N
Neja
Gast
Da saß er nun...
... und wusste nicht so recht, was jetzt eigentlich geschehen war.
Und schon gar nicht wusste er, was nun zu tun sei.
Adam ist ein stattlicher Mann mittleren Alters. Nach außen hin sehr selbstbewusst, nach innen sehr kritisch. Aber kein Mensch, der Streit sucht, Problemen hinterher jagd oder anderen auf den Wecker fällt.
Jetzt sitzt er auf seinem Sofa, gedankenversunken und sinniert darüber, was wohl der Begriff "Harmonie" für seine Eva bedeutet.
Eva, eine resolute Frau ebenfalls mittleren Alters, benutzt dieses Wort gern, um bestimmte Interessen durchzusetzen. Und ganz bestimmt versteht sie unter dem Begriff etwas anderes als Adam.
Ein Beispiel:
Während Eva Tag für Tag zu Hause ist und dort den Haushalt, die Kinder und alles drumherum organisiert, geht Adam jeden Morgen pünktlich aus dem Haus, um das Geld für die leckeren Frühstücksbrötchen zum Sonntag zu verdienen. Er liebt seinen Job, Eva jedoch fühlt sich tagsüber einsam, so allein im Haus.
Zur Familie gehören noch 2 Kinder, die aber Evas Aufmerksamkeit nicht mehr so bedürfen, es sei denn es geht ums Taschengeld.
Adam hat eine gute Freundin, von deren Existenz Eva weiß. Sie weiß auch, dass sie von dieser Seite nichts zu befürchten hat, denn sooo dicke ist die Freundschaft nun auch nicht und die Freundin wohnt nicht im selben Ort. Ja, sogar nicht einmal im selben Bundesland.
Die beiden telefonieren viel. Obwohl man das schon wieder in der Vergangenheitsform schreiben müsste, denn als besagte Freundin erfuhr, dass Adam wieder eine Partnerin an seiner Seite hat, hielt sie sich zurück. Aus Respekt, wie sie sagt und weil sie kein Störfaktor sein will.
Nun kam es eines Tages, dass Adam nach einem langen Arbeitstag kaum zu Hause angekommen, einen Anruf von seiner Freundin erhielt.
Diese wollte sich nur erkundigen, ob alles in bester Ordnung sei und sich mit Adam über die Neuigkeiten der letzten 2 Wochen austauschen. So vergaßen beide die Zeit am Telefon. Eine geschlagene Stunde dauerte das Gespräch.
Nach dem Telefonat gab sich Eva kühl und distanziert. Und sprach davon, dass sie sich ignoriert fühlt. Sie hielt Adam vor, dass sie doch den ganzen Tag schon allein sei, nichts von Adam hätte und er nun auch noch das bisschen Zeit, das ihnen abends blieb mit seiner Freundin telefonieren würde. Und was es denn hinterher noch zu schreiben gäbe, da sie doch gerade eben telefoniert hätten. Adam möchte sich doch bitte darauf beschränken, die Kontakte zur Freundin tagsüber zu pflegen, damit er sich abends ganz Eva widmen könne.
Wie gesagt, Adam ist kein streitsüchtiger Typ und um des lieben Friedens Willen schrieb er seiner Freundin schnell noch, dass der Haussegen schief hängen würde und es für den Abend keinen Kontakt mehr geben würde.
Seit diesem Vorfall zog sich die Freundin von Adam noch mehr zurück. Die Freudschaft geriet ins Wanken und wankt immer noch.
Adam kann bis heute nicht fassen, dass er sich Evas Wunsch unterwarf. Ist er doch schließlich ein freier Mensch und nicht Evas Besitz. Er hat eigene Bedürfnisse, Wünsche, Träume und diese müssen ja nicht zwangsläufig von Eva geteilt werden. Er lebt mit Eva zusammen, aber deswegen kann er doch trotzdem ein eigenes Leben haben, oder?
Adam war stinkig über sich selbst.
Eigentlich hatte er sich fest vorgenommen, sich nicht wieder von irgendjemanden vorschreiben zu lassen wie sein Leben aussehen solle, wen er kontaktieren darf, was er tun darf und was nicht. Sofern das natürlich im Rahmen einer Beziehung vertretbar ist.
