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Trennung unausweichlich - werde ich sie akzeptieren?

kleinerjunge

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Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich bin neu hier und will mich auf einen schmerzhaften Schritt vorbereiten, vor dem ich Angst habe.

Ich habe ein extrem geringes Selbstwertgefühl, habe noch nie in meinem Leben etwas alleine erreicht. Selbst bei einfachsten Entscheidungen suche ich das Einverständnis von anderen, ob das auch wirklich so ok war. Mit 48 Jahren war ich das allererste Mal in meinem Leben alleine in einem Café. Ich bin harmoniesüchtig, nach einer Meinungsverschiedenheit verhalte ich mich am liebsten, als wäre nichts vorgefallen. Ich nehme sofort alle Schuld für alles auf mich etc.

Ich bin seit 23 Jahren verheiratet, meine Frau ist eine normal entwickelte Persönlichkeit. Nicht dominant, weit davon entfernt, in unserer Ehe alles bestimmen zu wollen. Notgedrungen übernimmt sie die meisten unserer Entscheidungen. Sie bestärkt mich schon immer, mich für meine Bedürfnisse einzusetzen. Leider kommt immer nur raus, dass ich gar nicht weiß, was ich will.

Nach Außen hin trete ich als Superman auf, der alles kann und dem alles gelingt. Bei Freunden, im Verein - überall bin ich als Meinungsführer beliebt. Niemand weiß, dass das nur vorgespielte Fassade ist.

Das ist nur meine Vorgeschichte. Seit mehreren Jahren ist ein Muster eingetreten: In längeren Zeitabschnitten kommt es zu immer heftigeren Ehestreiten. Auslöser ist immer, dass ich ein Hilfeangebot meiner Frau mit einem emotionalen Fußtritt quittiere.
Beispiel: Ich habe Schwierigkeiten im Job, behalte das für mich. Sie spürt, dass ich Probleme habe, und gibt mir immer deutlichere Hinweise. Ich blocke ab und behaupte im Brustton der Überzeugung, dass ich alles im Griff habe. Was nicht stimmt, ich stehe kurz vor dem beruflichen Absturz. Erst, wenn es sich überhaupt nicht mehr abstreiten lässt, gebe ich alles zu. Bis dahin habe ich sie 2 Wochen lang angelogen.

Sie hat vor 2 Jahren gesagt, dass sie das nicht mehr aushält. Sie öffnet sich, und ich trete nach ihr. Daraufhin habe ich eine Therapie begonnen, die nur begrenzten Erfolg hatte. Zuerst hatte ich extreme Probleme damit, der Therapeutin alles zu erzählen. Dann habe ich ihr nur soviel anvertraut, wie ich für richtig hielt. Auch ihr habe ich etwas vorgespielt.

Jedesmal, wenn ich entlarvt wurde, das gleiche Muster: Ich voller Reue, beteuernd, dass ich mich ändere. "Das war das letzte Mal, ich habe es jetzt kapiert." Und wieder von vorne. Gar nichts hatte ich kapiert.

Jetzt hatte ich erneut einen Zusammenbruch, habe sie zuerst ausgegrenzt und meine Probleme verheimlicht, dann zum ersten Mal überhaupt bewusst und klar denkend angelogen. Vorher war es immer so, dass ich selbst aus allen Wolken gefallen bin, wenn mir klar wurde, wie lange schon ich mir vormache, ich hätte alles im Griff. Und das, nachdem sie dachte, wir hätten es geschafft, ich hätte mein Leben im Griff. Das war nur vorgetäuscht.

Beim letzten Mal hat sie mir ein Ultimatum gestellt. Wenn ich nochmal unehrlich bin oder sie verletze, ist sie weg.

Ich habe seitdem einiges gelesen, Erfahrungsberichte im Internet, auch hier im Forum. Und Bücher aus der örtlichen öffentlichen Bibliothek. Und habe erschreckende Berichte über die Narzisstische Persönlichkeitsstörung gefunden. Die Übereinstimmung mit meinem Verhalten macht mir Angst. Ich wundere mich, dass ich davon erst jetzt lese. Und dass die Therapeutin damals nicht daraufhin untersucht hat. Es heißt, die Störung sei nicht heilbar
Am Montag gehe ich zum Arzt und lasse mich zum Psychiater überweisen, damit ich diesmal die richtige Hilfe bekomme. Ich will meinen Kummer vorher hier loswerden, ich fürchte mich nämlich davor, dass ich wie die vielen Fälle aus den Erfahrungsberichten hier reagiere, wenn das offensichtliche eintritt und meine Frau sich trennen will.

Ich will, dass ab sofort nicht mehr um mich geht, sondern um das Seelenheil meiner Frau. Ich habe Angst davor, dass ich ihren Trennungswunsch nicht akzeptieren kann und zusammenbreche und eine Szene mache.

