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Bindungsphobiker verlassen - wie abgrenzen?

Efuaefua

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Zugegeben - die meisten Geschichten hier werden sehr viel tragischer sein als meine hier. Und trotzdem tut es weh. Und zwar überraschend stark. Und ich kapier's auch einfach nicht. Ich (w, 39) habe letztes Silvester, also genau vor einem Monat, über eine Freundin einen Mann kennengelernt, vom Typ her genau mein Ding, in meinem Alter, auch Segler wie ich, wohnt gleich um die Ecke. Meine Freundin meinte dann so 'Na los, der ist Single und Segler' - also hab ich mit ihm geplaudert. Es lief super. Wir haben uns dann im Laufe dieses Monats ein paar Mal getroffen (5-6 Mal), immer für viele Stunden. Haben sehr sehr viel geredet, schienen echt auf einer Welle zu sein. Er erzählte mir auch von der Psychotherapie, die er gerade machte. Ich erzählte ihm von der, die ich vor Jahren mal gemacht habe. Wir redeten über Beziehungen und unsere liebsten Süßigkeiten, über Musik und Politik - alles schien richtig gut zu passen. Wir kamen uns mental richtig nah. Letztes Wochenende meinte ich dann, ich fände ihn toll. Er strahlte und gab das Kompliment zurück. Eine wilde Nacht voller Knutscherei folge - und zwar wirklich wirklich gut, zärtlich, gekonnt, einfach: wunderbar! Kein S.. Am nächsten Morgen frühstückten wir zusammen, wieder wilde, zärtliche, lange Knutscherei, wunderbar. Das habe ich so noch nie erlebt.

Gestern Abend war ich dann zu ihm eingeladen - ich war davon ausgegangen, dass ein Essen, ein langes Gespräch und Knutscherei stattfinden würde. Er hatte wunderbar gekocht, meinen Lieblingsnachtisch gekauft, die Stimmung war entspannt und lustig. Irgendwann saßen wir auf dem Sofa in seinem Wohnzimmer, redeten über die Bilder an den Wänden, da nahm ich seine Hand und drückte sie, er drückte zurück. und ab da entglitt die Situation. Er fing an zu weinen. ich kapierte es erst länger nicht. Schlussendlich meinte er, er könne einfach keine Beziehung haben, mit niemandem. Ich sei mir offenbar sicher, er sei sich niemals sicher gewesen und hätte noch nie eine stabile Beziehung gehabt. Es sei nicht persönlich gemeint, segeln würde er immer noch sehr gern gehen mit mir, er würde mich gern freundschaftlich kennenlernen. Wie auch immer, ich war völlig überrumpelt und fassungslos. Bin es immer noch. Ich habe ihn gefragt, was dann das Einladen und Bekochen soll, was das Rumknutschen soll, er wusste keine richtige Antwort.
Ich denke, von allem ausgehend, was er mir von seiner schwierigen Familie erzählt hat und seiner Therapie und so, dass er ein wirklich ausgewachsener Bindungsphobiker ist. Er schien WIRKLICH glücklich, strahlend und interessiert an mir. ER hat auch Treffen vorgeschlagen, ER hat die Knutscherei angefangen. Er meinte zu mir, als ich irgendwann sagte, ich hätte wegen eigener schlechter Erfahrungen Angst, er würde es sich spontan anders überlegen, ich sei sehr misstrauisch. Jetzt denke ich: Aus gutem Grund!

Jetzt sitze ich hier und habe Liebeskummer. Ich weine und weine seit Stunden. Diese Plötzlichkeit und Unabsehbarkeit macht mich fertig. Es tut so unglaublich weh, das ist schon fast körperlicher Schmerz. Der Mann hätte so gut gepasst - wir sind uns wirklich richtig ähnlich. Und trotzdem.
Bitte helft mir! Ich werde hier verrückt vor Schmerz.

