Zitat von Milly85: Es ist nicht DEINE Aufgabe zu kämpfen sondern seine!
Da ist in meinen Augen ganz viel wahres dran.
Die erste Frage ist ja mal, wie schaut Kämpfen überhaupt aus.
Momentan bist du nach meinem Eindruck sehr im Stressmodus, und versuchst, mit der Kollegin zu konkurrieren, indem du deine Ansprüche hinterfragst, mehr Sex hast usw. Es ist, als würde eine Marathonläuferin versuchen, mit einer Sprinterin zu konkurrieren.
Leider ist es aber so, dass du, als langjährige Partnerin nie gegen einen ausgewachsenen Hormonrausch konkurrieren kannst. Das muss er schon erst mal selber erkennen, dass das was ganz was anderes ist, und dass obwohl die Hormone einem die Welt rosarot zeichnen, die gewachsene Partnerschaft auch ganz, ganz viel wert ist.
Dann macht Kämpfen ja nur Sinn, wenn man Macht über die Situation hat. Über diese Situation mit der Kollegin und dem nicht entscheiden können, hast du einfach null Macht. Was willst du da kämpfen?
Das klingt jetzt erst mal sehr fatalistisch, aber es gibt Dinge, über die du Macht hast. Vor allem über deinen eigenen Standpunkt.
Erstens: Geh bewußt aus der Konkurrenz mit der anderen Frau raus. Er muss nicht die "bessere" Frau wählen, er hat die Wahl zwischen Äpfeln und Birnen. Bzw. zwischen einer langjährigen Ehe und einem Hormonrausch. Das sind einfach zwei unterschiedliche Dinge, und hat nicht viel mit den beteiligten Frauen zu tun.
Zweitens würde ich die Beziehung, so wie sie war als beendet betrachten. Denn das ist sie, wenn dein Mann sie so dermaßen in Frage stellt. Das wird dir die Möglichkeit geben, zu erforschen, wie du selber wieder mehr für dich selber und deine Bedürfnisse sorgen kannst, was du selber überhaupt brauchst, um in einer Beziehung wirklich glücklich zu sein. Welche Gewohnheiten und stillen Abmachungen sich eingschlichen haben, hinter denen du evtl. überhaupt nicht mehr stehst. Ob dieses Leben, überspitzt gesagt, ohne Pool und ohne Wohnwagen und das, wofür die beiden stehen, noch das Leben ist, das du leben willst.
Und drittens würde ich mir überlegen, was es für mich bräuchte um diese Beziehung weiterzuführen, bzw. auf gesunde Beine zu stellen. Eine Frage wäre, wie lange du ihm Zeit geben willst, eine Entscheidung zu treffen. Ewiges Rumgeeiere wird dich kaputt machen, und ohne ein klares JA von ihm für die Beziehung wird es ohnehin nicht weitergehen. Für mich wäre Bedingung gewesen, eine Paartherapie oder Mediation zu machen, um diesen ganzen Kram und diese ganzen wechselseitigen Verletzungen anzuschauen und aufzulösen, die sich ja notwendigerweise in einer so langen Zeit ansammeln. Diese alten Verletzungen verhindern regelmäßig, überhaupt sinnvoll über irgendetwas zu reden. Auch mit der Pool und Wohnwagen Sache würde ich mir überlegen, worfür die genau steht. Im meine rauszulesen, dass es um mehr Lebensqualität geht, und um Mitbestimmung, wofür die gemeinsamen Ressourcen eingesetzt werden. Das ist ganz wichtig! Auch mit dem Sex würde ich mir überlegen, wie denn genau die Sexualität ausschaut, die du selber dir wünscht. Dir hier ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen, und dich darüber in Konkurrenz mit der Kollegin setzen zu lassen, ist auch nicht gesund, und wird sich auch nicht dauerhaft durchhalten lassen. Da muss ein guter Kompromiss her zwischen seinen und deinen Bedürfnissen.
Also, vielleicht auf den Punkt: In blindem Aktionismus gegen Windmühlen kämpfen, bzw. wie das hypnotisierte Kaninchen auf ihn starren und auf den Todesstoß warten, bringt mE nix.
Den Status quo radikal als das anzuerkennen, was er ist und den Stier bei den Hörnern zu packen, bringt sehr viel, egal wie die Sache dann letzlich ausgeht. Versuch weniger zu überlegen, wie du ihn beeinflussen kannst und mehr zu schauen, was du willst und wie du dich positionieren willst.