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Doppelschlag - arbeitslos und Trennung ohne Erklärung

Punto

Hallo zusammen,

vor 3,5 Monaten wurde mir nach 5,5 Jahren in der Firma völlig überraschend gekündigt. Das Unternehmen dümpelt schon jahrelang an der wirtschaftlichen Existenzgrenze, aber jetzt war der Chef plötzlich der Meinung "durchgreifen" und wirtschaftlich werden zu müssen. Grundsätzlich zwar richtig und längst überfällig, aber anstatt die Geschäfte zu optimieren (wäre problemlos möglich, aber dann müsste er sich und die Abläufe verändern) hat er lieber "mal eben" 2 Leute entlassen um Lohnkosten einzusparen. Meine Welt brach dadurch zusammen, schließlich investiert man viel von sich und baut sich etwas auf...

Die Arbeitslosigkeit ist für mich eine sehr belastende Situation, finanziell steht mir das Wasser nicht nur bis zum Hals, sondern bis zur Scheitelkante.
Ich werde zukünftig auch nicht in meiner Branche bleiben können und muss meinen Lebensrhythmus umstellen, bin eigentlich "Nachtmensch", aber das wird wohl kaum bleiben können.

Es ist anstrengend, aber ich kämpfe und bin zuversichtlich, dass früher oder später eine Lösung entsteht. Insofern hatte ich mich diesbezüglich halbwegs berappelt. Den Schock des Jobverlustes, Existenzängste, die ganze Mühle des Arbeitsamtes, das bekam ich weitgehend in den Griff, unter anderem auch dank meiner Freundin und der Erkenntnis, dass es mit ihr und der Familie ein soziales Umfeld gibt, das einen stabilisiert und das wichtiger ist als Geld und Arbeit.

Mit meiner Freundin lief die Beziehung seit fast auf den Tag genau 3 Jahren gut. Ich hatte sogar den Eindruck, dass es zuletzt um so besser ging weil ich Licht am Ende des Tunnels sehe und es bei ihr beruflich und familiär auch einigermaßen gut lief in letzter Zeit.

Und dann kam der Sonntagabend.

Ich finde eine Mail von ihr in meinem Postfach (wir führen umständehalber eine Fernbeziehung, das klappte aber 3 Jahre lang ohne große Probleme). Ohne lange Erklärungen, mit ein paar knappen Sätzen, macht sie mit mir Schluss. Mich hat das wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen weil ich damit absolut nicht gerechnet hatte.

Die Mail ist - meiner Meinung nach - recht kurz gehalten und ich kann keine wirkliche Erklärung für diese Trennung finden. Ihre Begründung ist, dass ich zu viele Macken hätte, sie mich nicht verändern will und kann, und dass sie mich einfach nicht mehr liebt.

Telefonieren war dann am späten Sonntagabend nicht mehr möglich, hab' ihr dann eine Antwort auch per Mail geschrieben und meine Bestürzung und Verwunderung ausgedrückt.

Ihr Kommentar darauf war sinngemäß nochmal dasselbe wie in der Schlußmach-Mail, aber schon mit dem deutlichen Unterton "Geh' mir nicht weiter auf den Keks, ich hab's dir doch erklärt und will es nicht weiter zerreden."

Ich kann mit solchen Allerwelts-Aussagen wie "Ich liebe dich nicht mehr, du hast mir zu viele Macken" überhaupt nichts anfangen. Wenn sie wenigstens etwas genauer erklärt hätte, was bei ihr passiert ist, was sie warum stört...

Naja, vom Ablauf her habe ich darauf reagiert indem ich ihr geschrieben habe, dass das ja richtig großes Kino ist, ich habe 3 Jahre lang in mehreren schweren Krisen (Vater gestorben, in der Wirtschaftskrise 2x länger arbeitslos, Tochter war für 2 Monate verschwunden und meine Freundin war fix und fertig, Krankheit, viele Kleinigkeiten...) zu ihr gehalten und alles mit ausgehalten - und sie trennt sich jetzt aus heiterem Himmel von mir, "passenderweise" auch noch genau jetzt in dieser Zeit, die mich sowieso viel Kraft kostet. Und dann kriege ich nicht mal eine Erklärung, wieso es dazu kommt und was genau jetzt zu diesem Entschluss geführt hat. Danke schön, echt toll!

Da es so sarkastisch formuliert war kam dann nur noch der kurze Kommentar zurück, sie werde wegen dieses Tons überhaupt nicht mehr auf meine Mails reagieren.

Tja, und jetzt stehe ich da - und habe neben dem Arbeitsplatz auch noch die freundin verloren. Nachdem ich mich bzgl. des Jobverlustes gerade wieder halbwegs berappelt hatte und kämpfe um wieder Fuß zu fassen, bricht nun diese neuerliche Katastrophe über mich herein.

