Sie30
Gast
Zitat von Gorch_Fock:Ich stell mal eine ganz andere Frage, da ich mit einer Frau wie Dir (nach außen stark, innen verletzlich, erfolgreich im Beruf) auch schon zusammen war. Wie ist denn das Verhältnis zu DEiNEN Eltern? Oft liegt bei Frauen hier nämlich ein noch viel grösserer, unbearbeiteter Konflikt vor.
Meine Eltern sind getrennt, seit ich 3 bin. Zu meinem Vater habe ich mittlerweile gar Keinen Kontakt mehr, weil er daran offensichtlich nicht so viel Interesse hatte. Zu meiner Mutter hab ich ein gutes Verhältnis, allerdings neigt auch sie dazu, es mit ihrer Fürsorglichkeit zu gut zu meinen. Ich muss ihr regelmäßig klar machen, dass ich ein erwachsener Mensch bin. Und nicht mehr habe ich von meinem Ex erwartet.
Zitat von Valera:Ich kann dich verstehen. Allerdings hätte ich, wenn ich schon solche Befürchtungen habe und merke, dass die Familie so einen Einfluss auf ihn hat, ein Gespräch mit ihm gesucht und klipp und klar kommuniziert, dass ich unter solchen Bedingungen nicht heirate. Es ist eurer Leben. Familie ist gut und schön, aber sie hat ihren Platz außerhalb der Ehe.
Ich hab immer wieder betont, was Ehe für mich bedeutet. Ich hab ihm auch meine Befürchtungen mitgeteilt. Klar, ich hätte deutlicher sein müssen. Aber wenn ich gesagt habe, dass seine Mutter ihn nicht loslassen kann, hat er nur gemeint, das würde nach der Hochzeit anders sein. Wenn ich gesagt habe, es würde sich nichts einfach durch die Hochzeit ändern, hat er gesagt, ich würde seine Mutter unterschätzen.
Zitat von Prisilla:Wie mange wart ihr den zusammen?
ich kann verstehen das es mit der Familie von ihm schwierig ist, aber das war ja schon vorher der Fall.
Wie hast du dich in dem moment gefüllt, als ihr euch verlobt habt? Hattest du ein gutes oder schlechtes gefühl? Kann es sein das durch die bevorstehende hochzeit bei dir ängste hervor gekommen sind, die du vorher verdrängt hast?
Zudem habe ich das Gefühl du hast dem was seine Eltern und familie gesagt hat mehr glauben geschenkt als das was er gesagt hat. Er hat ja immer betont, dass du trotzdem noch arbeiten kannst... du hast dich dann jedoch auf das konzentriert was seine familie gesagt hast.
Die frage die du dir stellen musst ist doch: habe ich angst vor dem was kommt weil es nicht passt oder weil ich mir sonst sehr unsicher bin und mir das jetzt zu eng?
Wir waren tatsächlich nur ein Jahr zusammen. Wir kennen uns aber seit 9 Jahren. Wir haben uns sehr gut kennen gelernt, als Freunde. Da wir uns beide eigentlich seit dem ersten Tag gut fanden, es aber vorher einfach nie klappen wollte, haben wir keine weitere Zeit mehr verschwenden wollen. Im Nachhinein ging das alles vermutlich einfach zu schnell.
Als er mir den Antrag gemacht hat, war ich sehr glücklich. Ich glaube, das waren wir beide. Auch seine Mutter hat sich gefreut. Ich hatte zu dem Zeitpunkt zwar schon gemerkt, dass die eine sehr enge Bindunh haben, aber bis dahin hatte sie sich nicht merklich in unsere Beziehung eingemischt. Im Gegenteil hatte sie mir versichert, nie so zu sein, weil sie eine solche Schwiegermutter gehabt habe.
