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Notbremse nach anderthalb Monaten

KevSchmdt

Guten Morgen lieber Leser,

mich interessieren eure Meinung und eure Gedanken zu folgender Geschichte:

Ich (männlich, 27) habe vor etwas anderthalb Monaten einen Jungen (25) im Internet kennengelernt. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch und haben viel geschrieben. Ein Wechsel hin zu WhatsApp ließ auch nicht allzu lange auf sich warten; wir haben auch dort erst viel geschrieben und dann fast ausschließlich Sprachnachrichten ausgetauscht. Irgendwann haben wir uns dann auch live und in Farbe gesehen. Das Treffen war superschön und wir blieben danach weiterhin in regem Austausch. Es gab nach dem ersten Treffen keine Abflachung im Kontakt, er wurde im Gegenteil noch intensiver.

Auch während und nach einem zweiten Treffen etwa zwei Wochen später war alles wunderbar. Das Treffen haben wir relativ kurzfristig organisiert, weil wir beide zu diesem Zeitpunkt eher wenig Zeit hatten. Nach dem Treffen fuhr er aufs Deichbrand. Er sagte während der Planung des Treffens, dass es ihm wichtig ist, mich vorher noch einmal zu sehen. Da sowohl er als auch ich am nächsten Tag allerdings wichtige Termine hatten, konnte ich nicht bei ihm übernachten. Er hat mich dann mitten in der Nacht noch nach Hause gefahren, das war irgendwas um 2 Uhr morgens. Auch nach diesem Treffen veränderte sich der Kontakt nicht zum Negativen, wir blieben weiterhin in intensiven Austausch.

Dann fuhr er aufs Deichbrand. Sein Smartphone nahm er nicht mit aus Angst, es könnte auf dem Festival irgendwie Schaden nehmen. Allerdings nahm er für Notfälle ein altes Nokia mit und meinte, dass er sich von Zeit und Zeit bei mir melden würde. Aus einem „von Zeit zu Zeit“ wurde allerdings ein „mehrmals täglich“. Er schrieb mir, welche Bands er grade gesehen hatte, welche Bands noch folgen würden, was er und seine Freunde auf dem Festival so treiben. Und er meinte, dass er mich vermisst, fast jeder Nachricht war ein Kuss-Smiley angehangen. Letzten Montag war er dann wieder zu Hause. Ich befand mich während des Deichbrands in Berlin und den besagten Montag noch in Hannover zum Arbeiten. Abends bin ich dann allerdings zurückgefahren nach Wildeshausen (meine Heimat). Kaum war er wieder zu Hause, bekam ich auch schon wieder die erst 4-Minuten-Sprachnachricht und er fragte direkt, wann wir uns denn wiedersehen. Gingen die ersten beiden Treffen sowohl von ihm als auch mir aus, war beim dritten eindeutig er der Initiator, er wollte mich sehen. Ich habe mich darüber natürlich riesig gefreut, wir haben uns dann auf den vergangenen Dienstag geeinigt.

Ich fuhr Dienstagabend zu ihm und wir haben wieder ein schönes Treffen gehabt. Ich blieb über Nacht, alles war schön, er war nur vom Festival etwas erschöpft und müde, so dass wir früh schlafen gingen. Dann kam der nächste Morgen… Auf einmal war alles anders: Er wirkte abwesend und mir gegenüber abweisend, hat auf Annäherungsversuche meinerseits nicht mehr reagiert, war nur kurz angebunden, schwieg die meiste Zeit und wirkte angespannt und nervös. Mir ist das alles zwar aufgefallen und ich war verwirrt, habe daraus aber erst mal kein großes Drama kreiert. Ich dachte, er hätte einfach schlecht geschlafen (hat er an diesem Morgen auf mein Nachfragen hin auch bestätigt) und grad keine Lust auf Nähe. Für mich war das in Ordnung und ich habe ihn dahingehend dann auch in Ruhe gelassen. Wir verabschiedeten uns, er musste zur Uni, ich fuhr mit dem Zug nach Hause zurück.

