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2 Trennungen auf einmal

JessyJess

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Ich stehe derzeit vor der schwierigen Entscheidung meiner Mutter zu antworten, denn sie hat sich gemeldet, per Mail. Wie immer. Und sie liest sich als hätte sie diese in Begleitung geschrieben oder zu vorzeigezwecken oder ähnliches. Vielleicht bin ich auch nach wie vor nicht in der Lage so etwas objektiv zu betrachten.

Meine Mutter ist also im Oktober ein Haus neben meine Schwester gezogen, meine Meinung dazu äußere ich jetzt lieber nicht. Mein bester Freund hatte ihr beim Umzug geholfen und da sagte sie ihm ich hätte ja den Kontakt abgebrochen und somit sei es auch jetzt meine Aufgabe den ersten Schritt zu tun.

Diese beiden Infos hatten mich wieder dermaßen durcheinander gebracht dass ich mehrere Tage Alpträume von meiner Mutter hatte und es mir tagelang in den Fingern zitterte ihr keine bösen Zeilen zu schreiben.

Nun ereilte mich am 3. Dezember eine Mail von ihr. Darin stand, dass sie sich wünscht dass ich Weihnachten zu ihr fahre, bzw mein bester Freund mich fährt und begleitet, weil ich ja angstbedingt unflexibel bin. Wir könnten bei ihr in einem extra Zimmer schlafen und es wäre ihr- O-Ton- eine Freude die Spritkosten zu übernehmen. Ich erinnere an ihren Vorwurf ich würde immer Geld von ihr nehmen, das sie mir anbietet weil sie ein krankhaftes Verhältnis zu mir hat.

Fakt ist auf jedenfall dass ich, da ich vor kurzem operiert wurde, gesundheitlich nicht in der Lage bin eine 6 stündige Autofahrt auf mich zu nehmen und mein bester Freund auch nicht dahin fahren will.

Als sie noch in Bremen wohnte ist sie Weihnachten zu meiner Schwester gefahren. Heilig Abend war sie bei mir, die restlichen Feiertage bei meiner Schwester. Scheint mir eine selbsterfüllende Prophezeiung, dass sie jetzt wo ihr Wohnort gewechselt ist es nicht umgedreht handhabt sondern mich lieber einfliegen lässt. Ausgerechnet mich, die die größten Schwierigkeiten hat, ich habe einen Singlehaushalt mit zwei Katzen und kann nicht mal alleine irgendwo hinfahren, aber egal.

Nun hadere ich seit Tagen mit meiner Antwort. Soll ich nur schreiben, dass es aus teschnichen Gründen nicht geht? Ich brauche wohl keine Agnst haben dass sie auf die irrsinnige Idee kommt zu mir zu fahren wenn ich sage dass ich aus gesundheitlichen Gründen nicht kann. Eigentlich geht in meinem Kopf viel mehr vor was ich ihr mitteilen will, aber das sind hauptsächlich angestaute Wut und Enttäuschungen die nach und nach hochgekocht sind. Der Bruch zu meiner Mutter ist nun länger her und immernoch reißt es mich raus, von ihr zu lesen.

Mein Wunsch wäre erst wieder mit ihr in Kontakt zu treten vor einem Familientherapeuten oder einem Mediator, weil ich persönlich merke ich kann nicht einfach normal weitermachen. Ich kann da nicht einfach hinfahren und anknüpfen. An was denn auch?

12.12.2014 20:48 • x 1 #31


JessyJess

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ein Update:

da mein Leben in letzter Zeit eine Wendung nahm, habe ich wieder vermehrt im Forum gelesen. Gerade meine alten Beiträge zu sehen ist komisch und schön zugleich. Schön, dass man nachlesen kann wie man zu anderer Zeit gefühlt und gedacht hat. Da kann man super Entwicklungen verfolgen.
Da ich hier früher oder später wieder lesen werde, möchte ich für mich (und vllt. auch für den einen oder anderen interessierten Leser) hier ein Update schreiben.

