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Lieber G

Deineleila

Lieber G.,

lange ist es schon her, dass wir uns zuletzt gesehen haben. Septemer 2016 war das. Damals war ich noch total in dich verliebt und wäre immernoch zu allem bereit gewesen. Doch ich hatte schon längst verstanden, dass du eben nicht so empfinden konntest. Wie traurig war ich darüber, wütend, verzweifelt, dann wieder voller Hoffnung und Sehnsucht. Du hast mich begleitet in meiner Trauer. Du warst immer erreichbar, hast dafür sogar deine neue Beziehung in den Sand gesetzt, als deine Freundin unsere Briefe fand. Wie hättest du ihr erklären können, was das zwischen uns war? Sie hätte das nicht verstanden. Ich hab es ja selbst nicht begriffen.

Vor zwei Monaten dann kam die endgültige Trennung. Du warst nicht mehr erreichbar plötzlich. Zuvor hatte ich mich wieder von dir verabschiedet. Diesmal voller Dankbarkeit und Liebe. Aber wie oft hatte ich das schon versucht und war doch wieder rückfällig geworden. Noch einmal hab ich dich dann auf der Arbeit angerufen, weil du nach 4 Wochen immernoch nicht wieder online warst. Auch dein Auto hatte ich nicht mehr gesehen. Stimmt ja, du hattest mir noch Bilder vom zerbeulten Heck geschickt. Oh je, auch das noch. Nun hast du wohl ein neues Auto, das ich nicht mehr erkenne unter all den parkenden Fahrzeugen. Da siest du mal, wie bekloppt ich bin. Ich suche immernoch manchmal danach. So als wäre es die letzte Verbindung, die ich nun noch zu dir habe. Aber auch die ist nun gekappt. Ich bin nun beruhigt, dass dir nichts passiert ist. Dass ich nun eine andere Erklärung für dein Abtauchen habe. Und auch dafür bin ich dir dankbar.

Ich könnte dir auflauern vor deinem Haus oder vor der Arbeit. Aber das wäre nun wirklich das letzte. So gut funktioniert mein Hirn inzwischen wieder, das ich mir das nicht auch noch geben will. Und auch dir will ich das ersparen. Du kannst also ganz beruhig sein. Du wirst mich nicht mehr wiedersehen.

Alles das ist ziemlich strange. Ich weiß. Ich war total aus der Spur. Wir waren beide aus der Spur damals. Du hast nur noch rationaler denken können als ich, weil du nicht verliebt warst. Jedenfalls nicht in mich. Du mochtest mich gerne, ja. Und ich half dir wohl über alles hinweg. Besser all der Ärger mit mir, als deine eigene Einsamkeit und Verzweiflung zu spüren. Und wenn sie dich übermannte und du betrunken warst, konntest du mir schreiben. Ich war da! Immer! Wie gerne hätte ich dich geliebt und getröstet. Nur ein paar mal hast du das zugelassen. Es war so wunderschön und ich bin dir dankbar dafür.

Wie groß war mein Hass gegen dich, wenn du mich dann wieder weg gestoßen hast. Inzwischen verstehe ich das gut. Ja, die Liebe und die Dankbarkeit überwiegen wieder. Aber ich will dich auch nicht wieder vergöttern. Es war nicht alles in Ordnung, was du getan hast und das weißt du. Du warst nicht ehrlich und hast mich viel zu lange auf der Warmhalteplatte gelassen. Immer wenn sie dich wieder im Stich ließ, hattest du so immernoch mich. Alles hätte ich für dich gegeben. Und beinahe hätte ich alles wegen dir verloren. Du hast sie verloren wegen mir. Schon echt strange, das alles.