Den Tag über habe ich dann nicht so viel von ihm gehört. Er hatte erst lange Uni (die wohl auch sehr anstrengend war, das schrieb er mir noch) und musste im Anschluss bis 22 Uhr arbeiten. Ich war mir seines Verhaltens morgens wie beschrieben nicht sicher und habe nachgefragt, was los war, ob ich etwas falsch gemacht hätte. Seine Nachricht dann hat mich schockiert. Sinngemäß schrieb er, dass es für ihn doch nicht passt, er gemerkt habe, dass ich Gefühle für ihn entwickelt habe, die er nicht erwidern kann. Im dann folgenden Austausch sagte er noch, dass er überfordert sei, alles ging so schnell. Er sei selber vollkommen überrascht, dass er auf einmal so empfindet bzw. nicht mehr so empfindet, wie vorher. Er hofft aber sehr, dass wir uns in Zukunft noch mal über den Weg laufen, andernfalls würde ihn das sehr traurig machen. Und das war’s dann.

Ich bin schockiert über dieses plötzliche Ende und weiß überhaupt nicht, wie ich damit umgehen und es einordnen soll. Und mich quälen Gefühle von Schuld und Minderwertigkeit. Ich verstehe nicht, warum er ohne irgendein Zeichen zuvor plötzlich über Nacht so einen Sinnes- und Gefühlswandel durchlebt hat; es hat sich nichts angebahnt, er war nicht schon länger so, sondern wirklich von einem Moment auf den anderen. Wie kann es sein, dass alles wunderbar und schön ist, nur ein paar Stunden später aber alles aus?

Unser Umgang miteinander war sehr vertraut und wir haben quasi schon unsere Leben bzw. unseren Alltag miteinander geteilt. Ich war immer mit dabei, wenn auch nur via Handy. Das ging von ihm in gleichem Maße aus wie von mir, ich habe unseren Austausch als sehr harmonisch und ausgeglichen empfunden. Es war nicht so, dass der eine mehr gegeben hat und der andere weniger oder dass einer von uns den anderen unter Druck gesetzt hat. Ja, ich habe sogar noch gesagt, dass ich mich freue, wenn ich während des Deichbrands etwas von ihm höre, dass das aber keine Pflicht ist und er das Festival genießen soll. Ich habe ihm immer seine Freiheit gewährt und seinen Freiraum gelassen, habe mich nie aufgedrängt oder etwas verlangt. Ja, ich habe auch nie das Thema Beziehung angesprochen, einfach, weil ich ihn damit nicht unter Druck setzen, sondern abwarten wollte, wie es sich entwickelt. Er hat sein Leben gelebt und ich meins, und wir haben unser beider Leben miteinander geteilt. Wie gesagt auf eine harmonische und ausgeglichene Art und Weise, alles fühlte sich leicht und vertraut an.

Mich verwirrt in diesem Zusammenhang seine Aussage, dass er überfordert ist und es ihm zu schnell ging. Er hat die ganzen anderthalb Monate nie den Eindruck gemacht, als sei es ihm zu viel, und wenn er mir das mitgeteilt hätte, hätte ich ihn auch sofort in Ruhe gelassen. Aber ich wusste von nichts und habe auch nichts gesehen; er hat nie etwas gesagt. Wobei er das wahrscheinlich auch gar nicht musste, weil es während dieser anderthalb Monate niemals einen Moment der Überforderung gab. Ich habe nur auf das reagiert, was zurückkam, habe das Maß zurückgegeben, was ich bekommen habe. Hätte ich gemerkt, dass er einen Gang zurückgeschaltet hat oder gerne zurückschalten würde, hätte ich das ebenso getan. Aber ich wusste einfach von nichts und fühle mich jetzt irgendwo schuldig, dass ich so weitergemacht und ihn damit scheinbar überfordert habe…

