lastrami
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Die Stunden und Tage danach waren wunderschön. Ich hatte mich total verliebt und glaubte die Frau der Träume, des Lebens und meine Seelenverwandte getroffen zu haben. Auch meine Partnerin hat diese Worte oft verwendet und meinte nach einigen Wochen, dass sie, seit sie mit mir zusammen ist wüsste, dass sie in Ihrem Leben noch nie einen Mann geliebt hätte, weil sie dies mit mir erst erfahren hat. Es war wie im Paradies. Ich habe die Frau bekommen, die ich mir so lange gewünscht habe.
Ich habe beim Kennenlernen erfahren, dass sie aus Brasilien stammt, mit ihren Kindern seit 14 Jahren in Deutschland lebt, hier keine gute Zeit mit Partnern hatte, bereits 14 Jahren ihre Familie (Eltern und Geschwister in Brasilien) nicht mehr sehen konnte, da sie nicht das Geld für einen Besuch aufbringen konnte und ihre Schwester, die auch in Deutschland lebte vor knapp zwei Jahren an Krebs gestorben war.
Meine Partnerin hatte mir auch erzählt, dass sie nach dem Tod ihrer Schwester Depressionen bekommen hätte, die aktuell ihr Leben noch begleiten. Sie meinte, sie würde gegen diese Krankheit kämpfen aber keine Medikamente einnehmen wollen. Ferner war es so, dass sie auch keinen unbefristeten Aufenthaltstitel hatte, was sie auch sehr belastet hat. Ich habe dann begonnen ihre Vergangenheit aufzuräumen. Habe für Sie einen Job gesucht, mich mit dem Ausländeramt auseinandergesetzt und mit einem Anwalt, der sie ausländerrechtlich unterstützen sollte, mit der Sozialversicherung, wo es noch Rückstände gab und ich habe einige kleine Dinge beschafft, die sie sich gewünscht hatte. Sie hat mich nicht darum gebeten oder es von mir gefordert. ich sah es als mein Wille als Partner an und es war rein meine Entscheidung.
Nach drei Monaten ist sie in meiner Wohnung eingezogen und hat diese auch mit ihren Dingen schön eingerichtet und uns eine gemeinsame Oase geschaffen. Mir hat diese Frau außerordentlich gut gefallen und ich mochte ihre liebevolle, ruhige, warme und sanfte Art und auch ihre Pläne für ihr Leben. Wir waren täglich intim.
Im Laufe des Zusammenlebens ist mir aufgefallen, dass sie viel Alk. konsumiert und auch raucht. Darauf angesprochen meinte sie, sie würde dies tun, um ihre Depressionen im Griff halten zu können und sich zu beruhigen. In der Folge gab es dann jedoch Tage exzessiven Alk. und Dro. die am Ende in die Klinik führten. Meine Partnerin war sehr verärgert über mich, weil ich einen Rettungsdienst gerufen hatte, als ich sie eines Abends apathisch auf dem Badezimmerboden gefunden habe als ich von der Arbeit kam. Sie ist dann aus meiner Wohnung ausgezogen und wieder bei ihren Kindern eingezogen. Damit hat sie auch ihren Teilzeitjob aufgegeben, den sie zuvor in der Nähe meines Wohnorts hatte. Wir haben die Beziehung jedoch fortgeführt. Ich wollte mit Hilfe der Kinder eine Suchtberatung für sie organisieren, habe jedoch von den Kindern keine Unterstützung bekommen.
Es war dann weiter so, dass meine Partnerin eine, manchmal auch zwei Wochen wieder bei mir war, dann bei ihren Kindern. Nach zwei weiteren Monaten meinte sie, sie würde nicht spüren, dass ich sie liebe und ich wäre kalt. Sie meinte sie müsse immer den Anfang machen zu küssen, zu kuscheln, zu reden. Sie meinte wenn sie verliebt sei, dann wäre sie wie ein Kaugummi und möchte immer an mir kleben und sie meinte, ich würde sie nicht lieben, weil ich mich zu distanziert verhalten würde. Ich konnte die Kritik überhaupt nicht verstehen. Für mich war die Partnerschaft bis auf den Alk. und Dro. perfekt. Ich war nach dieser Aussage dann auch völlig verunsichert und ich hatte ein ganz anderes Bild von dieser Beziehung.