Am Montag war ich völlig verzweifelt, nach der beruflichen Entwurzelung verliere ich nun auch den Halt dieser Beziehung. Ein doppelter Schock...

Gestern, am Dienstag, war ich relativ gefasst und konnte mich einigermaßen ablenken, aber generell bin ich emotional im freien Fall. Gleich 2 so harte Schläge in kurzer Zeit, dazu die finanziellen Probleme - und nicht mal eine verständliche Erklärung für die Trennung.

Ich versuche meine eigenen, inneren 1.-Hilfe-Maßnahmen zu aktivieren, fahre "auf Sicht" um die rudimentären Dinge des täglichen Lebens zu schaffen und Grundstrukturen aufrecht zu halten.

Aber alles, was darüber hinaus geht (sich bewerben, dringender Papierkram, ich will gar nicht daran denken, ich müsste mich jetzt auch noch in diesem Zustand für ein Bewerbungsgespräch motivieren), geht gerade überhaupt nicht. Für ein paar Tage okay, aber ich werde einige Dinge auch nicht lange schieben können...

Wieso muss es mich gleich doppelt treffen? Ich bin total kaputt und mir ist zum Heulen...

Man kennt diese "Geschichten", bei denen Männer gar nicht merken, dass sich ihre Frauen innerlich verabschieden und wo die Trennung der Endpunkt einer länger schwelenden Fehlentwicklung ist. Den Schuh kann ich mir aber absolut nicht anziehen, ich bin sehr aufmerksam und meine Freundin ist obendrein ein offenes Buch wenn es darum geht ihre Stimmung zu "lesen". Und das macht mich total ratlos...

Natürlich, es muss dennoch irgendwas abgelaufen sein, was ich nicht mitbekommen habe. Ich kann das im Augenblick aber nur in die Richtung "allgemeine Überforderung" schieben, sie hat diesbezüglich "Leichen im Keller" und mir fällt nichts in meinem Verhalten oder unserem Verhältnis ein, was in den letzten Tagen oder Wochen anders gewesen wäre als früher.
Ich glaube nicht, dass sie einen "Neuen" hat und finde die Idee, sie könne krank sein und wolle mir das, nach allem, was ich schon mit ihr mitgemacht habe, nun nicht auch noch zumuten, ziemlich abstrus.

Plötzlich und total unerwartet ist meine Freundin weg, eine Erklärung gibt es nicht wirklich, von einem auf den anderen Moment wird aus täglich mehrfachen liebevollen Kontakten ein Kontaktabbruch.
Ich bin verschuldet und pleite, arbeitslos - und überrascht, dass ich im Moment überhaupt noch "halbwegs" zurecht komme. Hätte man mich vor einigen Monaten gefragt, ich hätte gesagt, dass ich dieses nicht aushalten kann und zusammenklappen werde. Aber wie lange geht das gut?

Ich danke allen, die bis hierhin durchgehalten und meinen langen Text gelesen haben. Dieses Forum ist toll, es tut mir sehr gut zu lesen, dass ich nicht ganz alleine bin sondern andere Menschen vergleichbare Schicksale haben.

21.09.2011 02:07 • x 1 #1


tester


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mir fällts immer schwer in solch tragischen fällen etwas zu posten.. aber da ich weiß dass man sich als betroffener über jede antwort freut tipp ich ein paar zeilen..

erstmals mir tuts wahnsinnig leid für dich dass es dich gleich doppelt trifft
aus eigener erfahrung weiß ich, der kärtner hat recht wenn er sagt "wenns laft dann lafts", sowohl im positiven als auch im negativen..
solche (schicksals-)schläge kommen oft nicht alleine, und das ist natürlich alles andere als fair..


ich kann dir leider keinen wirklich rat geben, außer dass du versuchst kontakt zu familie und vor allem freunden aufzunehmen, das hilft dir über die erste zeit hinweg
weiter brav im forum posten und ggf. wenns schlimmer wird einen arzt aufsuchen

ich versprech dir, mit der zeit wird es besser und du kannst klarere gedanken fassen und dich dann auf die anderen dinge konzentrieren
das wird natürlich dauern, aber dagegen kann leider keiner etwas unternehmen



zu deiner freundin kann ich nur sagen ich versteh sie genauso wenig wie du
ich finds schei. von ihr dich einfach so stehen zu lassen, ohne erklärung..
aber ich befürchte damit musst du leben, zumindest vorerst
meide jeden kontakt zu ihr, es hilft (versprochen!) und irgendwann wirst du es vielleicht mit etwas glück rausfinden
(aber viele gedanken (vor allem von frauen ) sind manchmal ziemlich irrational und nicht erklärbar)


versuche die nächsten tage und wochen durchzuhalten, irgendwann wirst du die kraft haben auch dein restliches leben wieder zu regeln und du wirst sehen, es kann wieder bergauf gehen

21.09.2011 02:51 • #2



Doppelschlag - arbeitslos und Trennung ohne Erklärung

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Punto


Hallo tester,

ganz, ganz vielen Dank für deine Worte, die mir verdammt gut tun! Dass sich jemand die Zeit nimmt mir etwas zu schreiben freut mich und ich weiß das sehr zu schätzen.