Er sprach zudem davon, dass er die „Notbremse“ gezogen hat und sein Unterbewusstsein auf einmal dichtgemacht hätte, und das wie gesagt auch für ihn vollkommen unverständlich und plötzlich. Auch das passt meinem Gefühl nach nicht zu unserem Verlauf die Wochen zuvor. Ich mein, wie überfordert und angespannt muss er dann zuvor gewesen, dass er dann die Notbremse ziehen muss? Von 100 auf 0, wie stark muss da der Drang gewesen sein, die Sache zu beenden? Und wie lange existierte dieser Drang schon? Kann man so was so gut verstecken? Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, denn alles, was wir bis dato gemeinsam erlebt haben, wirkte echt und authentisch. Sein Interesse an mir, dass er mich vermisst, der intensive Kontakt, seine lieben Worte… ich meine, wenn jemand schon innerlich weiß, dass es nicht mehr geht, dann zeigt sich das doch auch, oder? Schreibt man dann tatsächlich noch wenige Tage zuvor „ich vermisse dich“, obwohl man weiß, dass dem nicht so ist? Schlägt man dann ein Treffen vor, obwohl man weiß, dass man das eigentlich gar nicht mehr möchte? Vorgespielt hat er mir nichts, dafür war das alles einfach zu echt und das passt auch einfach nicht zum ihm als Mensch und Person, so tickt er nicht. Das passt doch alles nicht zusammen…

Und zum Schluss weiß ich nichts mit seiner Aussage anzufangen, dass er hofft, wir laufen uns in der Zukunft nochmals über den Weg, andernfalls sei er sehr traurig… Das klingt in meinen Ohren so, als habe er schon Gefühle für mich, die über ein „normales Mögen“ hinausgehen. Ich kann mir sonst auch einfach nicht vorstellen, dass ein Mensch so viel in einen anderen investiert und ihn derart an seinem Leben teilhaben lässt, wenn da nicht Gefühle von Liebe oder Verliebtsein sind. Und grade, dass dieser Austausch auch nach dem zweiten Treffen anhielt, sprich noch mehr dafür (meinem Empfinden nach), dass da mehr ist. Wenn nicht gleich nach einem ersten Treffen, so ist doch nach einem zweiten klar, was geht und was nicht, würde ich behaupten. Und in unserem Fall war es nach dem zweiten Treffen alles wunderbar... auf meine direkte Frage hin, ob er denn Gefühle für mich habe, wusste er keine Antwort. Zwar meinte er ja zuvor noch, dass es für ihn nicht passt, gleichzeitig konnte er mir aber auch nicht sagen, was er nun für mich fühlt. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass wenn jemand wirklich keine Gefühle für einen anderen hat, dann kann er das doch auch so kommunizieren, oder nicht? Es ist wohl manchmal so, dass man nicht genau sagen kann, was man fühlt – aber dass man NICHTS fühlt und keine Basis für mehr da ist, dass kann man doch im Normalfall immer eindeutig sagen, oder was meint ihr?

Mir kommt es so vor (das ist aber reine Spekulation), als wenn er Angst bekomme hat. Er hat alles genossen und voll gelebt, und auch er wird gespürt haben, in welche Richtung sich unser Verhältnis entwickelt. Mir erscheint es einfach unlogisch, dass er beim dritten Treffen dann urplötzlich über Nacht feststellt, dass er doch nichts von mir will und dass es doch nicht passt. Vielmehr kommt es mir so vor, als wenn er wie gesagt Angst bekommen hat vor den Konsequenzen, vielleicht davor, sich zu binden oder nicht in der Lage zu sein, „angemessen“ zu lieben. Vielleicht hatte er Angst, dass er mir nicht reicht, dass seine Art der Liebe nicht „gut genug“ ist, vielleicht konnte er sich mir gegenüber auf einmal nicht mehr öffnen, weil er selbst Angst vor dem hat, was da in ihm ist. Vielleicht hat er Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht, die ihn derart hemmen. Seine am Ende verschlossene Art und Weise wirkte nicht wie Desinteresse, sondern wie weiter oben beschrieben eher angespannt und blockiert, gehemmt. Als wenn da etwas war, das raus wollte aber nicht durfte, das eingesperrt blieb. Dazu passt auch, dass er eher schüchtern und zurückhaltend ist im direktem Umgang miteinander, via Schreiben und Sprachnachrichten fiel es ihm augenscheinlich leichter, sich zu öffnen.

Ich bin immer noch geschockt und verwirrt und weiß nicht wirklich, wie ich weitermachen soll. Ich spüre einen Drang, mich noch einmal bei ihm zu melden, um die Fragen, die sich nach dem ersten Schock ergeben haben, zu klären. Aber ich denke, es ist besser, damit noch ein bisschen zu warten, ich möchte ihn nicht (wieder) überfordern und für mich ist es wohl auch erst mal besser, auf Abstand zu bleiben.

