losgelöst
Gast
Ich habe mir gedacht, dass ich im Nachgang zu meiner Affäre mit einem verh. Mann meine Gedanken hier reinschreibe.
Ich war knapp 2 Jahre in einer Affäre mit einem Vorgesetzten und diese Zeit hat mich sehr geprägt. Heute, mit Abstand zu dieser Geschichte, die ein wichtiger Teil meines Lebens ist, kann ich sagen.
Danke, dass du mir Widerstanden hast!
Während der Affäre und in der Zeit zwischen dem "zu ihm wollen" und dem "trotzigen wegwollen von ihm" waren die Tage sowohl sehr schön und gleichzeitig sehr schmerzhaft.
Ich möchte gerne auf etwas hinaus, was weniger mit den Klären seiner Gefühle zu tun, sondern mit dem des Affäirenpartners.
Unsere Beziehung wäre gescheitert, wären wir zusammengekommen. Wir wären niemals glücklich geworden, weil einer von uns beiden diese Beziehung irgendwann sabotiert hätte.
In der Liebesbeziehung selbst habe ich das nicht Wahr-genommen. Denn ich sah ihn nicht mit dem Herzen, sondern mit meinem Verstand. Vielleicht mag das verwirren, aber mein Verstand sah folgendes:
Ich sah das was er mir nicht gab, so wie viele Ehepartner die hier im Forum schreiben, und in Ihrer Beschreibung des Partners ähnlich berichten. Ich sah, was er mir nicht gab, was er mir verweigerte, wozu er nicht bereit war. Mein Kampf bestand in den zwei Jahren nur mit mir selbst. Er war mein perfekter Spiegel! Er hat mich jedes mal aufs neue auf mich zurückgeworfen. Ganz unbewusst, doch war er der perfekte Mann dafür, der mir im Außen zeigte, welche inneren Konflikte ich hatte.
Für mich war wichtig herauszufinden, warum mir das passierte und wieso ich als eigentlich starke Frau, die solidarisch mit anderen Frauen ist - Part eines Betruges war.
Er gab mir etwas, was ich lange lange nicht mehr fühlte, was ich teilweise nicht kannte. Aufmerksamkeit! Zuneigung! Schöne Worte! Bemühung! Liebe! Etwas besonderes zu sein! Ich war ausgehungert und lächzte danach.
Heute, einige Monate danach bin ich ihm sehr dankbar, dass er mir widerstand und es mir schwierig machte. Ich bin erschöpft! Seine Frau ist erschöpft! Er wird es auch sein.
Ich hinterfrage nicht, ob all das was er mir erzählte wahr war, warum er um mich kämpfte, sich bemühte - wozu es ihm diente. Das ist seine Aufgabe.
Ich stand eine Zeit lang am tiefsten Abgrund meiner Gefühle, der Sprung diese Welt zu verlassen war nicht weit. Dafür konnte er nichts! Für jeden Schmerz den ich fühlte, trägt er keine Verantwortung. ich wusste, dass er verheiratet war, auch wenn er mir erzählte, dass er seine Frau nicht mehr liebt und sie verlassen wird. So war ich diejenige die freiwillig in diesen Kampf gezogen ist. Ich hätte es jeden Tag aufs neue beenden können, mich erlösen und gehen können. Ich wolte nicht. Er war ja mein Dealer, der mir den Stoff gab den ich brauchte.
ich entwickelte irgendwann eine starke Wut, verließ das Unternehmen und verbannte diesen Mann, mein großes Geschenk, aus meinem Leben. Wie es ihm heute geht? Ich hoffe gut! Wie es ihr heute geht? ich hoffe gut!
Dieses Erlebnis entkleidete uns alle, wir mussten alle hinschauen! Nüchtern betrachtet, haben wir uns Träume geschenkt, Sehnsüchte erfüllt - Musste das sein? Ja! Ich denke, das musste sein!
Seine Frau sagte zu ihm. Wieso passiert mir das? Ich habe doch nichts getan. (Ich schreibe das nicht abwertend). Genau, dass war das Problem. Es passierte ihr, weil sie nichts getan hat.
Ihm passierte es, weil er ebenfalls nichts getan hat. Mir passierte es, weil ich ebenfalls nicht getan habe.
Wir haben nicht hingeschaut, unsere Bedürfnisse nicht gestillt. Wir haben gehofft, dass ein anderer uns das gibt, was uns fehlt. Uns fehlte eigentlich nur eines. Die Erkentniss, dass wir alles haben!
Ich wünsche ihm alles Gute!