Im Augenblick geht es mir zwar superbeschissen, aber - wie soll ich das ausdrücken? - immer noch besser als ich gedacht hätte. Als der Arbeitsplatz weg war - und in meinem Fall nicht nur ein Job, sondern umständehalber werde ich mein ganzes Leben umstrukturieren müssen - dachte ich, vielleicht wär's am Besten vom Hochhaus springen, dann wäre ich alle Sorgen in 2 Sekunden los.
Überraschenderweise denke ich das im Augenblick nicht, obwohl meine Problemlage in diesem Moment maximiert ist: der Verlust eines nahen Menschen, mit dem man durch dick und dünn gegangen ist (und an richtig schweren Zeiten hat es wahrlich nicht gemangelt), wiegt schließlich noch schwerer als der Verlust einer Arbeitsstelle.
Am Sonntag habe ich mich nach der Lektüre der Mail gefragt ob ich diesen neuerlichen Schlag auch noch bewältigen kann, oder ob das jetzt zuviel ist und ich in den nächsten Tagen "Dummheiten" anstellen werde weil es jetzt zu viel wird.

Immerhin kriege ich die täglichen Grundstrukturen geregelt, ich weiß, dass ich auf mich achten muss und über Kontakte zu Freunden oder Familie - und auch dieses tolle Forum - im Dialog bleiben muss. Ansonsten ist "Zeit" ein wichtiger Faktor...

Mich beruhigt, dass ich weitgehend denken kann und intuitiv die richtigen Dinge mache. Dein Ratschläge bestätigen mir das - und das ist gut so, dass ich die Dinge immerhin richtig angehe.

Neben dem heftigen Schmerz, dass die Beziehung zu Ende ist, martern mich im Augenblick vor allem an 2 Fragen:
- dass es so plötzlich und komplett unerwartet über mich hereinbricht. Wäre die Stimmung in der letzten Zeit angespannt gewesen, wäre meine Verwunderung jetzt weniger groß, dann könnte ich es als logische Fortsetzung eines seit längerem schief hängenden Haussegens betrachten. Es war aber zuletzt nichts ungewöhnlich, sie war herzlich und liebevoll wie schon immer. Obendrein ist sie eine grottenschlechte Schauspielerin, ich höre und sehe ihr in Sekundenbruchteilen ihre Stimmung an. Ich kann mir im Augenblick nicht vorstellen, dass ich etwas komplett übersehen haben soll...
- zum anderen verstört mich zutiefst, dass sie mich so ruckzuck abfertigt. Wir haben so viele intensive Zeiten miteinander erlebt, viele richtig harte Sachen zusammen durchgestanden, sie hat auch einen sehr hohen Anspruch an ihre persönliche Integrität, dass es so gar nicht zu ihr passt, mich mit 1, 2 kurz gehaltenen, oberflächlichen Mails "abzufertigen". Dass sie nicht persönlich mit mir spricht und wenigstens nachvollziehbar darlegt was ihre Gründe sind, das passt so überhaupt nicht zu der Persönlichkeit, die ich bisher kennen gelernt habe. So kenne ich meine Freundin nicht, dieses Verhalten ist mir komplett fremd.

Dennoch wird mir nichts anderes übrig bleiben als das erstmal trotzdem so hinzunehmen...