Heute Morgen quält mich besonders eine Frage: Wie viel war dieser intensive Austausch zuvor eigentlich wert? Das war natürlich nicht meine erste Geschichte mit einem Jungen, und bisher habe ich es immer so erlebt, dass der virtuelle Kontakt anfangs sehr aufregend und intensiv war. Dann kam das erste Treffen und da zeigte sich danach zeigte sich bisher jedes Mal, dass der virtuelle Kontakt abbrach, wenn es für eine Seite nicht passte. Damit konnte ich immer problemlos umgehen, das war dann einfach ein Kennenlernen auf virtueller Ebene, nicht mehr und nicht weniger. Mit meinem aktuellen "Fall" war es dann tatsächlich das erste Mal, dass der virtuelle Kontakt nach dem ersten Treffen anhielt und sogar noch intensiver wurde. Und wie beschrieben wurde er nach dem zweiten Treffen noch schöner, es gab also keinen Bruch. Glaubt ihr, dass ein Mensch so intensiven Kontakt weiterhin pflegen würde, nachdem er den Menschen dahinter mehrmals gesehen und erlebt hat und er sich mit diesem absolut nichts vorstellen kann? Und das bis zum Abend, an dem ihm dann schlagartig auffällt, es geht doch nicht?

Mich würde interessieren, was dir, lieber Leser, bei dieser Geschichte einfällt und wie du meine Fragen beantworten würdest. Ich freue mich über eine Antwort und sage an dieser Stelle schon einmal: Vielen lieben Dank!

Liebe Grüße,
Kevin

01.08.2016 07:43 • #1


nettie10


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Hallo Kevin,

ich kann deine Fragen leider nicht beantworten, da ich ihn und seine Sichtweise nicht kenne, aber wollte dir sagen, dass es mir Leid tut.. klang nach einem wunderbaren Anfang, und dann so plötzlich beendet. Vielleicht hat er sich selbst zu stark unter Druck gesetzt. Weißt du denn seine Vorgeschichte, kam er gerade frisch aus einer Beziehung/ hatte er noch gar keine usw.?
Ich denke nicht, dass du was falsch gemacht hast, und Minderwertigkeitskomplexe brauchst du schon mal gar nicht entwickeln. Du bist die gleiche Person wie vorher und genauso liebenswert!

Du machst das schon ganz richtig, melden würde ich mich auch erstmal nicht mehr. Wenn er so unsicher ist und nicht weiß was er will bzw. er will keinen weiteren Kontakt zu dir, gibt es keinen Grund sich bei ihm zu melden.
Er hat deine Nummer und soll selber den Kontakt suchen, wenn er seine Meinung ändert. Lass das jetzt erstmal sacken.

Drück dich!
Nettie

02.08.2016 07:32 • #2


elisabeth123


Hallo Kevin,

bei deiner Geschichte sind mir zwei Dinge eingefallen.

1. ich kenne das auch, dass mir jemand anfangs sehr gut gefällt es aber dann etwas Zeit braucht entscheiden zu können, ob man sich mit dem Menschen eine feste Beziehung vorstellen kann oder ob es nur ein Strohfeuer war. Im Fall deines Freundes war es wohl letzteres.
Ist man selbst superverknallt fängt man an alles mögliche zu analysieren, was man möglicherweise falsch gemacht hat.Hast du bestimmt nicht, du hast aus irgendeinem Grund eben nicht 100% in sein "Beuteschema" gepasst.

2. er hat Angst vor einer festen Beziehung weil.... Kann man auch nur spekulieren...

02.08.2016 07:38 • #3


KevSchmdt


Hallo ihr beiden und vielen Dank für eure Antworten und dass meinen kleinen Roman gelesen habt!

