Kibo
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Einer der Hauptpunkte ist, dass ich niemanden finde, der auch nur annähernd so denkt, wie ich. Es ist so extrem frustrierend und erzeugt ein so starkes Gefühl der Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit. Während ihr, wenn ihr das lest, bis hierher vielleicht etwas Mitgefühl für mich empfindet, habe ich irgendwie das Gefühl, dass dieses Mitgefühl mit den nachfolgenden Zeilen schwinden und es sich in Ablehnung wanden wird.
Meine Familie war nie sehr "liebevoll". Ich habe keine heile Familie erlebt. Meine Mutter und mein Vater haben sich getrennt, davor gab es viel Geschrei, Trauer, Therapie und den ganzen schei.. Ich habe letztens gehört, dass Menschen so gerne Kinder bekommen, weil sie durch sie sich noch einmal jung fühlen und ihre Kindheit erneut erleben können. Dieses Gefühl erzeugt wirklichen Ekel in mir. Ich bin so froh dass ich diesen nicht-selbstbestimmten Lebensabschnitt hinter mir habe. Das Mobbing in der Schule, die Hilflosigkeit, das Elend die Zeit einfach irgendwie überstehen zu müssen. Wenn ich daran denke, mein Kind in die Schule schicken zu müssen, wird mir echt übel. Wenn ich daran denke, dass das Kind auch die ganzen Erfahrungen machen muss, den Liebeskummer etragen, die harte Realität kennenlernen muss und ich ihm dabei zur Seite stehen muss. Nein, das habe ich einmal hinter mir, das möchte ich nicht noch einmal durchmachen müssen.
Ich weiß nicht genau, ob es an meiner Vergangenheit liegt, aber ich mag keine Familien. Ich mag nicht diese "heile Welt". Der Traum vom Eigenheim. Die bedingungslose Liebe. Diese Konzepte finde ich so absolut abstoßend. In letzter Zeit sind familiäre Themen wieder aktuell geworden, weil meine Schwester weg zieht und mein Vater jetzt alleine bleibt. Dann fällt mir die Aufgabe zu, ihn regelmäßig zu besuchen. Ich teile absolut 0 gemeinsame Interessen mit meinem Vater, aber er fragt jetzt schon, wie oft ich ihn besuchen kommen werde. Allein dieser Gedanke stresst mich total und gibt mir ein schlechtes Gewissen. Ich frage mich, ob ich so ein egoistischer Mist-Sohn bin, dass ich es für zu viel halte, meinen eigenen Vater ab und zu besuchen zu fahren. Das setzt mich total unter Druck aber innerlich sträubt sich so Vieles in mir. Ich bin absolut überzeugt, dass er mich überhaupt nicht mag, aber er mag auch andere Menschen nicht und er hat Langeweile, deshalb muss ihn halt irgendjemand besuchen kommen und dieser Jemand bin dann zufällig ich. Nicht, weil er sich über unsere Gespräche freut, sondern, weil es eine Ablenkung von seinem eintönigen Alltag ist. Und dann höre ich noch, wie andere Leute sagen, wie wichtig es ist, seine Eltern regelmäßig zu besuchen "das hält die wirklich am Leben". Toll. Also bin ich sozusagen dann für den Tod von meinem Vater verantwortlich?
Ich habe einen so starken Drang, einfach alles hinter mir zu lassen. Weit weg zu ziehen, dass ich meine Familie nur noch einmal im Jahr sehen muss, dann hätten alle Verständnis dafür "ja gut, er ist so weit weg, er kann uns nicht öfter besuchen kommen".
Während ich so extrem gegen Familie bin, geht meine Schwester ins andere Extrem. Sie versucht ihrem Kind alles zu geben, was sie nie hatte. Das heißt aber auch, dass sie einen Onkel für ihr Kind möchte, der das Kind abgöttisch liebt und nicht genug von ihm bekommen kann. Ich schaffe es schon, mich mal ein Wochenende mit dem Kind zu beschäftigen und ich bin wirklich stolz auf mich, dass ich es schaffe und es doch für ganz unterhaltsam halte, allerdings habe ich dann auch wieder genug davon. Das ist meiner Schwester aber nicht genug. "Wann kommst du uns wieder besuchen? Willst du nicht Zeit mit deinem Neffen verbringen?"
Während es für ALLE Menschen in meiner Umgebung das Non-Plus-Ultra zu sein scheint, Zeit mit ihrer Familie zu verbringen, kann ich dem nicht viel abgewinnen. Für mich beinhaltet das immer viel Stress, mich verbiegen, nur auf die Gefühle der anderen Leute achten, meine eigenen Interessen zurückstecken. Ich habe Angst zu egozentrisch zu leben, aber ich kann einfach nicht sehen, dass es anderen Menschen genauso schwer fällt, famliäre Dinge zu unternehmen, wie mir. Und das Schlimme ist, dass ich bisher niemanden getroffen habe, der das ähnlich sieht.
Auf der Arbeit zeigen alle stolz ihre Kinderfotos und reden darüber, wie groß ihre Kinder schon geworden sind. Wie soll ich meinen Platz in dieser Welt finden? Wenn es um Liebe geht, ich habe null komma null Lust auf eine Beziehung. Ich mag Dates. Einfach neue Leute kennen, eine schöne Zeit haben und das war´s. So gestalte ich zurzeit mein Leben. Es hat irgendwie kein langfristiges Ziel und ich frage mich, ob ich dauerhaft so glücklich sein werde, aber, wenn ich meinen "Gefühlen" folge, weiß ich nicht, was ich sonst machen sollte.
Habt ihr einen Tipp für mich? Kann mich jemand verstehen? Sollte ich "mir einen Ruck" geben und mehr Zeit mit der Familie verbringen? Ist es eine Pflicht, die man erfüllen sollte? Oder empfindet ihr Freude und Erfüllung, wenn ihr etwas mit eurer Famlie unternehmt?