@Sincerite @Brennessl,
ich möchte auf eure Frage nach meinen Beweggründen noch einmal persönlich eingehen. Nicht, um mein Verhalten zu entschuldigen, sondern um ehrlich zu beschreiben, was ich selbst dahinter vermute.
Den Abgeklärten wollte ich dabei nicht geben. Ich weiß, dass hinter meiner eher extrovertierten, oft humorvollen, offenen und manchmal auch tollpatschigen Art ein sehr sensibler und verletzlicher Teil von mir steckt, den ich nicht immer zeige. Ich sehne mich nach Wärme, Anerkennung und Geborgenheit. Gleichzeitig habe ich Angst, mit dieser Sehnsucht zu bedürftig zu wirken. Vielleicht versuche ich deshalb manchmal - ob bewusst oder unbewusst -, Unsicherheit mit einem lockeren Spruch aufzufangen, obwohl in dem Moment etwas ganz anderes angemessen wäre. Ob das bei meiner Bemerkung genau so war, kann ich nicht sicher sagen. Aber es ist eine Erklärung für mich, in der ich mich wiedererkenne.
Bei ihr hatte ich das Gefühl, diese Wärme und Geborgenheit gefunden zu haben. Ich habe natürlich zuvor auch einige andere Frauen kennengelernt - war auf zig Dates, mit allen verschiedensten Varianten...manchmal entstand auch körperliche Nähe bzw. Intimität. Aber dieses Gefühl, dass mich jemand wirklich berührt und ich diesen Menschen näher kennenlernen möchte, war dabei oft nicht in dieser Weise da. Bei ihr war es irgendwie anders. Deshalb trifft mich das Ende so sehr.
Meine Verlustangst und mein starkes Bedürfnis, angenommen zu werden, kenne ich. Rückblickend glaube ich, dass gerade im Telefonat die Angst, sie zu verlieren und von ihr als ganzer Mensch negativ gesehen zu werden, sehr viel Raum eingenommen hat. Ich wollte erklären, dass ich es nicht böse gemeint hatte, dass ich nicht grundsätzlich gleichgültig bin. Dabei habe ich ihre Bedürfnisse und ihre Verletzung zu wenig, in diesem Moment vielleicht auch garnicht gesehen, ja. Mein Wunsch, verstanden und wieder in einem guten Licht gesehen zu werden, stand vor dem Zuhören - über ihren Gefühlen und Bedürfnissen. Ich verstehe inzwischen, dass dadurch keine Kommunikation, kein gemeinsames Fühlen auf Augenhöhe entstehen konnte. Das bereue ich sehr.
Dieses Bedürfnis, akzeptiert zu sein und möglichst schnell wieder das Gefühl herzustellen, dass alles in Ordnung ist, begleitet mich seit meiner Kindheit. In meinem Elternhaus habe ich den emotionalen Rückhalt, den ich gebraucht hätte, nicht immer so erlebt (-> sicherer Bindungsstil, "Ich bin willkommen", "Ich bin gut so wie ich bin", vielleicht auch einfach mal ein liebevoll und ehrlich gemeintes, kurzes knappes "Du machst das schon, da bin ich mir sicher". All das war bereits Thema meiner vorangegangenen psychotherapeutischen Gespräche, in denen ich mich auch mit meiner Familiengeschichte im Elternhaus wärhend meiner Kindheit auseinandergesetzt habe. Ich bin meinen Eltern deshalb nicht böse und möchte ihnen nicht die Verantwortung für mein heutiges Verhalten zuschieben. Ich glaube, sie wussten manches selbst nicht besser und haben es selbst nur gut gemeint.
Trotzdem merke ich, dass etwas über sich zu wissen und in einem emotionalen Moment anders zu handeln zwei verschiedene Dinge sind. Ich kann meine Verlustangst benennen und gerate offenbar dennoch in Reaktionen, die Nähe erschweren, obwohl ich sie mir so sehr wünsche.