Im September 2014 ging es mir wegen meiner Mutter und meinem Exfreund sehr schlecht. Es gab noch andere diverse Baustellen, aber diese beiden nagten besonders an mir.
Die Geschichte mit meinem Exfreund hatte sich schnell erledigt. Wie sich in meinen Beiträgen schon abzeichnete, hat er mich am Ende so genervt, dass ich kommentarlos, ganz spontan an einem schönen Nachmittag alle Kontaktmöglichkeiten zu ihm blockierte. Das war eine riesen Arbeit, gerade in dem Spiel, dass ich zu dieser Zeit spielte musste ich diverse Einstellungen vornehmen um definitiv meine Ruhe zu haben. Aufgrund seiner letzten Kontaktversuche und Worte hatte ich große Angst er könnte unangemeldet vor meiner Türe stehen.
Nach zwei Wochen stand, als ich nach Hause kam ein Gegenstand vor meiner Tür, den ich wohl bei ihm vergessen hatte. Ohne Brief oder ähnlichem. Nach diesem indirekten Kontakt zu ihm hatte ich sofort wieder einen Alptraum. Ein gemeinsamer Freund hatte mich später noch angesprochen, bzw etwas von ihm ausrichten lassen, dass mein Ex nicht versteht, wieso ich keinen Kontakt wünsche, wir hätten doch eine gute Zeit zusammen gehabt.
7 Monate später, ca. Mai 2015 kam eine Mail von ihm. Lustig, ist das doch die einzige Möglichkeit gewesen mich noch zu kontaktieren. Da hatte sich wohl jemand für einen ganz schlauen Fuchs gehalten und allen Ernstes gedacht ich belohne dies mit einer wohlwollenden Antwort. Er sagte er wolle gerne wissen wie es mir so geht und was ich so mache und ob mir die Umschulung noch Spaß macht. Lange musste ich überlegen wie ich reagiere und entschied mich für gar nicht. Ich möchte, dass ich für diesen Menschen nicht mehr existent bin. Der soll kein einziges Lebenzeichen von mir sehen, weil es ihn einen Dreck angeht. Und weil es ihn vorher auch nie interessiert hat.
Im Nachhinein betrachtet weiß ich bis heute nicht, weshalb ich so lange bei ihm war. Ich kann nur hoffen, dass ich diesen Fehler nie wieder mache, und dass ich ab sofort die Kraft habe, es nicht mehr so weit kommen zu lassen.

