Zitat von Gretchen:Meine Mutter rät mir meinen Mann zu verführen- sie sagte: ihre Großmutter hätte gesagt: wenn du es nicht machst, macht es eine andere.
Das (schwache) Männerbild was da vermittelt wird spricht Bände.
Trotz allem ist dieser Ratschlag nicht der Falsche, denn sie hat Recht. Tust Du es nicht, wird es eine Andere tun. Wenn Du daraus den Schluss ziehst: Ich kann und will ihn gar nicht mehr verführen, ist das doch eine Aussage, die viel mehr Bände spricht, als das angeblich schwache Männerbild, das Du hier vorschieben möchtest. Das hat rein gar nichts mit Schwäche zu tun, sondern damit dass auch Männer nunmal begehrt werden wollen.
Ich meine immerhin haben Deine Eltern offenbar eine 35-jährige Ehe und die - sagen wir mal - "Ausrede" dahingehend zu sagen, es läge bei solchen Pärchen nur daran, dass sie Angst hätten sonst niemanden zu haben, kann auch genau so gut, die Ausrede heutiger Frauen sein, sich auf nichts mehr einlassen zu wollen bzw. sich einzugestehen, das man selbst "zu Ego" ist um sowas durchzuziehen.
Zitat:Wenn sie meine Schwester und mich und Bett brachte, tat sie etwas, was ich mir so seltsam anmutete- ich wusste nicht, ob ich das mögen wollte- wohl aber dass ich es sollte: , sie strich uns über die augenlieder und die küsste diese- ihr zuliebe ließ ich es geschehen- aber mir war so traurig dabei- so traurig- als würde sie sich jedes Mal wenn sie uns ins Bett brachte aufs neue von ihrem verstorbenen Sohn verabschieden-als schließe sie seine Augen und küsste seine Lieder- aber es würde niemals helfen- es würde den Schmerz nicht lindern.
Nun ja, Depressionen sollen ja vererbbar sein. vielleicht. hast Du diese Seite in Deiner Familie weiblicherseits schon längst gespürt. Epigenetisch gesehen ist da allerdings nichts bewiesen.
Zitat:Meine Mutter wollte dem allen entfliehen- alles anders machen (ab mit den alten Zöpfen- der marsch durch die Institutionen- passender weise heißt Rudi dutschkes Frau Gretchen- das wusste ich gar nicht- sie hat gerade ein Buch geschrieben- ich muss das lesen!)
Doch wo fand sie sich wieder- in einer geht konventionellen Ehe mit einem Mann, der große Ähnlichkeit mit ihrem Bruder hat, dem sie obgleich sie die kleine Schwester ist, immer unterstützt hat- und das auch immer tun wird- so sagte: ich weiß- er ist ein A- aber- er ist mein Bruder.
Blood's thicker than water...
Zitat:Kann es sein, dass sie mich überzeugen will, in meiner Ehe zu bleiben, weil sie sich nicht eingestehen will, dass sie in ihrer unglücklich war und diese nur eingegangen war, weil sie sich zwei Kinder alleine zu erziehen nicht zutraute?
Kann sein. Es kann aber auch sein, dass Du jetzt nach Gründen dafür suchst, Deine Entscheidungen zu rechtfertigen, um nicht allein "Schuld zu sein". Gehässigerweise könnte ich jetzt natürlich auch unterstellen: Suchst Du jetzt nach einer biologischen Rechtfertigung, die Dich in diese Bresche stürzen lässt?
Zitat:Mir kommt es so vor, als sei es meine Aufgabe ein Problem zu lösen, was meine Mutter hatte- es ihr aber nicht gelang- bzw sie noch nicht mal weiß, dass sie es hatte. ich weiß tief in mir ich muss es tun, ich weiß nur noch nicht wie- es ist als würde ich eine Schraube losdrehen wollen- und wüsste: es ist das richtige/ tu es, nur habe ich keine Ahnung dass es einen Schraubenschlüssel gibt.
Gretchen
Als meine Mutter und ich uns verabschiedeten, sagte sie mir: das beste was mir passiert ist, dass seid ihr/ du und deine Schwester.
Die Theorie sagt: Krebse mit nur einer Schere paaren sich so lange, bis der Nachwuchs wieder zwei Scheren hat. Bist Du also der Nachwuchs, der den Mangel auslöscht? Das wäre sicherlich gut. Aber daraus die Konsequenzen für Deine Ehe zu ziehen, ist ein Trugschluss.