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Wer bin ich noch?

LittleOwl

LittleOwl

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Am Montag ist es 4 Wochen her, dass ich gegangen bin. Ich konnte deine Lügen nicht mehr ertragen, ich konnte dir Beweise vorlegen für das was du getan hast. Ein Jahr lang habe ich gekämpft, gehofft und irgendwann keine Lust mehr gehabt. Du wirfst mir vor, dass ich so teilnahmslos in den letzten Monaten war. Ja, da hast du recht, ich wusste bereits seit Februar, dass du mich einfach weiter belogen hattest.

Im Endeffekt wusste ich, dass ich es zwischen uns beenden muss. Dass es kein wir gibt! Du machst mich einfach nur zur Mutti, brauchst mich allein, damit du abends nicht allein sein musst und ein warmes Abendessen. Du hast mich seit Jahren nicht angefasst. Du hast deine S. einfach nach außen verlagert. Nicht aktiv, nur über das Internet. Aber in einer Art und Weise, die mich Ekel spüren lässt.

Ich wusste es schon monatelang, dass du einfach weitergemacht hast. Und ich habe es einfach nicht geschafft den Schlussstrich zu ziehen. Ich war kraftlos, gebrochen und habe einfach nur noch funktioniert. Und mit jedem Tag wurde der Druck größer dass ich was unternehmen muss.

Als du mir dann vor 4 Wochen gesagt hast, dass ich mir alles nur einbilde, dass du nicht im geringsten vorhast, irgendwas zu verändern, da kippte ich. Es machte einfach Klick in meinem Kopf. Und da bin ich gegangen. Weg von dir, weg aus unserem gemeinsamen Zuhause, weg von den Lügen und Manipulationen, weg von Entwertung und Angst.

Oh ja, eigentlich bestehe ich nur noch aus Angst. Nicht davor, dass du ausrastest oder so. Du bist ein leiser Mensch, du schreist nicht, du wirst nicht übergriffig. Du bist passiv-aggressiv. Du ignorierst mich dann, belügt mich, verwirrst mich und brichst mich mit deinem Schweigen.

14.08.2021 22:51 • #1


Dracarys


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Du bist eine kluge und starke Frau.
Eine Beziehung ohne Körperkontakt, ohne Ehrlichkeit, getragen von Schweigen und Alltagsroutine, erschwert das Leben sehr.
Dabei sollte das Gegenteil der Fall sein.

Strampel Dich weiter frei.
Ich schwöre Dir, es wird leichter werden, aber leider dauert es mitunter etwas.

Ich hatte so etwas ähnliches vor vielen Jahren, ich blieb viel zu lange.
Das Leben selbst belohnt echte Beherztheit immer!

Ich wünsche Dir Kraft für die dunklen Momente.
Wenn Du Deinen Kurs beibehältst, dann segelt Du langfristig in die Sonne.

14.08.2021 23:07 • x 4 #2



Wer bin ich noch?

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LittleOwl

LittleOwl


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Immer noch Samstag

Seit dem haben wir uns noch ein paar Mal gesehen. Ich habe versucht mit dir zu klären, aber da gibt es nichts. Also von deiner Seite. Du lebst einfach weiter, versuchst mich zurückzuholen, indem du über die Schuldschiene hooverst, aber das funktioniert nicht mehr. Ich bin die die leidet, du nicht. Du kannst nur nicht mit dem Alleinsein umgehen. Mit Liebe hat das nichts zu tun.

Du hast mir nie vertraut. Nicht einen einzigen Tag. Und das betrauere ich.

Nach Wochen des an die Decke starrens habe ich mich wieder aufgemacht. Habe mir die fehlenden Möbel besorgt, mich umgemeldet, Telefon umgemeldet und so weiter. Ich hab was erreicht, aber ich kann mich momentan nicht freuen. Ich bin leer, kraftlos, einsam. So einsam, dass ich auf dem Friedhof mit Herrn Schmidt rede. Auf dem Friedhof, wo ich niemanden besuchen kann, weil ich mittlerweile in der Nachbarstadt wohne. Hier liegt niemand den ich kenne. Aber der Friedhof ist schön, es ist ruhig und man kann dort in Frieden sitzen. Und Herr Schmidt ist der Grabstein vor der Sitzbank und dem hab ich meine Geschichte einfach erzählt. Ich sitze dann da, trinke meine Cola, rauche ein bis zwei Zig. und erzähle. Und dann gehe ich wieder nach Hause.

