Hallo zusammen,
dies ist mein erster Beitrag hier und ich hoffe, alles nachvollziehbar zu schildern, denn ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Mein Ex-Freund hat sich Anfang des Jahres von mir getrennt. Wir hatten uns erst vor etwas über einem Jahr kennengelernt, aber in dieser kurzen Zeit so viel erlebt und durchgestanden. Ich hab versucht, so gut es geht, für ihn da zu sein, da er eine schwere Krise hatte. Gleichzeitig hab ich gemerkt, dass ich irgendwann nicht mehr konnte. Ich hab versucht zu geben und da zu sein und das war irgendwie nie genug und gleichzeitig ging es mir auch immer schlechter. Es ist sehr sehr viel zusammengekommen und das hat dann irgendwann zum Ende geführt (was alles vorgefallen ist bzw. was wir alles meistern mussten, würde jetzt gerade den Rahmen sprengen). Ich bin damit und mit meinen Lebensumständen generell nicht klargekommen und war daraufhin zwei Monate in stationärer Behandlung (bin auch weiterhin in Therapie).
Nach und nach ging es mir wieder etwas besser. Das Problem war, dass wir den Kontakt nie eingestellt hatten und ich weiß auch, dass das nicht schlau war. Aber ich konnte es zu dem Zeitpunkt einfach nicht. Trotz aller Schwierigkeiten und Probleme war er mir so wichtig und eine enge Bezugsperson und umgekehrt genauso. Wir haben beide nicht viele Menschen in unserem Leben und daher wollten wir versuchen, Freunde zu werden. Wir hatten also weiterhin (mit wenigen Ausnahmen) täglich Kontakt, haben uns aber länger nicht gesehen. Nach ca. drei Monaten habe ich ihn dann das erste Mal wieder besucht und es war eigentlich sehr entspannt und sehr schön. Ich bin damit klargekommen, dass wir nicht mehr zusammen sind und hab mich aber doch noch sehr auf ihn als Freund fixiert (weil ich eben nicht viele andere Freunde hab).
Naja irgendwann im Juni oder so hatten wir dann wieder was miteinander und ich dachte danach, dass es ja total entspannt ist, so eine F+, und war damit erstmal total fine. Aber je öfter das war, desto mehr Gefühle kamen auch wieder hoch. Und die Angst, was ist, wenn er jemand neues kennenlernt. Ich hab dann versucht, die Gefühle runterzuschlucken, weil ich wusste, dass unsere Beziehung oft nicht sonderlich gesund war und es mir nicht so vorkam, als hätte er noch Gefühle für mich. Aber ich wollte die Nähe so sehr. Ich bin verdammt einsam und hab mich nach dieser Geborgenheit gesehnt. Und ich hab ihn so vermisst, weil er wirklich ein besonderer Mensch ist.
Wir hatten dann sogar einen Urlaub gebucht, der wäre eigentlich jetzt gewesen. Ich wollte für mich herausfinden, ob wir nochmal eine Chance verdient hätten oder ob es einfach nicht harmoniert. Im Nachhinein ist es wohl besser, dass es nicht dazu gekommen ist. Er hat mir nämlich vor Kurzem von einer Frau erzählt, die etwas sehr ähnliches wie er durchgemacht hat, was direkt verbunden hat und dass sie ihm sehr schnell sehr wichtig geworden ist. Deshalb würde sich der Urlaub mit mir irgendwie falsch anfühlen. Kurz vorher hatten wir noch über den Urlaub telefoniert. Dann sehe ich vor ein paar Tagen, wie ein Post online geht, wo er u.a. schreibt, wie toll es ist, diesen einen Menschen kennenzulernen, mit dem man sich blind versteht und wie besonders das ist.
Dass mir dabei der Boden unter den Füßen weggerissen wurde ist eine Untertreibung des Jahres. Noch dazu hat er von einen auf den anderen Tag den Kontakt komplett eingestellt, ohne weitere Erklärung oder sonstiges. Das war jetzt vor 1,5 Wochen. Ich meinte nämlich noch zu ihm, dass ich mir das schon gedacht hatte, dass er jemand neues kennengelernt hat (weil er sich kurz vorher schon distanziert hatte und einen Post von ihrem ersten Treffen online gestellt hat), aber dass es mich sehr verletzt hat, dass er sich plötzlich gar nicht mehr gemeldet hat, weil er eben noch eine wichtige Bezugsperson für mich ist. Er meinte daraufhin, dass das nur zeigt, wie egal mir sein Leben/seine Bedürfnisse sind. Dass er die stressigste Woche seines Lebens hatte, es ihm nicht gut ging und er auf SICH achten musste und es ja nicht so war, dass ich ihm was wichtiges geschrieben hatte. Ich wusste vorher, dass er in der Woche viele wichtige und anstrengende private Termine hatte und hab währenddessen auch nachgefragt, ob alles okay sei und dass ich hoffe, es geht ihm gut, woraufhin entweder gar nichts kam oder nur ein "Danke dir!". Gleichzeitig wusste er aber auch, dass meine Depressionen seit ca. 1,5 Monaten wieder verstärkt da sind. Er weiß also, dass es mir eh schon schlecht geht.