21.09.2011 04:09 • #3


Syra


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hallo punto, auch von mir ein paar Gedanken dazu:
du sagst, die Trennung wäre aus heiterem Himmel über dich hereingebrochen, und du hättest ihr eigentlich sonst immer jede Stimmung angemerkt. Auch ich hatte berufsbedingt eine Fernbeziehung und es lief ganz ähnlich ab, Trennung per skype, einfach so, Knall auf Fall. Vielleicht überschätzen wir, wie gut wir den Partner wirklich wahrgenommen haben über die Distanz. Die tatsächlich miteinander verbrachte Zeit war ja letztlich immer ein Ausnahmezustand, manchmal ein länger währender, auch mal mit Alltagsproblemen und persönlichen Krisen behafteter, aber trotzdem ein Ausnahmezustand. Überwogen hat da immer die Freude, sich endlich zu sehen, sich in jeder Hinsicht ganz nah sein zu können. Was in den Zeiten des Getrenntseins beim anderen so abging, haben wir offensichtlich doch nicht so mitbekommen wie gedacht.
Auch ich hätte bis 1 Tag vor seiner dürren Mitteilung im skype meine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass alles in Ordnung ist. Hab es mir angetan, da nachzubohren und das Ergebnis war erschreckend simpel. Es gibt ne andere, und die ist da und ich halt nicht. So einfach.
Ich weiß natürlich nicht, ob das der Grund deiner EX ist. Aber irgendwas ist geschehen, von dem du nichts mitbekommen hast, egal, wie gut du ihre Stimmungen sonst "gelesen" hast.
Dich verstört die Art, wie sie jetzt mit dir umgeht, dieses kurz angebundene Verschwinden via mail. Versteh ich gut. Ist auch feige.
Ich finde, jede längere, intensive Beziehung, und wie du eure beschreibst, war das eine, hat es verdient, ordentlich Auge in Auge beendet zu werden, soviel Zeit und Respekt vor dem anderen muss sein. Wenn man das nicht tut, kommt für den Verlassenen zum Verlust der geliebten Person noch die grausame Frage, wie man sich so irren konnte, ob nicht die ganze Beziehung im Nachhinein gar nicht das war, was man gedacht hat. Kenne diese Situation gerade 1:1.
Dass sie dich so abschießt, wo du sagst, das sie sonst einen hohen Anspruch an ihre Integrität hat, lässt vermuten, dass sie selbst gerade nicht besonders stolz ist auf sich in dem, was sie da tut. Versteh mich nicht falsch, sie hats ja trotzdem getan, will dich also offensichtlich so eindeutig nicht mehr, dass sie es nur noch "kurz und schmerzlos" ...haha.. hinter sich bringen will.

Dich trifft es jetzt natürlich doppelt hart, da du auch beruflich und finanziell wieder auf die Beine kommen musst. Andererseits ist auch das gerade eine Chance für dich. Hey, du hast wirklich was zu tun! Und andererseits Zeit ohne Ende, zu trauern, die Fetzen von dir, die sie hinterlassen hat, wieder einzusammeln und zu einem neuen, stärkeren und innerlich gewachsenen Menschen wieder zusammenzusetzen. Wenn du aus diesem Ding raus bist, und du wirst da rauskommen, eher oder später, aus allen deinen Baustellen, denn du hast entschieden zu kämpfen, und nicht vom Hochhaus zu springen, wird deine Persönlichkeit um vieles reicher, tiefer und noch interessanter für andere sein. Du baust gerade an deinem zukünftigem Leben. Gib nicht auf! LG Syra

21.09.2011 07:27 • x 1 #4


Punto


Hallo Syra,

ganz vielen Dank für deine Zeilen!

Ich hatte inzwischen den Gedanken, dass ich "den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen" habe. Ihre Nörgelei und die ständigen Verstimmungen - ja, die gab es zuhauf. Und die habe ich auch wahrgenommen. Es ging aber nie um uns, um mich, sondern um doofe Kollegen, nervige Supermärkte und Straßenbahnen, lästige Nachbarn und alles Mögliche sonst. Sie ist sehr impulsiv, hat einen Hang bis zur Erschöpfung und immer knapp über einer gesunden Leistungsgrenze zu arbeiten.

Mich sieht sie als Sensibelchen, dem man manche Dinge nicht sagen kann weil er dann beleidigt ist, sich angegriffen fühlt, die Dinge totdiskutiert. Da wurden manche Sachen dann nicht angesprochen. Ist ne blöde Situation, ich kriege es natürlich normalerweise nicht mit wenn sie etwas NICHT anspricht, aber an ein paar Stellen blitzte es mal kurz durch. Es ging dann aber um Lappalien, die ich selber kaum der Rede wert fand und deshalb auch davon ausgegangen bin, dass es ihr wohl auch zu läpsch ist um deswegen eine Diskussion zu entfachen. So nach dem Motto, man sieht sich als Fernbeziehung eh nur selten, will die wertvolle gemeinsame Zeit nicht belasten, es ist ja auch immer eine besondere Zeit, da toleriert man dann auch kleine Unterschiede in der Lebensführung, es ist nix Schlimmes und für die 2 Tage Wochenende kein Problem.

So habe ich es gesehen und angenommen, dass das auch ihre Taktik ist. Wenn wir Unterhaltungen über uns führten war das auch die Quintessenz beider Seiten, wenn es um das Thema "wir sind in manchen Dingen unterschiedlich" ging. Fazit war auch, wir würden wohl kaum in einer Wohnung zusammen leben können (auch wenn die Entfernung nicht wäre), aber da wir uns immer nur tageweise am Wochenende sehen ist das kein Problem.

