
Ein paar Tage später kam es zu unserem ersten, eigentlich total unnötigen Streit. Ich merkte auf Arbeit, dass sie komisch und distanziert reagierte, fragte nach, ob alles okay sei. Sie meinte „nein, das ist normal so“, und ich hakte es ab. Abends wollten wir telefonieren, und das Thema kam wieder hoch. Weil ich Beispiele nannte, warum ich das Gefühl hatte, und ihr in dem Moment nicht richtig zuhörte, schaukelte es sich auf beiden Seiten hoch. Ich musste auflegen, bekam sie aber eine Stunde später noch mal ans Telefon – allerdings blieb sie stumm, während ich redete.
Ab da ging es bergab:
Sie schrieb mir nachts eine ewig lange Nachricht, dass ich mich auf Distanz und Kälte einstellen müsse, wenn wir es weiter versuchen wollen.
Jedes Mal, wenn ich versuchte, sie aufzufangen, fing sie extrem an zu mauern. Auf die Frage, ob sie Raum und Zeit brauche, kam nur: „Weiß ich nicht, Taten würden mehr helfen“ – aber Taten waren unmöglich, da sie alles abblockte (sogar normales Gequatsche). Ihr Misstrauen wuchs enorm; wenn ich mal ein paar Stunden nicht antwortete, war es für sie direkt Ablehnung.
Der Tiefpunkt im Krankenhaus:
Letzten Sonntag wurde ich in Südafrika von einer Schlange gebissen und landete auf der Intensivstation. Ich bat meine Schwester, sie zu informieren. Durch Freunde und meine Schwester erfuhr ich, dass sie sich extreme Sorgen machte und sich völlig hilflos fühlte.
Ich hatte vor meiner Reise eine Schnitzeljagd für sie vorbereitet, die sie noch nicht gelöst hatte, und meine Schwester schickte ihr die Lösung. Sie hat sich extrem gefreut und schrieb meiner Schwester: „Es tut mir alles so leid, wenn ich mit ihm nur über alles reden könnte, das tut so weh.“ In dem Moment waren ihre Mauern kurz weg – aber das Misstrauen blieb. Sie wollte ständig Fotos und Updates, und als meine Schwester ihr anfangs (auf eigenen Wunsch und um sie zu schützen) nicht die volle Härte der Situation erzählte, nahm sie das meiner Schwester später extrem übel. Als sie erfuhr, wie schlecht es wirklich um mich stand (es stand Spitz auf Pike), zog sie sich sofort wieder distanziert zurück.
Die jetzige Situation:
Als ich im Krankenhaus wach wurde, las ich auf dem Handy, dass sie Abstand braucht. Die Nachrichten, die sie während meines Komas über meine Schwester schickte, haben mich extrem kämpfen lassen – sie waren der Grund, warum ich da durchwollte, im Glauben, danach wird alles gut.
Eigentlich wollten wir uns morgen direkt treffen, so war es besprochen. Als ich das Thema anriss, blockte sie ab, sagte das Treffen ab und verschob ein telefonisches Gespräch aufs Wochenende. Ich erkenne sie nach diesem Streit einfach nicht wieder, und das macht mir Angst. Ihr Misstrauen ist inzwischen so absurd, dass sie gestern sogar unabhängig von mir einer Bekannten schrieb: „Schickt dich m30?“ – nur weil die wissen wollte, wie es ihr geht.
Meine Erkenntnis & mein Dilemma:
Ich wollte eigentlich kämpfen und hatte eine wunderschöne Idee, um langsam Mauern einzureißen und Vertrauen aufzubauen. Aber nach einem klärenden Gespräch mit einem Kumpel gestern Abend wurde mir klar: Es liegt nicht mehr in meiner Macht, und ich kann dafür nichts.
Es tut mir im Herzen weh zu sehen, wie panisch sie ist und dass sie deshalb so distanziert reagiert und Mauern baut. Es fühlt sich an, als wäre alles umsonst gewesen – nur weil ein kindischer Streit etwas in ihr ausgelöst hat (vielleicht alte unverarbeitete Themen aus ihrer letzten Beziehung vor 1,5 Jahren).
Ich sehe, dass dieses Mädchen gerade von maximaler Angst getrieben wird. Ich will ihr jetzt den Abstand und Raum geben, den sie braucht. Meine einzige Sorge ist, sie durch diese Distanz zu verlieren. Auch wenn sie gerade abweisend ist, weiß ich, dass das nicht sie ist, sondern ihre Mauern. Die Person vor dem Streit war es wert, zu warten und zu kämpfen.
Meine Fragen an euch:
1. Habt ihr Ideen, was ich (aus der Distanz) tun oder lassen sollte?
2. Kann mir jemand erklären, wie ein einzelner Streit so eine heftige Panik- und Schutzreaktion auslösen kann