ElGatoRojo
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Er war unehelich, aus einer Affäre, und kam bald in ein Kinderheim. Dort fand ihn eine Frau, die ein Adoptivkind suchte. Sie wählte den GatoRojo, weil er das erste Kind war, das sie anlächelte. Und so, wie man im Tierheim die Katze zum Mitnehmen auswählt, die auf einen zuläuft, so wurde der GatoRojo seines Lächelns wegen mitgenommen.
Er hatte also Glück und kam in gute Hände. Als er neun war, wurde er fein angezogen, man ging mit ihm zum Fotografen und dann mit seiner Pflegemutter auf eine Eisenbahnreise in die Nachbarstadt. In einem schönen Haus mit Garten trafen sie auf eine junge hübsche braunhaarige Frau von etwa 30 Jahren. Ja - sie sah gut aus und auch neunjährige Jungs können das schon beurteilen.
Nebenan in einer Wiege lag ein Baby und als es zu weinen anfing, nahm die Frau es heraus und legte es an die Brust. Dann schickten die beiden Frauen den kleinen GatoRojo zum Spielen nach draußen, weil das weitere ihn angeblich nichts anging.
Draußen ruinierte er erst einmal seine neuen Schuhe, indem er die Pfützen vom letzten Regen mit kleinen Kanälen verband. Erst später hat er mitbekommen, dass damals sein Pflegevertrag in einen Adoptionsvertrag umgewandelt werden sollte und zuvor seine Mutter sich davon überzeugen wollte, dass es ihm gut ging. Immerhin.
Jahre später, als er systematisch alle Schubladen durchsuchte und die Geheimnisse seiner Adoptiveltern erforschte, stolperte ert über diesen Vertrag, nahm seinen ersten Namen zur Kenntnis und damit waren für ihn auch manche Sachen geklärt. Für das tägliche Leben hatte das aber keine Auswirkungen, denn der kleine GatoRojo hatte eine gute Kindheit und Vertrauen in seine Leute. Er frug nicht viel und man sagte nicht viel. Er ist nur diesen beiden Menschen sehr dankbar, dass sie ihn aufgenommen und aufgezogen haben und dankte seiner Adoptivmutter für ihre Liebe und dem Adoptivvater dafür, ihn die Dinge gelehrt zu haben, die ein Mann können und wissen muß.
Erst als er verheiratet war erzählten Verwandte der Frau des GatoRojo mehr Einzelheiten als er selbst je erfahren oder erfragt hatte und so vervollständigte sie sein Bild. Seine Mutter hatte zuletzt einen gut situierten Mann und bereinigte ihre Vergangenheit. Es war nicht nur die eine Halbschwester, die er gesehen hatte, sondern noch zwei andere dazwischen. Wie alle, verdankte der GatoRojo seine Existenz der sechsuellen Anziehungskraft seiner Mutter und diese hatte nun nach mehreren Versuchen wohl den gefunden, bei dem sie bleiben wollte. Der GatoRojo konnte ihr nur gedanklich alles Gute wünschen.
Jahre später, als schon die Kinder des GatoRojo Informationen über ihre Herkunft wünschten: Das war einfach von der Seite der Frau des GatoRojo - alles eheliche Kinder zwei Generationen zurück und eine Großmutter aus Schweden. Der GatoRojo hatte nur seine Geburtsurkunde und von der Mutter nur den Namen, der sich sicher inzwischen durch Heirat geändert hatte. Deutsche Geburtsurkunden sind bekanntlich mit ihren Angaben recht zurückhaltend. Deshalb nahm er auch nicht den Aufwand auf sich, da noch weiter nachzuforschen.
Der Vater des GatoRojo hatte immerhin seine Vaterschaft anerkannt. Durch die Verwandtenhinweise an seine Frau kam ihm der GatoRojo auf die Spur. Er war Leiter einer renommierten Fachschule, hatte Spuren im Netz zurück gelassen und tauchte in der regionalen Literatur auf. Sogar ein kleines Photo gab es. Es zeigte ihn im Kollegium des Institutes. Mit einer Kopie seiner Geburtsurkunde und der Anerkenntnis der Vaterschaft wandte er sich an das zuständige Standesamt und bekam anstandslos und unbürokratisch gegen eine Gebühr von 10 Euro eine Kopie der Geburtsurkunde seines Vaters einschließlich des Sterbevermerks auf ihr.
Er lebte von 1895 bis 1990 und war somit immerhin 95 Jahre alt geworden. Das erfreute den GatoRojo insofern, als dass er seinen Genen jetzt eine gewisse Langlebigkeit zutraute. Als er den GatoRojo zeugte, war er so um 45 und seine Mutter um 20 - die klassische MidlifeCrisis-Affäre. War bestimmt einiges an Schmetterlingen am Werk dabei. War das der Grund, weswegen der GatoRojo zeit seines Lebens immer nur Frauen liebte, die einen flippigen Charakter hatten?
.. Frauen mit flippigem Charakter anzieht.
So, wie manche Kinder sich eine Geschichte zurechtlegen, wenn sie sich von den Erwachsenen unverstanden fühlen.
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