Lange Rede, wenig Sinn. Ich glaube im Moment, dass ich ihre Verstimmungen natürlich bemerkt, aber fast nie auf mich bezogen habe. Es ging aber auch immer nur um Dritte oder Lebensumstände, nie um mich oder uns.
Ein paar Diskussionen der letzten Zeit (da vertrat sie völlig abstruse Ansichten ausgerechnet zu meiner beruflichen Branche und ich habe sie dann erst aufzuklären versucht, aufgrund ihrer Uneinsichtigkeit aber schließlich gesagt, dass sie als Fachfremde sich wohl kaum anmaßen kann, mir meinen Job und meine Branche zu erklären). Diese Gespräche habe ich als Sachdiskussionen um das Thema, nicht aber als persönlichen Streit "um uns" wahrgenommen.

Ihre Nörgelei und Unzufriedenheit habe ich also durchaus bemerkt. Nur nicht auf mich bezogen, weil es auch nicht klar geäußert und auf mich gemünzt war.

Ein großes Thema bei ihr ist, dass sie von einem früheren Typen vor allem seelisch sehr schlecht behandelt wurde. Ein paar Mal gab es auch körperliche Gewalt, vor allem aber psychische Gewalt in der Form, dass der Kerl ihr immer ein X für ein U vorgemacht hat und sie irgendwann nicht mehr wusste, ob er nicht Recht hat wenn er z. B. sagt, der Himmel sei nicht blau sondern rosa. Das hat sie damals sehr verstört, psychisch fertig gemacht. Sie konnte sich zum Glück aus der Ehe lösen, das alles ist Jahre her, aber hängen geblieben ist die beständige Befürchtung, jemand könnte sie "unterbuttern".

Ich denke im Moment, dass sie aufgrund von beruflicher Anspannung, eigenen finanziellen Belastungen, allgemeiner Lebensunzufriedenheit, einfach von allem zu viel hat und wenn wir dann noch Diskussionen führen - auch wenn es nicht um uns geht - ist ihr das zu viel. Die Ausnahmesituationen an den Wochenenden (wir haben uns ca. alle 2 Wochen gesehen) waren ihr immer weniger Entspannung, sondern Zusatzbelastung. Nicht weil ich mich "daneben benommen" hätte, sondern weil sie schon an ihren Belastungen schwer trägt und wenn ich dann komme und will noch betüddelt werden weil ich im Augenblick halt auch nicht besonders gut dran bin - das ist ihr dann zuviel geworden.

Ich bin fast übertrieben selbstkritisch und hinterfrage mich immer sehr. Hab' ich nicht doch etwas übersehen, was ich hätte merken müssen? Gab es nicht doch Andeutungen und ich habe sie doch nicht so gut gekannt und gelesen, wie ich denke? Dinge falsch interpretiert, wo ich zumindest jetzt im Nachhinein sagen muss "Ja, da hast du eine Sache falsch eingeschätzt?"
Aber ich komme doch immer zu dem Ergebnis, nein, solange sie es nicht anspricht und die eine oder andere Reiberei nur eine Kleinigkeit ist, meistens noch nicht mal mit Bezug zu mir sondern zu Dritten, es kommen vor allem auch keine Wasserstandsmeldungen bzgl. der Beziehung sondern sie ist liebevoll und aufmerksam wie immer - dann KANN ich nicht merken, dass etwas nicht stimmt. Ich bin der Letzte, der sich etwas schönreden will und suche meine Fehler um daraus zu lernen. Aber ich kann wenig finden.

Klar, es gehören immer 2 Leute dazu und ich wasche meine Hände nicht vollkommen in Unschuld. Hier und da habe ich sie mal genervt. Aber alles in eher harmlosem Rahmen und ich sehe unsere Anteile im Augenblick bei bestenfalls 80:20, wobei sie den 80%-Anteil hat.

Es kommt mir so vor, als sei sie mit der ganzen Welt unzufrieden und mein Fehler war vor allem, dass ich das aus der Entfernung heraus nicht als Warnsignal auch für unsere Beziehung gewertet habe. Dass ich dachte, ihre allgemeine Unzufriedenheit bezieht sich auf alles andere, eher weniger auf uns (und wenn doch dann nur bei eher harmlosen Kleinigkeiten) und deswegen ist zwischen uns alles okay. Das war vermutlich eine Fehleinschätzung.

Aber hätte ich das vorher merken können? Was hätte ich dann tun können? Eigentlich nichts, denn ich kann ihr Leben schließlich nicht auf allen Ebenen verbessern.