Ich möchte diese Art, mit Angst und Unsicherheit umzugehen, verändern. Ich möchte nicht dauerhaft zwischen der Sehnsucht nach Nähe, der Angst vor Verlust und den anschließenden Selbstvorwürfen leben. Mir ist klar, dass ich mein eigenes Handeln verändern kann, nicht das eines anderen Menschen. Und ich möchte daran arbeiten, weil ich selbst so nicht weitermachen will - unabhängig davon, ob sie noch einmal auf mich zukommt bzw. in auch nur irgendeiner Art mir die Gelegenheit anbietet, auf wirklich aufrichtiger und "nun wirklich verstanden habener" Ebene mit ihr nochmal in ein klärendes Gespräch zu kommen - vollkommen unabhängig über dessen Ausgang.
Das Kennenlernen mit ihr hat mich in dieser Hinsicht noch einmal sehr zum Nachdenken gebracht. Es tut weh, dass mir manches erst jetzt so deutlich wird. Ich wünsche mir, ihr zeigen zu können, dass ich ihre Verletzung ernst nehme. Gleichzeitig weiß ich, dass meine Erkenntnis ihr gegenüber keinen Anspruch auf eine weitere Chance begründet.
Deshalb möchte ich auch die Waschsachen nicht als Vorwand benutzen. Mein eigentliches Anliegen ist, ihr ehrlich zu sagen, was ich verstanden habe und was mir leidtut. Ja, ich wünsche mir auch eine Annäherung. Ich möchte nicht so tun, als wäre diese Hoffnung nicht da. Aber ich möchte sie weder überreden noch ihr die Verantwortung dafür geben, dass es mir wieder besser geht.
Eure Einwände bezüglich des verwendeten Titels "Beziehungs-Simulator" zu diesem Thread habe ich ebenfalls verstanden und sehe im Nachgang hieran diesen auch mehr als unglücklich gewählt, da er für manch Außenstehenden tatsächlich das Gefühl suggieren könnte, dass ich ihre für mich investierte und ja auch von ihr genossene, gemeinsame Zeit und Nähe in irgendeiner Art und Weise damit abwerten würde oder vollkommen schroff ausgedrückt ihre mir gezeigte Nähe nur vorgepielt gewesen wäre. Dem war natürlich mitnichten so bzw. habe ich das niemals so empfunden. Dieser Begrill "Beziehungs-Simulator" ist mir dabei ich lediglich vor Erstellung meines eigentlichen Eingangsthreads in Rahmen einiger diverser Internetrecherche vorab zu dieser "Kennenlernkonstellation -> gefühlt 15 bis 20 Treffen innerhalb eines Monats" immer wieder häufiger angezeigt worden (weil man schließlich gefühlt in einer rund einmonatigen Kennenlernphase das "durchlebt" hat, was so manches Paar bspw. innerhalb eines halben Jahres erlebt hätte).
Meine Wahl der Bezeichnung hierzu war deshalb wirklich sehr unpassend, was mir sehr leidtut😞.
Und auch wenn ich gerade sehr aufgewühlt bin und unsicher, ob ich mich hier bei dem ein oder anderen Forenteilnehmer mit meinem erneuten Karussell-Wunsch "verbrenne" (ist nicht böse gemeint, ich hoffe, ihr wisst, wie ich das meine😔): Was wäre unter diesen Umständen aus Eurer Sicht ein ehrlicher und respektvoller (nächster) Schritt? Könnte ich sie einmal offen fragen, ob sie überhaupt noch bereit wäre, etwas von mir dazu zu hören - und wenn ja, wie könnte ich das ausdrücken, ohne mich erneut zu rechtfertigen oder Druck aufzubauen? Oder wäre es angemessener, es nicht mehr an sie heranzutragen? Wenn sie keinen weiteren Kontakt möchte, würde ich das respektieren. Ich bin gerade einfach nur traurig und unsicher, wie ich mit diesem Wunsch nach einer Aussprache umgehen soll...😞