Ich denke, jetzt seid ihr wieder zusammen. Deshalb musstest du auf nummer sicher gehen und mich endgültig los werden. Sie oder ich! Du hast dich für sie entschieden! Gut so! Sie passt gut zu dir auch wenn du es mit ihr nicht leicht haben wirst. Du liebst sie! Du wirst glückliche Momente mit ihr haben und ihr Temperament wird an dir abprallen. Ich kann mir das gut vorstellen und fast muss ich lachen. Ich stelle mir vor, wie du mit deinen wunderschönen Augen rollst, wenn sie wie eine Furie um dich tanzt. Das ist es aber was du so sehr an ihr liebst. Vergiss das nicht wieder! Ich habe dich geliebt aber ich liebe auch meinen Mann. Auf andere Art als dich aber ich liebe ihn! Und ich habe eben nur dieses Leben mit ihm. Ich will, das es wieder gut wird. Also noch besser als es jetzt schon wieder ist. Darum schenke ich mir jetzt den Rest dieses Briefes. Und dir schenke ich, das ich mich nie wieder bei dir melden werde. Auch nicht zu deinem Geburtstag! Obwohl ich hier immernoch die Socken habe, die ich für dich gestrickt habe, weil du immer so kalte Füße hattest. Wärme sie bei ihr jetzt! Ich bin dir nicht mehr böse. Ein kleiner Teil meines Herzens gehört dir! Da wirst du für immer wohnen! Und vielleicht. sieht man sich ja mal in einem anderen Leben!

Bis dahin wünsche ich dir Glück, Gesundheit und Liebe! Verzeih mir, dass ich dich geliebt habe. Und danke, dass ich das durfte! Jedenfalls ab und zu! Du bist ein wunderbarer Mensch!

Alles Liebe dir!
Leila

01.10.2019 10:52 • x 1 #1


Marconiac

Marconiac


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Wow ... was für ein schöner Text. Voller Dankbarkeit für die vergangene Zeit. Ich wünsche dir nur das Beste! Fühle dich gedrückt!

01.10.2019 11:02 • x 1 #2



Hallo Deineleila,

Lieber G

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Traumzuende


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Wow - das könnte von mir sein da ich Ähnliches erlebt habe. Bin nur noch nicht soweit mit Loslassen...

03.10.2019 17:01 • #3


Angi2


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Liebe darf nicht so weit gehen, dass man das Leben des anderen zerstört, meine ich.
Warum muss ein Mensch total von der Bildfläche verschwinden, muss sich verstecken, um das Leben weiterleben zu können, was er leben möchte?

Liebe TE, denk mal darüber nach, was du anderen antust, wenn du sie mit deiner Liebe verfolgst.

03.10.2019 17:38 • #4


DeineLeila


Klar, war es nicht richtig, ihn mit meiner Liebe zu verfolgen. Deshalb schreibe ich ja jetzt hier und nicht mehr an ihn. Er war wie eine Sucht für mich. Und er hat mich immerwieder angefixt, wenn ich mich gerade wieder von ihm weg bewegen wollte. Er hat das gemacht so lange es ihm gefiel und gut tat. Jetzt hat er mir endgültig gezeigt, das er mich nicht mehr braucht. Diese Möglichkeit hätte er jederzeit gehabt. Ich habe ihm nie irgendwo aufgelauert. Ich habe nur geschrieben. Vor Anrufen habe ich ihn schriftlich um Erlaubnis gebeten und ich habe mich daran gehalten, wenn er es mir verboten hat. Nur den letzten anonymen Anruf habe ich ohne zu fragen gemacht, weil ich mir Sorgen um ihn gemacht habe und sein Verschwinden vom Messenger nicht einordnen konnte. Er hat das ohne Vorankündigung und Erklärung gemacht. Typisch G.! Dass er meine Nachrichten alle behalten hat und seine Freundin sie dann fand ist dumm gelaufen. Sie ist daraufhin völlig ausgetickt. Ziemlich hysterische die Frau. Aber er liebt sie und ich gehe mal stark davon aus, das er sie nun wieder zurück gewinnen konnte. Ich möchte nicht wissen, was er dafür alles tun musste. Egal, es geht mich nichts mehr an. Er hat sich entschieden nun nichts mehr von mir hören und sehen zu wollen. Ich respektiere das und bin ihm nicht mehr böse. Das wollte ich mit diesem Brief an ihn zum Ausdruck bringen. Wir hatten schöne Momente zusammen, für die ich dankbar bin. Die Erinnerungen daran bewahre ich in meinem Herzen. Das schlechte, den Stress meine Qualen darüber, ihn nicht ganz für mich haben zu können, das verblasst langsam. Es ist alles gut so, wie es ist. Meine Wut ist verraucht. Meine Trauer wird mit der Zeit vergehen. Aber er wird mir nie egal sein. Eigentlich ja wunderbar, das ich so empfinden kann. Wenn ich ihn so sehr lieben konnte, wird es mir ja vielleicht vergönnt sein, noch einmal so zu lieben. Ich wünsche es mir.