@elisabeth123
Ja, an so etwas denke ich natürlich auch und ich gebe mir alle Mühe, es nicht "über- bzw. kaputtzuanalysieren"... Ich bin einfach der Meinung, dass unser Kontakt und unser Austausch einfach kein "normales Kennenlernen" mehr war oder ein "ich muss erst mal gucken, ob der überhaupt zu mir passt". Ich würde behaupten, dass sich ein Mensch dann anders verhält und – eben weil er noch unsicher ist und nicht genau weiß, was er will – auf einer gewissen Distanz bleibt und aus dieser Distanz heraus schaut, ob es für ihn passt oder nicht. Mit Distanz meine ich dabei nicht, dass man fast nichts miteinander zu tun hat, nein, sondern das Verhältnis dann auf eine gut freundschaftliche Art und Weise abläuft. Man trifft sich, redet, verbringt Zeit miteinander, um den anderen besser kennenzulernen, herauszufinden, wie er tickt, was er denkt, welche Macken er hat... wenn aber schon Sätze fallen á la "ich vermiss dich" (und das nach zwei Treffen) und eine deutliche Motivation für weitere Treffen zu spüren ist, geht das schon in eine bestimmte Richtung, oder meist du nicht?

Wenn ich das so fragen darf: Läuft das bei dir, wenn du jemand interessant findest, dir aber nicht ganz sicher bist, genau so ab, wie in meinem Fall? Schreibst du dann auch tagtäglich mehrere Nachrichten, schickst Voice Mails, sagst "ich vermiss dich" und bist ganz heiß auf ein weiteres Treffen?

"Strohfeuer" habe ich schon mit anderen Jungs erlebt, da war aber auch irgendwie immer klar, dass das halt nicht mehr ist und auch nicht mehr werden wird. Es waren einfach ein ganz anderer Umgang und ein ganz anderer Kontakt, deswegen würde ich das im aktuellen Fall eher ausschließen. Aber sicher wissen kann ich's natürlich auch nicht...

@nettie10
Nein, ich kenne seine Vorgeschichte nicht wirklich gut. Ich weiß sicher, dass er zu seinen Eltern ein eher kühles Verhältnis hat und dass es zu Hause nicht erwähnt wird, dass er auf Jungs steht. Er hat es wohl mehrfach versucht, zu Hause anzusprechen, aber seine Eltern schweigen einfach dazu und tun so, als wäre nichts. Bei seinen Kommilitonen und Freunden dagegen ist er geoutet, das hat er mir erzählt und auch durch viele Geschichten so bestätigt, da ist das alles auch kein Problem. Wir haben auch mal darüber gesprochen, wie wir generell zum gleichgeschlechtlich stehen bzw. das ausleben und waren uns da absolut einig: Es ist zwar ein Teil von uns, aber im Grunde kein so wichtiger, dass es ständig und immer betont werden muss und Thema ist. Also auch da gleiche Welle.

02.08.2016 11:59 • #4


elisabeth123


Zitat von KevSchmdt:
wenn aber schon Sätze fallen á la "ich vermiss dich" (und das nach zwei Treffen) und eine deutliche Motivation für weitere Treffen zu spüren ist, geht das schon in eine bestimmte Richtung, oder meist du nicht?

Wenn ich das so fragen darf: Läuft das bei dir, wenn du jemand interessant findest, dir aber nicht ganz sicher bist, genau so ab, wie in meinem Fall? Schreibst du dann auch tagtäglich mehrere Nachrichten, schickst Voice Mails, sagst "ich vermiss dich" und bist ganz heiß auf ein weiteres Treffen?


Ich habe das schon erlebt, dass sich ein Kontakt so entwickelt hat, dass ich anfangs ziemlich begeistert war und sich das dann trotzdem nach einigen wenigen Treffen wieder schnell abkühlte.
Da ich aber generell kein Typ für vorschnelle Liebesbekundungen bin, kam da sicherlich nix von wegen "ich vermisse dich" etc. Hab ich vielleicht gedacht aber erstmal nicht kommuniziert. Aber wie gesagt - ist bei mir so, andere handhaben das bestimmt unterschiedlich.

Weiterhin wirken Menschen bisunter sehr offen (gerade bei solchen Bekundungen) sind es aber nicht. Vielleicht um den anderen erstmal zu schützen oder warmzuhalten.