Warum ich das tue? Weil er so gut zuhört und ich es immer noch nicht schaffe mich anderen Menschen zu öffnen. Weil ich mich so schäme. Weil ich nicht stark war und früher gegangen bin. Und ich muss darüber reden, sonst drehe ich noch durch.

Ich gehe weiter zur Therapie, auch wenn du das albern findest. Denn es tut mir gut. Die Dame redet mir auch nichts ein, dass bist eher du. Du hast niemandem in deinem Freundeskreis etwas erzählt. Gestern kam eine Nachricht von dir, dass ich morgen mit dir zum Grillen eingeladen wäre. Was du dir so vorstellst. F*ck dich.

14.08.2021 23:07 • x 3 #3


Dracarys


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Ob Friedhof oder Therapeut: Rede einfach.
Dein Partner IST kein Partner, selbst Herr Schmidt hat da mehr zu bieten.

Du hast in kurzer Zeit enorm viel geschafft.
Die Einsamkeit ist real, Du wirst sie aber überwinden.

Lass' einfach los, blockiere den Mann, denn der paddelt nur Richtung Komfort zurück, um Dich geht es leider nicht.

Du wirkst traurig aber sehr klar.
Beisse Dich durch die Trauer hindurch.

14.08.2021 23:16 • x 2 #4


Bumich

Bumich


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@LittleOwl schön das du dich geographisch von ihm lösen konntest. Der erste Schritt in die richtige Richtung. Darauf kannst du Stolz sein und dich feiern. Denn es ist kein leichter Prozess. Den Rest schaffst du auch noch.

14.08.2021 23:39 • x 1 #5


Melanie35


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Ich musste etwas schmunzeln als ich deinen Eingangspost gelesen habe, könnte von mir sein! Mein Partner hat mich auch nie S. berührt, angeblich keine Lust, einmal war es zu kalt einmal zu müde usw also er hatte immer Ausreden warum es mit mir nicht geht! Ich war Putzfrau Koch Krankenschwester und seine Mama für ihn! Aber por.os konnte er sich immer ansehen da hatte er lust! Was ich damit sagen möchte, ich ging durch die Hölle fühlte mich ekelhaft und hässlich usw!

Eine Woche nach dem ich mich getrennt habe, hat er sich eine neue gefunden

15.08.2021 01:29 • x 2 #6


LittleOwl

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Liebe @Dracarys,
vielen Dank für deine lieben Worte.

Zitat von Dracarys:
Strampel Dich weiter frei.
Ich schwöre Dir, es wird leichter werden, aber leider dauert es mitunter etwas.

Ich versuche es. Ich begreife nicht, wieso ich nicht schon weiter bin. Ich hab schon lange das Gefühl dass bei mir Kopf und Herz getrennt funktioniert. Der Kopf weiss das ich da raus musste. Die Gefühle vermissen ihn. Und dann schäme ich mich. Weil ich genau weiß, dass mich das kaputt macht. Das ich mittlerweile echt kaputt bin. Momentan habe ich die Hoffnung, dass, wenn mein Kopf voran zieht, der Rest hinterher kommt.

Zitat von Dracarys:
Du wirkst traurig aber sehr klar.
Beisse Dich durch die Trauer hindurch.

Ja, du hast recht. Ich hab Wochen gebraucht, um zu verstehen, was das für ein Gefühl ist. Es ist Trauer.

Ich kann leider immer noch nicht richtig schreiben, aber ich danke dir.

15.08.2021 08:36 • #7


LittleOwl

LittleOwl


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Zitat von Melanie35:
Ich war Putzfrau Koch Krankenschwester und seine Mama für ihn! Aber por.os konnte er sich immer ansehen da hatte er lust!


Danke auch dir. Ich hab neulich bereits deinen Thread gelesen. Ich habe meinen Ex mal vor zwei Jahren (wir waren gesamt 7 Jahre zusammen) gebeten, mir wenigstens zu sagen, dass ich die Hoffnung aufgeben darf, dass sich an seiner Unlust noch was ändert. Seine Antwort war: "Das kann ich nicht, vielleicht ändert sich das ja noch wieder!"
Passiert ist es nie. Ich hab dann recht schnell gemerkt, wie grausam diese Bemerkung eigentlich war und wieviel Schaden ich in mir damit angerichtet habe. Und habe nie wieder so etwas gefragt.

15.08.2021 08:54 • x 3 #8


Käptn Nemo

Käptn Nemo


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@LittleOwl
puh, ich musste erstmal Schlucken als ich Deinen Text gelesen hab.