31.01.2018 15:53 • #1


Lil0310


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es tut mir echt sehr leid für Dich, dass Du das erleben musst.
Vor allem dieser schlag ins gesicht, dass Du nichts dagegen tun kannst. denn ist er nun mal bindungsphobiker, dann wird er sich auf nichts /keine nähe einlassen können, so gern er das vielleicht auch will - und auch DU wirst nichts daran ändern können.
Und diese Hilflosigkeit schmerzt ebenfalls.

Weine - denn es tut weh. aber es wird auch besser werden!
lass ihn gehen, so schmerzhaft das auch ist ....denk dran, DU wirst ihn nicht ändern können und du willst doch wieder glücklich werden.
Glaub mir, ich kann dir echt gut nachempfinden, was du fühlst. Aber es gibt leider keinen anderen weg :/

31.01.2018 15:59 • x 1 #2



Bindungsphobiker verlassen - wie abgrenzen?

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Efuaefua


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So fühlt es sich wirklich an, wie ein Schlag aus dem Nichts ins Gesicht.
Ich hab das so ähnlich schon mal erlebt, und ich habe ziemlich lange gebraucht, mich davon zu erholen. Dieser Überraschungseffekt ist wirklich fast nichts zu toppen an Zerstörungskraft. Meine 'normalen' Trennungen waren sehr viel 'angenehmer'. Diese Wucht haut mich wirklich um. Selbst, wenn es nur ein Monat lief - wir haben uns eben so blendend verstanden. Der Kontrast ist einfach sehr stark. Es war nix so Halbgares, wo man sich am Ende nicht wundert, dass es nicht passt.

31.01.2018 16:07 • x 1 #3


Ronald_M


Du tust dir leid, es tut dir nicht um den Mann leid! Erkenne den Unterschied!
Krone richten und weiter! Selbswertgefühl mal justieren, denn das kann dir immer wieder mal passieren!
Man versteht sich super, dann der erste Kuss und dein Gegegnüber sagt, oh...geht gar nicht!

31.01.2018 16:11 • x 1 #4


Efuaefua


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Natürlich tut es mir auch um den Mann leid. Es tut mir um das leid, was wir zusammen hatten. Was wir zusammen hätten haben können. Ich tue mir auch leid - ist doch klar.
Mein Selbstwertgefühl ist eigentlich ok, wenn ich nicht gerade unglücklich verliebt bin, keine Sorge.
Ich möchte nicht, dass mir das immer mal wieder passiert: Ich werde bekocht und angeflirtet, setze mich aufs Sofa und BUMMS - die Sache ist aus. Aus dem NICHTS. VÖLLIG ohne es irgendwie sehen zu können.
Das tut RICHTIG (!) weh, man kann ja so gar nicht in Deckung gehen, psychisch.

31.01.2018 16:17 • x 2 #5


Ricky

Ricky


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Ich denke auch, dass Dein Selbstwert zu niedrig ist. Du kennst den Mann gerade mal 2 Monate. Ja, es lief gut zwischen Euch, aber Du sprichst davon, er sei Bindungsphobiker, wenn dem denn so ist. Das wissen wir ja alle nicht.

Klar, kann es dann sein, dass er sich erhofft hat mit Dir etwas zu machen und es hat dann für ihn nicht funktioniert, weil er seine Ängste über das Zusammensein mit Dir stellt. Er ist grundlegend ein ziemlich armes Schwein, wenn man bedenkt, dass er gerne würde und so voller Angst ist, verletzt zu werden, dass er in dem Moment weint.

Das wäre BTW für Dich auf Dauer total ungesund. Und Du würdest ihn vermutlich nach kürzester Zeit unattraktiv finden, wenn das stetig so weiterginge. Bei Dir sitzt der Schock tief und Dein Drang nach "Geliebt werden" wird nicht erfüllt. Das ist es, was Dich kaputt macht. Du glaubst daher, Du seist nicht liebenswert. Aber wenn es stimmt, was Du sagst, bist Du an einem Mann geraten, der KRANK ist.

