Himmelsstern
Mitglied
- Beiträge:
- 21
- Themen:
- 2
- Danke erhalten:
- 25
- Mitglied seit:
Mein schönster, wundervollster und hoffnungsvollster Liebestraum der fast letzten 2 Jahre hat sich binnen eines Abends zu meinem schlimmsten Alptraum entwickelt. Wie ihr vielleicht vor einigen Monaten in meinem anderen Beitrag gelesen habt, bin, oder besser gesagt war ich nun seit einem Jahr und 7 Monaten mit einem Mann liiert, der 6 Jahre älter war als ich (ich bin 22).
Damals, als wir uns kennenlernten, war es wie ein nicht enden wollender Rausch der Liebe: Wir kamen nach 2 Monaten zusammen, mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund, jedoch uns sehr einig bei der Beziehungsgestaltung und wahrscheinlich auch beide etwas blind vor Liebe. Es war romantisch, leidenschaftlich, manchmal auch nervenaufreibend, aber immer wunderschön. Wir zogen bereits nach 4 Monaten in sein Zimmer zusammen, auf 20 qm lebten wir bis in etwa Juli, ehe wir in eine größere Wohnung zogen, und trotz einiger Hindernisse und Stolpersteine (nicht unsere Beziehung betreffend, eher externe Umstände, mitunter auch seine Familie) haben wir immer fest zusammengehalten. Er war mein Traummann und ich war (so dachte ich mindestens) seine Traumfrau, was wir auch nie müde wurden, dem anderen zu sagen. Aus der Retrospektive muss ich leider feststellen (und er wahrscheinlich auch), dass wir sehr wohl Differenzen hatten. Jedoch näherten wir uns mit der Zeit immer weiter an, lernten, miteinander umzugehen, und wuchsen beide an der Beziehung. Ich war damals seine erste Beziehung, er meine zweite. Alles in allem fand ich unser beider Entwicklung beeindruckend und hatte das Gefühl, wir bereicherten den anderen um eine neue Perspektive in kultureller Sicht, sowie hinsichtlich unserer Weltanschauungen. Trotzdem muss ich heute sagen, dass ich sehr oft wegen seiner Familie, die mich nicht akzeptierte und kategorisch aus der Familie ausschloss, Bedenken hatte.
Wir gingen über den Winter 2017 dann beide für ein halbes Jahr ins Ausland und vermissten einander schrecklich. Unser erstes Treffen nach 2 Monaten war himmlisch, gerade so, als sähen wir uns das erste Mal. Oft haben wir uns wegen Banalitäten gestritten, die Versöhnung über Skype, ganz ohne Hautkontakt und andere non-verbale Zeichen gestaltete sich als enorm schwierig. Als wir dann beide nach Deutschland zurückkehrten, war für uns klar, dass wir wieder zusammenziehen (hatte es doch das halbe Jahr vor unserem Auslandssemester so gut gepasst). Im März nahm ich eine Stelle in seinem Unternehmen an, wo ich auch an meinen Aufgaben wuchs. Er begann jetzt im Juni (also quasi vor einem Monat) seine Bachelorthesis und ich begann in meinen Semesterferien Vollzeit zu arbeiten. Ich habe zuvor quasi alles im Haushalt gemacht und daheim immer mit fertigen Mahlzeiten auf ihn gewartet. Als ich Vollzeit arbeitete, merkte ich, dass ich selbiges nicht von ihm erwarten konnte: wenn man ihm nicht explizit sagte, er solle abspülen, so tat er es nicht, und wenn, dann auch nur mit Widerwillen. Das erscheint jetzt banal, allerdings hatten wir in letzter Zeit den ein oder anderen Streit deswegen. Oft waren wir beide nicht gut gelaunt, er hatte unglaublich viel zu tun, und auch ich hatte von der Uni aus und bei der Arbeit eine stressige Zeit. Schon lange nahmen wir uns vor, dass wir demnächst gemeinsam in den Urlaub fahren würden. Bis gestern planen wir diesen sogar.