Mein Söhne (Anfang 20) haben mir sehr mitfühlend erklärt: Noch haben sie selbst durch mich keinen Schaden davon getragen. Und eine Trennung verkraften sie, ich werde sie dadurch nicht verlieren. Wenn ich aber an der unglücklichen Beziehung festklammere oder die Trennung zum Rosenkrieg ausarten lasse, dann tragen sie doch noch Schaden davon. Wenn mir was an ihnen liegt, solle ich die richtige Entscheidung treffen. Das hilft mir dabei, zu hoffen, dass ich es schaffe.

Woher nur nehme ich die Kraft, das durchzustehen?

01.07.2017 19:16 • #1


Hoffnung72


Lieber kleiner Junge
Ich bin sehr berührt von deiner Offenheit. Und Reflextionsbereitschaft. Soweit kommen manche Menschen gar nicht. Es wäre sicher gut, das Thema Entwicklungstrauma mal anzuschauen..vielleicht liegt hier ja die Ursache für dein Lügen? Angst nicht zu genügen?
Nur so eine Idee. Bist du dir sicher, dass deine Frau sich trennen will?

01.07.2017 19:58 • x 1 #2


kleinerjunge

kleinerjunge


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Sie hat gesagt, sie kann nicht mehr. Ich habe sie darum gebeten, - angefleht - mir noch EINE Chance zu geben, mich zu ändern. Sie hat gesagt, dass wir das beim letzten Mal schon hatten. Und (nach langem Überlegen) dass sie abwartet, was ich jetzt tue.

Ich will sie nicht verlieren - sagt mir der Schmerz, den ich empfinde, wenn ich mir das vorstelle.
Ich will sie nicht weiter verletzen und will meine Söhne schützen - sagt mir mein Kopf.

Deshalb komme ich zu dem Schluss, dass ich besser gehe, bevor ich noch mehr Schmerzen verursache. Ich will dafür gewappnet sein, da es sich jetzt schon schmerzhaft anfühlt, wenn ich mir nur vorstelle, ich hätte sie verloren.

Zum Entwicklungstrauma: Ich habe einen einführenden Artikel darüber gelesen, klingt passend Als Kind (ältester von 3 Söhnen) war ich permanent dem Spannungsfeld meiner Eltern ausgeliefert:

    Für meinen Vater war ich ein Niemand, dem sowieso nichts gelingt. Egal, was ich tat, er konnte es besser. Und die Dinge, für die ich mich interessierte, waren in seinen Augen Unfug.
    Für meine Mutter war ich "etwas Besonderes", aus mir würde mal "was werden". Zuneigung bekam ich nur, wenn ich etwas in ihren Augen wertbringendes geleistet hatte. Das kam nicht oft vor.

01.07.2017 20:28 • #3


Allesvorbeiaus


Oh Mann....ich lese hier getafe meine Geschichte. Mein Mann verhält sich genauso, nur das er nocht nicht beteit ist sich von einem Therapeuten helfen zu lassen. Von jetzt auf gleich hat er angekündigt auszuziehen. Ich komme nicht mehr an ihn ran. Je mehr ich klammere um so mehr dreht er sich weg. Wie kann ich ihm helfen? Er ist genau so, eie du dich beschrienen hast.

01.07.2017 20:57 • #4


kleinerjunge

kleinerjunge


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Dein Mann ist so wie ich? Und du willst ihn halten?

01.07.2017 21:04 • #5


Allesvorbeiaus


Ja...ich liebe ihn...kaum zu glauben.
Ich kenne seinen weichen Kern.

01.07.2017 21:08 • #6


kleinerjunge

kleinerjunge


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Der Glückliche
Wie lange seid ihr zusammen?

01.07.2017 21:10 • #7


Allesvorbeiaus


26 Jahre. Und jetzt möchte er alles wegwerfen. Keine Entscheidungen mehr treffen....einfach weglaufen.

01.07.2017 21:13 • #8


Hoffnung72


Sie wartet ab, was du jetzt tust...NIMM diese Chance.

Glaubst Du es ist einfacher, zu gehen um "nicht noch mehr Schmerzen zu verursachen"? Flucht? Ganz ehrlich: Lieber gehst Du (aus Selbstschutz wohl vor allem?) bevor du sie verlierst? Dich wirst Du mitnehmen....
Bitte sei ein mutiger Mann und stelle Dich dem Thema, dass Dich offenbar "umtreibt". Ich beschäftige mich - natürlich auch aus persönlichen Gründen - mit dem Thema Trauma und Beziehung. Alte Traumata - wie von Dir beschrieben - haben eine sehr zerstörerische Kraft. Arbeitet man an diesen, verbessern sich auch die Beziehungen. Bitte gebe Euch diese Chance indem Du dich in eine Therapie begibst. Somatic Experiencing wäre z.B. so eine Therapieform...und: begnüge Dich nicht mit Literatur. Sei mutig, suche Dir/Euch Unterstützung von einer erfahrenen Person. Mein Ex-Partner hat es leider nicht getan..unglücklich sind wir nun beide. So soll es bei Euch nicht enden oder;)?

01.07.2017 21:24 • #9




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