Vielleicht geht es mir auch deswegen so blöd damit, weil ich glaube, dass ich gar keine Chance hatte das Ruder umzureißen?

21.09.2011 15:58 • #5


Punto


Öhm, kurze Off-topic-Frage: Wie werde ich hier Mitglied? Bin ich zu blöd den Anmelde-Button zu finden?

21.09.2011 16:27 • #6


Syra


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off topic: ist etwas blöd gemacht, finde ich auch. Auf jeder Seite ganz oben, in dem Kasten neben den Google Anzeigen ist rot ein » Jetzt anmelden / registrieren! Link. Aber hast du bestimmt schon gefunden

21.09.2011 22:51 • #7


Westi

Westi


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Tja Punto. So kann es gehen und ich finde mich (und meine Ex) in vielen Teilen deines Posts wieder. Wenn du dich einmal durch meine ersten Beiträg hier im Forum klickst (Profil aufrufen - Nachrichten) wirst du das feststellen können. Auch für mich kam es unerwartet und es wurde hier eine in meinen Augen super funktionierende Beziehung von heute auf morgen gekippt. Da ich mich beruflich derzeit neuorientiere, stehe ich finanziell auch mehr als bescheiden da. Mit ihr im Rücken war ich aber sicher, diese Situation meistern zu können...sie hat mir Halt gegeben.
Aber dann brach dieser Halt weg und nun werde ich da alleine durchmüssen. Nun, das habe ich schon einmal geschafft unter gleichen Umständen - und ich werde es wieder schaffen.

Wieder einmal zeigt sich, dass Frauen wohl offenbar am Mann doch nur das Geld schätzen. Auch wenn sie es so frei heraus nie sagen würden: Aber hat ein Mann kein Geld, sehen sie ihre gemeinsame Zukunft + Kinder gefährdet und damit wird der Mann schnell unattraktiv. Eine Schande eigentlich aber offenbar normal.
Ich weiss es nicht und werde erst wieder eine Beziehung beginnen, wenn ich beruflich fest im Sattel sitze.

21.09.2011 23:07 • #8


Punto


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Syra,
danke schön! Hab's gefunden und bin drin!

Westi,
ich werde dein Thema gleich durchlesen. Dass es Frauen "nur um Geld geht" denke ich eher nicht. Was aber sicher stimmt ist, dass die Attraktivität eines Mannes mit seinem "Erfolg im Leben" korreliert - und den kann man ja im Grunde nur an seiner beruflichen Position oder seinen finanziellen Möglichkeiten messen. Jedenfalls insofern als "mitten im Leben stehen" zumindest hierzulande sehr stark auf die berufliche Situation gemünzt ist und Arbeitslose hier auch flächendeckend das fatal falsche Image der "bis mittags schlafenden, saufenden Krawall-Talkshow schauenden Assis" haben.

Bei mir glaube ich nicht, dass die beruflichen Dinge ausschlaggebend waren - jedenfalls nicht primär. Es kann aber gut sein, dass die Belastungen, denen man allein schon durch Jobverlust und Geldnot ausgesetzt ist, nicht unbedingt zu selbstbewusstem Auftreten führen. Man fühlt sich als Verlierer und strahlt das aus - das ist nicht gerade s.y. Ein gut gelaunter Gewinner-Typ ist attraktiver als ein Trauerkloß, den das halbe Leben nervt.

Obendrein fehlen Arbeitslosen und Armen auch Möglichkeiten die Beziehung unkompliziert interessant zu gestalten. Vieles erfordert eben doch auch einen gewissen Geldeinsatz; meine Ex und ich hatten schon seit 1,5 Jahren keine Möglichkeit mehr wenigstens mal für ein paar Tage zusammen auszuspannen und wegzufahren obwohl wir uns sehr nach ein paar Tagen in anderer Umgebung gesehnt haben.
Oder spontan essen gehen, Kinobesuch, einfach mal drauflos shoppen, Theaterbesuch, Museum, eine Fahrt ins Blaue etc. - das geht alles wenn man es sich leisten kann. Wenn man es aber nicht kann und immer erstmal nervigerweise überlegen muss, ob es zu bezahlen ist, ist das oft ernüchternd.
Man behilft sich zwar mit anderen Nettigkeiten und klar, es geht nicht nur um den finanziellen Wert der Dinge. Aber manchmal ist es halt doch so, dass "Roofblaster" und Abwechslung das nötige Kleingeld erfordern. Es wäre manchmal angenehm und wichtig, irgendwas einfach machen zu können ohne immer erstmal rechnen oder Bauchschmerzen haben zu müssen. Das killt Spontanität und Genuss ohne schlechtes Gewissen.