Zitat von LittleOwl:
Weil er so gut zuhört und ich es immer noch nicht schaffe mich anderen Menschen zu öffnen. Weil ich mich so schäme. Weil ich nicht stark war und früher gegangen bin.

Du musst Dich absolut überhaupt nicht schämen! Wenn, dann sollte ER sich schämen - aber um Gottes Willen nicht Du! Natürlich bist Du erstmal bei ihm geblieben - wäre ich wohl auch? Nicht jeder kann gleich einen Cut machen, wichtig ist doch, dass Du für Dich jetzt eine Entscheidung getroffen hast und das Du hier gelandet bist ist auch nicht verkehrt, denn es gibt hier viele tolle Menschen, die aus ihren Erfahrungen berichten können und mit Dir den Weg - wenn auch nur virtuell - gemeinsam laufen!

Ich drück Dich.
Lg, Finn

15.08.2021 09:02 • x 1 #9


LittleOwl

LittleOwl


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Ich würde gerne wieder weiter auch an ihn schreiben, denn da ist soviel was ich noch los werden möchte. Ich hoffe, es stört euch nicht.

@sonntag morgen

Die Nacht war kurz. 5 Stunden habe ich geschlafen, dann war ich wieder wach. So gut wie es mir die ersten Tage ging, nachdem ich ging, so schlecht geht's mir jetzt. Ich weine, weine, weine. Wut, Abscheu, Ekel, Trauer.

Und trotzdem muss ich dir danken. Du hast mir die Augen geöffnet. Weißt du noch, womit unser letzter "Streit" begonnen hat? Ja, du streitest nicht, ich weiss. Ich hatte dir erzählt, dass meine Psy mir geraten hat, eine Psychosomatische Reha zu beantragen. Wegen meiner Antriebslosigkeit, die mich so aufregt. Einfach nochmal für einige Wochen das Umfeld wechseln. Ich war mir dessen nicht ganz sicher, ich wollte mit dir darüber sprechen. Innerlich hatte ich mir erhofft, dass du mich bestärkst, dass du sagst, dass du für mich da bist, das wir das gemeinsam schaffen. Aber deine Reaktion war völlig anders. Du hörtest dir das an und reagiertest für einen Bruchteil verächtlich. Dann fragtest du mich, wieso? Ob denn jetzt nicht endlich gut wäre, schließlich wäre ich doch im Dezember schon 6 Wochen in der Psychiatrie gewesen und danach noch in der Tagesklinik. (Aus der ich nach 3 Wochen rausflog, weil ich es nicht schaffte mich von dir zu lösen und die mich so nicht weiter behandeln konnten. Weil du das Problem für mein Problem bist.)

Du lamentiertest irgendwie rum, dass du so überlastet bist, dass ich dich schon wieder allein lasse. Und du mit allem allein zurecht kommen müsstest. Schließlich wäre dein Vater ja vor einigen Monaten verstorben, nach Krankheit. Der Vater der alles Menschliche aus dir rausgeprügelt hat. Und dir im Grunde total egal war. Zumindest nach außen.

Da zerbrach ich endgültig.

Ich konnte deinen Egoismus nicht mehr fassen, natürlich sollte es nicht nur um mich gehen. Aber damit ich mich auch um deine Belange kümmern kann, muss ich doch erst mal wieder selbst auf die Beine kommen.

Der Rest des Gesprächs ist Geschichte. In dem Moment fuhr der ganze Schmerz der letzten Jahre durch mich und ich konfrontierte dich mit deinen Lügen und deiner P. Sucht. Deinen abartigen und brandgefährlichen Gelüsten. Dass du mich belogen und hintergangen hast. Du hast dich aus allem rausgeredet, du hast alles verdreht. Geschwiegen, bis ich wirklich ausgerastet bin. Und weiter gelogen. Wie immer. Du hast einfach kein Vertrauen. Wäre da nur ein Funke gewesen, der mir signalisiert hätte, dass du etwas ändern willst, ich wäre da gewesen. Aber da war nichts. 12 Monate Drama. Keine Einsicht. Und da bin ich gegangen.

15.08.2021 09:23 • x 4 #10


Melanie35


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Traurig alles, ich glaube das diese Männer gar nicht wissen was sie anrichten in uns!

