Zustandsänderungen sind immer schwierig und sind nicht innerhalb kurzer Zeit bewältigt. Es wird kein leichter Weg werden, aber was wolltest Du mit einem Mann, der seine negativen Seite auf Dich projetziert, Dich gemein anredet und Dir das Gefühl gibt, dass Du wertlos und nicht genug bist um ihn für Dich einzunehmen.
Ich habe mir schon oft Gedanken gemacht, warum manche Männer in Beziehungen so lieblos und rücksichtslos werden und so gleichgültig. Männer denken insgesamt gesehen weniger über sich und ihre
Befindlichkeiten nach und sie wollen das auch meist nicht gerne tun. Die Beschäftigung mit sich selbst lehnen sie innerlich ab, vermutlich aufgrund innerer Ängste, womit sie konfrontiert werden würden, wenn sie sich selbst anschauen. Da ist es viel einfacher, negative Persönlichkeitsanteile auf die Partnerin umzulenken, die dann als eine
Art Mülleimer dient, wo man seinen inneren Frust ablädt. Ich denke, dass sich viele Verhaltensweisen im Grund genommen auf eine Selbstablehnung und Selbsthass zurückführen lassen.
Wenn Du das Gefühl hast, ungeliebt und ungenügend zu sein, musst Du die Beziehung abbrechen. Denn meist ist die Abwärtsspirale schon so weit gedreht, dass es schwierig wird, das nochmals umzudrehen. Da kannst Du Dich abstrampeln wie Du willst, Du erfährst dadurch nicht mehr Wertschätzung, sondern er wird Deiner eher noch mehr überdrüssig. Das ist zumindest meine Erfahrung.
Ich hätte damals auch viel eher gehen müssen. Ich wusste ja schon nach den ersten wenigen Monaten, dass es nicht halten würde, aber bis man das Bauchwissen auf der bewussten Ebene überhaupt mal zulässt, dauert es. Und so gibt man sich Mühe, die beste aller Partnerinnen zu sein und hofft auf Wertschätzung, die entweder nie da war oder längst abgestorben ist.
Du bist in der Abwertungsphase angekommen. Nimm Deinen Rest Selbstachtung und schau, dass Du Dein Leben neu aufstellst.
Es wird gehen, aber es ist natürlich dennoch schmerzhaft. Aber jeder weiß, dass diese Schmerzen auch vergehen.
Dass Du jetzt auf eine Reha gehen kannst, sehe ich sehr positiv für Dich, einfach weil Du aus dem gewohnten Umfeld rauskommst, wieder Input von außen bekommst und mit anderen Menschen in Kontakt kommst.
Das kommt genau zur richtigen Zeit.
Zitat von Sieglinde13:Er hat sich nicht gemeldet....ich habe mich auch nicht gemeldet, weil ich nicht von mir aus den Kontakt wieder beginnen wollte. Gestern abend hätte i...
Irgendwie ist man da in einem inneren Zwiespalt. Einerseits hofft eine kleine, leise Stimme, dass vlt. doch noch was kommt, andererseits ist die mit einer Kontaktaufnahme verbundene Angst so groß, dass man hofft, dass er sich nicht meldet. Dein Verstand sagt Dir deutlich, dass der Zug eigentlich abgefahren ist, aber Du hängst natürlich noch etwas traurig auf dem Bahnsteig rum und schaust den Schlusslichtern nach. Das macht schon traurig, keine Frage.
Zeit ist der Faktor überhaupt. Egal wie lange es dauert, irgendwann ist Mr. Ungenügend Geschichte und er wird auch immer mehr in den Hintergrund treten. Dass Ablösung nicht eben linear verläuft, weiß ja auch jeder. Es gibt Phasen, wo man glaubt, man hat es geschafft und mittendrin meldet sich ein Teil in einem, der auf einmal wieder auf Kontakt hofft. Mir ging es so. Ich war schon ziemlich über den Berg, hatte auch wieder zu Lebensfreude zurückgefunden und alles sah gut aus. Eigentlich hatte ich weitgehend abgeschlossen und gelernt, dass es ihn nicht mehr gab. Und aus heiterem Himmel hatte ich dann eine Phase, in der ich mir einbildete, er würde vielleicht doch noch mal Kontakt aufnehmen. Nicht etwa wegen einer Neuauflage der Beziehung, aber ich meinte tatsächlich, er würde sich nochmals erklären wollen, also sozusagen einen "sauberen" Abschluss machen wollen. Ich wartete ... und wartete ... natürlich umsonst. Es war ein inneres Bedürfnis, das ich sozusagen auf ihn übertrug.
Dabei war der Typ schon längst über alle Berge, hatte schon längst eine Next, die sicher viel besser war als ich. Und nachdenken oder innere Vorgänge zu hinterfragen, war eh nie sein Ding. Er folgte einfach inneren Impulsen die er verspürte.
Was habe ich mir Gedanken wegen diesem Deppen gemacht, wieviele Ängste ausgestanden und wieviele Tränen geweint. Wie oft hatte ich Panik verspürt, Eifersucht, Ungewissheit, weil ich nie wusste, was er tat und mit wem. Wenn die vermeintlich ideale Next ihm begegnen würde, wäre ich ohnehin fällig gewesen.
Meine Unfähigkeit zu entscheiden, mich zu behaupten (hahaha, dazu hätte ich ja Mut gebraucht) hat mich blockiert.
Ich hoffe, dass ich mich auf solche halbgaren Beziehungen nie mehr einlassen werde.
Liebe Sieglinde, Du wirst Dich abnabeln und Du kannst Dich auf die Reha freuen, weil Tapetenwechsel einfach gut tut.
Meld Dich doch mal, wenn Du magst. Es ist immer spannend, wie sich Menschen weiter entwickeln. Und schreib, ob Dir die Reha gut gut tut.