Statistisch ist die Trennungsquote bei Geringverdienern, Arbeitslosen und Hartz-Empfängern besonders hoch. Es hat damit zu tun, dass die Leute nicht nur ihre Beziehung managen müssen - wie jeder - sondern das Leben unter prekären Verhältnissen schon eine systemimmanente Belastung hervorruft.

22.09.2011 22:24 • #9


Punto


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Ganz großartig!

Ich war gestern Abend bei einem Freund. Wir labern über Gott und die Welt, unter anderem auch meinen Ex-Chef, den wir beide kennen. Der hat zu seinem Geburtstag am 01. Oktober irgendeinen Schwachsinns-Text in Facebook geschrieben. Mein Freund will mir das zeigen damit wir gemeinsam drüber ablästern können.

Und was muss ich da sehen?

Dass meine Freundin, äh Ex, auch herzliche Glückwünsche hinterlassen hat! Chef und Ex kennen sich oberflächlich weil sie mich hin und wieder im Büro abgeholt hat und Smalltalk gehalten wurde.

Seit ich in der Firma die Kündigung bekommen habe stand sie aber solidarisch zu mir und war auf ihn nicht mehr gut zu sprechen, erstens aus Prinzip und zweitens weil seine unfähige Firmenführung meinen Job gekostet hat (mangelnde Einnahmen, schlechte Finanzsituation - obwohl eine Menge Potential da ist, man müsste es nur anpacken).

Und nun schickt sie ihm überaus gut gelaunte Grüße, säusel, säusel, säusel, dazu ein Geburtstagsbussi aus der Ferne. ICH KÖNNTE KOTZEN!

Nicht, dass da etwas liefe - immerhin wohnt sie 300 km entfernt und er hat seit ein paar Wochen eine neue Flamme. Meine Ex konnte auch nicht damit rechnen, dass ich den Text zu Gesicht bekomme, ich bin nicht im Fratzenbuch angemeldet.

Dem Wichsfrosch überhaupt eine Botschaft zu schicken und dann auch noch in einem solchen Ton, wo man deutlich wahrnimmt, dass ihr die Sonne aus dem Ar. scheint - was soll das denn?

Hat mich kalt erwischt. Toll!

02.10.2011 04:32 • #10


ReCharge


Ich habs irgendwie aufgegeben ExPartner zu verstehen. Man immer mehr das Gefühl dass man sich die ganzen Jahre und die Beziehung nur eingebildet hat.

Was manche Leute da für U-Turns machen ist echt der Hammer. Unsensibel, kalt. Sie werden zu Menschen mit denen ich nicht mal eine flüchtige Bekanntschaft wollen würde. Ich kapiers ned, ist da was im Trinkwasser?

02.10.2011 10:19 • #11


Punto


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Hallo zusammen,

ich war länger nicht da, habe nämlich seit 1 1/2 Wochen eine neue Stelle angetreten. Einerseits gut, andererseits echt anstrengend weil ich erstmal die ganzen Abläufe und Leute dort kennenlernen muss. Und ich muss einen völlig neuen Lebensrhythmus annehmen, habe kaum Zeit für mich selber und bin nach Feierabend leer und ausgelaugt weil es im Kopf sehr anstrengend ist. Gewöhnt man sich daran eigentlich oder ist das hinzunehmen, dass man abends kaputt ist?
Vielleicht sind 1 1/2 Wochen zu knapp um schon im neuen Takt zu sein und das neue Tempo oder die geänderten Lebensumstände so zu verinnerlichen, dass man damit klarkommt?

Die andere Sache ist - ich fürchte, dass mich in den letzten Tagen auch die Flashbacks ereilen. In manchen Momenten kommen die Tränen weil ich aus heiterem Himmel darüber nachdenke, dass mir meine Ex fehlt... Niemand mehr, mit dem man reden kann wie man halt mit einer Freundin redet, niemand, der einen so in den Arm nimmt wie eine Freundin, und nicht mehr dieses Gefühl, wie sie sich anfühlt... ich kann das schwer beschreiben, aber es ist wohl so eine Art Entzug, der bisher nicht da war, aber jetzt zuschlägt.

Sich eine Weile lang nicht zu sehen - ja, das kann man wohl überstehen und die Erste Hilfe, die ich direkt nach der Trennung selber aktiviert habe und auch hier bekommen habe, hat so gut geholfen, dass ich anfangs super klargekommen bin.

Seit ein paar Tagen scheint das aber wegzubröckeln, vielleicht auch weil der Stress durch den neuen Job eine zusätzliche Belastung ist, wo ich gerne mal einen wohlwollenden Austausch, eine Beruhigung etc. bekommen würde und "sie" wäre halt ein kompetenter Gesprächspartner dafür gewesen. Aber stattdessen stehe ich alleine da und kann das mit niemandem in Ruhe besprechen.

