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Ich denke noch oft an sie

Qmouse
Hallo Forengemeinde!

Ich ( m/47 ) war bisher, wie schon so viele andere hier, eher stiller Mitleser. Gut, bis auf zwei kleine OT Beiträge
Ich habe lange überlegt und habe mich nun dazu entschlossen hier auch mal von einem Erlebnis zu berichten. Obwohl dieses eigentlich im Vergleich zu den vielen anderen hier recht unspektakulär ist und schon etwas zurück liegt.

Ich lernte sie ( nennen wir sie kurz D ) am 11.11.2019 kennen. Ich kam aus einem zweiwöchigen Urlaub in die Nachtschicht, sie hatte Spätdienst. Wir arbeiteten beide als examinierte Pflegefachkräfte in einem privaten Alten-und Pflegeheim. Sie war zu diesem Zeitpunkt eine noch relativ neue Kollegin. Vor meinem Urlaub kannte ich sie noch nicht persönlich.
Ich kam also ,frisch umgezogen für die Arbeit, ins Schwesternzimmer zur Übergabe. D war noch bei einem Bewohner beschäftigt und war noch nicht anwesend. Dann kam sie schnellen Schrittes um die Ecke, ergriff meine Hand und sagte nur:hi, ich bin D! Ich stand erstmal völlig verdattert da. Sah zu wie sie sich setzte und hatte somit die Gelegenheit D etwas genauer zu betrachten.

Das klingt jetzt vielleicht wie aus einem Groschenroman, aber ich möchte es so erzählen wie ich es empfunden und erlebt habe.
Wow, dachte ich nur!
Vor mir saß die für mich niedlichste junge Frau, die ich je sah. Zierlich, sinnlich geschwungene Lippen, krauses halblanges Haar und blaue Augen, die so viel Herzlichkeit wiederspiegelten aber auch etwas verspieltes an sich hatten. Ich muss sie wohl eine ganze Weile regelrecht angestarrt haben. Aber ich konnte meinen Blick nicht von ihr lassen. Dann jedoch riß ich mich zusammen und folgte der Übergabe
Als alle in den Feierabend gegangen waren dachte ich viel über diese Begegnung nach. Zwar war ich durch die Arbeit ganz gut abgelenkt, aber in den Ruhephasen kreisten meine Gedanken nur noch um D. Das kribbeln im Bauch wurde immer stärker und wurde zu einem regelrechten Schwarm an Schmetterlingen. Dieses Gefühl verflog auch die nächsten Wochen nicht und mir wurde immer klarer, dass ich mich Hals über Kopf in D verliebt hatte. Jedesmal fieberte ich dem nächsten aufeinandertreffen entgegen. Sie war ständig in meinen Gedanken. Zwar war ich schon in jüngeren Jahren verliebt gewesen. Aber noch nie hat mich jemand von Anfang an derart umgehauen. Ich bemerkte das auch sie mich sehr gerne zu haben schien. Zum Beispiel lächelte sie immer über's ganze Gesicht wenn sie mich sah. Aber mit der rosaroten Brille kann man ja bekanntlich vieles sehen ( oder auch nicht ). Gespräche die über das berufliche hinaus gingen verliefen leider eher schleppend. Vielleicht war ich zu ungeschickt. Bin auch eher ein ruhiger Vertreter des männlichen Geschlechts. Somit weiß ich auch bis heute nicht wirklich viel über sie. Trotzdem verstanden wir uns blendend. Auch einige Kollegen bemerkten eine Veränderung an mir. Ich ging leichter und beschwingter durch die Arbeit.
Einen Dämpfer erhielt ich dann als ich feststellen musste, dass sie bereits vergeben war. Sie brachte einmal ihren Freund mit zur Nachtschicht. Was natürlich sehr niederschmetternd für mich war. Aber ich versuchte mir meine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. Anfang Januar erreichte mich eine Nachricht unserer PDL das der Dienstplan geändert werden muss da D gekündigt habe. Ich saß erstmal wie erstarrt da und wusste nicht was ich antworten sollte. Zwar waren es bis dahin noch ein paar Wochen, dennoch schien mir der Gedanke das sie bald nicht mehr da sein würde unerträglich. Dann kam der Tag des Abschieds. Wir umarmten uns, wünschten uns alles Gute, dann ging sie fort. Es war ein Gefühl als wäre ich nach einer längeren Beziehung verlassen worden. So bescheuert das vielleicht auch klingt. Die nächsten Wochen und Monate war ich sehr niedergeschlagen. Ich versuchte mir, zumindest auf Arbeit nichts anmerken zu lassen. Aber das ein ums andere Mal wachte ich auf, dachte sofort an D, und Tränen liefen mir über die Wangen.