04.10.2019 08:09 • #5


Brother


@Deineleila

Das hast du sehr schön geschrieben, du bist dankbar für diese Zeit. Wunderbar wie du damit umgehst.

Du hättest dich nicht erklären müssen !

04.10.2019 10:57 • #6


DeineLeila


Du fehlst mir! 3 Monate sind um ohne jeglichen Kontakt. Manchmal ist es ok manchmal immernoch schrecklich. Das Loch in meiner Seele wird bleiben. Ich muss lernen damit zu leben. Und niemand darf es sehen, denn du warst eine Affäre. Eine verbotene Liebe, weil ich verheiratet bin mit einem lieben, guten Mann. Ich liebe ihn auch sehr aber anders als dich. Dennoch habe ich nur ein Leben, das ich mit ihm teilen will. Dazu hab ich mich entschieden vor vielen Jahren. Immer hast du mich daran erinnert und ermahnt. Dir war klar, dass wir nicht zusammen gehören. Du fehlst mir!

07.10.2019 06:41 • #7


zuspät


Wie hätte er dich ganz lieben können, wenn er doch nur deine Affäre war? Bist du mal auf die Idee gekommen, dass auch du verletzt hast? Ihn, deinen Mann und auch dich selber? Dein Selbstmitleid ist unerträglich und wirklich unangebracht.

07.10.2019 07:03 • #8


Traumzuende


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Zitat von DeineLeila:
Du fehlst mir! 3 Monate sind um ohne jeglichen Kontakt. Manchmal ist es ok manchmal immernoch schrecklich. Das Loch in meiner Seele wird bleiben. Ich muss lernen damit zu leben. Und niemand darf es sehen, denn du warst eine Affäre. Eine verbotene Liebe, weil ich verheiratet bin mit einem lieben, guten Mann. Ich liebe ihn auch sehr aber anders als dich. Dennoch habe ich nur ein Leben, das ich mit ihm teilen will. Dazu hab ich mich entschieden vor vielen Jahren. Immer hast du mich daran erinnert und ermahnt. Dir war klar, dass wir nicht zusammen gehören. Du fehlst mir!


Leila, ich weiß wie du empfindest und was du gerade erlebst - selbe Situation, wie sind auch jeweils beide verheiratet. Gerne kannst du mir PN senden.
Ich wünsche dir, dass es dir bald besser geht.

07.10.2019 07:07 • #9


DeineLeila


Mein Mann ahnt nichts und leidet deshalb auch nicht. Ich war perfekte Schauspielerin. G wusste von Anfang dass er Affäre war und er wollte nie anderes sein. Er ging als er es so wollte. Auch er musste nicht leiden. Ich Leide und gebe mir Trost, weil niemand sonst das tut. Versteht es oder nicht, ich brauche mein Selbstmitleid!

PN geht nicht als Gast! Tut mir leid!

07.10.2019 11:22 • #10


grimes


Dann ist ja alles chic in deinem Leben. Super, dass dein Mann nichts mitbekommt. Sehr professionell.
Vielleicht findest du eine neue Affäre, die dir über das Gröbste hinweghilft? Nur zum Trost?

07.10.2019 13:02 • #11


Harpyie

Harpyie


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Zitat:
Wenn ich ihn so sehr lieben konnte, wird es mir ja vielleicht vergönnt sein, noch einmal so zu lieben. Ich wünsche es mir.


na hoffen wir mal, deinen EM?!, oder dein EM dich?, oder ihr euch beide! Was meinst du, wünschst du dir das so?