Weine sei traurig und arbeite alles auf aber geh bitte nie mehr zurück zu diesen Mann, er wird ganz sicher ins kämpfen anfangen wenn er sieht das es ernst ist! Aber glaube mir egal was er verspricht, es wird sich nix ändern! Er kämpft dann nur darum das er seine "Mama" wieder bekommt! Und sein bequemes Leben wieder hat!
Ich wünsche dir viel Kraft

15.08.2021 09:53 • x 1 #11


Anlachen

Anlachen


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Hallo littleOwl,

wie schade das ist, und wie lieblos. So ähnlich bin ich fast immer aus meinen Beziehungen gegangen. Abgekämpft. Nur noch zum funktionieren gut.

Du hast da einen großen Schritt getan, zurück zu Dir selbst. Das wird eine ganze Weile wehtun, aber Du wirst bald wieder aufleben.

Such Dir etwas, das Dir Spaß macht, Malen, Sport, Tanzen, Lernen, die Wohnung verschönern...und setze Deine Therapie fort. Sie wird Dir helfen.

Das Wichtigste hast Du ja bereits erkannt: Es wird nicht besser, nur immer schlimmer.

LG

15.08.2021 16:01 • x 1 #12


Itsmehere


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Du hast sehr viel Ich-Kraft @LittleOwl. Diese Kraft holt dich raus. Kann ich dir versprechen. Schreib dir alles von der Seele. Das hilft ungemein.
Sei lieb gegrüßt!

15.08.2021 20:16 • x 1 #13


LittleOwl

LittleOwl


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Ihr Lieben, vielen Dank für eure lieben Worte.

Sonntag Abend

Während du jetzt also mit deinen Freunden beim Grillen sitzt und hoffentlich viel Spass hast, bin ich mittlerweile wieder zu Hause angekommen. Ich habe eine Stunde bei Herrn Schmidt gesessen und ihm aus meinem und unserem Leben erzählt. Wie wir uns kennenlernten, wie ich aufgewachsen bin und was zwischen uns so alles passiert ist. Mittlerweile kennen wir uns fast 25 Jahre, ist das nicht verrückt?

Natürlich konntest du es nicht lassen mich heute im Laufe des Tages noch anzuschreiben und zu fragen, ob ich wirklich nicht mit will? Und dann kam ein Foto von der Lütten, der Tochter deines Freundes. Und ein Gruss. Ich könnte wetten, niemand weiss Bescheid. Vermutlich hast du einfach wieder deinen Ring aufgesetzt und allen erzählt, dass ich krank bin.

Ich bin nicht traurig, dass ich nicht mitgefahren bin. Ich will mit dir momentan weder in einem Auto noch an einem Tisch sitzen. Das reicht, dass ich noch Sachen aus unserer gemeinsamen Wohnung holen muss. Obwohl... Alles Wichtige habe ich hier. Sich zu erneuern ist manchmal auch nicht schlecht.

Du nimmst weder mich noch die Trennung ernst. Deine Nachrichten sind gespickt mit lachenden und Zwinkersmileys, schön dass du zu lachen hast. Weisst du, Karma f*ckt jeden, da brauche ich gar nichts unternehmen. Ich hasse dich nicht, ich will dir nicht schaden. Ich werfe dich einfach nur aus meinem Leben und das ist Strafe genug.

Klar weine ich viel, ich habe Angst vor der Zukunft weil ich keine Ahnung habe, was morgen passiert. Aber ich bin abgesichert, ich habe einen Job, eine Wohnung und einige wenige gute Freunde.

Viele Jahre dachte ich beim einschlafen an dich. Jetzt nicht mehr. Ich denke über meine Sorgen nach, ok, vielleicht auch nicht das Beste um ruhig schlafen zu können. Aber ich stelle mir keine Zukunft mehr mit dir vor. Es gibt kein Wir mehr. Es gibt nur noch mich, meine Tochter und meine Freunde.

15.08.2021 20:49 • x 1 #14


LittleOwl

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Gestern kam überraschend meine Tochter zu Besuch , sie ist das erste Mal die Strecke von 240 km ganz alleine mit dem Auto gefahren. Man was hab ich mich gefreut sie zu sehen.

Momentan ist meine Gefühlswelt sehr zwiegespalten. Kopf sagt dass alles richtig ist, Herz sitzt in der Ecke und heult. Ich hab ein mega schlechtes Gewissen, weil ich ihn einfach mit allem habe sitzen lassen, was er mich natürlich auch an jeder Ecke spüren lässt.

Meine Tochter bleibt jetzt noch einige Tage bei mir. Ich versuche mir so wenig wie möglich anmerken zu lassen. Aber innerlich gehe ich auf dem Zahnfleisch.

17.08.2021 12:39 • #15



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