Diese Schuldumkehr kenne ich teilweise auch aus der Beziehung. Ich hab mir schon immer schwer getan, meine Bedürfnisse zu äußern und wenn ich es dann tat, dann wurde das manchmal so gedreht, als sei ich jetzt wieder die Egoistische. Also ich sehe auch, dass wir einander manchmal triggern und alles, aber ich komm einfach trotzdem nicht über diesen Menschen hinweg. Bzw. darüber, wie ich einfach so links liegen gelassen wurde. Als wäre ich plötzlich so unwichtig und keine weitere Nachricht oder Erklärung wert. Weil er wohl jetzt jemanden gefunden hat, der besser zu ihm passt, ihn besser versteht. Ich fühle mich so verdammt ersetzt. Ich hab mit ihm letztes Jahr so viel durchgestanden und das ist jetzt anscheinend alles egal. Er ist in dem halben Jahr nach der Trennung total aufgeblüht und hat wieder Ziele und Träume. Und ich freue mich auch total für ihn. Aber ich hab das Gefühl, dass er vergessen hat, wer für ihn in der schlimmen Phase letztes Jahr da war. Und jetzt geht es ihm super und er hat auch noch eine neue Freundin. Und mir geht es wieder so schlecht wie Anfang des Jahres. Und für mich ist niemand da, niemand hält mich und steht mir bei. Und das fühlt sich so verdammt ungerecht an, das kann ich gar nicht in Worte fassen.
Ich weiß, dass das alles noch sehr frisch ist, dass ich auch mit meinen Entscheidungen dazu beigetragen hab, wo ich jetzt stehe und ganz klar Mitverantwortung trage, aber ich weiß trotzdem einfach nicht, wie dieses Loch jemals heilen soll. Wir hatten so eine besondere Verbindung von Anfang an und zu wissen, dass er jetzt jemanden hat, mit dem die Verbindung anscheinend noch viel besonderer ist, schnürt mir die Kehle zu. Ich kann mir nicht vorstellen, jemals darüber hinwegzukommen, ausgetauscht und dann noch so ignoriert zu werden. Er ist eigentlich immer eine Person, die Dinge klärt, die Personen vielleicht auch mal radikal aus dem Leben streicht, aber immer mit einer Nachricht, einer Erklärung, mit irgendwas und eigentlich niemand, der einfach so ghostet. Das verletzt mich so unfassbar. Weil ich ihm anscheinend so egal geworden bin. Und das innerhalb so kurzer Zeit. Das geht nicht in meinen Kopf. Derweil möchte ich es einfach verstehen. Wobei das wahrscheinlich auch nur eine Illusion ist, dass mir das helfen würde, abzuschließen. Wenn ich eine Erklärung hätte und eine Entschuldigung. Beides bekomme ich wahrscheinlich sowieso nie. Obwohl ich sehe, wie ignorant er sich verhält, vermisse ich ihn doch so unfassbar und bin sehr neidisch auf die beiden. Ich versuche mir immer wieder vor Augen zu führen, was in der Beziehung alles schief gelaufen ist, wie oft ich mich z.B. nicht gesehen gefühlt hab, nicht sicher in der Bindung (nicht auf körperliche Weise, sondern weil er sehr oft und immer wieder kurz davor war, die Beziehung zu beenden). Und trotzdem mache ich mir Vorwürfe, nicht genug für ihn da gewesen zu sein, nicht genug gekämpft zu haben.
Ich will ihn einfach wieder in meinem Leben haben. Es fühlt sich gerade wie eine zweite Trennung an und eigentlich auch schlimmer als die erste. Denn jetzt bin nur ich es, die leidet und er ist schon längst darüber hinweg. Und ich war es zwischenzeitlich ja auch. Aber das ist jetzt alles wieder hinfällig.
Ich will ihm einfach so vieles erzählen, teilhaben an seinem Leben, wieder mit ihm lachen. Ich weiß auch, dass ich mich zu sehr auf ihn fixiert hab, egal ob in der Beziehung oder danach. Aber wie gesagt habe ich einfach nicht viele Freunde, da ich recht introvertiert bin und ich mich oft nicht so zugehörig fühle. Deshalb fühlt sich mein Leben gerade komplett wackelig an. Weil ich sowieso nicht weiß, wo mein Platz ist, wohin ich gehöre, was ich arbeiten soll und und und. Derweil hab ich schon vieles ausprobiert an Jobs, an Wohnorten, Hobbys usw., aber ich komme einfach nicht an. Daher hänge ich mich dann auch immer so sehr an meinen Partner oder an meine Dating-Person. Ich suche da den Halt, den ich mir selber nicht geben kann, egal wie sehr ich es versuche. Ich mag mein Leben einfach nicht und das ist eine sehr traurige Erkenntnis.
Und dann noch diese verdammte Einsamkeit. ich hab einfach so eine Sehnsucht nach Nähe, Geborgenheit, Liebe und verstanden werden in mir und mich zerreißt es immer wieder, wenn es mir wieder "weggenommen" wird. Und dieses Mal ist es besonders schlimm. Weil es eben so eine besondere Verbindung war und wir so viel durchgestanden haben. Es fühlt sich an, als wäre das alles umsonst gewesen und nichtig.
Naja ich bin gestern alleine in ein Ferienhaus gefahren, um etwas den Kopf freizubekommen, aber hab nur einen Heulkrampf nach dem nächsten. Ich versuche die letzten Wochen, in Foren Geschichten von Leuten zu finden, die ähnliches durchgemacht haben, um mich damit etwas zu trösten, aber unsere Geschichte und was alles passiert ist, ist schon recht außergewöhnlich. Ich bin auf das meiste nicht genauer eingegangen, da ich seine Privatsphäre nicht verletzen möchte. Deshalb fühle ich mich noch mehr allein damit und weiß einfach nicht weiter.
Es tut mir leid, falls das alles zu chaotisch war, ich musste das alles einmal rauslassen.
Vielleicht hat ja jemand ein paar tröstende Worte, einen Ratschlag oder sonstiges auf Lager, darüber würde ich mich sehr freuen! Bitte kein "tja, selber Schuld" - ich weiß genau, dass ich einiges hätte anders machen sollen und ich mache mir gerade selbst genug Vorwürfe.