Zitat von Gretchen:Es fühlt sich momentan einfach nicht gut an ihn zu verführen. Sofort hab ich da Bilder im Kopf-
Was sind das für Bilder? Und in welche Richtung scheinen die Dich zu drängen? Die Frage ist vielleicht auch was das Wort "Verführung" bei Dir für Konnotationen hat.
Zitat von Gretchen:Ich merke dass ich es einfach schön fände bzw wünsche Menschen um mich zu haben, die akzeptieren, wie es gerade ist. Anders ausgedrückt hab ich keine Lust mehr es anderen recht zu machen.
Musst Du es denn Anderen Recht machen oder glaubst Du nur, dass Du das musst? Das ist so eine Aussage, die ich so häufig lese. Ich unterstelle einfach mal, dass mindestens 50% dieser angeblichen Zwänge eher aus einem Selbst kommen. Und die Aussage "Ich will es niemandem mehr Recht machen" eher dem kraftlosen, frustrierten und trotzigen Kind in einem selbst entspringen.
Zitat von Gretchen:Eine vorsichtige Annäherung kann ich mir eher vorstellen, dazu gebe ich Signale.
Mein Part: Signale geben
Sein Part: da was draus machen.
(Momentan möchte ich erstmal wieder geschätzt werden und ich glaube er umgekehrt auch)
Hahaha. Das Witzige daran ist meines Erachtens immer, dass dieses "Signale geben" bei Frauen oft viel zu subtil läuft bzw. aus Trugschlüssen ihrerseits, d.h. dieses "Er muss doch erkennen, wenn ich ihn morgens nicht mehr grüße, dass da was schief läuft". Nö, muss er nicht. "Signale geben" ist eben ne Sache, die sehr uneindeutig ist. Und wenn Du Dir jetzt sagst: "Wenn ich einen Partner habe, der meine Signale nicht erkennt, ist er der falsche Partner", dann okay, aber dann gebe ich zumindest zu bedenken, dass
a) ich mich wahrlich frage, warum Dir das nicht viel früher aufgefallen ist. Nur mal so bzgl. Deiner Selbst-Expertise.
und
b) Es eine unfassbare Gefahr dahingehend gibt, sich in sich selbst zu vernarren und nach einem Partner zu dürsten, der die eigenen Gedanken lesen können soll. Das geht zum Glück nicht und wäre für die meisten Frauen mehr als nur gruselig.
Zitat von Gretchen:Mütter haben ja meistens recht- dennoch wirkte es auf mich so, dass sie es kennt und rät Dinge zu tun, die sich nicht gut anfühlen-
"Mütter haben meistens Recht", ist so eine These, die ich auch nicht stehen lassen möchte. Mütter kennen ihren Nachwuchs häufig ganz gut und können eher einschätzen, was eben diesem nicht gut bekommt. Dass sie aber deshalb erörtern können, warum ihr Nachwuchs (egal ob männlich oder weiblich) zu welchen Dingen greift, schließe ich komplett aus. Die wissen eben nicht, warum der eigene Sohn immer wieder zur Dramaqueen greift oder die Tochter unglücklich in ihrer Ehe ist, die sehen nur: Denen geht's nicht gut, deshalb muss sich was ändern.
Zitat von Gretchen:Dieser Gedanke hat sich sehr bekannt angefühlt und es war nicht positiv.
In wie fern war es denn nicht positiv? Oder geht es hier eher um den weiblichen Drang "man selbst zu sein" bzw. "Ich bin nicht wie meine Mutter..." ? Das ist nämlich auch so ein Phänomen, das ich immer wieder - gerade bei Frauen - beobachte.
Zitat von Gretchen:Der Umgang mit dieser Situation meines Mannes ist ein anderer als meiner- er kann dennoch zu etwas führen-
Du weißt nur nicht genau wie, und Du weißt nicht genau wohin... einerseits findest Du das spannend... andererseits... nun ja..
Zitat von Gretchen:Ricky- eine biologische Rechtfertigung suche ich nicht- ich argumentiere nicht biologisch und ich bin auch nicht der Ansicht dass ich da was geerbt habe. (Bin einfach kein Anhänger davon- das ist so deterministisch- da fühl ich mich automatisch unfrei)
Auch das ist ein Trugschluss, bedient aber die oben genannte These "Ich bin nicht so wie meine Mutter". Wenn Deine Eltern Dir Kurzsichtigkeit vererben, wäre es doch auch nur deterministisch keine Brille zu tragen bzw. sich nicht die Augen lasern zu lassen, sondern halbblind entenartig durch die Welt zu stolpern. Kleine Enten sind zwar ganz süß, aber eben auch ziemlich verplant. Klar, kann ich dann "Lass mich doch verplant sein" mal gelten lassen und das vielleicht auch bei Dir ganz niedlich finden, aber auf Dauer führt das irgendwie nirgendwo hin. Worauf ich hinaus will: Deterministisch wäre es doch nur, wenn Du dagegen nichts unternimmst, ansonsten ist es ein Akzeptieren der Grundlagen, die man durchaus ändern kann.
Zitat von Gretchen:Ich bin der Ansicht, dass ich bestimmte Vorbilder hatte und mich interessiert wie die sich verhalten haben bzw in meiner Situation hätten- es fällt mir gerade einfach auf und ich mag das.
