Tascha, sorry, aber du erinnerst mich verdammt an meine Tochter!
Ich mache mit ihr gerade Ähnliches durch. Sie ist so alt wie Du, hat aber nur abgebrochene Ausbildungen. Therapie hat ihr angeblich nichts gebracht, ihr Ex sie nur ausgenutzt.
Und immer dreht ess ich um Ursachenforschung und Schuldfrage. Mal sind die anderen schuld, meistens ich, dann die Umstände und, wenn das alles nichts bringt, zieht sie das letzte Register: Ich bin selbst schuld, eine Versagerin, weiß nicht, wie ich nen nächsten Tag überstehen soll. Damit ruft sie wieder alle auf den Plan, die ihr zur Hilfe eilen, ihr einen Schubs geben, dann bewegt sie sich wieder 3 Schritte, alle sind glücklich, denken, jetzt läuft sie von alleine. Aber es passiert nichts. Und wieder dreht sich alles im Kreis. Immer das gleiche Muster.
Wundert es dich, wenn deine Eltern so reagieren? Was erwartest du denn?
Nehmen Sie dich bei der Hand und erledigen für dich alles, kommt der Vorwurf: Die trauen mir nichts zu, immer muss ich machen, was die sagen. Sagen sie, du sollst dein Leben endlich selbst in die Hand nehmen, verletzt es dich krass?
Du hast nicht gelernt, die Verantwortung für dein Leben selbst zu tragen. Aber daran tragen nicht deine Eltern oder du die Schuld. Es ist eben so gekommen.
Mich nervt es, wenn man sich zu lange immer nach Schuld und Ursachensuche begibt und daraus keine richtigen Schlüsse zieht.
Sicherlich tu ich mir da leichter, ich war schon immer ein Mensch, der davon überzeugt war, dass man durch eigene Aktivitäten was erreichen kann. Machen, nicht reden und in der Endlosschleife grübeln!
Und dabei ist das Ergebnis völlig egal. Zunächst ist nur wichtig, dass es mal beginnt weiterzugehen! Von Augenblick zu Augenblick, von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag.
Bei meiner Tochter ist das so: Wenn sie beschließt, jetzt muss ich was machen, schmiedet sie wieder fantastische Pläne. Klingt alles großartig. AUßerirdische Ziele. UNd dann, wenn sie sich tatsächlich mit größten ANstrengungen in Bewegung gesetzt hat, erwartet sie sofort ein großes Jubelkonzert von der ganzen Welt. Aber da jubelt keiner, weil es a. den anderen am A. vorbei geht, b. es eine Leistung ist, die jeder Mensch zu vollbringen hat.
Und dann ist sie wieder so enttäuscht von Gott und der Welt, dass das Spiel von vorne angeht.
Dabei liegt die Wahrheit ganz woanders: Sie sollte sich fragen, warum bitteschön jubelt der einzige Mensch, der eigentlich jetzt über meine Leistung jubeln müsste nicht?
Warum jubel ich nicht mir selbst zu, toll, Mädchen, du bist auf einem guten Weg, weiter so?
Jetzt kommt natürlich die unvermeintliche ANtwort: Weil ich mir nichts zutraue, mich selbst nicht achte und selbst schuld bin. OOOAAAAAAA!
Die Antwort könnte auch mal lauten: O, das ist eine gute Idee: Ich werde jetzt mal über mich selbst jubeln, über jeden kleinen Schritt. Ich will darauf achten, dass ich in kleinen Zeiträumen denke. Von Augenblick zu Augenblick. Und wenn einen Augenblick lang was Postives empfinde, dann versuche ich es zu genießen. Vielleicht schreibe ichmir die Augenblicke mal zusammen. Ich sammle nur die positven Augenblicke. Tag für Tag, von einem Tag zum anderen. Nach einer Woche schau ich mal wie viele schöne Augenblicke ich gesammelt habe. Und ich bin zufrieden damit.
Wenn Dir das zu anstrengend ist oder Du Angst davor hast, dass es nicht genügend Augenblicke sind, dann lass es sein.
Denn mit größter Anstrengung sammelst du negative Augenblicke. Und dann musst du dich fragen: Was gibt es dir, so viel Energie dafür auszuwenden,um negative Augenblicke zu sammeln, wenn du die gleiche Energie aufwenden könntest, um positive Augenblicke zu sammeln.
Was gibt es Dir?