Die Partnerschaft entwickelte sich dann zu einer Art on-off Beziehung. Es gab Tage, an denen meine Partnerin durch Alk. oder durch Rauchen sehr verletzende Aussagen gegenüber mir äußerte. Diese waren ausgelöst durch extreme Eifersucht wenn nicht sogar Hass gegenüber meiner geschiedenen Frau oder einer Expartnerin von mir , wozu es jedoch keinerlei Veranlassung oder Befürchtung gegeben hat. Ferner ausgelöst durch Selbstmitleid über den Schmerz, den sie in früheren Beziehungen hatte (Mann in Brasilien nie daheim gewesen, Mann in Deutschland aggressiv und handgreiflich). Sie meinte dann stets, ich solle aus ihrem Leben verschwinden, wenn ich es nicht ehrlich mit ihr meinen würde oder ich etwas mit anderen Frauen haben wolle. Sie konnte sich in diesen Zustand des Glaubens immer mehr vertiefen bis zu Selbstmordgedanken und Hysterie. Das führte dann jeweils dazu, dass wir uns danach beide voneinander zurück gezogen haben. Es war danach für mich stets ein Leiden, weil ich nicht wusste ob es nun mit uns weiter geht und dann wieder eine Erlösung, wenn es eine Versöhnung gab.
Immer wieder hat meine Partnerin jedoch von unserem "Problem" gesprochen, womit sie meinte, dass ich zu kalt wäre. Sie sagte, dass die Küsse, der Kontakt und auch der Sex perfekt wäre, jedoch sie immer den Anfang machen müsse auch wenn ich dann sofort mitmachen würde. Ich habe mir dann Mühe gegeben, noch mehr Nähe zu geben, wobei wir diese auch zuvor allen Tagen und jeder Nacht hatten an denen wir uns gesehen haben. Ich erkannte keinen Mangel und auch nicht, dass sie immer den Anfang machen würde. Ich habe dann bewusst darauf geachtet, dass ich ihr öfter einen Kuss gegeben habe, sie in die Arme genommen habe und damit auch begonnen habe. Eses kam einfach nicht bei ihr an. Im Lauf der Zeit wurde ich immer verzweifelter und habe ihr dann hin und wieder auch lapidar die Frage gestellt, wer derjenige war, der gerade begonnen hatte. Ich wollte dieses aufwiegen aber gar nicht. Meine Partnerin hat Liebe mit körperlicher Nähe verbunden. Das heisst sie hat gemeint, ich würde sie nicht lieben, da ich sie nicht pausenlos geküsst habe. Hinzu kam ja auch die durch sie geschaffene räumliche Distanz. Ich habe versucht zu erklären, dass Liebe nicht nur etwas Körperliches ist sondern auch Fürsorge und es eben mehrere Sprachen der Liebe gibt. Es hat zu nichts geführt. Ich habe versucht zu erklären, dass Liebe durch Nähe wächst, durch gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen, durch Vertrauen und Respekt. Es hat zu nichts geführt. Im Gegenteil, ich habe schon lange bemerkt, dass sich meine Partnerin viel in sozialen Medien bewegt und offenbar Gefallen daran findet dort geliked zu werden. Das hat mich nicht begeistert was ich ihr auch sagte doch eingestellt hat sie es nie.
Wir hatten dann im weiteren Verlauf eine Art Wochenendbeziehung. Der Alk. und Konsum von Dro. schien etwas weniger geworden zu sein, wobei ich es ja nicht mehr täglich erleben konnte, doch habe ich immer wieder festgestellt, dass meine Partnerin gemeinsame Erlebnisse vergessen hat. Prägnant war für mich eine unvergessliche Nacht, von der sie am Morgen keine Einzelheiten mehr wusste.