Mit meiner Mutter ging es ähnlich aus. Wo fange ich am besten an?
Im Juli 2014 gab es einen Bruch zwischen uns. Danach nur Mails bezüglich weniger Dinge die geregelt werden mussten. Ich konnte an Weihnachten nicht zu ihr fahren, sie reagierte darauf gar nicht mehr, hatte stattdessen an Weihnachten eine SMS geschrieben. Das war es dann endgültig für mich.
In meiner Therapie hatte ich den alten Kram aus der Kindheit mehr oder weniger abgearbeitet. Da gab es natürlich auch viele wichtige Erkenntnisse, die mir sehr geholfen haben. Ich beschloss auf meine Mutter nicht mehr zu reagieren. Hin und wieder kam eine SMS, dass sich freuen würde wenn ich sie mal besuchen kommen würde, weiß sie doch eigentlich, dass ich damit noch immer große Schwierigkeiten habe.
Im Mai 2015 sah ich sie, ohne dass ich vorgewarnt wurde, auf dem Geburtstag meiner Oma wieder. Ich war wie paralysiert, wusste gar nicht wie ich reagieren sollte. Meine Mutter fiel mir einfach vor Freude in die Arme. Das einzige was mir in diesem Moment einfiel war, sie wegzuschubsen. Den Rest des Tages hatte ich sie ignoriert. Ab da kamen einmal im Monat „hab Dich lieb“ SMS, auf die ich auch nicht reagierte. Im September sollten wir uns auf dem Geburtstag meines Opas wiedersehen, da sagte ich, wir müssen uns mal unterhalten. Gesagt getan. Als erstes kam von ihr, dass sie das ja ziemlich respektlos von mir fand vor 5 Monaten, dass ich sie da einfach weggeschubst habe. Meine Antwort darauf war, dass es egal ist, was sie jetzt noch sagt oder tut, ich ihr nicht verzeihen kann, weil zu viel passiert ist. Wieder kam als Entschuldigung für alles ich wisse doch, dass sie krank sei. Ich wusste, es wird sich nie was ändern und mein Entschluss, keinen Kontakt zu haben, ist der richtige.
Weihnachten 2015 hatte sie mich besuchen wollen, ich stimmte zu. Das war das erste mal, dass ich normal mit ihr redete seit dem Bruch. Ich merkte sie ist mir fremd und sie ist einfach nicht mehr meine Mutter, ich kann es nicht vergessen. Da ist ein riesen Loch zwischen uns.
Dieses Gespräch hat mich sehr viel weiter gebracht. Weil ich alle nötigen Infos bekam die ich brauchte um abzuschließen.
Sie erzählte zB, dass meine Schwester sie zu sich lockte ( Zitat meiner Mutter) mit den Worten dass sie Abstand zu mir braucht, dass meine Schwester ein Haus erbt, in das sie mit einziehen kann und dass sie dann ihren Enkel aufwachsen sieht und ihren Wagen verkaufen kann und Geld spart, weil meine Schwester und ihr Mann zwei haben. Das Ergebnis: meine Mutter kümmert sich täglich um ihren Enkel, sogar am Wochenende. Und wenn abends meine Schwester kommt um ihre Tochter zu holen ist sie bis spät abends bei meiner Mutter und jammert rum.
Es ist wie ich es befürchtet hatte: Sie macht mit meiner Schwester dort weiter wo sie mit mir aufgehört hat und sogar noch schlimmer. Sie hatte sich bei mir ausgeheult, dass meine Schwester noch mehr klammert als ich und immer Geld braucht und den ganzen Tag bei meiner Mutter abhängt etc…..Andererseits erzählte meine Schwester mir immer, dass meine Mutter sich unheimlich in ihr Leben einmischt. Diese Zwickmühle hatte ich ja selber jahrelang. Sie bietet ihre Hilfe an, und wenn man dankendablehnt bekommt man Vorwürfe gemacht man bräuchte seine Mutter ja nicht.
Mittlerweile bin ich froh, diese Probleme nicht mehr zu haben. Wenn ich alle bei Festen sehe, merke ich auch, wie sehr sich meine Schwester zu einem Kleinkind zurückentwickelt hat. Sie wird 40 Jahre alt. Meine Mutter macht eine Therapie in der sie auch anspricht, dass sie sich jetzt von meiner Schwester ausbeuten lässt und nicht nein sagen kann, so wie bei mir damals, aber geändert hat es sich bis heute nicht. Wie auch, wohnen die demnächst alle in einem Haus.
Mir ist das mittlerweile egal, ich finde die beiden etwas erbärmlich um ehrlich zu sein und schade, dass keiner der beiden etwas ändert. Aber das ist nicht mehr mein B.. Ich werde demnächst meine eigene Familie gründen und dort hoffentlich alles besser machen.
Meine Mutter zeigt mittlerweile mehr Interesse an mir, ruft alle zwei Wochen an, aber meistens erzählt sie nur wie sehr meine Schwester sie belastet. Ich habe da kein Mitleid mehr und das sage ich ihr auch. Ich habe auch kein Bedürfnis mehr mich bei ihr zu melden, wenn sie anruft ok, aber wenn nicht, auch. Eigentlich ist das sehr traurig, dass mir alles egal ist, aber ich kann nur sagen, welche Gefühle ich ihr gegenüber habe. Und das sind mittlerweile eben gar keine mehr…

28.06.2016 18:04 • #32




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