abhope
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Habe hier in den letzten Tagen viel mitgelesen (manchmal hilft das ja schon) und möchte jetzt, da es gefühlt immer schlimmer wird, meine Geschichte erzählen.
Meine Freundin hat mit mir vor 2 Wochen aus heiterem Himmel per Mail Schluss gemacht. Wir waren ziemlich genau 9 Monate zusammen. Ich weiß was einige von Euch jetzt vielleicht denken: Per Mail Schluss machen geht ja mal gar nicht! Ich muss aber sagen, dass ich das gar nicht soooo schlimm finde. In einer solchen Form kann man die Dinge vielleicht sogar klarer benennen und erklären als wenn man sich in die Augen schaut und tränenerstickt kein Wort rausbekommt. Außerdem konnte sie mich wahrscheinlich nicht (mehr) anschauen, weil sie eh eher ein Fluchttier ist.
Zum Hintergrund: Wir kannten uns seit Mitte Juni letzten Jahres und hatten - jedenfalls gefühlt für mich - eine wirklich schöne gemeinsame Zeit. Seit Anfang/Mitte Februar war sie etwas distanzierter und gab an, mehr Zeit für sich zu benötigen. Sie führte das auf ihren beruflichen Stress zurück, was mir einleuchtet(e). Sie hat jobmäßig nie besonders viel Glück gehabt und ist seit heute wieder arbeitslos. Daher war sie niedergeschlagen und hatte auch keine Lust mehr auf Sex (dieser hatte uns bis dahin beide stets sehr erfüllt). Mitte Februar hatten wir aber noch einen sehr schönen Valentinstag (ich hatte ihr ein Dinner in the Dark geschenkt, was sie total klasse fand).
Wir wohnen knapp 50 Km auseinander, haben uns zuletzt aber dennoch fast täglich gesehen. Mir hat die Pendelei auch nie etwas ausgemacht, da ich "echte" Fernbeziehungen von teils 200 Km Plus hinter mir habe.
Jetzt zum "Drama": Wir haben uns sonntags noch mit Kuss und Umarmung voneinander verabschiedet, und ich bin zu mir nach Hause gefahren. Als ihre 17jährige Tochter fragte, wann ich wieder käme, sagte meine Freundin - noch bevor ich antworten konnte - spätestens Freitag zum Essen mit Karin (lange feststehender Essenstermin mit einer engeren Freundin von ihr). So weit so gut...es folgten Sonntag und Montag Abend 2 kurze und von ihrer Seite recht unterkühlte Skypegespräche, dann 2 Tage Funkstille und Mittwoch eine lange Mail, die mich brutal hart getroffen hat. Sie habe sich viele Gedanken gemacht und könne so nicht weitermachen. Das Pendeln (ich war insgesamt gesehen deutlich häufiger bei ihr als umgekehrt), das Leben aus dem Köfferchen, wenn sie bei mir war...im übrigen fühle sie sich in meiner Wohnung nicht wohl und in ihrer Wohnung fühle sie sich nicht mehr wohl, wenn ich da sei - das hat gesessen! Als ich nachfragte, was das denn jetzt genau bedeutet, schrieb sie mir am nächsten Tag dann, dass sie sich entliebt habe bzw. im Moment wohl einfach nicht beziehungsfähig sei. Sie bedanke sich für jeden schönen Moment und schreibe dies unter Tränen. Ich hätte mich stets korrekt verhalten und sie jederzeit total unterstützt.
Ja, das war nun vor ziemlich genau 2 Wochen ihre letzte Nachricht. Ich kann dann wohl auch mal mit der Mär aufräumen, dass Frauen ja reichlich Signale senden, die der unsensible Mann einfach ignoriert. Ich war derjenige, der eher das Gespräch gesucht hat als sie. Ich hab auch mal dezent nachgefragt, ob ihre schlechte Stimmung etwas mit mir zu tun habe oder ich etwas falsch gemacht habe. Dies hat sie stets verneint. Wenn´s ihr nicht gut ging, hat sie sich immer zurückgezogen und ins Bett gelegt.
Nach ganz kurzen Phasen, in denen ich es einigermaßen aushalten konnte, hab ich das Gefühl, dass es jetzt immer schlimmer wird. Seit Donnerstag morgen ist mein Leidensdruck kaum mehr zu ertragen und ich weiß nicht mehr weiter. Ich hab zwar Freunde, aber die wohnen z.T. weiter weg und haben mit sich selbst genug zu tun. Besonders am Wochenende fühle ich mich schrecklich allein und erinnere mich an die schöne gemeinsame Zeit. Wir haben uns übrigens kein einziges Mal gestritten.
Trotz häufig geäußerter Empfehlung einer Kontaktsperre habe ich ihr - allerdings erst 10 Tage nach der Trennung - einen Brief geschrieben, in dem ich ihr meine Sicht der Dinge schildere und sie frage, ob sie wirklich alles wegwerfen möchte. Das war mein einziges Statement, ich mache mich ansonsten nicht durch ständige Anrufe oder SMS zum Affen.
Ich kann auch noch kurz erklären, warum ich diesen Brief geschrieben habe. Zum einen wollte ich meine Sicht der Dinge schildern, das war ich mir selbst schuldig. Zum anderen wollte ich sie etwas wachrütteln, da ich (genauso wie einige gemeinsame Bekannte) die Vermutung habe, dass sie durch die Jobsituation wieder in eine depressive Phase gerutscht ist. Sie hat seit vielen Jahren damit zu tun, und in kritischen Situationen rutscht sie schnell wieder rein. Ich habe ihr - wenn dem so sein sollte - meine Geduld und Unterstützung zugesagt.
Darüber hinaus glaube ich, dass sie nicht mit intensiven Gefühlen umgehen kann und vielleicht deshalb die "Flucht" ergreift. Sie hat als Kind keine Liebe erfahren und kommt aus 2 ziemlich kaputten Beziehungen mit aggressiven und saufenden Partnern. Sie konnte oft gar nicht damit umgehen, wenn ich gut zu ihr war und ihr Komplimente gemacht habe.
Ich weiß, dass diese Spekulationen und Vermutungen mich nicht wirklich weiterbringen. Ich wollte es nur schreiben, damit Ihr einen tieferen Einblick habt.
Zum Schluss möchte ich noch ein Wort über meine tiefsten Ängste verlieren, weil es einfach dazugehört:
Ich habe eine nervlich-muskuläre Erkrankung, die mich motorisch schon recht stark einschränkt. Deshalb habe ich in Beziehungen bislang nicht viel Glück gehabt. Die meisten potentiellen Partnerinnen sortieren mich recht schnell aus. Ich bin jetzt 41 und hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass es wirklich passt. Sie hat das Handicap nie thematisiert, was ich in dieser Form so noch nie erlebt habe. Sie kommt aber auch aus dem Betreuungsbereich behinderter Menschen. Ich glaube einfach nicht mehr daran, nochmal so eine Partnerin zu finden, die mich so akzeptiert wie ich bin, zumal die Erkrankung zum Teil in Schüben verläuft. Ich habe so eine grausame Angst, für immer allein bleiben zu müssen.
Sorry für diesen elend langen Text. Ich musste mir das jetzt einfach mal von der Seele schreiben...
Vielen Dank an alle, die bereit sind, sich hier durchzukämpfen.
Liebe Grüße
abhope