Also es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: Nummer 1: Du lässt die Finger davon. Das wird sich auch bald wieder legen. Oder Nummer 2: Du nimmst die Idee sich als Freunde zu treffen an, und ihr geht segeln und hoffst darauf, dass seine Therapie irgendwann anschlägt und ihr zusammen kommt. Variante 2 ist risikobeladener.

31.01.2018 16:20 • x 1 #6


Katzenmosaik


Es ist gut, dass er dir soweit offen und ehrlich gesagt hat, dass er bindungsunfähig ist. So kannst du damit versuchen, umzugehen und es sacken lassen. Dauert halt jetzt bisschen, weil du dich schon verliebt hast.

Auch Bindungsängstler wollen Zärtlichkeiten, deswegen ist er eben ein bisschen auf Tuchfühlung gegangen.

Wichtig ist für dich, dass du Abstand gewinnst, es auf dich wirken lässt und ihn bestenfalls als guten Freund annimmst.

Denn mit einem Bindungsängstler wirst du niemals glücklich.

Habe damit meine Erfahrung schon gemacht.

31.01.2018 16:25 • x 1 #7


Lil0310


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verstehe dich voll und ganz an.
Mir ist nämlich ähnliches passiert.
und wenn einem auf einmal übertrieben gesagt, die "wolke 7" weggerissen wird und auf den harten boden der Realität blummst, das tut weh.
Mir erging es auch schon, dass längere Sachen, die schleichend auseinander getrifftet sind, nicht so weh getan haben, wie wenn du nichts ahnst.

und klar, kannst du dir auch mal Selber leid tun. ist doch grad erst passiert. immer dieses von jetzt auf gleich vergessen und next.
als ginge das so leicht.
man trifft nicht an jeder ecke jemanden, mit dem man sich so toll versteht. Und das ist die weitere Enttäuschung, die weh tut.


Aber liebe efuaefua, du wirst sehen, dass der schmerz mit der zeit nachlässt und Du akzteptierst, dass es wohl nicht sein soll.
Einen bindungsphobiker von einer beziehung zu überzeugen, ist wie Perlen vor die Säue. Du gehst daran kaputt.
Tu Dir was gutes! triff freunde, mit denen du drüber reden oder die dich ablenken! Fahr übers we weg! mach was für Körper, seele und geist und lass die zeit für dich arbeiten!bald ist es wieder gut

31.01.2018 16:26 • x 2 #8


Ronald_M


Räusper....bitte nicht falsch verstehen...ihr wart gerade mitten in der Kennenlernphase...bischen genkuscht.
Sei froh das der Mann so herzerfrischend ehrlich mit dir umgegangen ist!
Andere Männer ziehen das durch und haben erst einmal Spaß, bevor sie an Beziehung und Bindung denken!
Da kommen die dann erst viel Später drauf, dass sie eigenltlich keine feste Bindung benötigen....daher...
Du hast nichts verloren...außer deine Vorstellung, das dieser Mann dich vielleicht glücklich machen und lieben könnte!

31.01.2018 16:27 • x 2 #9


Lil0310


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da kann ich Ronald recht geben.
kann ich auch für mich ummünzen. man hat zu viel projeziert und das tut jetzt weh. Dass die Vorstellung und die Hoffnung, dass man mit diesem Mann glücklich werden kann, platzt.
Aber du kannst sehr wohl auch ohne IHN glücklich sein. Du warst es vor ihm und wirst es wieder sein.

31.01.2018 17:01 • x 1 #10


Efuaefua


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Ja, ich denke wirklich, dass er krank ist. Das hört sich so fies an, ist es aber gar nicht gemeint. Er hat von Panikattacken erzählt, wegen denen er schon mal in Behandlung war. Er hat von allen möglichen Ängsten erzählt - überwundene und nicht überwundene.
Ich wusste schon, dass er psychisch einiges Aufzuarbeiten hat. Das wäre ok für mich gewesen. Ich kenne das, ich hatte auch so eine Phase im Leben.
Was ich nicht wusste ist, dass das Ganze direkt was mit mir zu tun haben würde. Er meinte nämlich steif und fest, daswäre kein Problem, die akute Psychotherapie - wohl vor Allem wegen seiner Eltern und einiger Dinge, die da so schiefgelaufen sind.

