Hallo @Nellamae,
erst einmal herzlich willkommen hier im Forum. Deine Geschichte klingt nach einer langen und anstrengenden Zeit für euch beide. Beim Lesen ist mir allerdings aufgefallen, dass du die Situation sehr stark aus deiner eigenen Perspektive beschreibst. Daher würde ich dir gerne noch einen anderen Blickwinkel mitgeben.
Bitte versteh das Nachfolgende nicht als Kritik oder Vorwurf, sondern einfach als Spiegelung dessen, was bei mir angekommen ist.
Zitat von Nellamae: Ich bin seit 5 Jahren mit meinem Mann zusammen, verheiratet, 1 Kind. Vor Kind und Ehe hatte ich die Tendenz, in meine alte Heimat, ein anderes Bundesland, zu ziehen. Mein Mann nicht. Diskussion und Streitigkeiten folgten, auch der Gedanke an Trennung.
Naja, obwohl ihr von Anfang an so unterschiedliche Vorstellungen hattet, habt ihr dennoch geheiratet und ein Kind bekommen. Eigentlich wäre es sinnvoll gewesen, erst einmal gemeinsam einen tragfähigen Konsens zu finden und dann zu heiraten.
Nun gut, das habt ihr nicht getan und letztendlich steht genau dieses ungeklärte Thema fünf Jahre später immer noch im Raum.
Zitat von Nellamae: Nach viel Chaos haben wir uns festgelegt, auch, weil es mir immer schlechter ging, umzuziehen und ich habe mich sehr gefreut.
Was des einen Freude ist, kann für den anderen Leid sein.
Zitat von Nellamae: Jetzt rückt alles näher: Die Bekanntgabe des Umzugs gegenüber Arbeitgeber und seiner Familie. Aus Theorie wird Praxis, und er gibt nun zu, es eigentlich gar nicht zu wollen. Alternativen - Fernbeziehung z.B. - schlägt er aus und ist frustriert, es seinen Eltern sagen zu müssen bzw. Einen neuen Job anzutreten. Er sagt, es sei unsere Entscheidung und er ist lediglich traurig.
Eigentlich möchte er nicht und ist traurig.
Ich lese in deinen Schilderungen sehr viel davon, was diese Situation mit dir macht und was du in den letzten Jahren aufgegeben hast. Gleichzeitig kommt seine Perspektive dabei kaum vor.
Du schreibst viel darüber, dass du fünf Jahre zurückgesteckt hast und nun endlich dein Wunsch berücksichtigt werden soll. Aber wenn er eigentlich nicht umziehen möchte, bedeutet diese Entscheidung für ihn doch ebenfalls, dass er etwas aufgibt.
Zitat von Nellamae: Mich belastet es aber sehr, so sehr, dass ich wieder kleinbeigeben und bleiben würde - wieder aber auf meine "Kosten" wie die letzten 5 Jahre.
Jetzt mal bewusst provokant eine Gegenfrage: Wäre es denn okay für dich, wenn es nun die nächsten Jahre auf seine Kosten geht?
Denn genau hier liegt für mich der Knackpunkt. Ihr könnt natürlich weiter darüber sprechen, wer von euch mehr zurückgesteckt hat. Aber damit habt ihr am Ende nur zwei Menschen, die sich jeweils als denjenigen sehen, der mehr gegeben hat.
Die eigentliche Aufgabe wäre doch, aus diesem Aufrechnen herauszukommen und eine Lösung zu finden, bei der keiner von euch das Gefühl hat, sein eigenes Leben für den anderen aufgeben zu müssen.
Zitat von Nellamae: Was kann ich tun? Gibt es überhaupt die Lösung?
Ja, ich glaube schon, dass es eine Lösung geben kann. Aber vermutlich nicht in Form einer Lösung, bei der einer "gewinnt" und der andere "verliert".
Setzt euch zusammen und schaut ehrlich darauf, was ihr beide braucht und womit ihr langfristig leben könnt. Vielleicht bekommt keiner von euch genau das, was er ursprünglich wollte. Aber vielleicht findet ihr etwas, bei dem beide sagen können: Es ist nicht meine perfekte Lösung, aber ich kann damit leben.
Denn am Ende sollte es nicht darum gehen, wer jetzt endlich "dran" ist, sondern darum, dass ihr beide in dieser Entscheidung vorkommt.
Denn wenn einer von euch dauerhaft das Gefühl hat, für den anderen das eigene Leben aufgeben zu müssen, wird über kurz oder lang Frust entstehen. Und im schlimmsten Fall kann genau dieser Frust irgendwann so groß werden, dass eure Ehe daran zerbricht.