Dieses Gefühl ist natürlich längst verflogen. Doch noch immer denke ich viel über diese Begegnung nach, über dieses süße Mädchen in das ich mich so verliebt hatte und das ich doch eigentlich kaum kannte.

Tja, das war's an dieser Stelle erstmal von mir. Rat suche ich hier keinen so wirklich. Aber vielleicht hat ja der eine oder andere hier eine Meinung dazu.
LG

18.01.2023 23:22 • x 3 #1


BrokenHeart
Für Dich und Deine Gefühle tut es mir sehr leid für Dich.
Ich denke schon, dass es Dir sehr weh tut, aber sie konnte von Deinen Gefühlen ja auch nichts ahnen ... wie auch? Außerdem ist sie liiert und hat nie Andeutungen gemacht.
Wie alt ist sie .....?

So schmerzhaft es auch ist ..., aber
es ist, wie es ist ......

tut mir leid und sorry

19.01.2023 02:39 • #2


A


Ich denke noch oft an sie

x 3


Qmouse
@BrokenHeart Danke für Deine liebevolle Antwort. Nach ihrem Alter habe ich nie gefragt. Sie war/ist jedoch deutlich jünger als ich. Zumindest dem äußeren Anschein nach.
Ja, sie war leider bereits vergeben. Meine Gefühle für sie habe ich ihr nie gestanden. Vielleicht besser so. Ich bin jedenfalls keiner der sich in eine bestehende Beziehung drängt, egal wie gut oder wie schlecht sie läuft.
Ja, es tat sehr weh sie in einer Phase der höchsten Verliebtheit gehen lassen zu müssen.

19.01.2023 03:16 • x 1 #3


BrokenHeart
Eine -für Dich- traurige Situation ... aber es hilft nichts ....

schau nach vorne, klingt doof, ist aber so

Viele hier sind oder waren unglücklich verliebt ......

Es lässt irgendwann nach

Ich wünsche Dir viel Kraft

PS.: Ganz viel Respekt vor Dir und Deinem Job, ganz ehrlich ..Hut ab

19.01.2023 03:28 • x 2 #4


I
Da ist ganz viel Illusion dabei, so eine Träumerei mag schön sein, kennst jeder behaupte ich, aber wenn man sich so reinsteigert wie du, wird es dann doch negativ... auch die hat ihre negativen Seiten, sieht morgens zerzaust aus, riecht mal wie Oma unterm Arm und zickt ihren Mann voll, wenn sie schlechte Laune hat... vielleicht sollte man so dieses Bild von vermeintlicher Perfektion durchbrechenb

19.01.2023 05:37 • x 2 #5


Qmouse
@Iunderstand sicher hat auch auch sie ihre negativen Eigenschaften. Aber ich habe diese nie kennengelernt. Wir haben weder in einer Schicht zusammen gearbeitet, noch uns privat getroffen.

19.01.2023 06:13 • #6


P
Hallo @Qmouse

Zitat von Qmouse:
Ich lernte sie ( nennen wir sie kurz D ) am 11.11.2019 kennen

Zitat von Qmouse:
Aber ich habe diese nie kennengelernt. Wir haben weder in einer Schicht zusammen gearbeitet, noch uns privat getroffen.


Darf ich mal fragen, ob du zwischenzeitlich (ist ja schon 4 Jahre her) eine Beziehung hattest, oder dich auf was lockeres eingelassen hast?

19.01.2023 06:32 • #7


I
Zitat von Qmouse:
@Iunderstand sicher hat auch auch sie ihre negativen Eigenschaften. Aber ich habe diese nie kennengelernt. Wir haben weder in einer Schicht zusammen ...

Ja deswegen ja der Vorschlag sich diese seiten auch mal vor Augen zu führen. Aber wenn du das nicht möchtest, dann weiterhin viel Erfolg mit deiner Illusion. Du nimmst dir halt damit die Möglichkeit auf was Reales weil du sie auf ein Podest stellst, auf das keine Andere kommt

19.01.2023 06:36 • x 2 #8


Tin_
Zitat von Qmouse:
sicher hat auch auch sie ihre negativen Eigenschaften. Aber ich habe diese nie kennengelernt. Wir haben weder in einer Schicht zusammen gearbeitet, noch uns privat getroffen.