Letztendlich gibt es unzählige Möglichkeiten für sein Verhalten: zB ein anderer Kontakt wurde interessanter, er steht doch nicht soweit zu seinem gleichgeschlechtlich, dass er eine feste Beziehung (dazu gehört auch meist irgendwann mal, dass man die Familien darüber in Kenntnis setzt) noch nicht leben kann, Beziehungsangst darüber hinaus etc.

Man denkt vor allem als Hetero immer, dass Homos.ualität in Deutschland mittlerweile gesellschaftlich voll akzeptiert ist. Die Realität sieht zumindest in meinem privaten Umfeld anders aus. Damit meine ich, dass gleichgeschlechtlich orientierte Freunde bedingt durch äußere Reaktionen und Diskriminierung nicht zu ihren Präferenzen stehen (können).

02.08.2016 12:15 • #5


NaturalCause

NaturalCause


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Hi Kevin
Tut mir leid für dich, aber 1.5 Monate sind halt nicht wirklich lange, um eine andere Person und deren Verhalten richtig einschätzen zu können.

Er kann sein, dass er eine Beziehung hatte und ist nicht drüber hinweg und du leider nur eine Ablenkung warst. Als er merkte, dass du dir mehr vom Ganzen vorstellst, hat er in der Tat die Notbremse gezogen. Was ja generell fair ist. Und interpretiere nicht zu viel in seine Nachrichten rein „vermisse dich“ und so. Das sagt man schnell mal wenn Schmetterlinge da sind. Ist halt dann doch alles etwas anders wenn man morgens aufwacht. An einem Festival mit Musik, guter Stimmung etc. kommen halt noch zusätzliche Glücksgefühle hinzu. Da schreibt man schnell solche Sachen.
Ich hatte mal eine Affäre mit einer jungen Frau. Sie schrieb auch sehr nett und wir hatten guten S. etc. Doch eines Tages war alles vorbei und sie offenbarte mir, dass sie ihren Ex noch vermisse. Ich hatte kein Problem damit, weil wir uns darauf geeinigt hatten, dass wir eine reine S.Beziehung führen. Und doch wurde es halt intensiver und intensiver. Auch nette SMS hier und dort.
Eine andere Möglichkeit kann sein, dass es ihm wirklich zu viel und intensiv wurde. So etwas versteht man nicht. Da bin ich vollkommen deiner Meinung, aber es gibt wirklich Menschen die flüchten dann. Meine Ex war so eine. Als ich ihr das erste Mal im Suff (:)) sagte, dass ich stark für sie empfinde, wollte sie flüchten. Sie sagte es mir offen. Sie sei noch nicht bereit für Gefühle. Gleichzeitig aber meinte sie immer, dass sie mit mir eine Beziehung wolle. Ich habs nicht ganz verstanden. Sie trennte sich dann doch nicht.
Paar Woche später erst trennte sie sich (auch wegen einem anderen). Nachträglich erzählte sie mir, dass sich ihre Gefühle nach dieser Nacht (als ich ihr von meinen Gefühlen erzählte) total geändert hätten. Am Morgen wäre alles wie verschwunden gewesen und sie könne es sich auch nicht erklären.
Ich weiss nicht was stimmt und was eine Ausrede war. Vielleicht kannte sie den Neuen ja bereits und drum war sie sowieso im Gedanken/Gefühlswirrwarr. Keine Ahnung.
Minderwertigkeitskomplexe musst du erst Recht nicht haben. Immerhin konntest du ihn für kurze Zeit erobern. Das schaffen wohl die wenigsten
Und weil er komische Charakterzüge hat, musst du dich nicht schlecht fühlen. Er muss vielleicht noch etwas reifen.

02.08.2016 12:46 • #6


KevSchmdt


Hallo ihr Lieben und erst mal wieder herzlichen Dank für eure Antworten!

Mich würde interessiert, was ihr von einem klärenden Gespräch haltet. Mich quält diese Ungewissheit und dass ich nicht weiß, was jetzt eigentlich passiert und was nicht... letztlich bleiben wohl ein paar Szenarien übrig:

* Einfach keine Gefühle, passte doch nicht.
* Doch Gefühle, aber aus welchem Grund auch immer Angst davor.
* Es gab noch einen anderen Jungen.
* Ich war nur eine nette Ablenkung, ein Zeitvertreib.