Jetzt denke ich, da hätte ich eigentlich schon Alarm hören müssen. Aber wie das halt so ist - wenn da ein strahlender, lachender, flirtender Mann gegenübersitzt und witzige Sachen erzählt - dann glaubt man, der hat sein Leben im Griff. Und dann glaubt man, das wunderbare Zusammensein wäre mehr wert als Ängste aus der Kindheit.

31.01.2018 17:10 • x 1 #11


Wurstmopped

Wurstmopped


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....lass mal "Wert" aus dem Spiel, du hast es so gefühlt und das war richtig!
Nicht du hast ein Problem, vertraue deinem Gefühl! ...wie schon geschrieben...ihr wart am Anfang!
Wäre das mitte in der beziehung passiert, dann hättets du mal dein Gefühl in Frage stellen können!

31.01.2018 17:14 • x 2 #12


Efuaefua


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Wie meinst du das genau, Wurstmopped?

Du meinst, dass ein wunderbares Zusammensein war, auch wenn B. sich nicht dazu durchringen kann, sondern sich von seinen Ängsten regieren lässt? So in der Richtung?

31.01.2018 17:32 • #13


La_la


Hallo,

ich kann Dich sehr gut verstehen. Mir geht es seit 5 Jahren so, da ich mich bis heute nicht richtig abgrenzen kann. Seine bzw. eure Gefühle waren und sind mit Sicherheit echt. Vielleicht könnt ihr dennoch zusammen wachsen. Schaffst Du es ihm seinen Freiraum zu geben und mehr auf Dich und deine Baustellen zu schauen und daran zu arbeiten?
Er hat nur deine Wunden frei gelegt. Nun kannst Du sie Dir ansehen. Ich denke, dass er Dich auch vermissen wird. Bei Männern dauert es oft länger bis sie ihre Gefühle zuordnen können.
Es ist wie ein plötzlicher Rollenwechsel und die Rolle in der man sich wieder findet, gefällt einem natürlich nicht. Da kannst Du vergleichen, wie war es davor, was war anders?
Der Schmerz ist meist das Vermissen eines Gefühls oder die Angst vor einem Gefühl oder Zustand, den man unbedingt (Muster bedingt) vermeiden möchte. Versuche Dir Kanäle zu schaffen um den Schmerz auszudrücken. Weinen ist auch gut. Versuche das was Dich an Gedanken belastet aufzuschreiben, es rauszuschreiben aus dem Kopf. Solange bis es ruhiger wird. Dann kannst Du Dir die Gedanken ansehen und damit arbeiten, vielleicht auch bei deiner Therapie.

Liebe Grüße

31.01.2018 22:03 • x 1 #14


Efuaefua


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Meine Gefühle sind mit Sicherheit echt und seine auch - aber auch seine Angst.

Ich möchte nicht mit jemandem zusammen sein, bei dem ich dauerhaft die Befürchtung haben müsste, er verlässt mich aus dem Blauen heraus. Warum sollte ich mir das antun, ernsthaft. Ich habe nur diese eine Psyche, die will gehegt werden, ich werde ihr nicht regelmäßig blaue Flecken zumuten. Genau das erwartet sie aber bei einem Mann, der Angst vor Nähe hat. So klug und humorvoll und hübsch ein Mann auch ist - niemals kann er wichtiger sein als das eigene Selbst.

Also - nein, ich möchte nicht mit B. zusammen sein.
Er hat mir klar gesagt, er kann mit niemandem zusammen sein. Das nehme ich einfach mal ernst.

31.01.2018 22:59 • #15



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