Vor zwei Tagen dann packte sie wortlos ihre Tasche, verließ ebenso wortlos das Haus, stieg in ihr Auto und fuhr zu ihrer Mutter, die auch nicht im selben Ort wohnt.
Adam war überrascht, ging dem Ganzen doch kein Streit voraus, keine Meinungsverschiedenheit, kein böses Wort. Nur eine kleine Unstimmigkeit. Sie wollte Sex, er hatte aber in diesem Augenblick keine Lust. Man kann sich ja nicht immer einig sein.
Er wollte wissen, was los sei, griff zum Handy und wählte ihre Nummer. Es klingelte am anderen Ende. Sie nahm nicht ab. Nein, sie drückte ihn sogar weg. Eine Klärung also nicht möglich.
Evas Lieblingswort war "Harmonie".
Sie wünscht sich nicht nur Harmonie in ihrem Leben, sondern auch in ihrer Beziehung.
Das ist nichts Verwerfliches und eigentlich ein guter Vorsatz.
Aber heißt Harmonie etwa, dass einer der Partner seine Wünsche äußert und der andere sich danach richtet, ungeachtet der Tatsache, dass er sich damit nicht wirklich wohlfühlt?
Harmonie kann doch nicht heißen, seine eigenen Wünsche zu begraben, auf jedes Wort und jede Tat bedacht zu sein, ja sogar den eigenen Humor zu hinterfragen, weil der andere ihn nicht versteht...?
Adam hatte ein schreckliches Bild vor Augen: Seine Eva mit der Peitsche in der Hand, ihre Bedürfnisbefriedigung einfordernd, ohne Wenn und Aber.
Und er selbst: Freundschaft futsch, jedes Wort in seiner Bedeutung abgewogen und wohlüberlegt, jede Tat im Vorfeld zigmal durchdacht... und sein Humor...? Den kann er jetzt wohl begraben.
Alles zum Wohle der Harmonie.
... und wusste nicht so recht, was jetzt eigentlich geschehen war.
Und schon gar nicht wusste er, was nun zu tun sei.
Adam ist ein stattlicher Mann mittleren Alters. Nach außen hin sehr selbstbewusst, nach innen sehr kritisch. Aber kein Mensch, der Streit sucht, Problemen hinterher jagd oder anderen auf den Wecker fällt.
Jetzt sitzt er auf seinem Sofa, gedankenversunken und sinniert darüber, was wohl der Begriff "Harmonie" für seine Eva bedeutet.
Eva, eine resolute Frau ebenfalls mittleren Alters, benutzt dieses Wort gern, um bestimmte Interessen durchzusetzen. Und ganz bestimmt versteht sie unter dem Begriff etwas anderes als Adam.
Ein Beispiel:
Während Eva Tag für Tag zu Hause ist und dort den Haushalt, die Kinder und alles drumherum organisiert, geht Adam jeden Morgen pünktlich aus dem Haus, um das Geld für die leckeren Frühstücksbrötchen zum Sonntag zu verdienen. Er liebt seinen Job, Eva jedoch fühlt sich tagsüber einsam, so allein im Haus.
Zur Familie gehören noch 2 Kinder, die aber Evas Aufmerksamkeit nicht mehr so bedürfen, es sei denn es geht ums Taschengeld.
Adam hat eine gute Freundin, von deren Existenz Eva weiß. Sie weiß auch, dass sie von dieser Seite nichts zu befürchten hat, denn sooo dicke ist die Freundschaft nun auch nicht und die Freundin wohnt nicht im selben Ort. Ja, sogar nicht einmal im selben Bundesland.
Die beiden telefonieren viel. Obwohl man das schon wieder in der Vergangenheitsform schreiben müsste, denn als besagte Freundin erfuhr, dass Adam wieder eine Partnerin an seiner Seite hat, hielt sie sich zurück. Aus Respekt, wie sie sagt und weil sie kein Störfaktor sein will.