Doch dann begann diese Horrorwoche
Eigentlich begann sie wie jede andere Woche, nur mit dem Unterschied, dass ich bis letzte Woche eine Abgabe hatte und er von nun ab die ganze Zeit zuhause war. Zuvor hat er immer zwischen Uni, unserem Zuhause und unserem gemeinsamen Arbeitsplatz gependelt. Ich kam am Montag nach Hause und wir gingen gemeinsam etwas essen, wobei er beiläufig erwähnte, dass wir ja seinen Freund zu Besuch hatten und ihn überall hin eingeladen hatten, während dieser Freund sein ganzes Geld nur in Alk. stecken würde. Worauf ich sagte: Wir hätten ihn ja nicht einladen müssen, es war ja unsere Entscheidung, da sollte man keine Gegenleistung erwartet. Er war daraufhin sehr ungehalten und fragte mich, ob ich denn bei klarem Verstand sei. Ich antwortete: Naja, um ehrlich zu sein hast du dir ja dadurch schon etwas erhofft, sonst wärst du wohl nicht so gekränkt ob der Tatsache, dass er dich nicht eingeladen hat. Er verstummte daraufhin. Und blieb stumm, bis wir zuhause ankamen, es war einfach furchtbar. Als ich es zuhause nicht mehr aushielt, bin ich zu ihm ins Bürozimmer und habe die Beherrschung verloren: Ich schlug auf seinen Tisch und brüllte ihn an, er solle doch endlich mal sagen, was ich so Falsches und Kränkendes gesagt haben soll, und was dieses Schweigen rechtfertigt! Woraufhin er mir entgegnete, dass er es unmöglich fand, dass ich meine, er würde eine Gegenleistung für unsere Gastfreundschaft verlangen. Er schmiss mich dann aus dem Zimmer. Wutentbrannt bin ich ins Schlafzimmer und habe mich mit einem Buch abgelenkt. Am nächsten Morgen lag er neben mir und kuschelte sich an mich heran, als ich jedoch ins Wohnzimmer ging, sah ich, dass dort Decke und Kissen lagen. D.h., er hatte zunächst versucht auf dem Sofa zu schlafen. Dies war zwar das erste Mal, dass er und auch ich so auf einen Streit reagiert hatten, jedoch dachte ich, dass wir nun unsere Beziehung auf ein neues Level gebracht hatten, bei dem er auch mal nachdenken musste und ich mal etwas lauter Dampf ablassen. Ich hielt das für völlig normal.
Mittwoch und den halben Donnerstag war alles ganz normal, ich entschuldigte mich bei ihm für meinen Ausbruch und beide Male holte er mich vom Bahnhof ab, woraufhin wir ein Eis essen gingen und vieles, auch belustigendes und schönes miteinander sprachen. Gestern (also am Donnerstag) gingen wir spazieren, setzten uns ans Ufer eines Flusses, er legte den Arm um mich und so saßen wir eng aneinander gekuschelt dort mit Kaffee und Waffeln, die er für uns mitgenommen hatte. Wir hatten zuvor noch über unseren Urlaub im August gesprochen, und dass es jetzt aufwärts geht, unsere Lebensqualität gestiegen ist durch die neue große Wohnung (hatten wir doch zuvor immer nur auf engstem Raum ausgeharrt) und die Tatsache, dass wir beide einen gut bezahlten Job hatten. Es war also alles perfekt.
Abends dann ging ich kurz an seinen Laptop, da ich dort noch einige Sachen für die Arbeit machen wollte. Und ich weiß nicht genau, warum (wahrscheinlich, weil unser Wochenstart so turbulent war und ich irgendwie spürte, dass etwas komisch war), aber ich öffnete sein Whatsapp dort und sah in der Chatvorschau mit seinem Kumpel folgende niederschmetternden Worte: Naja, bis dahin wird sie mich auch nicht umbringen. Mein Herz begann zu klopfen. Was meinte er damit? Ich weiß, es war absolut inkorrekt und ein Vertrauensbruch, was ich da getan habe, aber ich bin ganz ehrlich froh darum. Denn offensichtlich hatte ich mich in unserer gesamten Beziehung total geirrt und scrollte nach oben an den Anfang, wo mich Folgendes erwartete (der gesamte Verlauf zuvor war gelöscht, nur das hatte er gelassen):
Montag:
Kumpel: Und, hast du es durchgezogen?
Mein Ex: habs nicht geschafft.
Kumpel: ja mach dir keinen Kopf, das wird schon.
Ex: Ja, war voll schräg. Also ich hatte schon alles gepackt und auf sie gewartet, um es zu beenden. Ihr Zug von der Arbeit hatte aber Verspätung und meine Bahn wäre zehn Minuten nach ihrer Ankunftszeit am Bhf gefahren, und in 10 Minuten am Bahnhof wollte ich es nicht machen. Das war der eine Grund, der andere, dass ich mir doch nicht sicher bin es zu beenden bzw. irgendwie keine Lust auf mein Elternhaus habe.
