Liebes Gretchen,
ich habe Deinen Threat gelesen und möchte hier gar nicht auf den "Handlungsfaden" Deiner Trennung eingehen, denn wir kennen hier nur eine Seite, nämlich Deine und wie heißt es doch so schön - eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede, man muss hören billig bede (wer sich an "Mann" stört, darf sich die genderten Formen gerne dazu denken).
Auf der emotionalen (inneren) Seite Eurer Trennung kommt mir bei Dir alles erst einmal ziemlich normal und durchschnittlich vor. Eure Gefühle liegen blank. Mit allen auf und ab´s, hin und her´s etc. Das ist scheußlich (ich spreche aus eigener Erfahrung) aber wohl normal bei einer Trennung und anscheinend leider irgendwie "full included".
Ich frage mich dabei nur, ob dies wirklich über Jahre so gehen muss. Wenn ich offen sein darf, habe ich den Eindruck, dass Du - aller äußeren Dynamik zum Trotz - seit Jahren auf der Stelle trittst, denn Du kommst emotional in der ganzen Zeit für DICH nicht wirklich voran. Eigentlich bekundest Du ständig, was für eine Enttäuschung dein Mann ist und das Du froh bist ihn los zu sein und andererseits bist Du darüber zu Tode betrübt - trennungstypische(-immanente) Ambivalenz aber das wohlgemerkt seit Jahren! Das hat seine Folgen - für Dich u.a. Depressionen und wenn Du das so künftig willst, so drehe Dich weiter im Kreis, kurz gesagt, Du durchlebst Deine Trennungn nicht, Du zelebrierst ein persönliches Endlos-Drama daraus.
Ich kann mich im übrigen auch nicht (wie manch Anderer hier im Forum) des Eindrucks erwehren, dass Du damit Deinen Kindern schadest - ich habe dabei vor allem Deine Älteste im Sinn, mit denen Du aus Deinem Kummer und Deiner an sich verständlichen Trauer Gespräche führst, die zumindest nach meiner Erfahrung eine jetzt Neunjährige (?) (und am Anfang noch jünger) nicht nur überfordern, sondern schlicht zu Deinem Therapeuten gehört hätten - egal für wie klug, reif und verständig die Mama ihr Töchterchen auch hält, sie ist und bleibt erst neun und sie ist nicht Deine Therapeutin. Selbst wenn Sie 40 und diplomierte Paartherapeutin wäre, sollte sie nicht ausgerechnet mit ihrer Mutter deren Trennungsprobleme erörtern, denn sie ist selbst Partei und zu nahe dran...
Da hilft es auch nicht, wenn Du immer wieder schreibst, dass Du nur ihre Fragen beantwortest, denn es sind seltsamerweise genau jene Fragen, die Dir in Deinem Schmerz gut tun. Glaubst Du nicht etwa sie spürt nicht genau, wie verzweifelt und hilflos Du Dich seit langer Zeit fühlst und weiß genau, was Du möchtest - notfalls auch von ihr und vielleicht auch aus der Angst heraus, sie an die "Partei des Vaters" in Eurem mehr oder minder offen geführten "Rosenkrieg" zu verlieren? Weißt Du denn wirklich, was sie Deinem Mann erzählt, wenn sie bei ihm ist - vielleicht ganz genau dasselbe wie Dir, nur dass dann Du dann die "Böse" bist - bringt Dich das weiter und vor allem - hilft ihr das?
Könnte der Kern Deines Problems nicht darin liegen, dass Du Deinem eigenen Anspruch an Dich selbst nicht genügen kannst - das meine ich nicht abschätzig, denn Du hast Dir ein Bild von Dir selbst entworfen, dass zwar in sich stimmig, konsequent, authentisch, mutig, außergewöhnlich etc. sein mag, aber es ist und bleibt ein Ideal. Und manches daran ist ziemlich schräg oder findest Du es bei aller verständlichen Enttäuschung wirklich gut, seinen Partner umzubringen, wenn er einen betrügt

? Und man ist nicht immer ideal, denn Du bist auch manchmal banal, eifersüchtig, kleingeistig etc. - das meine ich gar nicht als Kritik, denn Du bist auch nur ein Mensch wie wir alle.
Du wirst Dich nach meiner Einschätzung erst wirklich von Deinem Ex(?) trennen können, wenn Du Dich von Deinen irrealen Selbstbild trennen und als Mensch annehmen kannst - mit allen Stärken und Schwächen, Sehnsüchten, Enttäuschungen - auch und gerade von Dir selbst.
Ich wünsche Dir (und Deinen Kindern) aufrichtig, dass Du das schaffst, denn sonst lesen wir in den nächsten Jahren hier weiter eigentlich nichts Neues von Dir - das würde mir wirklich leid tun und zwar für Dich!