Kurz vor Weihnachten gab es wieder einen wahrscheinlich ungewollten verbalen Angriff im Alk.. Ich habe dann am nächsten Tag meine Sachen gepackt und bin gegangen. Am Tag darauf habe ich ihr erklärt, dass ich für mich nun den Entschluss gefasst habe das Auf und Ab in der Beziehung nicht mehr länger ertragen zu wollen. Es blieb dann still. Weihnachten still, Silvester still. Am 10. Januar hat sie dann gebeten mit mir reden zu dürfen. Es war danach ein herzzerreißendes Gespräch. Mir hat noch keine Frau zuvor gefühlvoller und überzeugender gesagt, dass und wie sehr sie mich liebt. Sie meinte, sie hätte sich lange Gedanken über uns gemacht und sie wolle ihr Leben mit mir verbringen. Sie meinte, sie sei eben sehr körperlich, leidenschaftlich und hätte ein heißes Herz und sie würde dann damit mein kaltes Herz wärmen. Ich wollte der Beziehung nochmal eine Chance geben, weil es eben nicht nur schlechte, sondern eben überwiegend gute Tage gab. ich habe immer wieder davon gesprochen, dass ich im mit zwei Frauen zusammen bin. Mit der liebevollen, freundlichen, warmen Frau, in die ich mich verliebt hatte und mit der ich gerne ein Leben verbringen würde und die verwandelte Frau, die unberechenbar, wild, hysterisch und verletzend ist und vor der ich weglaufen möchte. Vier Tage nach unserem Gespräch dann wieder Alk., zwar ohne verletzende Worte aber mit körperlicher Erschöpfung. Wenige Tage später wieder das Thema des fehlenden Feuers. Wieder viele Bilder auf den sozialen Medien mit anpreisenden Kommentaren irgendwelcher Männer (ich war ja auch nirgendwo zu sehen).
Kurzum, ich bin wieder gegangen. Ich verzweifle in dieser Beziehung. Ich wage zu behaupten, ich war in keiner Beziehung meines Lebens einer Frau körperlich und emotional näher verbunden als ihr und ich habe Liebe aus meiner Sicht körperlich auch immer entgegengebracht wenn wir zusammen waren. Nein, ich bin nicht jeden Tag 80 km von meinem Wohnort an dem ich auch arbeite zu ihr gefahren um sie zu besuchen sondern nur am Wochenende und noch einmal unter der Woche. Natürlich hat sie mich sicher mehr vermisst, wenn sie die Tage immer alleine zu Hause verbracht hat als ich mit einem 10 Stunden Arbeitstag. Sicher war ich auch den einen oder anderen Tag nachdenklich, wenn die Firma einmal nicht so gelaufen ist wie sie das soll. Ich kann aber nicht nur im jetzt und heute Leben, sondern habe auch Verantwortung für die Zukunft von mir, einer Partnerin und ein auch noch ein Stück für meine erwachsenen Kinder. Ich kann auch schwer damit umgehen, wenn meine Partnerin mir über Stunden und gar Tage meine Nachrichten nicht beantwortet geschweige denn diese abhört.
Hat jemand auch schon einmal so etwas erlebt?
Hat jemand auch schon einmal einen Partner abgöttisch geliebt, der es auch nicht gespürt hat?
Hat auch schon jemand einen Menschen gehabt mit dem es nicht geht aber ohne ihn auch nicht?
Hatte die Depression und die Sucht die Wahrnehmung meiner Partnerin möglicherweise auch gestört?
Fragen über Fragen, aber vielleicht helfen die Antworten zu verarbeiten. Ich bin nun zum zweiten Mal gegangen und wieder voller Liebe. Ich habe in dieser Beziehung jedoch mehr und schlimmer gelitten als jemals zuvor.