Gretchen
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Berlin hat so einen besonderen Flair- ich denke es liegt für mich bis heute ab der Teilung. Und ich liebte diese Geschichten meines Vaters dass irgendwer immer an irgendeinem Tunnel grub.
Also Berlin: meine Eltern, die Kinder und ich.
Spannungen inklusive- wie es so ist wenn Eltern älter werden. Und Narzissten werden ja nicht älter- schlimmer Fehler wenn die Leistungsfähigkeit nachlässt das geht bekanntlich gar nicht.
Süffisant kommentiere die große: du bist nicht allwissend Mama, aber der Opa, der schon.
Unser Trip umfasste zum Auftakt eine Stadtrundfahrt mit dem Doppeldeckerbus. Sehr zur Freude der kleinen saßen wir ganz vorne oben. Besser geht es für einen kleinen Jungen wohl kaum. Und dann kann man noch verschiedene Sprachen einstellen und bekommt Kopfhörer- unfassbar toll.
Die größeren waren über die Größe der Stadt angemessen beeindruckt.
Kannten sie bisher in der Form nicht. Und ich finde dann wird das auch mal Zeit.
Und da auszusteigen wo Emil aus Emil und die defektive aussteigen war auch cool.
Dinos mussten natürlich dringend sein und so waren wir im Naturkundemuseum.
Dort wohnt Tristan und Tristan ist eins der drei am besten erhaltenden Tyranus- Skeletts weltweit habe ich erfahren.
(Es gehört einem privaten Spender.- wollte er wohl nicht im Wohnzimmer stehen haben)
Der kleine war altersgemäß gleichermaßen angezogen wie ängstlich und sogar die große hat kurz gezögert unter dem riesigen Kopf mit den gewaltigen Zähnen hindurchzugehen (beißkraft: 50.000 Newton)
Das planetarium war dagegen eine wunderbare Erholung aus erwachsensicht nach dem die vielen ausgestopften Tiere mir den letzen Nerv geraubt hatten (Tränen, Tränen, Tränen- besonders bei der mittleren die wirklich sich sehr mit Tieren identifiziert bzw diese stellvertretend für eigene (manchmal fehlende) Versorgung bemuttert. Eben phänomen Mittelkind.
Ich selbst fand das Planetarium wunderbar zum träumen. Auf zu neuen Galaxien. Und Kindheitserinnerungen an Erzählungen von der Mondlandung durch meinen Vater- die im Fernsehen übertragen wurde.
Bei einem Blick zu den Sternen erscheinen die eigenen Probleme etwas weniger gravierend wie ich finde. Und alles hängt so zusammen miteinander und ist so riesig und unbegreiflich dass man nur demütig werden kann dabei.
Siehst du den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön.
So sind wohl viele Sachen die wir getrost belachen weil unsere Augen sie nicht sehen.
Die Realität zog beim Frühstück wieder ein, da die mittlere plötzlich unstillbar weine- ich brauchte ne Weile um den Grund herauszufinden. Dieser war wie folgt: alle sind mit ihrer Familie hier, also mit Mama und Papa- nur wir nicht. Sie hat nichts mehr gegessen an diesem Morgen.
Dazu die große: Papa Erzieht uns eigentlich gar nicht. Er erzieht jetzt N. (Den Sohn seiner Freundin).
Ich hab das unkommentiert gelassen.
Auch dass ich entschieden hatte dass Thor uns zum Bahnhof bringen und abholen würde, reagieren sie erwartungsgemäß negativ. (Er hatte angeboten uns zu fahren- mein Mann ist praktisch kaum noch zu Hause- Wohnung ab 1.8 nun da sich die erste wieder zerschlagen hatte)
Kind: Warum kann Papa uns nicht abholen?
Ich: weil er nicht da ist.
Kind: kann er nicht mal eine Woche ohne .... auskommen?
Ich: sieht nicht so aus nicht wahr?
Kind: ich glaube Papa mag N. Lieber als uns.
Ich: nein er wird euch immer mehr lieben das weiß ich.
Kind: das kommt mir aber nicht so vor
Ich: atmen und schlucken und blinzeln
Es ist traurig nachts allein mit den Kindern im Hotelzimmer. Da kann auch ein white russian nur begrenzt helfen.
Aber das Freiheitsgefühl einer Großstadt das hilft schon ein wenig.
Es grüßt Gretchen aus der Hauptstadt