IUnderstand spricht eben von Idealisierung. Ich denke, du bist reif genug um das zu wissen. Dummerweise schaltet da die Ratio ziemlich runter und kann sich nicht erklären, warum wir uns von einer fremden Person so angezogen fühlen. Das haben Lyriker, Philosophen, Psychologen und andere kluge Leute schon seit Jahrhunderten versucht. Aus der Biochemie wissen wir, dass da die Hormone, Synapsen usw. in Wallung kommen. Warum aber bei dem einen (und sehr wenigen Menschen) und bei dem anderen nicht... das bleibt wohl immer ein Rätsel.

Ich wäre dankbar für diese Erfahrung, denn sie zeigt, dass man auch nach vielen Erfahrungen weiterhin völlig frei in sowas stolpern kann.

19.01.2023 07:22 • x 1 #9


gabehcuod
Die Geschichte erinnert mich gerade an einen Freund, dem es vor ein paar Jahren mal ähnlich ging.

Mehr als zwei Jahre ist der damals um eine Kollegin rumgeschlichen, ohne die Zähne auseinanderzukriegen. Auch so ein typischer Fall von Idealisierung bis zum Gehtnichtmehr. Auf den Ratschlag des Freundeskreises hat er's ihr dann schließlich doch noch gesagt - und (es war vorauszusehen) eine 1A-Abfuhr kassiert.

Wohl am ehesten aus schlechtem Gewissen hat die Dame dann versucht, den freundschaftlichen Kontakt zu halten und nach ein paar Unternehmungen hat er festgestellt, dass sie leider privat ziemlich oberflächlich ist und dass ihr anscheinend die Statistenrolle, die sie ein Mal in einem Hollywood-Film, der in ihrer Heimatstadt gedreht wurde, ergattert hat, ziemlich zu Kopf gestiegen war.

19.01.2023 12:56 • x 2 #10


Qmouse
Hallo!

Vielen lieben Dank für Eure bisherigen Antworten.
Idealisierung, Podest, Illusion. Das sind wirklich verdammt gute Stichpunkte. Ich habe D ja während der Phase der höchsten Verliebtheit gehen lassen müssen, wie ich hier bereits schrieb.

In der Nachfolgezeit habe ich mir die tollsten Dinge mit ihr ausgemalt. Ich und sie in einer wunderbaren, harmonischen Beziehung. Dadurch ist dann im laufe der Zeit tatsächlich wohl ein Idealbild entstanden.
Ich habe aber irgendwann eingesehen, dass ich so nicht weitermachen konnte. Ich kann schließlich nicht den Rest meines Lebens einem Ideal nachjagen das nie erreicht werden kann.
Also ging ich tatsächlich dazu über mir negative Eigenschaften in ihre Richtung auszumalen.
Z.B. das sie sich als völlig Beziehungsuntauglich herausstellt. Gott, was habe ich mir für Szenarien ausgedacht. Die möchte ich hier lieber nicht wiedergeben. Aber auch hier musste ich aufpassen mich nicht zu sehr hineinzusteigern. Ich bemerkte nämlich dass sich diese Szenarien auch auf meine Laune auswirkte. Die war hinterher nämlich nicht eben die Beste.
Anfangs schämte ich mich ein wenig dafür ihr solche Verhaltensweisen anzudichten , die sie so vielleicht gar nicht durchziehen würde.
Aber es funktionierte. So ganz allmählich bekam ich sie wieder einigermaßen runter vom Podest.

Ich wurde hier schon gefragt: nein, ich war/bin zwischenzeitlich in keiner festen oder lokeren Beziehung.

19.01.2023 22:39 • x 1 #11


WillyWichtig
Ich gehe mal davon aus, dass Du noch nicht viele oder lange Beziehungen hattest?

Dann wäre dieses Idealisieren typisch.

Hatte ich mal in meiner Teenager- Zeit.
Manoman… ging es mir da schlecht.

Willy

19.01.2023 22:50 • x 2 #12


Qmouse
@WillyWichtig Ich gestehe: Nein, ich hatte noch nichts längerfristiges.
Ach was solls: ich habe überhaupt bisher kaum Beziehungserfahrung.

19.01.2023 23:41 • x 1 #13


Elfe11
Du bist 47 und schwärmst für ein junges Mädchen, D, das einen Freund hat?
Wie alt ist sie?
Und ja, das ist leider völlig weltfremd. Eine Illusion trifft es gut.

20.01.2023 00:15 • x 3 #14


B
@Qmouse ich würde das mal angehen mit einem Beziehungscoach. Weil du einen Leidensdruck hast.

20.01.2023 07:38 • #15


A


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