Nun kam es eines Tages, dass Adam nach einem langen Arbeitstag kaum zu Hause angekommen, einen Anruf von seiner Freundin erhielt.
Diese wollte sich nur erkundigen, ob alles in bester Ordnung sei und sich mit Adam über die Neuigkeiten der letzten 2 Wochen austauschen. So vergaßen beide die Zeit am Telefon. Eine geschlagene Stunde dauerte das Gespräch.
Nach dem Telefonat gab sich Eva kühl und distanziert. Und sprach davon, dass sie sich ignoriert fühlt. Sie hielt Adam vor, dass sie doch den ganzen Tag schon allein sei, nichts von Adam hätte und er nun auch noch das bisschen Zeit, das ihnen abends blieb mit seiner Freundin telefonieren würde. Und was es denn hinterher noch zu schreiben gäbe, da sie doch gerade eben telefoniert hätten. Adam möchte sich doch bitte darauf beschränken, die Kontakte zur Freundin tagsüber zu pflegen, damit er sich abends ganz Eva widmen könne.
Wie gesagt, Adam ist kein streitsüchtiger Typ und um des lieben Friedens Willen schrieb er seiner Freundin schnell noch, dass der Haussegen schief hängen würde und es für den Abend keinen Kontakt mehr geben würde.
Seit diesem Vorfall zog sich die Freundin von Adam noch mehr zurück. Die Freudschaft geriet ins Wanken und wankt immer noch.
Adam kann bis heute nicht fassen, dass er sich Evas Wunsch unterwarf. Ist er doch schließlich ein freier Mensch und nicht Evas Besitz. Er hat eigene Bedürfnisse, Wünsche, Träume und diese müssen ja nicht zwangsläufig von Eva geteilt werden. Er lebt mit Eva zusammen, aber deswegen kann er doch trotzdem ein eigenes Leben haben, oder?
Adam war stinkig über sich selbst.
Eigentlich hatte er sich fest vorgenommen, sich nicht wieder von irgendjemanden vorschreiben zu lassen wie sein Leben aussehen solle, wen er kontaktieren darf, was er tun darf und was nicht. Sofern das natürlich im Rahmen einer Beziehung vertretbar ist.
Vor zwei Tagen dann packte sie wortlos ihre Tasche, verließ ebenso wortlos das Haus, stieg in ihr Auto und fuhr zu ihrer Mutter, die auch nicht im selben Ort wohnt.
Adam war überrascht, ging dem Ganzen doch kein Streit voraus, keine Meinungsverschiedenheit, kein böses Wort. Nur eine kleine Unstimmigkeit. Sie wollte Sex, er hatte aber in diesem Augenblick keine Lust. Man kann sich ja nicht immer einig sein.
Er wollte wissen, was los sei, griff zum Handy und wählte ihre Nummer. Es klingelte am anderen Ende. Sie nahm nicht ab. Nein, sie drückte ihn sogar weg. Eine Klärung also nicht möglich.
Evas Lieblingswort war "Harmonie".
Sie wünscht sich nicht nur Harmonie in ihrem Leben, sondern auch in ihrer Beziehung.
Das ist nichts Verwerfliches und eigentlich ein guter Vorsatz.
Aber heißt Harmonie etwa, dass einer der Partner seine Wünsche äußert und der andere sich danach richtet, ungeachtet der Tatsache, dass er sich damit nicht wirklich wohlfühlt?
Harmonie kann doch nicht heißen, seine eigenen Wünsche zu begraben, auf jedes Wort und jede Tat bedacht zu sein, ja sogar den eigenen Humor zu hinterfragen, weil der andere ihn nicht versteht...?
Adam hatte ein schreckliches Bild vor Augen: Seine Eva mit der Peitsche in der Hand, ihre Bedürfnisbefriedigung einfordernd, ohne Wenn und Aber.
Und er selbst: Freundschaft futsch, jedes Wort in seiner Bedeutung abgewogen und wohlüberlegt, jede Tat im Vorfeld zigmal durchdacht... und sein Humor...? Den kann er jetzt wohl begraben.
Alles zum Wohle der Harmonie.
