Löwenzeh
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Dass ich dich liebe und doch alles so leid bin, was mich schon immer störte.
Wie sage ich diese vielen kleinen Dinge, die mich einschränken, mir Freude und Motivation rauben.
Manchmal den Schlaf.
Wie sage ich das; ohne mich zu wiederholen; ohne zu verletzen; ohne den Sturm, den meine Unzufriedenheit auslöst?
Wie sage ich dir, was ich alles sehe, ohne dir Unrecht zu tun?
So oft spiegelst du nur meine Unzulänglichkeiten.
Und wir wollen beide nur so verzweifelt geliebt werden und endlich zuhause sein.
Und du bist mein Zuhause.
Deshalb habe ich so große Angst vor der Obdachlosigkeit, wenn ich all diese hässlichen, traurigen Gedanken wälze.
Und doch, all diese Kleinigkeiten, die wieder mal zu einem Berg anwachsen, Stück für Stück und Tag für Tag.
Und pünktlich zum Wochenende hängt der Haussegen schief.
Und ganz subtil hängst du es mir an.
"Was hast du denn schon wieder?"
Weil du ja nur zocken willst, dann ist doch alles gut und warum mach ich nicht einfach mit und sorge für den Spaß, den das Spiel nicht bietet?
Soviele ungreifbare Kleinigkeiten. Die große Hitze und dein vermehrtes Klagen.
Und Zuhause jammere ich mit, es ist so unerträglich heiß. Dann geh ich mit dem Kind raus, allein wie immer, ich frag gar nicht mehr und du sowieso nicht.
Und es ist eigentlich so schön.
Soviel schöner als daheim.
Und ich würde so gerne Kind und Kegel packen und einen Ausflug machen.
Aber ich frag gar nicht erst. Du machst keinen Ausflug.
Reißt immer nur in spontaner Panik die Augen auf und ich . mag diesen Blick nicht. Und dass ich nicht mehr fragen mag.
Das ist traurig und erbärmlich.
Dass ich mich damit abfinde.
Kleine Gedankenspitzen hier und da.
Dreimal erinnere ich dich, meine Mutter kommt am Freitag. Du denkst immer an alles, aber dreimal überrascht. Die ganze Woche.
Ich sage, ich will das gerne, ich freue mich. Und Donnerstag kommst du heim, bist psychisch fertig. Aber weinen tust du selten und ich liebe dich. Du sollst nicht weinen. Und ich weiß an diesem Donnerstagmorgen schon, dass ich Mama am Freitag absagen werde.
Zufällig kommt das Gespräch schon zehn Minuten nach deiner Heimkehr darauf.
Natürlich sag ich Mama ab. Hab keine Angst, ich sperre die Welt für dich aus.
Dabei verzehrt es mich. Ich will in die Welt! Raus! Komm mit!
Aber ich bin die Absagen so leid.
Im Sommer ist es schlimmer.
Im Winter bin ich viel lieber mit dir daheim.
Aber du kennst dieses Auf- und Abwallen nicht. Du hast das nicht und ich quäle dich damit. Mit meinem quecksilbrigen Temperament.
Und du quälst mich damit, nicht Mitzuwallen. Nie. So starr zu sein und mich zu fragen, was mein Problem sei.
Weil ich manchmal gerne was anderes machen würde.
So selten, jeder wäre froh drum.
Für dich immer noch zuviel.
Ich bin zuviel.
Dann noch deine Mutter, die uns behelligt, mit ihren Enkelansprüchen drangsaliert. Meiner gerade abgesagt, mal wieder. Soviel öfter als deiner, dabei kommt deine Bagage im Zwei-Wochentakt - meine halbseitig gelähmte Mutter nur alle paar Monate.
Und dieser eine abgesagte Termin holt altes, vergessen Geglaubtes hervor.
Die paar Freundinnenbesuche, die zur Hälfte abgesagt wurden, weil wir kurz zuvor gestritten haben.
Tage vorher schon die Vorfreude zermürben mit ständigem "Wir müssen putzen".
Wie es sich subtil aufbaut.
Der Geburtstag unseres Sohnes.
Sein erster.
Du bliebst daheim, liest mich allein deine und meine Familie treffen.
Hast du dich dafür je entschuldigt?
So oft vermisse ich die Entschuldigung.
Heute schlägst du meine guten Argumente tot, überspitzt wie immer.
Ich wäre seit fünf Jahren mies drauf und würde dir nach zwei Tagen Vorwürfe machen.
Und es ging doch darum, dass ich darauf wartete, ALLEIN, trotz geäußertem Wunsch nach Begleitung, mit dem Kind ins Freibad zu gehen - und du so dreist bist, mich um einkaufen gehen und Kippen holen zu bitten. Erneut, nach dem ersten Nein.
Wie immer.
Bei Mama gelernt, man muss nur oft genug fragen.
Und ich muss lernen, ein Nein zu geben und dann nichts mehr.
Wie sage ich dir, wie sehr dieser läppische Spruch, diese dumme Lüge mich an uns zweifeln lässt?
An dir. An mir. Allem.
Wie durchbrechen wir all diese Muster?
Wenn ich nicht mehr reden mag.
Angst vor dem Gegenwind habe.
Auch vor unschönen Selbsterkenntnissen.
Wie sage ich irgendwas, ohne dir einfach nur die Schuld für meine Defizite zuzuschieben.
Und wozu sage ich irgendwas, wenn ich nur fürchte, in Tränen zu zerfließen.
Und doch bringt Reden uns voran.
Ich finde es unendlich schwer.
Soviele Worte in mir.
Und alles was ich über meine Lippen brachte war:
Ich würde gerne Zeit mit dir verbringen - ohne Computer.
Du sagtest, kriegen wir hin.
Und das wird das letzte sein, was du dazu sagst, wenn ich nicht wieder bohren komme, um vertröstet zu werden.
Warum sollte ich.
Und dann bin ich bindungsmeidend kalt und fühle mich so angekettet.
Und du hast Angst und wirst ganz sanft.
Dann gibst du auf und erwidert meine Kälte. Bis ich komme, weil ich wieder eins sein will.
So oft schon, dass ich längst die Muster sehe - und trotzdem bin ich drin verstrickt.
Wie sage ich dir alles was ich sehe, wenn ich dich nicht verletzen will?
Und warum scheint mir so oft, du willst mich verletzen?
Geht es dir mit mir genauso?
Und warum können wir dieses Gespräch nicht führen, wo wir sonst so gut reden können?