Für alle Szenarien gibt es nun viel Pro- und Contra-Argumente, und ich brauche da für mich einfach Klarheit. Wisst ihr, ich bin ein Mensch, der die Wahrheit gut findet und mit dieser auch gerne konfrontiert wird. Ich weiß, dass so etwas schmerzhaft sein kann, natürlich, aber mir tut's lieber einmal richtig weh und ich weiß, warum, wieso und weshalb als mir ständig einen Kopf darum zu machen, was sein könnte und was nicht, Argumente zu sammeln und am verzweifelt festzustellen, dass mir das alles nichts bringt und ich mich nur im Kreis drehe...

Ich schreibe gerne und viel, hilft mir irgendwie sehr gut, und dabei haben sich ein paar wenige Fragen gebildet, die ich einfach gerne geklärt haben würde. Ich weiß nur einfach nicht, ob das eine gute Idee ist, jetzt damit auf ihn zuzugehen und würde gerne eure Meinung wissen. Ich denke, einen Idealzeitpunkt für so etwas kann man gar nicht finden, ich möchte ihn aber auch nicht nach grade mal einer Woche direkt überfallen und mit Fragen löchern (da nehm ich wieder Rücksicht auf ihn und stelle mich zurück), auch weil ich Angst habe, dadurch am End vielleicht eher das Gegenteil zu erreichen, falls er doch einfach Zeit braucht, um sich auf mich einzulassen. Da geistert dann immer wieder unser geschilderter Verlauf durch den Kopf, das abrupte Ende und sein Satz "ich hoffe, wir sehen uns Zukunft wieder, sonst wäre ich doch sehr traurig"...

Ich weiß nicht, was ich tun soll

02.08.2016 14:40 • #7


Doppelmoppelche.


Hallo,
es tut mir sehr leid für dich. Ich habe ähnliches erlebt wie du und stehe auch da mit meinem Schmerz. Mein Freund hat sich auch nach 6 Wochen auf Wolke sieben von einem auf den anderen Tag von mir getrennt mit der Begründung, er liebe mich zwar aber nicht genug für eine Beziehung. Und das ohne Vorzeichen. Nur ein, zwei Tage vorher war er etwas kühler mir gegenüber, was ich aber auf den Stress , den er hatte, schob. Noch 4 Tage vor dem Schluss sagte er seinem besten Freund, dass ich seine absolute Traumfrau und perfekt wäre. Ich weiß, dass er Komplexe und private Probleme hat, aber kann das die Gefühle begraben haben ? Ich hatte vor ein paar Tagen nochmal ein Gespräch mit ihm ( die Trennung ist 4 Wochen her ) und auch das hat nicht viel gebracht. Er sagt, das Nachlassen der Gefühle könnte mit dem Stress zu tun haben, ist sich aber nicht sicher. Ich hätte auf alle Fälle nichts falschgemacht. Die Trennung tue ihm auch noch sehr weh und er vermisse mich, aber erst die Zukunft wird zeigen, ob seine Entscheidung richtig war. Toll, oder ? Nun bin ich auch nicht schlauer. Tatsache ist, dass ich zwar nicht mehr am Boden zerstört bin, ihn aber unheimlich vermisse und so eine Grundtraurigkeit habe, die ich einfach nicht losbekomme. Vielleicht hat er auch Bindungsangst und gemerkt, dass es ernst wird. Ich weiß es nicht. Man kommt sich so verarscht und benutz vor. Ich weiß auch nicht, ob die Trennung jetzt endgültig ist, oder ob noch Hoffnung besteht. Seine Aussagen waren nicht eindeutig. Es waren wie bei dir nur 6 Wochen, aber die hängen mir dermaßen hinterher, da ich ja nur schöne Erinnerungen habe und es mir deswegen weh tut. Wenn du denkst, dass die ein Gespräch hilft, dann frag ihn danach oder schnapp ihn dir einfach, wenn du ihn irgendwo siehst. Ich fühl mit dir, kann sehr gut nachvollziehen, was in dir vorgeht. Es nervt auch, dass die meisten Leute gar nicht nachvollziehen können, dass man auch nach nur 6 Wochen fürchterlichen Liebeskummer haben kann.

05.08.2016 07:21 • x 1 #8




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