Und genau deshalb macht der vorherige Teil um Deinen angeblichen Determinismus nämlich keinen Sinn. Das hier ergründest Du ja auch, warum nicht das Andere? Entweder ist das halbgar oder Du denkst nicht drüber nach bzw willst es nicht... das hat dann andere Gründe.
Zitat von Gretchen:Im übrigen schiebe ich das schwache Männerbild gar nicht vor- ich beschreiben wie ich es erlebt habe- und da fiel mir diese Aufstellung ein.
Kurz und knapp: meine Ehe erinnert mich an die meiner Eltern.
Will ich sie mit den Strategien meiner Mutter retten?
Antwort ist: NEIN
Hehehe. Siehste. Da ist dann die Frage nach der Abneigung eigentlich eine, die zu allererst gestellt werden und wirklich genau analyisert werden sollte. Die Gefahr, die nämlich darin liegt, ist, dass man sich ganz schnell in Dinge verrennt, weil man auf Teufel komm raus nicht die Eltern sein will... weil das gruselig ist oder sonst was. Eigener Mensch... bla bla... was Besonderes sein... eben der *beep*, der hier im Forum jeden Tag verzapft wird.
Zitat von Gretchen:Nachtrag:
Hier im Forum und auch an Rickys Beitrag stelle ich fest: Menschen suchen nach Erklärungen- das Verhalten von einem selbst und von anderen soll Sinn ergeben.
Also erstmal danke, dass Du mich nicht mit dem Rest des Forums vergleichst, Du kleine Süße, Du.

Und dann: Nun ja, natürlich sucht man i.d.R. erstmal nach einem Sinn. Das heißt aber nicht, dass jedes Verhalten "Sinn" ergeben muss. Einiges ist schlichtweg trieb- und angstgesteuert. Das hat dann vielleicht auf ner Metaebene eine Sinnhaftigkeit, aber sicherlich nicht im direkten Diskurs.
Zitat von Gretchen:Das Chaos wird geordnet und das ist menschlich und gut so.
Da gibt es ja viele erklärungsansätze.
Männer sind generell Mist
Frauen sind gatekeeper
Er ist Narzisst
Ich bin co abhängig
Warum sie nicht über den Zaun klettert und wie sie es doch tut
Psychische Erkrankungen
Biologie
Hormone/ Wechseljahre
Gesellschaftliche Veränderungen
Frauen halten es einfach nicht mehr durch
Usw
Usw
Usw
Kann ich alles nachvollziehen.
Na ja, soziologische und psychologische Strömungen existieren nunmal. Sie wegzuleugnen ändert nichts an der eigenen Prämisse, wird aber im Zeitalter von "Alternativen Fakten" und "Erstmal ist gar nicht bewiesen, die Wissenschaft und Statistiken sind Blödsinn, weil traue keiner Statistik, die ich Vollidiot mit diesem schlecht auswendig gelernten schei. nicht in Ordnung finde, weil es meine Meinung nicht widerspiegelt und darum doof ist" gerne mal genutzt. Menschen sind eben auch abergläubisch bzw. glauben gern das, womit sie sich am wohlsten fühlen. Das kommt eben aus dem Tierreich, zeigt aber auch einen klaren Verlust von Intelligenz.
Zitat von Gretchen:Genauso sehe ich auch meine Auseinandersetzung mit meiner lebenssituation.
Es ist eine Art von Erklärung und das was mir gerade möglich ist, die für mich gerade Sinn macht.
Ja, aber die Gefahr ist eben dabei, der letzte Halbsatz: "die für MICH... GERADE... Sinn macht". Und das ist eine Darstellungsweise, die meist nicht alle Kriterien miteinbezieht. Wenn Du weißt, dass es hierbei nur um einen Prozess geht, dann okay, aber viele bleiben ja in der Haltung verharren, nehmen das dann als ihre Realität an und leben ihr Leben halt weiter, weil es sich so gut schickt. Dann muss man meist ja auch nichts ändern. Wenn Dir das bewusst ist: Suit yourself.
Zitat:Es ist nicht die Realität- diese erkannt zu haben kann keiner von sich behaupten weil man selbst Teil des Experiments ist wenn man so will.
Ich denke dennoch, dass man ein Gros von Realität durchaus erkennen kann, so man denn will. Viele wollen das ja aufgrund ihrer eigenen Zwänge und dem Drang nach "fehlerlos" sein bzw. geliebt werden eben nicht.
Zitat von Gretchen:Ich denke es gibt mehrere Arten etwas richtig zu machen.
Das kommt auf die Aufgabenstellung an.
Zitat:Solange man selbst glaubt und weiß, dass es eine mögliche Erklärung ist, finde ich das ganz wunderbar und bereichernd.
Es lebe der Diskurs!
Dafür bin ich ja da. Witzig, ich schreibe im Moment nur noch hier. Hmm...
Zitat:So- Gretchen geht nun zum Therapeuten. Der soll auch mal Spaß haben...wehe ihm er gibt mir ne Diagnose-
Das wäre bestimmt super, wenn ich so ne Patientin mal hätte. Obwohl... ne, ne, da schwirren gerade so *beep* Gedanken umher... nicht gut... muss los.