(Dazu muss man sagen, dass er mit seinen Eltern oft Streit hattewegen mir. Wobei das sich nun wohl auch erledigt haben dürfte)
Hiernach hat er obige Situation aus seiner Sicht auch seinem Kumpel geschrieben, dabei so Ausdrücke wie Ich platzte vor Wut, leider nur innerlich und das trieb mich zu Weißglut benutzte. Hätte ich das geahnt. dann ging es so weiter:
Ex: Das kotzt mich alles so an. Danach hatte ich mir fest vorgenommen, es endlich durchzuziehen mit der Trennung, wenn wir wieder zuhause sind. Daheim hatte ich mich aber wieder abreagiert, bis die einfach kam und mich angebrüllt hat!
Kumpel: Well well, das klingt echt hart. Wie denkst du wird es nun weitergehen?
Ex: Ich weiß nicht. Ich will auf alle Fälle Schluss machen. Denkst du, es würde klappen, auf dem Sofa zu schlafen, bis die ausgezogen ist?
Kumpel: Ja du musst ja nicht unbedingt da weg, wird zwar etwas strange aber was solls. Wie du siehst wird es nicht besser
Ex: Ja eben. Und ich glaub die hats auch gecheckt, dass ich kein Bock mehr hab. Morgen arbeitet sie leider den ganzen Tag, da muss ich wieder warten.
Kumpel: Das ist eine ekelhafte Situation, aber da musst du wohl durch. Verändern wird sich nichts.
Ex: Nee, eben. Hab echt null Bock auf sie. Die zieht mich nur noch runter. Außerdem gibt es noch das Problem, dass ich sie absolut nicht mehr attraktiv finde.
Kumpel: Ja, das geht halt immer miteinander einher.
Ex: Ja, und es gibt eh genug Frauen auf dieser Welt. Freu mich schon voll, wenn ich endlich wieder Zeit und Geld habe als Single.
Kumpel: Ja, das ist ja, was Frauen am meisten von dir brauchen, Zeit und Geld.
Ex: muss nur noch einen Weg finden, das ganze so stressfrei wie möglich zu beenden.
Das war der ganze Verlauf von Montag auf Dienstag. Es traf mich wie ein Schlag. Am Mittwoch hat er seinem Kumpel noch ganz normal von mir und der Arbeit erzählt, das habe ich dann übersprungen. Verrückt, wie er dabei einfach ganz normal über mich geredet hat, als wäre nichts gewesen. Und gestern um 12 Uhr dann schreibt er seinem Kumpel:
Ex: Ja, wir hätten nicht so früh zusammenziehen sollen, daraus habe ich jetzt auf alle Fälle etwas gelernt. Und jetzt mit der Thesis usw., ich glaube das mit der Trennung verschiebe ich auf danach. Hab auch gar keinen Bock auf meinen Vater. Die wird mich bis dahin schon nicht umbringen.
Das war dann nur noch ein kleiner Schlag, wenn ich bedenke, was er zuvor alles geschrieben hatte. Unglaublich. Es trifft mich so sehr, dass ich kaum atmen kann. Ich bin in der gleichen Nacht noch zu Freunden gegangen, die zum Glück noch wach waren, und habe dort auf dem Sofa geschlafen. Ich bin gerade aufgewacht, gestern Nacht hatte er mich noch 7 Mal angerufen und mit dann geschrieben, dass er wisse, dass ich das lese, und er es mir eigentlich persönlich sagen wollte, aber
Nur dass du Bescheid weißt, Ich möchte mich trennen
Obwohl ich es ja bereits wusste, tat es unglaublich weh es, es nochmal direkt von ihm zu hören, zumal da ja immer noch die Hoffnung ist, dass es sich in den kommenden Monaten hätte einrenken können.
So viele Fragen und Widersprüche, die den Rahmen sprengen würden. Was wäre gewesen, wenn ich in der Nacht nicht gegangen wäre? Wenn ich einfach weitergemacht hätte und mich geändert hätte? Aber wie denn ändern, wenn ich nicht einmal weiß, was sich ändern sollte, weil er mir nie etwas in die Richtung kommuniziert hat? Andererseits: wie wäre es bei den nächsten Stresszeiten gewesen, wäre er genauso gewesen? Was bleibt: eine große Leere, ein unendlicher Schmerz, ein Gedankenstrudel, aus dem ich kaum einen Ausweg sehe, weil ich sinke und sinke
Ich denke an alle anderen hier, die zurzeit das gleiche mitmachen. Viel Kraft und Mut an euch, das wird schon. Das Leben geht weiterhoffentlich.
Herzlichste Grüße
Himmelsstern