Bereits zwei Wochen nach der Verlobung hat er mir erzählt, seine Eltern würden uns anbieten, nach der Hochzeit bei Ihnen zu wohnen, damit wir besser für ein Haus sparen könnten. Obwohl wir vorher besprochen hatten, dass wohnen mit den Eltern keine Alternative ist, fand er die Idee plötzlich gar nicht so schlecht. Ich hab das sofort abgelehnt und meine Entscheidung mit guten Gründen belegt. Das Thema war dann erledigt. Aber seine Eltern hatten dann schnell ne andere Idee. Wir sollten das Haus direkt neben Ihnen kaufen. Sie würden uns da finanziell helfen. Ich muss dazu sagen, dass die Schwester von ihm körperlich schwer behindert ist. Als Argument wurde natürlich sofort genannt, dass sie dann mit dem Rolli schnell und allein rüber könnte. Ich habe auch das abgelehnt und ihm deutlich gemacht, dass ich diese räumliche Nähe weder zu seinen Eltern noch zu meiner Mutter wünsche, weil ich einfach glaubte, dass sie sich sonst einmischen würden. In dem Moment war für mich aber der Zauber der Verlobung irgendwie überschattet von dem Gefühl, dass wir nicht so leben werden können, wie wir das wollen.
Ab da zog sich das durch die gesamte Hochzeitsvorbereitung. Ich habe meiner Mutter deutlich gesagt, sie solle sich raus halten und uns das so machen lassen wie wir das wollen. Seine Mutter wollte wissen, wie wir dekorieren, hatte Ideen, was wir alles machen könnten. Das meiste gefiel mir davon leider nicht. Sie steht auf Schwäne in Herzform, ich eher auf schlichte Eleganz. Sie war dann offenbar beleidigt, weil ich Ihre Vorschläge (fast) alle abgelehnt hatte. Das hat sie aber auch nicht mir gesagt sondern ihm. Und das kam auch erst nach der Trennung raus.
Seine Eltern und meine Mutter wohnen in unterschiedlichen Städten jedoch nur ca 30 km voneinander entfernt. Ich komme aus einer mittelgroßen Stadt, er quasi vom Dorf. Ich hab ihn gebeten, dass wir erst in die Stadt ziehen, weil klar war, dass wir früher oder später bei ihm in der Gegend ein Haus kaufen wollen würden. Kompromiss also. Er ist darauf eingegangen. Als wir anfingen Wohnungen bei mir in der Stadt zur Miete zu suchen, fingen seine Eltern parallel an, eine in der Kleinstadt bei sich in der Nähe zum Kauf zu suchen. Da könnten wir dann wohnen, das sei Schließlich günstiger. Ich weiß nicht, wie das ausgegangen wäre, wenn sie rechtzeitig eine Wohnung gefunden hätten. Jedenfalls haben wir dann letztlich eine gemietet. Ich war zu dem Zeitpunkt für einige Wochen beruflich im Ausland. Seiner Mutter gefiel ganz offensichtlich nicht, dass wir wegziehen (30 km sind doch wohl ein Witz) und sie hat die Zeit in der ich nicht da war genutzt, um ihm aufzuzeigen, wie undankbar und doof ich wäre, weil ich ihre Hilfe nicht wollte.
Ich könnte noch einige andere Geschichten erzählen. Ja, ich konnte über viele Vorschläge seiner Eltern mit ihm reden und bei vielen waren wir uns nach langen Diskussionen einig. Aber wäre das auch so geblieben?
Ich hab viel erlebt im leben und versuche nicht nur Worten zu glauben sondern beobachte auch und insbesondere das Verhalten.
Ja, er hat mir zugesichert, er würde aus mir kein Hausmütterchen machen wollen. Zugleich hat er aber Scherze gemacht, er bräuchte keinen Staubsauger, er hätte ja jetzt einen neben sich sitzen. Er hat manchmal eine große Klappe, damit komm ich klar. Aber waren das wirklich nur Scherze? Wenn ihm ein bestimmtes Familienbild vorgelebt wird, Wie kann ich dann sicher sein, wie er wirklich denkt, wenn er solche Witze macht? Seine Mutter hat stets betont, wie die Rolle der Frau ist. Wenn sie einen solchen Einfluss auf ihn hat, wie kann ich sicher sein, dass er nicht irgendwann doch das Hausmütterchen zu Hause sitzen haben will?
Ich bin so hin und hergerissen. Ich kann nicht begreifen, wie sich das innerhalb nur kurzer Zeit in so einen Alptraum verwandeln konnte.