Vielleicht ist es auch nur so, dass der zusätzliche/neue Stress umso mehr deutlich macht, dass und was zuletzt alles anders wurde und das Leben jetzt ein ganz anderes ist als noch vor 2 Monaten... Allerdings eins, in dem ich noch nicht so richtig angekommen bin. Die Außenwelt denkt wahrscheinlich "alles super, er hat wieder nen Job und das mit der Freundin hat er auch gut weggesteckt", aber innerlich hab' ich das alles doch noch nicht so schnell verkraftet wie es äußerlich abläuft...

Im Augenblick fehlt mir innere Ruhe, ich bin sehr angespannt und den Tränen nahe... besser gesagt, am Heulen und weiß grad' überhaupt nicht warum, was mich da gerade einholt.

30.10.2011 18:48 • #12


ReCharge


Hey Punto,
ich denke da gibt es einen direkten Zusammenhang von neuem Job und verlorener Beziehung. In einer Situation die neu für Dich ist oder in der Du Dich ersteinmal unsicher fühlst vermisst man die Geborgenheit und Vertrautheit der Beziehung noch viel intensiver.
Da Du ja auch noch von Nachtjob auf Tagjob gewechselt hast musst Du Dich jetzt wohl auch mit Deinem neuen Biorythmus rumschlagen. 1,5 Wochen sind ganz normal, das dauert noch eine ganze Weile bis Du Dich abends nicht mehr kaputt fühlst. Ist einfach sehr viel aufeinmal.
Ich trage seit neuestem auch wieder einen Stein im Magen mit mir rum... weiss der Teufel warum. Eigentlich gehts bei mir gerade wahnsinnig voran. Ich denke die Intervalle sind normal.
Glückwunsch zum Job! Ein Problem weniger!

30.10.2011 21:45 • #13


Albatros


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Hallo Punto,

das was Du hier schreibst kommt mir bestens bekannt vor, auch bei mir kam vor 4 Jahren dieser Doppelschlag (Trennung und arbeitslos), wobei offenbar der Jobverlust (Insolvenz) auch ursächlichlich für die Trennung war.

Westi schreibt:
"Wieder einmal zeigt sich, dass Frauen wohl offenbar am Mann doch nur das Geld schätzen."

Scheint wohl was wahres dran zu sein, denn genau so hat sich meine Ex auch nach der Trennung verhalten.....
Was mich dabei besonders getroffen hat war die Erkenntnis nur noch der Trottel gewesen zu sein, der für alles zu Sorgen hat.... ungeliebt... nur noch meine Funktion war wichtig, nicht der Mensch, als ich dann arbeitslos wurde... und Tschüs... eiskalt...

Auch ich musste nach der Trennung wieder privat und beruflich wieder Fuss fassen, für mich ist danach nichts mehr so geblieben wie es war,
obwohl es unheimlich schwer war, habe ich diese Situation auch als Chance für mich selber gesehen aus den Trümmern des alten und vor allen aus den Erfahrungen daraus, etwas neues, besseres aufzubauen.

Ich bin immer wieder mal hier im Forum weil das Thema Trennung auch danach noch zweimal für mich noch recht schmerzhaft war.
Doch jede Beziehung und jede Trennung bietet die Chance über sich selbst etwas zu lernen und es das nächste mal besser zu machen.

Für mich war die Lehre aus dieser Zeit des Umbruchs, dass ich nicht etwas was mir innerlich fehlt bei einer Partnerin finden kann.
Mann kann sich nicht über einen Parner vervollständigen, wohl aber daran arbeiten sich selbst zu ergänzen.....

Ich werde jedenfalls nie wieder den Fehler machen meine Parnerin in den Vodergrund zu stellen und mich selbst dabei zu vergessen, es dankt dir niemand wenn du so etwas tust, auch kein Partner....

Das wichtigste in deinem Leben bist Du....

Ich habe die letzten 4 Jahre das unheimliche Glück gehabt zum einen meine Familie hinter mir zu haben, aber auch viele wirklich gute Freunde gefunden zu haben, die mir mittlerweile genauso wichtig sind wie meine neue Freundin.... und ich habe auch nicht vor diese Prioritäten zu verschieben.....

Wenn mich eine Frau nur deswegen liebt weil ich einen tollen Job und viel Geld habe, dann kann das das doch wirklich keine Liebe sein....

Mann kann sich die Liebe einer Frau nicht erkaufen, nicht mit Geld und nicht mit Dingen die man für sie tut.... Man kann sich nur bemühen ein Mensch zu werden, der es Wert ist geliebt zu werden.... das ist meine Erkenntnis...

31.10.2011 07:07 • #14



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