09.10.2019 04:14 • x 1 #12


DeineLeila


Lieber G.,

Gestern war ein schlimmer Tag. K., mein Mann, hat berufliche Probleme und dazu noch Ärger mit seiner Familie. Er lief durch die Wohnung wie ein Tiger im Käfig. Ich habe stundenlang mit ihm geredet, habe versucht, ihm Mut zuzusprechen. Aber irgendwann war ich erschöpft, ich konnte nicht mehr. Ich hoffte, wenigstens beim Fußballspiel im TV könnte er sich entspannen und ich mich dann auch. Ich sehne mich so sehr danach, mich anlehnen zu können bei ihm. Ich sehne mich so danach gehalten zu werden, vielleicht könnte ich ihn dann sogar wieder lieben. Aber ich stehe alleine da, wie ein Fels in der Brandung, dabei bin ich doch selbst so schwach noch. Er wird mich nicht halten können und du willst es nicht. Nicht mehr. Ich hab von dir geträumt letzte Nacht. Es war so realistisch. Du hattest dich in meinem Traum wieder gemeldet. Du hast dich entschuldigt, dass du grußlos gegangen bist und du hast mir deine neue Handynummer gegeben. Am morgen musste ich aber feststellen, es war nur ein Traum. Ich bin alleine.

traurige Grüße
Leila

10.10.2019 08:14 • #13


DeineLeila


Woher soll ich die Kraft nehmen, die ich die nächsten Monate brauchen werde. K. muss sich beruflich verändern, er wird versetzt, nachdem er 20 Jahre in der gleichen Abteilung gearbeitet hat. Das haut ihn total um. Ich habe mich in den letzten 5 Jahren 4 mal umorientieren müssen. Mein beruflicher Werdegang wurde zum Flickenteppich und ich bin noch in der Probezeit im neuen Betrieb. Die Arbeit mit dir musste ich kündigen, weil ich es nicht mehr ertragen hätte, dich täglich zu sehen. Dabei war ich dort zum ersten mal auch beruflich zufrieden und glücklich. Ich habe das alles alleine geschafft. Immerwieder. Jetzt muss K. sich verändern und er dreht völlig durch. Ich weiß, ich sollte ihm beistehen. Aber wer stand mir damals bei? Niemand! Wer stand mir bei, in all den schrecklichen Jahren, als meine Eltern starben. Als mein Kinderwunsch unerfüllt blieb? Mein Mann redete und redete, dabei wollte ich doch einfach nur mal gehalten werden. Getröstet werden. Du warst der erste, der das ansatzweise begriff. Aber du wolltest keine Beziehung mit mir. Ich verstehe deine Gründe dafür heute sehr gut. Wie sehr hätte ich es mir aber gewünscht. Ich wollte keine Affäre, ich wollte ein Leben mit dir. Und jetzt geht der Horror weiter. Ich weiß, ich muss stark sein. Wieder mal. Aber weißt du, wenn man immer nur stark sein soll, versteinert man irgendwann. Meine Therapeutin hat mir geraten, K. zu testen. Ihn aus der Reserve zu locken und auszuprobieren, ob er mich halten kann. Auch physisch. Sie hat mir Übungen an die Hand gegeben und will diese notfalls in ihrer Praxis anleiten. Aber bis zum Frühling wird es damit wohl nichts werden. K. hat jetzt andere Sorgen und ich muss diesen sch. Winter überstehen. Ohne Dich! Ich hoffe, dir geht es besser wenigstens.

Machs gut!
Leila

10.10.2019 08:35 • #14


DeineLeila


Mein Mann kam gestern nach Hause und war viel besser drauf. Eine Kollegin hatte ihn getröstet, wo ich es nicht konnte. Jetzt fehlt nur noch, dass er in eine Affäre gerät, so wie ich mit dir damals. Ja, Karma schlägt zurück. Auch du hast mich ja scheinbar verstanden, wo er es nicht konnte. Nun komme ich an meine Grenzen, denn ich verstehe seine Verletzung zwar aber kann ihm kaum helfen. Ich bin immernoch voller Wut und Trauer über alles was in den letzten Jahren passiert ist. Wie soll ich ihm jetzt helfen? sch.! Ich weiß, ich sollte jetzt aufstehen und stark sein. Aber wie zur Hölle, soll ich das? Wofür auch? Vor mir liegt eine Nebelwand. Ich weiß nicht wie es weitergehen kann. Ich lasse mich treiben von meiner Trauer und versinke im Selbstmitleid. Er hat alles versucht, mich da raus zu holen. Jetzt scheinen auch seine Kräfte erschöpft zu sein. Jetzt braucht er selbst Trost und Hilfe und ich kann sie ihm nicht geben. Ich brauche dich aber du bist nicht mehr da. Auch dir war ich Zuviel. Es tut mir leid.

11.10.2019 10:11 • #15